Der Kanton Zürich ist gut auf längere Trockenperioden vorbereitet und die Trinkwasserversorgung ist sichergestellt. Dennoch können längere Trockenperioden auch im Kanton Zürich herausfordernd sein. Hier finden Sie Hintergrundinformationen sowie Berichte zur aktuellen Lage.
Rahmenbedingungen
Der Kanton Zürich liegt in einer wasserreichen Klimazone. Die Natur speichert grosse Wassermengen in Seen, Flüssen und im Untergrund. Sie übersteht dadurch auch längere Trockenperioden problemlos. Auch unsere Infrastruktur ist gut darauf vorbereitet. Die Trinkwasserversorgung im Kanton Zürich ist sichergestellt – dank einer guten überregionalen Vernetzung und dem Zürichsee, unserem fast unerschöpflichen Trinkwasserreservoir.
Dennoch können längere Trockenperioden auch im Kanton Zürich herausfordernd sein. Trotz reichen Wasservorkommen gilt auch bei uns: Wasser ist ein kostbares Gut. Gehen Sie stets verantwortungsvoll damit um.
Aktuelle Lage
Momentan ist es im Kanton Zürich nicht aussergewöhnlich trocken.
Klimawandel
Infolge des Klimawandels wird es im Kanton Zürich künftig häufiger zu sehr warmen Sommern mit markanten Trockenperioden kommen. Schon heute wären einzelne Trockenperioden ohne den Klimawandel vermutlich weniger stark ausgeprägt. Um sich auf die anstehenden Veränderungen vorzubereiten, berücksichtigt die Baudirektion Kanton Zürich diese Entwicklung in ihrem Massnahmenplan zur Anpassung an den Klimawandel.
Trinkwasser
Die Trinkwasserversorgung im Kanton Zürich ist sichergestellt.
Der Kanton Zürich verfügt über eine sehr zuverlässige Trinkwasserversorgung. Über 95 Prozent der Bevölkerung sind an eine Wasserversorgung angeschlossen, die über ein zweites oder mehrere Standbeine verfügt, und kann somit bei Engpässen auch von anderswo Trinkwasser beziehen.
Die kommunalen Infrastrukturen sind sowohl regional als auch überregional gut miteinander vernetzt. So können sie sich gegenseitig aushelfen und allfällige lokale Engpässe ausgleichen.
Rund vierzig Prozent des Trinkwassers im Kanton Zürich stammen aus dem Zürichsee. Dieses Reservoir ist nahezu unerschöpflich. Der Kanton Zürich verfügt zudem über reichhaltige Grundwasservorkommen. Über das gut ausgebaute überregionale Leitungsnetz kann das Wasser auch über grosse Distanzen in Gebiete gepumpt werden, wo das Wasser vorübergehend knapp ist.
Nur in wenigen, peripher gelegenen Weilern kann es zu Engpässen kommen, wenn diese einzig durch Quellwasser versorgt sind. Dort können die kommunalen Behörden Anordnungen zur Reduktion des Wasserverbrauchs treffen.
Bewässerung
Die Wasserentnahmen im Kanton Zürich sind klar geregelt. Der Kanton kann Konzessionen zur Entnahme von Wasser aus öffentlichen Seen, Flüssen und Bächen sowie aus dem Grundwasser zu Bewässerungszwecken erteilen. Solche erteilt er nur für genügend grosse über- und unterirdische Gewässer. Die Entnahmemengen sind beschränkt. So kam es bisher auch in sehr trockenen Sommern zu keinen Engpässen.
Ergänzend dazu kann das Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL) bei anhaltender Trockenheit den Gemeinden die Kompetenz übertragen, vorübergehend Wasserentnahmen aus den grossen Seen und Flüssen zu bewilligen, um landwirtschaftliche Kulturen zu bewässern. Landwirtschaftsbetriebe können dafür bei den Gemeinden um eine befristete Bewilligung ersuchen.
Wasserstand
Die aktuellen Pegel
Der Kanton Zürich überwacht den Wasserstand von Seen, Flüssen und Bächen an diversen, über den ganzen Kanton verteilten Messstellen. Aktuelle und historische Daten finden Sie hier.
Die Trockenheitskarte zeigt zusätzlich die aktuellen Abflüsse für ausgewählte Messtationen in Bezug auf die Trockenheit.
Eine Auswertung der statistischen Signifikanz von Trockenperioden alleine anhand der Jahrbücher ist allerdings nicht möglich. Sie muss jeweils individuell durch die Fachleute des Amts für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL) vorgenommen werden.
Das Phänomen der Tösswasserversickerung zwischen Fischenthal und Turbenthal
Besonders auffällig sind Trockenperioden am oberen Lauf der Töss. Dort trocknet das Flussbett immer wieder vollständig aus. Das Wasser versickert im lockeren Schotter des Flussbetts und fliesst in diesem Bereich unterirdisch weiter. Tiefe Grundwasserstände und das damit verbundene Austrocknen der Töss sind natürliche Phänomene. Langjährige Messungen zeigen, dass die Töss heute nicht öfter austrocknet als früher. Grund dafür ist weder die Klimaerwärmung noch die Übernutzung des Grundwassers.
Wasserqualität
Die Wasserqualität der Seen, Flüsse und Bäche im Kanton Zürich ist in aller Regel auch während Trockenperioden gut bis sehr gut. Wo Wasser aus Abwasserreinigungsanlagen eingeleitet wird, ist das Verdünnungsverhältnis zwar ungünstiger als sonst. Positiv wirkt sich auf der anderen Seite aus, dass die Abwasserreinigungsanlagen weniger Wasser verarbeiten müssen und dadurch deren Reinigungsleistung steigt, vor allem bei den Nährstoffen. In gewissen Bächen können Trockenperioden die Wasserqualität dennoch beeinträchtigen.
Über die Badewasserqualität wacht im Kanton Zürich das Kantonale Labor. Die Qualität des Badewassers in den wichtigsten Bade-Flüssen und -Seen wird während der Badesaison laufend aktualisiert und publiziert.
Lebensraum Wasser
Keine Trockenheitsabfischungen mehr bei Wassermangel
Längere Hitze- und Trockenperioden führen in Bächen und Flüssen zu Wassermangel. Dadurch verkleinert sich der Lebensraum für Fische, Krebse und weitere aquatische Organismen. Die Tiere konzentrieren sich in den verbleibenden wasserführenden Bereichen, was den Stress erhöht. Gleichzeitig erwärmt sich das Wasser stärker und enthält weniger Sauerstoff.
Früher wurden Fische bei drohendem Austrocknen von Gewässerabschnitten häufig abgefischt und in andere Gewässer umgesiedelt. Solche Trockenheitsabfischungen werden heute grundsätzlich nicht mehr durchgeführt. Sie bleiben absoluten Ausnahmefällen vorbehalten, etwa wenn besonders schützenswerte Fisch- oder Krebspopulationen unmittelbar gefährdet sind. Der Grund dafür ist, dass solche Eingriffe die Situation nicht zuverlässig verbessern und zusätzliche Belastungen verursachen können.
Für bereits geschwächte Tiere bedeutet eine Elektroabfischung zusätzlichen Stress. Auch eine Umsiedlung ist mit Risiken verbunden: In den Aufnahmegewässern nimmt die Konkurrenz um Nahrung, Unterstände und kühle Rückzugsbereiche zu. Zudem wird in bestehende Lebensgemeinschaften eingegriffen. Rettungsaktionen können deshalb auch zusätzliche Verluste verursachen.
Mit Aufwertungen störungsarme Kaltwasserzonen schaffen
Die Fischerei- und Jagdverwaltung setzt daher langfristig auf die Erhaltung und Aufwertung aquatischer Lebensräume statt auf reaktive Notmassnahmen. Im Rahmen von Lebensraumaufwertungen werden auch Kaltwasserzonen geschaffen oder gefördert. Sie bieten kälteliebenden Arten während Hitze- und Trockenperioden wichtige Rückzugsorte.
Damit solche Rückzugsräume wirken können, müssen sie möglichst störungsarm bleiben. Besonders tiefe Gumpen und kühle Wasserstellen können für Fische überlebenswichtig sein. Sie sollen deshalb nicht betreten und nicht als Bade-
oder Spielstellen genutzt werden. Auch badende Hunde können die dort konzentrierten Tiere stark stressen. Rücksichtnahme hilft, Fische und andere Wasserlebewesen während kritischer Hitze- und Trockenphasen zu schützen.
Landwirtschaft
Länger anhaltende Trocken- und Hitzephasen während der Vegetationsperiode sind für die Zürcher Landwirtschaft eine Herausforderung. Einzelne Kulturen reagieren darauf sehr sensibel. Ertrags- und/oder Qualitätseinbussen sind die Folge.
Für den Rebbau sind warme und trockene Perioden in der Regel von Vorteil. Im Pflanzenbau treten bei Trockenheit zwar weniger Pilzkrankheiten auf, was einigen Kulturen Vorteile verschafft. Dafür treten vermehrt Insekten als Schädlinge auf (z.B. Kartoffelkäfer, Thripse oder Blattläuse). Auch einige wenige Ackerkulturen können bei Trockenheit im Vorteil sein. Für andere, beispielsweise Kartoffeln, ist eine kontinuierliche Wasserversorgung zur Ertrags- und Qualitätssicherung erforderlich. Auch in der Milchwirtschaft und der Viehzucht kann Trockenheit zum Problem werden, da das Futtergras langsamer und weniger üppig wächst und die Tiere einen grösseren Flüssigkeitsbedarf haben. Gemüse- und Beerenproduzenten verfügen in der Regel über Bewässerungsanlagen. Sie können eine Trockenperiode mittels künstlicher Beregnung überbrücken. Trotzdem sind im auch Gemüsebau Qualitätseinbussen keine Seltenheit.
Der grösste Teil der Landwirtschaftsflächen im Kanton sind von natürlichem Niederschlag abhängig. Bei ausgeprägter Trockenheit kann eine Notbewässerung das Überleben landwirtschaftlicher Kulturen ermöglichen. Das Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL) überträgt darum bei anhaltender Trockenheit den Gemeinden die Kompetenz, vorübergehend Wasserentnahmen aus den grossen Seen und Flüssen zu bewilligen, um landwirtschaftliche Kulturen zu bewässern. Für diese Notbewässerungen können Landwirte bei den Gemeinden um eine befristete Bewilligung ersucht (siehe auch Bewässerung).
Weiterführende Informationen
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