Gebietsfremde Arten

Gebietsfremde Pflanzen und Tiere können Schäden anrichten. Koordinierte Massnahmen sollen Mensch, Tiere, Umwelt, die landwirtschaftliche Produktion und die Biodiversität vor Schäden bewahren.

Inhaltsverzeichnis

Neobiota

Als gebietsfremde Arten (Neobiota) werden Pflanzen (Neophyten) und Tiere (Neozoen) bezeichnet, die nach der Entdeckung Amerikas beabsichtigt oder unbeabsichtigt nach Europa eingebracht wurden. Natürlicherweise (ohne die Hilfe des Menschen) würden sie hier nicht vorkommen. Die meisten dieser Arten sind bei uns nicht überlebensfähig, da sie nicht an unsere Umweltbedingungen angepasst sind.

Einige aber finden bei uns optimale Lebensbedingungen und breiten sich stark aus: Sie werden invasiv und werden zum Problem. Durch invasive gebietsfremde Pflanzen und Tiere verursachte Schäden sind:

  • Gesundheitliche Schäden bei Mensch und Tier (z.B. Ambrosia, Riesenbärenklau, Greiskraut, Krebspest)
  • Verdrängung einheimischer Arten und daher Bedrohung der Biodiversität (alle Neophyten)
  • Ertragsausfälle in Land- und Forstwirtschaft (Ambrosia, Erdmandelgras, Kirschessigfliege, Laubholzbockkäfer)
  • Schäden an Bauwerken, Uferbefestigungen und Infrastrukturanlagen (z.B. Japanknöterich, gebietsfremde Muscheln)

Schäden durch invasive gebietsfremde Arten an wichtigen Schutzgütern wie Gesundheit von Mensch und Tier, Biodiversität, Land- oder Forstwirtschaft sollen im Kanton Zürich möglichst minimiert werden. Dieses Ziel kann nur mit einem koordinierten Vorgehen aller Akteure erreicht werden.

Invasive Neobiota der Schweiz

In der Publikation vom Bundesamt für Umwelt (BAFU) findet man die aktuellen Listen der invasiven gebietsfremden Arten der Schweiz. Die Neophyten-Listen darin lösen die ehemals Schwarze Liste und Watch List von Info Flora ab.

Neophyten

Warum werden gewisse Arten invasiv?

Es gibt verschiedene Gründe, warum sich einige Neophyten fast ungebremst ausbreiten:

  • Die Art vermehrt sich schnell und wächst in hohem Tempo.
  • Landnutzungsänderungen (v.a. Brachflächen, Kahlschläge, Wegränder) kreieren offene Besiedlungsmöglichkeiten ohne viel einheimische Konkurrenz.
  • Es fehlen natürliche Feinde, welche sie an ihrem natürlichen Ursprungsort eingrenzen. Zum Beispiel Insekten, Nematoden, Pilze, Bakterien (welche meist nicht ebenfalls vom Menschen mit eingeführt werden).
  • Einige Neophyten sind in der Lage, das Ökosystem chemisch zu verändern, durch Abgabe von Stoffen, welche andere Arten (ihre natürlichen Konkurrenten) hemmen (zum Beispiel Robinie oder Springkraut).
  • Rasche Umweltänderungen (wie Klimawandel) können zur Folge haben, dass Neophyten plötzlich besser angepasst sind, als die einheimischen Arten. Es gäbe zwar Arten aus der näheren Umgebung, welche mit diesen neuen Bedingungen auch gut zurechtkämen und natürlicherweise einwandern würden (als Klimafolger), aber noch nicht vor Ort sind. Sie müssen zuerst hierhin gelangen können und das dauert Jahrzehnte bis Jahrhunderte.

Welches sind die relevanten Arten im Kanton?

Folgende Übersicht listet die für den Kanton Zürich relevanten invasiven Neophyten mit den artspezifischen Hinweisen (Melde- und Bekämpfungspflicht, ob Boden mit diesen Neophyten als biologisch belastet gilt).

Übersicht mit Icons
Relevante Neophyten des Kantons Zürich mit artspezifischen Hinweisen. Quelle: Baudirektion Kanton Zürich Bild «Übersicht mit Icons» herunterladen

Frühwarnliste

Zusätzlich zu den oben aufgeführten Arten sind die Arten der Frühwarnliste des Kantons Zürich relevant. Diese Arten stehen auf den Listen des BAFU und kommen im Kanton Zürich bereits vor, aber erst sehr selten oder sie stehen auf keiner Liste und wurden in der Praxis gemeldet, weil sie negativ aufgefallen sind. Eine sofortige Bekämpfung dieser Arten ist empfohlen.

Praxishilfe Kanton Zürich

In der Praxishilfe finden Sie alle relevanten Informationen für die Praxis: Eine Einführung ins Thema, detaillierte und reichlich bebilderte Artenportraits der oben aufgeführten Arten, Merkmalsbeschreibungen und Bekämpfungsempfehlungen.

Exotische Pflanzen im Garten - was tun?

Wichtige invasive Neophyten kurz vorgestellt

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Die Pollen von Ambrosia können heftige Allergien auslösen, welche zu Atemnot oder Asthmaanfällen führen.

Ambrosia ist in der ganzen Schweiz melde- und bekämpfungspflichtig.

Bei Berührungen mit dem Riesenbärenklau können unter Einwirkung von Sonnenlicht sehr schmerzhafte Hautverbrennungen entstehen. Er bildet dichte Bestände und verdrängt einheimische Arten.

Im Kanton Zürich ist er bekämpfungspflichtig.

Das Schmalblättrige Greiskraut breitet sich entlang von Strassen und auf kargen Böden stark aus. Es enthält Stoffe, welche für Mensch und Tier giftig sein können, wenn sie in Nahrungsmittel gelangen. 

Das Schmalblättrige Greiskraut ist im Kanton Zürich bekämpfungspflichtig.

Der Japanknöterich bildet dichte, zähe Monokulturen und verdrängt somit die einheimische Vegetation. An Bauten und Infrastrukturanlagen kann er Schäden verursachen, indem er durch das Material wächst. Dichte Bestände am Ufer führen zu einer erhöhten Ufererosion.

Der Essigbaum bildet dichte und schwer entfernbare Bestände und verdrängt somit die einheimische Vegetation. Kontakt mit dem Pflanzensaft kann zu allergischen Reaktionen führen. 

Amerikanische Goldruten bilden dichte und zähe Monokulturen und verdrängen so schützenswerte Arten, vorallem in Naturschutzgebieten. 

Durch das Drüsige Springkraut werden dichte Bestände gebildet und die einheimische Vegetation verdrängt. Entlang von Flussufern kann es zu Erosionen führen.

Der Götterbaum ist sehr schnellwüchsig und verdrängt durch starke Vermehrung die einheimische Vegetation. Durch den schnellen Aufwuchs behindert er die Waldverjüngung und kann Schäden an Bauten verursachen.

Der Schmetterlingsstrauch kann sich über sehr weite Strecken ausbreiten und bildet dichte Bestände entlang von Flüssen, Wäldern und ökologisch wertvollen Trockenstandorten. 

Vorallem in Wäldern wuchert Henrys Geissblatt besonders stark und belastet dadurch Bäume. Es hemmt den Unterwuchs durch zusätzliche Beschattung.

Henrys Geissblatt überwuchert eine Waldfläche
Henrys Geissblatt überwuchert eine Waldfläche

Das Einjährige Berufkraut besiedelt zunehmend Magerwiesen, Buntbrachen und Weiden und verdrängt dort die wertvolle, standorttypische Vegetation.

Die Beeren des Kirschlorbeers werden von Vögeln gefressen und die Samen im Wald verbreitet. Dort bildet er lokal dichte Bestände und stört den Unterwuchs sowie die Waldverjüngung.

Hinweiskarte Neophyten

Die Hinweiskarte Neophytenverbreitung zeigt Beobachtungen von invasiven Neophyten. Die Karte ist nicht vollständig. Bei Bauvorhaben müssen deshalb eigene Abklärungen vor Ort durchgeführt werden.

Die Erhebungen erfolgen primär durch die Unterhaltsdienste der Gemeinden und des Kantons (Tiefbauamt, Gewässer, Naturschutz, Wald usw.) oder durch beauftragte Büros.

Die Beobachtungen können online auf dem GIS-Browser des Kantons oder mit einer App erfasst werden. Um Erfassungen vornehmen zu können, ist eine Registrierung notwendig.

Video 1 zur Erfassung von invasiven Neophyten auf dem GIS-Browser
Video 1 zur Erfassung von invasiven Neophyten im GIS-Browser
Video 2 zur Erfassung von invasiven Neophyten auf dem GIS-Browser
Video 2 zur Erfassung von invasiven Neophyten im GIS-Browser
Video 3 zur Erfassung von invasiven Neophyten auf dem GIS-Browser
Video 3 zur Erfassung von invasiven Neophyten im GIS-Browser
Video zur Erfassung von invasiven Neophyten mit der Neophyten App (GIS SHedit)
Video zur Erfassung von invasiven Neophyten mit der NeophytenApp (GIS SHedit)

Neozoen

Gebietsfremde Tiere machen uns bisher hauptsächlich als Schädlinge, als Überträger von Krankheiten oder im Wasser zu schaffen. Vor allem Insekten wie Käfer, Ameisen, Mücken oder Fliegen werden oft als blinde Passagiere mit dem weltweiten Handel verbreitet. Können sie in unserem Klima überleben und sich ausbreiten, drohen grosse Schäden. Beispiele dafür sind die Kirschessigfliege, der Asiatische Laubholzbockkäfer oder invasive Ameisenarten. In Zukunft werden wir im Kanton Zürich vermehrt auch mit invasiven Mücken zu kämpfen haben. Diese können im schlimmsten Fall tropische Krankheiten übertragen. Ein Beispiel dazu ist die Tigermücke.

Für unsere Gewässer sind invasive Fischarten, Muscheln, Krebse und Kleinlebewesen ein grosses Problem. Auch Krankheiten, die mit invasiven Tieren eingeschleppt werden, können grosse Schäden verursachen. So sind viele einheimische Krebspopulationen durch die Krebspest, welche mit invasiven Krebsen aus Nordamerika (z.B. Signalkrebs) eingeschleppt wurde, ausgelöscht worden.

Eingeschleppte Schwarzmeergrundeln beispielsweise können einheimische Fischarten verdrängen, während Trinkwasserleitungen oder Bootsmotoren durch invasive Muschelarten verstopft werden können. Das Hauptproblem bei allen im Wasser lebenden invasiven Tieren ist die Tatsache, dass es kaum Bekämpfungsmöglichkeiten gibt. Daher ist die Prävention besonders wichtig.

Ausgesetzte Haustiere

Ebenfalls problematisch sind ausgesetzte Tiere, beispielsweise Schildkröten oder andere Aquarienbewohner. Viele der ausgesetzten Haustiere überleben den Winter nicht, doch einige können sich vermehren und so die einheimische Artenvielfalt bedrohen. Ein Beispiel ist die Rotwangenschmuckschildkröte, die sich als Jungtier von Amphibienlaich ernährt und dadurch Populationen bedroht.

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Quaggamuscheln
Quagga- oder Zebramuscheln vermehren sich stark und können durch massenhaftes Auftreten Leitungen verstopfen und Infrastrukturen überwachsen. An Badestränden besteht die Gefahr, dass sich Personen an den scharfkantigen Schalen verletzen. Quelle: L. Haltiner, Eawag
Quagga-Dreikantmuschel
Quagga-Dreikantmuschel Quelle: Patrick Steinmann
Körbchenmuscheln
Die Körbchenmuschel verdrängt einheimische Muscheln und verändert die Bodenbeschaffenheit von Gewässern. Ihre Larven können in Filter gelangen und heranwachsende Muscheln diesen verstopfen. Quelle: Patrick Steinmann
Signalkrebs
Signalkrebs Quelle: Andreas Hertig
Rotwangenschmuckschildkröte
Amerikanische Schmuckschildkröten, insbesondere Jungtiere fressen mit grossem Appetit Amphibien, Insekten und Fische sowie die Eier von bodenbrütenden Vogelarten. Sie nutzen die gleichen Lebensräume wie die einheimische Sumpfschildkröte und verdrängen diese dadurch. Quelle: Stefan Kundert
Schwarzmundgrundel
In Gebieten, in denen Schwarzmeergrundeln invasiv auftreten, leidet die Fischfauna durch Konkurrenz um Lebensraum, Laichplätze und Nahrung. Die Grundeln vertilgen zusätzlich Eier und Jungfische anderer Arten. Quelle: Kuno von Wattenwyl

Plattwurm Obama nungara
Plattwurm Obama nungara Quelle: Sylvain Petie für: Justine, J. L. (2020). Obama nungara, le ver venu d’Argentine qui envahit les jardins français. The Conversation)

Asiatischer Marienkäfer
Der Asiatische Marienkäfer saugt Saft von verletzten Weintrauben und verkriecht sich in diesen. Wenn er in den geernteten Trauben bleibt, kann er den Wein verderben. Er verdrängt die einheimischen Marienkäferarten und kann ab Herbst massenhaft innerhalb von Gebäuden auftreten. Quelle: André Mégroz
Marmorierte Baumwanze
Die Marmorierte Baumwanze saugt Saft von verschiedenen Obstsorten, von Beeren und Reben sowie von Gemüse. Die Enzyme in Ihrem Speichel führen zu einer Verkorkung und Deformation der Frucht, was sie oft ungeniessbar macht.
Vernachlässigte Wegameise
Die vernachlässigte Wegameise bildet enorme Kolonien mit miteinander verbundenen Nestern und kann einheimische Ameisenarten sowie andere Insekten verdrängen. Die Kolonien pflegen grosse Blattlauskulturen und die Ameisen können massenhaft in Gebäuden auftreten und sich einnisten. Quelle: Reiner Pospischil
Tigermücke
Tigermücken sind tagaktiv und sehr stechfreudig. Ihre Stiche sind schmerzhafter als die der einheimischen Stechmücken und können allergische Reaktionen auslösen. In Gebieten mit tropischen bzw. subtropischen Krankheiten (z.B. Chikungunya-, Dengue- oder Zika-Fieber) ist sie ein Überträger. Quelle: Bild für BD zur freien Nutzung, Fotograf angeben

Besteht ein Verdacht auf eine Tigermücke können Sie dies auf der Seite des Schweizerischen Mückennetzwerks abklären lassen. 

Asiatische Buschmücke
Die Asiatische Buschmücke hat sich im Gegensatz zur Tigermücke im Kanton Zürich praktisch schon flächendeckend etabliert. Sie ist wesentlich grösser als die Tigermücke. Quelle: Francis Schaffner

Nilgans
Nilgänse sind während der Brutzeit besonders aggressiv gegenüber anderen Vögeln und können auch Menschen angreifen. Quelle: Mathias Schäf

Grauhörnchen
Das Grauhörnchen überträgt das Parapoxvirus auf das Europäische Eichhörnchen und ist ein Nahrungskonkurrent. Es löst grosse Rindenstücke von Bäumen und richtet so Schaden an Waldbeständen an. Quelle: Sandra Gloor

Hinweiskarte Aquatische Neozoen

Die Karte zeigt Beobachtungen von (invasiven) aquatischen Neozoen sowie ausgehend von diesen Beobachtungen Fliessgewässer bzw. Seen, die (potentiell) mit invasiven aquatischen Neozoen belastet sind.

Die Daten stammen von der Abteilung Gewässerschutz des Amts für Wasser, Abfall, Energie und Luft, von der Abteilung Jagd und Fischerei des Amts für Landschaft und Natur sowie von Info Fauna.

Ziele der Karte

  • Grundlage dafür, dass bei Materialverschiebungen am Gewässer keine Verschleppung von invasiven Neozoen stattfindet
  • Übersicht über Verbreitung der invasiven aquatischen Neozoen
  • Modellierungen

    Für die Modellierung der (potenziell) belasteten Gewässer wurden folgende Annahmen getroffen: Sofern ein Fundort an/in einem Fliessgewässer liegt, soll das Fliessgewässer vom Fundort abwärts bis und mit dem nächsten stehenden Gewässer als potentiell belastet gelten. Sofern ein Fundort eines invasiven aquatischen «Neozos» an/im stehenden Gewässer liegt, soll das gesamte stehende Gewässer sowie das Fliessgewässer unterhalb bis und mit dem nächsten stehenden Gewässer als potentiell belastet gelten.

Ansprechpersonen

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an:

Daniel Fischer

Massnahmenplan, Koordination kantonale Fachstellen, invasive Neophyten im Verkauf

daniel.fischer@bd.zh.ch
+41 43 259 39 03

Alexandra Kissling

Unterstützung Gemeinden, aquatische Neobiota

alexandra.kissling@bd.zh.ch
+41 43 259 32 06

Kathrin Fischer

Neophyten und Bauen, Hinweiskarte Neophytenverbreitung, Schmalblättriges Greiskraut

kathrin.fischer@bd.zh.ch
+41 43 259 39 15

Barbara Wiesendanger

invasive gebietsfremde Mücken, invasive gebietsfremde Ameisen

barbara.wiesendanger@bd.zh.ch
+41 43 259 39 17

Weiterführende Informationen

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Kontakt

Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft - Sektion Biosicherheit

Adresse

Walcheplatz 2
8090 Zürich
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Telefon

+41 43 259 32 60

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7.30 bis 12.00 Uhr und
13.30 bis 16.00 Uhr

E-Mail

neobiota@bd.zh.ch

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