Illegale Auslandadoptionen: Zürcher Anlaufstellen für Herkunftssuche

30.06.2020 - Medienmitteilung

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Von den 1970er- bis in die 1990er-Jahre wurden Tausende von Kindern aus Sri Lanka illegal oder unter zweifelhaften Bedingungen zur Adoption nach Europa vermittelt, auch in die Schweiz. Für viele der betroffenen Adoptivkinder, auch aus anderen Ländern, gestaltet sich die Herkunftssuche äusserst schwierig. Im Kanton Zürich gibt es dafür zwei Anlaufstellen: die Zentralbehörde Adoption des Amts für Jugend und Berufsberatung und das Staatsarchiv.

Eine im Auftrag des Bundes erarbeitete Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW untersuchte die illegalen Fälle von Adoptionen aus Sri Lanka. Der Bericht beleuchtet exemplarisch Adoptionen von Kindern aus Sri Lanka durch Eltern in St. Gallen, Bern und Genf, vermittelt durch Privatpersonen oder -institutionen. Es ist davon auszugehen, dass Kinder auf diesem Weg auch in den Kanton Zürich vermittelt wurden. Aufgrund der Bevölkerungszahlen ist Zürich der von der Frage der Auslandadoptionen am stärksten betroffene Kanton der Schweiz: Jede fünfte Auslandadoption im fraglichen Zeitraum fällt unter dessen Zuständigkeit.

Die Studie zeigt, dass die Schweizer Behörden spätestens seit Ende 1981 Kenntnis davon hatten, dass es bei Adoptionen von Kindern aus Sri Lanka zu Unregelmässigkeiten und zu Fällen von Kinderhandel kam, und auch in der Schweiz teilweise systematisch widerrechtlich gehandelt wurde. Umgekehrt gab es schon früh schweizerische Beamte, die auf den Kinderhandel aufmerksam machten und sich dagegen einsetzten.

Für viele der Betroffenen ist es heute sehr schwierig, nach ihren Wurzeln zu suchen. Die Unterlagen dieser Kinder wurden nicht selten mit falschen Angaben versehen oder sind nicht mehr auffindbar. Die Identität der leiblichen Mütter wurde in manchen Fällen verschleiert oder gefälscht.

Kanton unterstützt bei Herkunftssuche

Der Kanton Zürich will die betroffenen Adoptivkinder bei der Ermittlung ihrer Herkunft unterstützen. Es existieren dafür zwei Anlaufstellen: Für im Kanton wohnhafte Betroffene ist primär die Zentralbehörde Adoption beim Amt für Jugend und Berufsberatung der Bildungsdirektion zuständig. Sie begleitet Betroffene individuell und nach Bedarf bei der Recherche, Akteneinsicht und Herkunftssuche.

Betroffene können sich aber auch ans Staatsarchiv wenden. Es unterstützt bei der Suche nach Unterlagen schweizerischer Behörden und privater Institutionen und gewährt Zugang zu relevanten Dokumenten.

Die beiden Anlaufstellen arbeiten in bei der Herkunftssuche zusammen und verrechnen für ihre Unterstützungsleistungen keine Kosten.

Neben der direkten Unterstützung von betroffenen Personen bei der Wurzelsuche prüft die Direktion der Justiz und des Innern zurzeit, in welcher Form sie die Adoptionen im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts untersuchen lassen will. Eine allfällige Untersuchung würde sich nicht auf Sri Lanka beschränken, sondern weitere wichtige Herkunftsländer von Adoptivkindern und die Schweiz selbst einbeziehen.

Die Verfügbarkeit von relevanten Dokumenten ist für die Betroffenen bei der Klärung der Umstände ihrer Adoption zentral. Im Staatsarchiv befinden sich (neben den historischen Unterlagen der zuständigen Behörden) folgende Aktenbestände privater Provenienz mit zum Teil umfangreichen Serien von Adoptionsdossiers:

  • Verein Schweizerische Private Mütterberatung und Adoptivkinder-Vermittlung VSMA, Rapperswil, 1953 bis 2015 (zur Suche)
  • Schweizerische Fachstelle für Adoption SFA, Zürich, 1974 bis 2018 (zur Suche)
  • Beratungsstelle für Adoption des Schweizerischen Gemeinnützigen Frauenvereins SGF, Zürich, 1922 bis 2015 (zur Suche)

Anlaufstellen für Betroffene auf Herkunftssuche im Kanton Zürich:

  • Amt für Jugend und Berufsberatung, Zentralbehörde Adoption
    Dörflistrasse 120
    Postfach
    8090 Zürich
    +41 43 259 96 60
  • Staatsarchiv des Kantons Zürich
    Winterthurerstrasse 170
    8057 Zürich
    +41 43 258 50 00
    staatsarchivzh@ji.zh.ch

Die Studie der ZHAW sowie weitere Informationen zu illegalen Adoptionen sind ist auf der entsprechenden Website des Bundesamts für Justiz abrufbar.

(Gemeinsame Medienmitteilung der Bildungsdirektion und der Direktion der Justiz und des Innern)

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