Altlasten und belastete Standorte

Orte, wo Abfälle in Boden und Untergrund gelangt sind, belasten bis heute die Umwelt und können eine Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung darstellen. Diese Orte sind im Kataster der belasteten Standorte erfasst. Das AWEL kümmert sich um deren Bearbeitung.

Inhaltsverzeichnis

Altlasten Informations-Veranstaltung 2022


Die diesjährige Altlasten Informations-Veranstaltung findet am Dienstag, 8. November 2022 um 16.00 Uhr im Pfarreizentrum Liebfrauen, Weinbergstrasse 36, 8006 Zürich, statt.

Per- und Polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS)

PFAS sind eine Gruppe synthetischer Chemikalien. Sie werden aufgrund ihrer besonderen Eigenschaften (fett- und wasserabweisend, hohe thermische, chemische und biologische Stabilität, Bildung von benetzenden Filmen) seit den 1950er Jahren in verschiedenen betrieblichen Tätigkeiten sowie Produkten verwendet. In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass PFAS für die altlastenrechtliche Beurteilung von Betriebs- und Ablagerungsstandorten relevant sein können. Sie können leicht in den Untergrund gelangen und zu einer Belastung des Grundwassers führen. Das neue Merkblatt «PFAS-Merkblatt für Altlastenvollzug Kt. Zürich» soll bei der Klärung der Frage helfen, ob ein belasteter Standort auf PFAS untersucht werden muss. 

PFAS-Merkblatt für den Altlastenvollzug Kanton Zürich

PFAS-Merkblatt für den Altlastenvollzug Kanton Zürich
PFAS-Merkblatt für den Altlastenvollzug Kanton Zürich
Herausgeber
AWEL, Sektion Altlasten
Publikationsdatum
Juni 2022
Autor
AWEL, Sektion Altlasten

Belastete Standorte und Altlasten

Belastete Standorte sind Zeugen einer Zeit, in der noch keine umweltverträglichen Wege zur Abfallbeseitigung bekannt waren. Was bei der Erzeugung von Gütern übrig blieb oder in Haushalten als nicht mehr verwertbare Resten anfiel, wurde häufig vergraben oder in offenen Gruben abgelagert. Dies geschah nicht aus Verantwortungslosigkeit oder Nachlässigkeit, sondern weil das Wissen fehlte. Von diesen belasteten Standorten können auch heute noch umweltgefährdende Stoffe in die Umwelt gelangen, die eine Bedrohung für Wasser, Boden und Luft darstellen und beim Menschen akute oder chronische Erkrankungen auslösen können.

Inzwischen sind Jahrzehnte vergangen. Wir wissen mehr, und damit ist uns eine neue Aufgabe erwachsen: Die Altlasten sollen im Rahmen der Nachhaltigkeitsentwicklung von Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft bereinigt werden. Das ist eine Aufgabe, die der Kanton Zürich und seine Bevölkerung übernehmen müssen. Wir tragen die Verantwortung für die kommenden Generationen. Altlasten sollen im Kanton Zürich bald kein Thema mehr sein.

2008 präsentierte das Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL) das kantonale Altlastenprogramm. Dieses zeigt auf, wie die belasteten Standorte nach und nach aufgearbeitet werden. 2020 hat das AWEL einen Zwischenbericht veröffentlicht: Weit mehr als zweihundert Altlasten sind bereits saniert. Damit konnten akute Umwelt­gefährdungen behoben und Rechtssicherheit für die Eigentümer geschaffen werden. Bis der gesamte Sanierungsbedarf bereinigt ist, sind allerdings noch einige Anstrengungen erforderlich.

Kataster der belasteten Standorte

Belastete Standorte und Altlasten sind im Kataster der belasteten Standorte (KbS) erfasst. Dank der heutigen Gesetzgebung, dem Wissen und der Technik sollten – ausser bei Unfällen – keine neuen belasteten Standorte entstehen.

Der Kanton Zürich hat den öffentlich zugänglichen KbS 2011 fertiggestellt und ihn 2019 mit den belasteten Standorten in den Zürcher Seen ergänzt. Die Karte mit den Standorten und weitere Informationen dazu finden Sie im GIS-Browser.

«Im Kataster der belasteten Standorte des Kantons Zürich sind gut 5700 Standorte erfasst. Knapp 2 Prozent der Kantonsfläche sind im KbS eingetragen. Dies entspricht etwa dreimal der Fläche des Greifensees.»

AWEL, Stand Februar 2022

Der KbS zeigt auf, wo Belastungen vorliegen, die altlasten- oder abfallrechtliche Massnahmen erfordern. Die Standorte sind eingeteilt in Ablagerungs-, Betriebs- und Unfallstandorte. Zu jedem Standort gibt der KbS Auskunft darüber,

  • ob von der Belastung schädliche oder lästige Einwirkungen auf die Umwelt ausgehen,
  • welche Untersuchungen bereits durchgeführt wurden, 
  • und ob Massnahmen zum Schutz der Umwelt erforderlich sind.

Der KbS bildet die Grundlage für die heutige Altlastenbearbeitung im Kanton Zürich, für Hand- und Nutzungsänderungen und als Informationsbasis bei Bauvorhaben.

Im Rahmen von Bauvorhaben, bei der altlastenrechtlichen Bearbeitung, durch Meldungen aus der Bevölkerung sowie durch die Übernahme von belasteten Standorten aus den Katastern von Bundesbehörden ergeben sich laufend neue Einträge im kantonalen KbS. Das AWEL löscht aber auch Standorte aus dem KbS, wenn zum Beispiel alle Belastungen vom Standort entfernt wurden oder wenn sich Standorte nach der Untersuchung als nicht belastet erwiesen haben. Das AWEL führt den KbS laufend nach und passt ihn dem momentanen Wissensstand an.

Wenn die Untersuchung eines im KbS eingetragenen Standortes zeigt, dass dieser nicht belastet ist, erstattet das AWEL die Kosten für die notwendigen Untersuchungsmassnahmen zurück.

Verwenden Sie die Akkordeon-Bedienelemente, um die Sichtbarkeit der jeweiligen Panels (unterhalb der Bedienelemente) umzuschalten.

Belastete Standorte in den Zürcher Seen

Nahe am Wasser zu liegen, war für viele Betriebe lange ein wertvoller Standortvorteil. Das Gewässer konnte für Antrieb und Kühlung genutzt werden. Es diente aber auch zur einfachen Entsorgung von Abwässern oder flüssigen Abfällen. Zudem wurde das Siedlungsabwasser der Seekommunen bis in die 1960er Jahre oftmals unbehandelt in die Seen eingeleitet. Dadurch fanden grosse Mengen Schadstoffe, die nicht oder nur schwer abbaubar sind, den Weg in die Seen. Damit hat der Mensch punktuell stark verschmutze Ablagerungen in ufernahen Bereichen verursacht. Zudem lässt sich im See auch eine Hintergrundbelastung feststellen.

Gefährden Altlasten im Zürichsee unser Trinkwasser?

Interview mit Dr. Bettina Flury, Projektleiterin Altlasten

«Keine Sorge, das Trinkwasser aus dem See wird aufbereitet und streng kontrolliert. Aber es ist wichtig, den Zürichsee als Trinkwasserspeicher, als Ökosystem und als Erholungsraum langfristig zu schützen. Deshalb unternimmt der Kanton Zürich grosse Anstrengungen, die Spuren der Vergangenheit am Seegrund zu entfernen.»
 

KbS Seen

Das AWEL hat mit dem Projekt «KbS Seen» die belasteten Standorte in den Zürcher Seen systematisch identifiziert. Vielerort sind in den Seesedimenten Belastungen durch früher eingeleitete Abwässer und Abfälle zu finden. Diese Belastungen liegen jedoch mehrheitlich im tolerierbaren Bereich, welche für den Lebensraum See sowie die badende Bevölkerung keine Gefährdung darstellen. Ebenso kann der Zürichsee ohne Bedenken weiterhin als Trinkwasserreservoir genutzt werden. Nur an wenigen Standorten sind erhöhte Schadstoffkonzentrationen in den Seesedimenten vorhanden. Das AWEL hat insgesamt neun Standorte im Zürichsee und einer im Greifensee identifiziert, die nun im KbS verzeichnet sind. Diese Standorte werden altlastenrechtlich untersucht und wo notwendig auch saniert. Die Sanierung eines Standortes hat das AWEL bereits abgeschlossen, weitere Sanierungen sind in Planung.

Das AWEL hat auch die Umgebung von öffentlichen Seebädern untersucht. Das Ergebnis ist erfreulich: Es sind keine weiteren Massnahmen erforderlich. Für die badende Bevölkerung inklusive Kleinkindern besteht keine Gefährdung.

Sanierung des Seegrunds vor Uetikon

Am Seegrund vor Uetikon liegen auf einer Fläche von rund 75 000 m2 mit Schwermetallen belastete Abfallablagerungen. Bezüglich Trinkwasser und Badequalität ist keine unmittelbare Gefährdung vorhanden. Für die Gewässerökologie stellen die Schadstoffe aber eine Gefährdung dar und müssen daher entfernt werden. Die Sanierung erfolgt durch das AWEL in Zusammenarbeit mit der Zeochem AG (ehemals Chemie UetikonAG).

Im November 2021 startete die Baustelleninstallation mit dem Aufbau der Sediment- und Wasseraufbereitungsanlage. Der Abtrag der belasteten Sedimente erfolgt vom Ponton aus. Ein so genannter Sanierungskasten wird vom Ponton auf den Seegrund abgesenkt. Innerhalb des Kastens werden die Sedimente mit einer Pumpe abgesaugt. Die Steuerung geschieht über ein Echolot sowie verschiedene Kameras. In bis zu 30 Metern Tiefe saugt die Pumpe die belasteten Sedimente ab, die über einen Schwimmschlauch als Schlamm-Wasser-Gemisch an Land gefördert werden.

Die entfernten Sedimente werden auf dem Areal in einer temporären Halle aufbereitet. Zunächst werden die Grobstoffe wie Kies, Sand und Holz abgeschieden, anschliessend wird der zurückbleibende Schlamm behandelt und entwässert. Dadurch entsteht ein Filterkuchen, der noch innerhalb der Halle in Container gefüllt wird. Vor dem Abtransport wird das Material chemisch analysiert, um den Entsorgungsort zu bestimmen. Danach werden die Container zu den Entsorgungsanlagen transportiert.

Die Sanierung des Seegrunds startete Ende April 2022 im östlichen Teil des Sanierungsperimeters. Im Winter 2022/2023 folgen die Arbeiten im Gebiet des Hafens Langenbaum und im westlichen Teil des Perimeters. Der Abschluss der Arbeiten ist für Frühjahr 2024 geplant.

Kontakt

Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft – Sektion Altlasten

Adresse

Weinbergstrasse 34
8090 Zürich
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Telefon

+41 43 259 39 73

Sekretariat


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