Geschichte der Zürcher Seidenindustrie erforschen

20.06.2013 - Medienmitteilung

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Die Seidenindustrie war um 1900 der bedeutendste Wirtschaftszweig des Kantons Zürich. Ihre Geschichte ist bisher aber kaum erforscht. Die Zürcherische Seidenindustrie-Gesellschaft will diese Lücke jetzt zusammen mit dem Zürcher Staatsarchiv und dem Schweizerischen Nationalmuseum schliessen. Der Regierungsrat beantragt dem Kantonsrat, das Vorhaben mit maximal 2,83 Millionen Franken aus dem Lotteriefonds zu unterstützen.

Im 19. Jahrhundert war Zürich eines der wichtigsten Zentren der europäischen Seidenproduktion. Die zahlreichen Seidenunternehmen unterhielten zum Teil Verkaufsbüros in New York und St. Petersburg und boten im Kanton Zürich bis zu 50‘000 Personen Arbeit. Ihr Niedergang setzte ein nach der Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929 und endgültig nach der Ölkrise von 1973.

Erstaunlicherweise ist die Geschichte der Zürcher Seidenindustrie insgesamt wenig erforscht. Das mag daran liegen, dass die Archive der Zürcher Seidenfirmen mehrheitlich noch unerschlossen sind und an den ursprünglichen Firmenstandorten liegen.

Die Zürcherische Seidenindustrie-Gesellschaft (ZSIG) will die Geschichte ihrer Branche jetzt in Zusammenarbeit mit dem Staatsarchiv des Kantons Zürich und dem Schweizerischen Nationalmuseum (Landesmuseum) aufarbeiten. Die ZSIG hat schon verschiedene Vorarbeiten in diese Richtung geleistet und finanziert. Die jetzt geplante Aufarbeitung verfolgt zwei Ziele: Erstens sollen die Bestände der Zürcher Seidenindustrie langfristig gesichert werden. Dabei sollen die textilen Archivteile ins Sammlungszentrum des Nationalmuseums in Affoltern am Albis, die schriftlichen Unterlagen ins Zürcher Staatsarchiv gebracht werden. In einem zweiten Schritt geht es darum, die Bestände wissenschaftlich zu erforschen. Am Ende sollen unter anderem eine Designdatenbank zugunsten von zeitgenössischen Designerinnen und Designern und ein Buch stehen, das einem breiten Publikum die Zürcher Seidenkultur näher bringt.

Die private ZSIG hat in Vorarbeiten bereits 2,25 Millionen Franken investiert. Die anstehenden Projektkosten betragen voraussichtlich 4,15 Millionen Franken. Davon übernimmt die ZSIG fast 1,3 Millionen Franken. Der Kanton Zürich soll sich mit einem Beitrag von 2,83 Millionen Franken beteiligen. Zudem wird ein Beitrag der Stadt Zürich erwartet.

Der Regierungsrat beantragt dem Kantonsrat, den genannten Betrag als Kostendach zulasten des Lotteriefonds zu bewilligen. Die Arbeit bildet nach Ansicht des Regierungsrates die Chance, die Seidenindustrie als zentralen Bestandteil des kulturellen Erbes des Kantons Zürich besser im kollektiven Gedächtnis zu verankern. Das Vorhaben ist ausserdem gut dokumentiert, solid abgestützt, gut organisiert und mit ausgezeichneten Fachleuten besetzt.

(Medienmitteilung des Regierungsrates)

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