JuWe fördert gemeinnützige Arbeit mit dem Bussen Info Point

Im September 2025 haben die Bewährungs- und Vollzugsdienste (BVD) die Bussenanlaufstelle übernommen. Diese wurde bis dahin – im Auftrag von JuWe – von der Stiftung zsge geführt. Unter dem neuen Namen «Bussen Info Point (bip)» soll gemeinnützige Arbeit im Kanton Zürich noch stärker gefördert werden.

Person steht mit Zetteln für dem Bussen Info Point.

Mehr gemeinnützige Arbeit statt Ersatzfreiheitsstrafen

Jährlich werden in der Schweiz über 30 000 Bussen und Geldstrafen nicht bezahlt. Wer dazu nicht fristgerecht in der Lage ist, muss sie unter Umständen durch eine Gefängnisstrafe verbüssen. Solche sogenannten Ersatzfreiheitsstrafen belasten die Gefängnisse stark. Im Jahr 2024 verzeichnete der Kanton Zürich rund 1050 Fälle von Personen, die wegen nicht bezahlter Bussen und Geldstrafen eine Gefängnisstrafe verbüssten. Mit dem Bussen Info Point (bip) verfolgt JuWe das Ziel, dass mehr Betroffene ihre Sanktion in Form von gemeinnütziger Arbeit leisten können, statt eine Ersatzfreiheitsstrafe antreten zu müssen.

Auf Gesuch hin können Bussen, Geldstrafen und Freiheitsstrafen bis zu sechs Monaten alternativ durch gemeinnützige Arbeit vollzogen werden. Mit der gemeinnützigen Arbeit werden die negativen Auswirkungen eines stationären Strafvollzugs vermieden: Die verurteilte Person kann in ihrem sozialen und familiären Umfeld bleiben und ihre Arbeit oder Ausbildung fortsetzen. Die gemeinnützige Arbeit bringt Vorteile für alle Beteiligten. Sie ist kostensparend und gesellschaftlich sinnvoll. Gleichzeitig kann sie den betroffenen Personen Struktur, Verantwortung und neue Perspektiven vermitteln. Als positiver Nebeneffekt werden Ersatzfreiheitsstrafen vermieden und es bleiben damit Haftplätze für Personen frei, die eine Freiheitsstrafe verbüssen müssen.

Ausbau und Vereinfachungen mit neuer Zuständigkeit

Seit dem 1. September 2025 wird der Bussen Info Point von den Bewährungs- und Vollzugsdiensten (BVD) selbst betrieben. Durch die Übernahme kann JuWe die Unterstützung noch niederschwelliger und effizienter gestalten. Personen, die ein Gesuch um gemeinnützige Arbeit stellen möchten, können ohne Voranmeldung beim Bussen Info Point (bip) vorbeigehen. Mitarbeitende prüfen vor Ort, ob die Voraussetzungen für gemeinnützige Arbeit erfüllt sind und können Gesuche direkt bewilligen. Anschliessend wird der Einsatz gemeinsam mit den betroffenen Personen geplant und organisiert. Da JuWe-Mitarbeitende die Gesuchsaufnahme, die Bewilligung sowie die Einsatzplanung direkt vor Ort durchführen, entfallen Schnittstellen und Wartezeiten. Dadurch können Abläufe deutlich beschleunigt und Einsätze in der gemeinnützigen Arbeit schneller und unkomplizierter begonnen werden.

Eine Frau sitzt im Büro. Ihr gegenüber sitzt eine andere Person, deren Gesicht man nicht sieht. Die Frau hält eine Broschüre und einen Stift in der Hand und spricht erklärend mit der anderen Person.
Beim Bussen Info Point prüfen Mitarbeitende vor Ort, ob die Voraussetzungen für gemeinnützige Arbeit erfüllt sind und können Gesuche direkt bewilligen. Quelle: JuWe / Daniel Winkler.

Niederschwellige Arbeitseinsätze im Werkraum4

Am selben Standort wie der Bussen Info Point befindet sich der Werkraum4 der Stiftung zsge, mit dem JuWe im Rahmen der gemeinnützigen Arbeit eng zusammenarbeitet.

Im Werkraum4 stehen rund 50 Beschäftigungsplätze zur Verfügung. Kurzzeitige gemeinnützige Arbeitseinsätze werden in der Regel dort absolviert. Fachpersonen mit sozialpädagogischem oder arbeitsagogischem Hintergrund leiten und betreuen die Teilnehmenden dabei.  

Zwei Männer stehen in einer Werkstatt. der eine Mann, ein Mitarbeiter, zeigt dem anderen, was er zu tun hat.
Im Werkraum4 werden die Teilnehmenden von Fachpersonen mit sozialpädagogischem oder arbeitsagogischem Hintergrund angeleitet und betreut. Quelle: JuWe / Daniel Winkler.

Der Werkraum4 übernimmt Aufträge von externen Unternehmen, darunter das Verpacken und Kuvertieren von Drucksachen oder das Ab- und Umpacken von Waren. Zudem werden einfache Näharbeiten (z. B. Taschen, Etuis oder Hüllen) sowie Bohr-, Schleif- und Sägearbeiten ausgeführt. Ausserdem fungiert der Werkraum4 als Sammelstelle für gebrauchte Fahrräder. In der Velowerkstatt zerlegen Teilnehmende die Velos in Einzelteile, sortieren sie und bereiten sie für die Wiederverwendung auf. Die Veloteile werden dann in Kooperation mit der Organisation «Velafrica» an Werkstätten und Shops in Afrika exportiert.

Ein Velo hängt an einer Vorrichtung in der Luft, während ein Mann es mit Werkzeug in der Hand repariert.
Alte oder kaputte Velos werden im Werkraum4 in Einzelteile zerlegt und von der Organisation Velafrica an Werkstätten in Afrika exportiert. Quelle: JuWe / Daniel Winkler.

Langfristigere Einsätze von teilweise mehreren Monaten werden in rund 260 Partnerbetrieben organisiert, beispielsweise in sozialen Einrichtungen, Spitälern oder Alters- und Pflegezentren.

Verantwortung übernehmen durch gemeinnützige Arbeit statt Inhaftierung

Die grosse Mehrheit der Personen, die für gemeinnützige Arbeit in Frage kommen, wurde wegen Übertretungen gebüsst, wie beispielsweise dem Fahren ohne gültigen Fahrausweis oder einem geringfügigen Vermögensdelikt. In der Regel geht von diesen Personen weder ein Sicherheitsrisiko aus noch besteht Fluchtgefahr, weshalb eine Unterbringung im Gefängnis nicht erforderlich ist. Eine Inhaftierung würde in solchen Fällen auch keinen nachhaltigen Nutzen für die Betroffenen oder die Gesellschaft schaffen. Ein Einsatz in der gemeinnützigen Arbeit anstelle einer Haft verhindert zudem, dass die Teilnehmenden aus ihrem gewohnten sozialen Umfeld herausgelöst werden. Sie können weiterhin ihren familiären Verpflichtungen nachkommen, bestehende Wohnstrukturen aufrechterhalten und bleiben in unterstützende Netzwerke eingebunden.

Trotz dieser Vorteile handelt es sich bei der gemeinnützigen Arbeit um eine Strafe. Die Einsätze erfolgen unentgeltlich und werden in der Freizeit geleistet. Sie verlangen Verbindlichkeit, Durchhaltevermögen und die Bereitschaft, Verantwortung für das eigene Verhalten zu übernehmen.

Viele Personen, die ihre Bussen oder Geldstrafen nicht bezahlen können, verfügen über sehr geringe finanzielle Mittel oder leben von der Sozialhilfe. Für sie stellt die gemeinnützige Arbeit eine wichtige Möglichkeit dar, ihre Schuld zu begleichen, ohne zusätzlich in eine finanzielle Notlage zu geraten oder ins Gefängnis zu müssen. Gleichzeitig stärkt sie Zuverlässigkeit, Ausdauer sowie Teamfähigkeit und unterstützt den Aufbau einer stabilen Tagesstruktur. Für viele Teilnehmende ist die gemeinnützige Arbeit eine wertvolle Erfahrung, die an frühere Arbeitstätigkeiten anknüpft oder neue Impulse geben kann.

Gemeinnützige Arbeit ist günstiger als ein Gefängnisplatz

Die Vollzugsform der gemeinnützigen Arbeit ist deutlich kostengünstiger als ein Gefängnisaufenthalt. Während der Betrieb eines Haftplatzes mit hohen Infrastruktur-, Sicherheits- und Betreuungskosten verbunden ist, entsteht bei der gemeinnützigen Arbeit ein vergleichsweise geringer Betreuungsaufwand, und die geleisteten Arbeiten kommen der Öffentlichkeit unmittelbar zugute.  

Eine Person sitzt am Tisch und hält eine Zange und Kabel in der Hand, im Hintergrund ist eine Werkstatt.
JuWe fördert die gemeinnützige Arbeit im Kanton Zürich als wirksame und ressourcenschonende Alternative zu Ersatzfreiheitsstrafen. Quelle: JuWe / Daniel Winkler.

Im Jahr 2025 hat die Anzahl der Gesuche um gemeinnützige Arbeit für Bussen und Geldstrafen von 991 (2024) auf 1400 zugenommen. Die Steigerung von 41 Prozent ist in erster Linie auf das proaktive Hinweisen auf die Möglichkeit der gemeinnützigen Arbeit zurückzuführen. Die Erfahrung zeigt ausserdem, dass rund 80 Prozent der Betroffenen ihren Einsatz in gemeinnütziger Arbeit erfolgreich abschliessen.

Damit bestätigt sich, dass die gemeinnützige Arbeit eine wirksame und ressourcenschonende Alternative zu Ersatzfreiheitsstrafen ist und JuWe durch die Übernahme des Bussen Info Points bereits im letzten Jahr den gezielten Einsatz der gemeinnützigen Arbeit im Kanton Zürich stärken konnte.  

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