Arbeits- und Ruhezeiten

Das wesentliche Ziel des Arbeitsgesetzes ist der Gesundheitsschutz der Arbeitnehmenden. Ein wichtiger Aspekt hierbei sind die Arbeitszeitregelungen. Die Einhaltung der Arbeits- und Ruhezeiten spielen eine wichtige Rolle für die physische und psychische Gesundheit.

Inhaltsverzeichnis

Höchstarbeitszeit

Für Arbeitnehmende in industriellen Betrieben, für Büropersonal, für Arbeitnehmende mit büroähnlichen Tätigkeiten oder für technische Angestellte gilt eine Höchstarbeitszeit von maximal 45 Stunden pro Woche, die gearbeitet werden kann. Pro Kalenderjahr sind maximal 170 Stunden Überzeit möglich.

Für alle übrigen Arbeitnehmenden (vorwiegend manuelle Tätigkeiten, z.B. Detailhandel) gilt eine Höchstarbeitszeit von maximal 50 Stunden pro Woche, die gearbeitet werden kann.  Pro Kalenderjahr sind maximal 140 Stunden Überzeit möglich.

Geltungsbereiche

Tägliche Ruhezeiten

Als Ruhezeit gilt der Aufenthalt ausserhalb des Betriebes sowie der Weg von und zu der Arbeit. Muss ausserhalb des Betriebes (z.B. externe Montage) gearbeitet werden und wird dadurch der Arbeitsweg länger, gilt der zusätzliche Weg als Arbeitszeit.

Zwischen zwei Arbeitstagen ist eine Ruhezeit von mindestens 11 Stunden zu gewähren. Einmal pro Woche darf die Ruhezeit auf 8 Stunden verkürzt werden (sofern die 11 Stunden im Durchschnitt von 2 Wochen eingehalten werden).

Pausen

Pausen sind Arbeitsunterbrechungen zur Erholung, Ernährung und Freizeit. Der Arbeitsort darf verlassen werden. Pausen müssen um die Mitte der Arbeitszeit gewährt werden. Pausen von mehr als einer halben Stunde dürfen aufgeteilt werden. Die Hauptpause um die Mitte der Arbeitszeit muss mindestens 1/2 Stunde dauern.

Werktage und Sonntage

Montag bis Samstag gelten als Werktage. Der Sonntag ist grundsätzlich arbeitsfrei, d.h. Sonntagsarbeit ist bewilligungspflichtig.

Tages- und Abendarbeit

Tages- und Abendarbeit ist bewilligungsfrei. Mit Einverständnis der Arbeitnehmenden kann der betriebliche Tages- und Abendzeitraum (6 Uhr bis 23 Uhr; 17 Stunden) um bis zu 1 Stunde vor- oder nachverschoben werden. Die Tages- und Abendarbeit der Arbeitnehmenden muss mit Einschluss der Pausen innerhalb von 14 Stunden liegen (maximal 12,5 Stunden effektive Arbeit).

Nachtarbeit

Nachtarbeit ist bewilligungspflichtig. Der Nachtzeitraum dauert immer 7 Stunden. Fällt die Arbeitszeit in den Nachtzeitraum, so dürfen Arbeitnehmende maximal 9 Stunden im Zeitraum von 10 Stunden arbeiten (Überzeit ist verboten).

Überstunden und Überzeit

Arbeitnehmende sind zu Mehrarbeit verpflichtet, wenn diese notwendig und zumutbar ist, Arbeitnehmende nicht physisch und psychisch überfordern und die Arbeits- und Ruhezeiten eingehalten werden. Bei einer Überschreitung der vertraglich festgelegten Normalarbeitszeit bis zur wöchentlichen Höchstarbeitszeit (je nach Branche 45 bis 50 Stunden) spricht man von Überstunden. Von Überzeit wird dann gesprochen, wenn die wöchentliche gesetzliche Höchstarbeitszeit überschritten wird.

Arbeitszeiterfassung

Arbeits- und Ruhezeiten (inkl. Pausen) müssen grundsätzlich systematisch erfasst werden. Diese Aufzeichnungen sind für mindestens 5 Jahre aufzubewahren. Unter eng definierten Bedingungen besteht die Möglichkeit, für gewisse Arbeitnehmende eine vereinfachte Arbeitszeiterfassung einzuführen oder gänzlich auf die Erfassung zu verzichten.

Erteilung von Bewilligungen

Vorübergehende Bewilligungen (bis max. 3 Monate) erteilt der Kanton, dauernde Bewilligungen (z.B. mehrere Jahre) der Bund (Seco).

Bewilligungen

Nacht- und Sonntagsarbeit sind grundsätzlich bewilligungspflichtig. Zwingende Nacht- und/oder Sonntagsarbeit in Betrieben, z.B. Kraftwerke, Kioske, Bäckereien, Campingplätze, Fernsehen etc., werden in der Verordnung 2 zum Arbeitsgesetz definiert und benötigen keine behördliche Bewilligung.

Arbeitszeitgesuche

Folgende Punkte gilt es bei der Einreichung von Arbeitszeitgesuchen zu beachten:

Kriterien

  1. Nachtarbeit ist vorübergehend, wenn sie bei sporadisch oder periodisch wiederkehrenden Einsätzen nicht mehr als 3 Monate pro Betrieb und Kalenderjahr umfasst, oder bei zeitlich befristeten Einsätzen von bis zu 6 Monaten einen einmaligen Charakter aufweist.
  2. Vorübergehende Nachtarbeit (zwischen 23 Uhr und 6 Uhr) wird bewilligt, sofern ein dringendes Bedürfnis nachgewiesen wird. Ein dringendes Bedürfnis (Art. 27 Abs. 1 ArGV 1) liegt vor, wenn die Arbeiten: Kurzfristig anfallen, zeitlich nicht aufschiebbar sind und weder mit planerischen Mitteln noch mit organisatorischen Massnahmen am Tag und während der Werktage bewältigt werden können. Aus Gründen der öffentlichen Sicherheit nur in der Nacht oder am Sonntag erledigt werden können. Wenn es sich um ein kulturelles, gesellschaftliches oder sportliches Ereignis in Abhängigkeit von den örtlichen Verhältnissen und Gebräuchen handelt, welches zeitlich begrenzte Arbeitseinsätze in der Nacht oder am Sonntag erfordert.
  3. Sonntagsarbeit ist vorübergehend, wenn sie bei sporadisch vorkommenden Einsätzen nicht mehr als 6 Sonntage, gesetzliche Feiertage inbegriffen, pro Betrieb und Kalenderjahr umfasst; oder bei zeitlich befristeten Einsätzen von bis zu 3 Monaten einen einmaligen Charakter aufweist.
  4. Dauernd und regelmässig wiederkehrend ist Nacht- und Sonntagsarbeit, wenn diese die oben genannten Bedingungen in Bezug auf Anzahl und Zeitraum überschreitet, aus technischen oder wirtschaftlichen Gründen unentbehrlich ist oder einem besonderen Konsumbedürfnis unterliegt. Für diese Bewilligungen ist das Staatssekretariat für Wirtschaft SECO zuständig.
  5. Der Arbeitgeber oder die Arbeitgeberin darf die Arbeitnehmenden ohne deren Einverständnis nicht zu Nacht- oder Sonntagsarbeit heranziehen.
  6. Nachts und sonntags darf keine Überzeitarbeit geleistet werden.
  7. Den Arbeitnehmenden, welche vorübergehend Nachtarbeit verrichten (bis 25 Nächte pro Jahr), hat der Arbeitgeber oder die Arbeitgeberin einen Lohnzuschlag von mindestens 25 Prozent zu bezahlen. Bei vorübergehender Sonntagsarbeit ist ein Lohnzuschlag von mindestens 50 Prozent zu bezahlen.
  8. Die tägliche Arbeitszeit darf bei Nachtarbeit 9 Stunden nicht überschreiten und muss mit Einschluss der Pausen innerhalb eines Zeitraumes von 10 Stunden liegen.
  9. Den Arbeitnehmenden ist eine tägliche Ruhezeit von mindestens 11 aufeinanderfolgenden Stunden zu gewähren.
  10. Innert zweier Wochen muss wenigstens einmal ein ganzer Sonntag als wöchentlicher Ruhetag unmittelbar vor oder nach der täglichen Ruhezeit freigegeben werden (total 35 Stunden).
  11. Muss am Sonntag gearbeitet werden, dürfen die Arbeitnehmenden nicht mehr als an 6 aufeinanderfolgenden Tagen beschäftigt werden.
  12. Sonntagsarbeit von einer Dauer bis zu 5 Stunden ist innert 4 Wochen durch Freizeit auszugleichen. Dauert sie länger als 5 Stunden, so ist während der vorhergehenden oder nachfolgenden Woche ein Ersatzruhetag zu gewähren. Der Ersatzruhetag muss zusammen mit der täglichen Ruhezeit 35 aufeinanderfolgende Stunden aufweisen; er hat in jedem Fall die Zeit von 6 Uhr bis 20 Uhr zu umfassen. Der Ersatzruhetag darf nicht auf einen Tag fallen, an dem die Arbeitnehmenden überlicherweise einen Ruhe- oder Freitag beziehen.
  13. In Wochen, in denen ein gesetzlicher Feiertag auf einen Werktag fällt, an dem die Arbeitnehmenden zu arbeiten haben, wird die wöchentliche Höchstarbeitszeit anteilsmässig verkürzt. Wird an diesem Feiertag gearbeitet, ist die anteilmässige Verkürzung in der Woche anzurechnen, in der die Ersatzruhe für den Feiertag gewährt wird.

Kontakt

Amt für Wirtschaft und Arbeit – Arbeitsbedingungen, Arbeitsinspektorat

Adresse

Neumühlequai 10
8090 Zürich
Route anzeigen

Telefon

+41 43 259 91 00


Montag bis Freitag
8 bis 12 Uhr und
13 bis 16 Uhr

Für dieses Thema zuständig: