Position des Kantons Zürich

Zwei von drei möglichen Standortgebieten für geologische Tiefenlager befinden sich im Gebiet des Kantons Zürich: Nördlich Lägern im Zürcher Unterland und Zürich Nordost im Weinland. Der Kanton bringt seine Interessen aktiv im Standortauswahlverfahren ein.

Inhaltsverzeichnis

Verantwortung

Der Kanton Zürich ist sich seiner Verantwortung für die radioaktiven Abfälle bewusst und setzt sich für eine sichere Lagerung auf lange Zeit ein, so dass für Mensch und Umwelt keine Gefahr entsteht. Deshalb ist auch er an einem erfolgreichen Abschluss der Suche nach einem geologischen Tiefenlager interessiert. Die heute bestehenden Zwischenlager sollen nicht zu einem Dauerzustand werden. Einzig neue Erkenntnisse zur Nachbehandlung von Abfällen dürfen allenfalls zu einer Aufschiebung der Inbetriebnahme der geologischen Tiefenlager führen. Es darf dabei aber keinesfalls zu einem Abstrich an der Sicherheit kommen. Seit Beginn des Sachplans setzt sich der Kanton Zürich entschlossen dafür ein, dass bei der Suche nach geeigneten Tiefenlagerstandorten die Sicherheit immer oberste Priorität hat. 

Portrait-Foto von Baudirektor Martin Neukom

«Ob man für oder gegen die Atomkraft ist: Es ist unsere Verantwortung, eine sichere Lösung für die Entsorgung der radioaktiven Abfälle im Inland zu finden.»

Regierungsrat Martin Neukom, Baudirektor

Die Suche nach möglichen Standorten für solche geologischen Tiefenlager ist eine nationale Aufgabe. Der Kanton unterstützt den Bund bei der Durchführung des Standortauswahlverfahrens (Sachplan geologische Tiefenlager). Gleichzeitig ist er Ansprechpartner für seine betroffenen Gemeinden und Regionen für fachliche Fragestellungen und bei Fragen zur Kommunikation.

Prüfung durch kantonale Experten

Die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) ist für die Planung des Tiefenlagerprojektes zuständig. Die Unterlagen der Nagra lässt der Kanton Zürich gemeinsam mit den übrigen Standortkantonen von eigenen Experten bezüglich sicherheitstechnischer Aspekte überprüfen. Die Experten (Kantonale Expertengruppe Sicherheit) arbeiten im Auftrag des Ausschusses der Kantone (Gremium der Regierungsvertretenden der Kantone). Der Kanton Zürich setzt sich für ein nachvollziehbares, transparentes, faires und verbindliches Verfahren ein.

Vergleich der Standortregionen

Der Kanton verlangt vom Bund und der Nagra, dass alle Standortregionen mit der gleichen Gründlichkeit und Ernsthaftigkeit auf ihre sicherheitstechnische Eignung für geologische Tiefenlager geprüft werden. Die Sicherheit muss in diesem Auswahlverfahren immer an erster Stelle stehen. Es soll nicht der Weg des geringsten (politischen) Widerstands gewählt werden. Es ist darauf zu achten, dass ein Lager für die betroffene Region verträglich ist. Deshalb legt der Kanton Wert auf einen grösstmöglichen Einbezug der Betroffenen. Der Kanton unterstützt die Region dabei. Die dereinst gewählte Region wird Lasten für die Schweiz übernehmen. Vor diesem Hintergrund hat der Regierungsrat den Bund wiederholt darauf hingewiesen, dass der Kanton Zürich schon andere (Zentrums-) Lasten der Schweiz trägt.       

Verfrühte Einengung auf zwei Standorte

Die Nagra hatte dem Bundesrat im Januar 2015 vorgeschlagen, in Etappe 3 nur noch die Standortgebiete Zürich Nordost und Jura Ost erdwissenschaftlich genauer zu untersuchen. Der Regierungsrat entgegnete im Januar 2015, dass er diese Einengung auf nur zwei Standortgebiete für verfrüht halte. Die Kantonale Expertengruppe Sicherheit (KES) kam in ihrer Beurteilung vom Februar 2016 zum Schluss, dass auch das Standortgebiet Nördlich Lägern genauer untersucht werden muss. Zum gleichen Ergebnis gelangte auch das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) in seinem Gutachten zu Etappe 2.

Sicherheit

Der wichtigste Grundsatz bei der Realisierung geologischer Tiefenlager ist, dass die Sicherheit für Mensch und Umwelt gewährleistet wird. Dazu plant die Nagra die Tiefenlager als System mit mehreren Barrieren. Die wichtigste Barriere für die radioaktiven Stoffe bildet die Geologie, eine natürlich vorkommende Gesteinsschicht mit einer geringen Durchlässigkeit für Wasser. Dieses sogenannte Wirtgestein besitzt besonders gute Eigenschaften für die Rückhaltung radioaktiver Stoffe. In der Schweiz ist der Opalinuston als Wirtgestein vorgesehen.

Opalinuston am besten geeignet

Der Kanton Zürich ist überzeugt, dass in der Schweiz der Opalinuston die besten Eigenschaften für den Bau eines geologischen Tiefenlagers aufweist. Die Beurteilung der Unterlagen der Nagra durch die Kantonale Expertengruppe Sicherheit hat gezeigt, dass die weiteren Wirtgesteine, die zur Diskussion standen («Brauner Dogger», Effinger Schichten, Helvetische Mergel), sicherheitstechnische Nachteile aufweisen. Der Kanton hält es daher für richtig, in Etappe 3 des Sachplans geologische Tiefenlager nur noch Gebiete mit Opalinuston genauer zu untersuchen und unterstützt den Entscheid des Bundesrats am Ende von Etappe 2, in Etappe 3 die Standortgebiete «Zürich Nordost» (Zürcher Weinland), «Nördlich Lägern» (Zürcher Unterland) und «Jura Ost» (Bözberg, Kanton Aargau) weiter zu untersuchen. Die übrigen in Etappe 1 ins Auge gefassten Standortgebiete «Jura Südfuss», «Wellenberg» und «Südranden» sollen nicht mehr weiterverfolgt werden. 

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Opalinuston schliesst radioaktive Abfälle ein
 
Das Bild zeigt den Querschnitt durch einen Stollen mit einem Endlagerbehälter. Damit werden alle Barrieren sichtbar.
Mehrere Barrieren halten die radioaktiven Stoffe im Tiefenlager zurück. Quelle: Nagra
Behälter und Lagerstollen

Die radioaktiven Abfälle werden verglast, d.h. in einer Glasmatrix eingeschlossen (sofern es sich nicht um Brennelemente handelt), dies ist somit die innerste Barriere. Dann werden die Abfälle in einen dickwandigen Endlagerbehälter aus Stahl verpackt. Dieser verhindert die Freisetzung der radioaktiven Stoffe gemäss derzeitigem Wissensstand während 10'000 Jahren. Die Behälter werden in Lagerstollen gelagert, die mit Bentonit verfüllt werden. Bentonit ist ein tonähnliches Material, das sehr geringdurchlässig ist und bei Feuchtigkeit aufquillt und so Risse und Spälte verschliesst.

Opalinuston

Die Lagerstollen sind von Opalinuston umgeben, einer Gesteinsschicht von etwa 100 Metern Mächtigkeit, die eine noch kleinere Durchlässigkeit aufweist als Bentonit. Die radioaktiven Stoffe werden so lange im Opalinuston eingeschlossen, bis ihre Radioaktivität auf ein verträgliches Mass abgesunken ist (im Falle der hochaktiven Abfälle 1 Million Jahre, im Falle der schwach- und mittelaktiven Abfälle 100'000 Jahre).

Tief unter dem Boden

Damit das Lager vor Erosionsprozessen an der Erdoberfläche (z.B. Gletscher) während dieser langen Zeitspanne geschützt bleibt, muss das Lager in mindestens 500 Metern Tiefe gebaut werden.

Kanton unterstützt Untersuchungen

Die drei Standortgebiete werden für die spätere Auswahl der geeigneten Standortgebiete (oder des geeigneten Standortgebietes) in Etappe 3 des Sachplans mit seismischen Messungen und Tiefbohrungen sowie weiteren erdwissenschaftlichen Methoden untersucht. Die erdwissenschaftlichen Untersuchungen haben zum Ziel, den jeweils sichersten Standort für beide Lagertypen, das heisst für ein Lager für schwach- und mittelaktive Abfälle (SMA-Lager) sowie ein Lager für hochaktive Abfälle (HAA-Lager) zu finden. Der Kanton Zürich unterstützt diese Untersuchungen. Nur so können die Vor- und Nachteile der drei Gebiete in Erfahrung gebracht werden.

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Mit Sondierbohrungen und Vibrationsmessungen will die Nagra mehr darüber erfahren, wie tief unten die Gesteinsschicht des Opalinustons zu finden ist und wie mächtig diese Gesteinsschicht ist. 

Damit die Abfälle langfristig sicher eingeschlossen bleiben, muss man wissen, in welcher Tiefe das Lager gebaut werden muss, damit es von Erosionsprozessen verschont bleibt. Dazu sind möglichst gute Prognosen der künftigen Erosionsprozesse (v. a. der Abtragung der Erdoberfläche durch Gletscher oder Flüsse) notwendig. Die Geologen versuchen, ein vertieftes Verständnis der bisherigen Erosionsprozesse in der Region zu erhalten, um die Entwicklung in der Zukunft abschätzen zu können.

Um dies herauszufinden, werden sogenannte untiefe «Quartärbohrungen» vorgenommen, um die mit Lockergesteinen gefüllten, unterirdischen Felsrinnen (von früheren Flüssen im Standortgebiet) genauer zu betrachten. Diese bieten für künftige Gletscher oder Flüsse die Möglichkeit, die Rinne weiter zu vertiefen. Damit das Lager dadurch nicht beeinträchtigt wird, muss es in genügender Tiefe geplant werden.

Grundwasser

Kanton und Gemeinden haben die Aufgabe, die Versorgung der Zürcher Bevölkerung mit einwandfreiem Trinkwasser langfristig und überregional sicherzustellen. Die Grundwasserressourcen, die heute und künftig für deren Versorgung entscheidend sind, müssen geschützt werden. In der Vergangenheit hat sich der Regierungsrat deshalb kritisch mit den Vorschlägen der Nagra für die Platzierung der Oberflächeninfrastruktur eines Tiefenlagers auseinandergesetzt, zuletzt hat er im April 2021 dazu Stellung genommen. Der Kanton setzt sich für diejenige Lösung ein, mit der die Ziele der Sicherheit, der Raumplanung und des Umweltschutzes – insbesondere betreffend Trinkwasserressourcen – am besten erreicht werden können. 

Trinkwasserversorgung unter Druck

Die Trinkwasserversorgung gerät bezüglich Menge wie auch Qualität immer stärker unter Druck – dies vor allem aufgrund des anhaltenden Bevölkerungswachstums, des prognostizierten Klimawandels und der Pflanzenschutzmittel-Einträge aus der Landwirtschaft ins Grundwasser. Mit den vorhandenen Trinkwasserressourcen muss deshalb im Zeichen der Vorsorge schonend umgegangen werden.  

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Wichtige Grundwasserressourcen

Der Kanton verfügt über mächtige und qualitativ hochwertige Trinkwasserressourcen, welche einerseits aus diversen Grundwasservorkommen in den Tälern und andererseits aus dem Zürichsee-Wasser bestehen. Die ergiebigsten Grundwasserressourcen liegen entlang des Rheins, entlang der Limmat und der Töss. 

 

Eine Karte des Kantons Zürich zeigt die Lage der wichtigsten Trinkwasserressourcen: die Grundwasserressourcen entlang des Rheins, der Limmat und der Töss sowie den Zürichsee.
Wichtigste Trinkwasserressourcen des Kantons Zürich. Quelle: Baudirektion 2013


Die Grundwasserreserven tragen mit einem Anteil von 40 Prozent neben dem Zürichsee den grössten Anteil zur Trinkwasserbeschaffung im Kanton bei.

Die Grafik zeigt die Herkunft des Trinkwassers im Kanton Zürich: 40 % des Trinkwassers stammt aus Seewasser, 40 % aus Grundwasser und 20 % aus Quellwasser.
Trinkwasserbeschaffung im Kanton Zürich. Quelle: Baudirektion 2013


Trinkwasserverbund

Damit die Wasserversorgung auch in Notlagen (wie z.B. bei Verschmutzungen ergiebiger Trinkwasserressourcen) im ganzen Kantonsgebiet sichergestellt ist, will der Kanton Zürich mehrere grössere Wassertransportleitungen bauen. Diese sollen die Wasserversorgungen verschiedener Regionen verbinden (kantonaler Trinkwasserverbund). Dabei spielt das grosse Grundwasservorkommen im Rheintal im Norden des Kantons mit den Grundwasserschutzarealen Weiacher Hard, Rheinau und Rafzerfeld eine wichtige Rolle.

 

Die Grafik zeigt eine Karte des Kantons Zürich und die wichtigsten Trinkwasserquellen, d.h. die Grundwasserschutzgebiete im Norden des Kantons (Weiacher Hard, Rafzerfeld und Rheinau) und den Zürichsee sowie die Wassertransportleitungen, die bestehen oder noch gebaut werden sollen. Es ist ersichtlich, dass die Grundwasserschutzgebiete künftig mit Wassertransportleitungen erschlossen werden sollen, so dass ein redundantes System für die Trinkwasserversorgung für die Belieferung des gesamten Kantonsgebietes geschaffen wird.
Kantonaler Trinkwasserverbund (Stand: März 2010). Quelle: Baudirektion 2013

Oberflächeninfrastruktur

Die Nagra veröffentlichte im Mai 2019 ihre Vorschläge für die Platzierung der Oberflächeninfrastruktur in den zur Diskussion stehenden Standortgebieten für geologische Tiefenlager. 

Nach intensiven Diskussionen zwischen Kanton und Regionen sowie auch mit den anderen Standortkantonen, den Bundesbehörden und der Nagra hat der Kanton Zürich im April 2021 zu den Vorschlägen der Nagra Stellung genommen. Er fordert, dass Oberflächeninfrastrukturanlagen, in denen mit nuklearem Material umgegangen wird, nicht über strategisch wichtigen Trinkwasserressourcen platziert werden. Dies aus Gründen der Vorsorge im Gewässerschutz. Falls der sicherste Standort für ein Tiefenlager im Kanton Zürich liegen sollte, soll die Brennelemente-Verpackungsanlage (Anlage, in der die Brennelemente in die Endlagerbehälter verpackt werden) insbesondere im Sinn einer angemessenen Lastenverteilung nicht auf Kantonsgebiet platziert werden. Die Nagra teilt voraussichtlich 2022 mit, für welchen Tiefenlagerstandort (oder für welche beiden Standorte) sie ein Rahmenbewilligungsgesuch ausarbeiten und beim Bundesrat einreichen will. Gleichzeitig gibt sie auch die Platzierung der Oberflächeninfrastruktur bekannt. Diese Standortauswahl muss nachvollziehbar sein. Der Regierungsrat erwartet von der Nagra eine offene und transparente Darlegung aller Entscheidungsgrundlagen (zur Standortwahl von Tiefenlager, Oberflächenanlage sowie Brennelemente-Verpackungsanlage).

Oberflächeninfrastruktur eines Tiefenlagers

 

Das Bild zeigt eine dreidimensionale Abbildung eines geologischen Tiefenlagers und der dazugehörigen Oberflächenanlage sowie der beiden Nebenzugangsanlagen. Von der Oberflächenanlage führt gemäss Grafik eine Rampe, von den Nebenzugangsanlagen führen Schächte ins Lager hinunter. Das Lager ist abgebildet als Stollensystem in der Gesteinsschicht des Opalinustons.
Zu einem Tiefenlager (hier für hochaktive Abfälle) gehören eine Oberflächenanlage mit Hauptzugang zum Lager sowie die Nebenzugangsanlagen für den Bau (Betriebsschacht) und die Lüftung des Lagers (Lüftungsschacht). Quelle: Nagra

Oberflächenanlage

In der Oberflächenanlage (OFA) werden die radioaktiven Abfälle (z.B. verbrauchte Brennelemente) angeliefert. Falls die Abfälle schon in Endlagerbehältern verpackt angeliefert werden, können sie von dort direkt ins Tiefenlager hinuntergebracht und eingelagert werden. Andernfalls müssen sie vor Ort in der sogenannten Verpackungsanlage von den Transport- und Lagerbehältern in Endlagerbehälter umgeladen werden. Im Falle des Lagers für hochaktive Abfälle spricht man von der Brennelemente-Verpackungsanlage (BEVA). 

Die OFA umfasst auch weitere Betriebsgebäude, ein Administrationsgebäude und ein Besucherzentrum. Der Flächenbedarf beträgt etwa 5 bis 8 Hektaren (entspricht etwa zehn Fussballfeldern). Die Oberflächenanlage befindet sich am Eingang zur Rampe oder zum Schacht, die ins Tiefenlager hinunterführen.

Nebenzugänge

Für Bau und Betrieb des Tiefenlagers werden zusätzlich zum Hauptzugang zwei Nebenzugänge benötigt, je einer für die Lüftung und den betrieblichen Zugang zum Lager (z.B. für Betriebspersonal, Besucher). Die entsprechenden Anlagen an der Erdoberfläche werden als Nebenzugangsanlagen bezeichnet. Da diese schon für den Bau des Lagers benötigt werden, erfolgt deren Erstellung Jahre vor dem Bau der Oberflächenanlage. Die Nebenzugangsanlagen bleiben über die gesamte Betriebsdauer des Lagers bestehen (mindestens mehrere Jahrzehnte). Der Flächenbedarf für die beiden Nebenzugangsanlagen beträgt je 1 bis 4 Hektaren.

Mögliche Standorte für die Oberflächeninfrastruktur

Für die Platzierung der Oberflächenanlage (OFA) machte die Nagra in Etappe 2 des Sachplans geologische Tiefenlager für jede Region verschiedene Vorschläge. Die Regionalkonferenzen (die Partizipationsgremien der Regionen im Sachplan) konnten sich damals dazu äussern. Nach einer Vernehmlassung bei den betroffenen Akteuren legte der Bundesrat im Ergebnisbericht zu Etappe 2 des Sachplans drei mögliche OFA-Standorte im Kanton Zürich als Zwischenergebnis fest: zwei Standorte in Nördlich Lägern (NL-2 und NL-6, siehe unten) und ein Standort in Zürich Nordost (ZNO-6b). 

Im Mai 2019 neu hinzugekommen sind die Nebenzugangsanlagen für die Belüftung und den Bau des Lagers. Die Nagra hat verschiedene Vorschläge für deren Platzierung vorgelegt sowie einen vierten Standort für eine Oberflächenanlage (ZNO-1 in Zürich Nordost) aufgenommen.

Oberflächeninfrastruktur in Nördlich Lägern

Im Standortgebiet Nördlich Lägern schlägt die Nagra in ihrem Bericht vom Mai 2019 (NAB 19-08) zwei mögliche Standortareale für die Oberflächenanlage vor: «NL-2» in der Kiesgrube bei Weiach und «NL-6» im Haberstal bei Stadel (s. Abbildung unten). Diese Vorschläge entsprechen der Haltung der Regionalkonferenz Nördlich Lägern, die in ihrer Stellungnahme zu Etappe 2 des Sachplans festgehalten hat, dass diese Standorte zu bevorzugen seien, da sie am wenigsten Nachteile aufweisen. Die beiden Standorte wurden am Ende von Etappe 2 vom Bundesrat bestätigt.

Der Kanton Zürich hat sich im April 2021 zu den Vorschlägen der Nagra für die Platzierung der Oberflächeninfrastruktur in der Standortregion Nördlich Lägern geäussert, insbesondere zur Platzierung der Oberflächenanlage.

Wie oben ausgeführt, geraten die Trinkwasserressourcen und damit die Trinkwasserversorgung aus verschiedenen Gründen zunehmend unter Druck. Das OFA-Standortareal NL-6 liegt im Zuströmgebiet zum Grundwasserschutzareal Weiacher Hard und das Standortareal NL-2 grenzt sogar unmittelbar an das Schutzareal an. 

Ausschnitt der Grundwasserkarte mit Grundwasserschutzareal Weiacher Hard im Standortgebiet Nördlich Lägern, d.h. im Umfeld von Stadel und Weiach mit eingezeichneten möglichen Standorten für eine Oberflächenanlage gemäss Vorschlägen der Nagra: NL-2 bei Weiach und NL-6 bei Stadel (inklusive von der Nagra vorgeschlagene Dichtwand bei NL-6).
Standortareale für eine Oberflächenanlage in Nördlich Lägern: NL-2 bei Weiach (Kiesgrube) und NL-6 bei Stadel (Haberstal). Quelle: maps.zh.ch (verändert)

Wegen der Situation mit dem Grundwasser liess der Kanton abklären, ob sich die OFA (bzw. die Brennelemente-Verpackungsanlage) aus bautechnischer Sicht untertags im Ämperg realisieren liesse (Hügel zwischen Weiach und Stadel). Aufgrund des heutigen Kenntnisstands kommt die bautechnische Machbarkeitsstudie zum Schluss, dass die notwendigen Kavernenanlagen im Ämperg grundsätzlich machbar sind. Es wären allerdings gezielte Sondierungen vorzunehmen, um den geologischen Kenntnisstand des Ämpergs zu verbessern und die positive Ersteinschätzung zu bestätigen. 

Die Nagra erachtet eine untertägige Anordnung der OFA aufgrund der längeren Bauzeit und des erhöhten Ausbruchvolumens jedoch als unverhältnismässig. Um den Bedenken des Kantons in der Frage des Grundwasserschutzes Rechnung zu tragen, schlägt sie vor, talseitig der Oberflächenanlage am Standort NL-6 eine Dichtwand zu erstellen. Damit soll verhindert werden, dass aus dem Areal der Oberflächenanlage stammendes Sickerwasser bzw. überhaupt aus dem Haberstal abfliessendes Grundwasser unkontrolliert in den Grundwasserstrom von Windlach gelangt, der zum strategischen Interessengebiet für die Trinkwasserversorgung gehört (s. Abbildung oben). Der Kanton sieht in der «Option Dichtwand» eine mögliche Lösung. Mit detaillierten Untersuchungen der Grundwasserverhältnisse vor Ort muss diese Einschätzung aber noch bestätigt werden.

Oberflächeninfrastruktur in Zürich Nordost

Im Standortgebiet Zürich Nordost sieht die Nagra in ihrem Bericht vom Mai 2019 (NAB 19-08) zwei mögliche Standortareale für die Oberflächenanlage vor: «ZNO-6b» bei Marthalen und «ZNO-1» auf Rheinauer Gebiet. Beide Standorte standen schon in Etappe 2 des Sachplans zur Diskussion. Der Standort ZNO-1 wurde jedoch von Region und Kanton bereits im Jahr 2012 abgelehnt. Danach engte die Nagra ihre weiteren Betrachtungen auf den Standort ZNO-6b ein. Der Bundesrat legte am Ende von Etappe 2 des Sachplans im Jahr 2018 diesen (als Zwischenergebnis) als möglichen OFA-Standort fest. 

Der Kanton Zürich hat sich im April 2021 zu den Vorschlägen der Nagra für die Platzierung der Oberflächeninfrastruktur in der Standortregion Zürich Nordost geäussert. Der OFA-Standort ZNO-6b kann aus seiner Sicht weiterverfolgt werden. Den Standort ZNO-1 lehnt der Regierungsrat weiterhin ab, weil er im strategischen Interessengebiet für die Trinkwasserversorgung liegt (eine hydraulische Verbindung zum Grundwasserschutzareal Rheinau kann gemäss heutigem Wissensstand nicht ausgeschlossen werden). 

Derzeit wird durch die Regionalkonferenz ZNO eine Neubeurteilung möglicher, zu ZNO-6b alternativer OFA-Standorte vorgenommen. Sollte ein alternativer Standort bevorzugt werden, wäre eine detailliertere Planungsstudie (mit Angaben zu Umladebahnhof etc.) von der Nagra zu erarbeiten und vom Kanton konkret zu prüfen. Da die derzeit zur Diskussion stehenden drei alternativen OFA-Standorte ausserhalb des strategischen Interessengebiets für die Trinkwasserversorgung liegen, stellen diese aus Sicht Kanton grundsätzlich ebenfalls gangbare Lösungen dar.

Ausschnitt der Grundwasserkarte überlagert mit der Gewässerschutzkarte mit Grundwasserschutzareal Rheinau im Standortgebiet Zürich Nordost mit eingezeichneten möglichen Standorten für eine Oberflächenanlage gemäss Vorschlägen der Nagra: ZNO-1 bei Rheinau und ZNO-6b bei Marthalen.
Standortareale ZNO-1 bei Rheinau und ZNO-6b bei Marthalen für eine Oberflächenanlage in Zürich Nordost. Quelle: maps.zh.ch (verändert)

Auswahlverfahren

Der Sachplan geologische Tiefenlager hat sich aus Sicht des Regierungsrats bewährt. Das Auswahlverfahren für Tiefenlagerstandorte umfasst drei Etappen. Das Ziel ist, letztendlich den sichersten Standort bzw. die sichersten Standorte für geologische Tiefenlager zu finden. Im Falle eines Kombilagers für schwach- und mittelaktive Abfälle (SMA) und hochaktive Abfälle (HAA) bräuchte es nur einen Standort. Im Falle von zwei getrennten Lagern, je eines für SMA und HAA, müssten zwei Standorte bestimmt werden. Das etappenweise Vorgehen des Sachplans ermöglicht eine schrittweise und systematische Einengung auf einen beziehungsweise zwei geeignete Standorte. Gleichzeitig bietet der Sachplan die notwendige Flexibilität, wenn zusätzliche Abklärungen notwendig werden und mehr Zeit für die Klärung einzelner Fragen notwendig ist. Die Gremien des Sachplans schaffen dabei den notwendigen Raum für Diskussionen, so dass im Austausch der Akteure (Bund, Kantone, Regionen und Nagra) Anpassungen vorgenommen werden können.

Kanton unterstützt Regionen

Der Kanton unterstützt die Regionen, die sich unter anderem über die Regionalkonferenzen in die Sachplandiskussionen einbringen können. Diese Gremien setzen sich über politische, kommunale und demografische Grenzen hinweg kritisch mit der geologischen Tiefenlagerung auseinander und sind so zu starken Stimmen für die Regionen geworden. Das grosse Engagement und die erlangte Kompetenz der Regionalkonferenzen und derer Fachgruppen sind beeindruckend und wertvoll. Die Regionalkonferenzen haben sich für den Kanton Zürich zu wichtigen Partnern entwickelt.

Transparenter und nachvollziehbarer Prozess

Abschliessend lässt sich sagen, dass die bisherigen Arbeiten im Sachplan den Prinzipien der Transparenz, Nachvollziehbarkeit, Fairness und Glaubwürdigkeit gefolgt sind. Der Kanton unterstützt das Auswahlverfahren weiterhin mit dem Ziel, den oder die sichersten Tiefenlagerstandorte zu finden.

Stellungnahmen des Kantons

Der Kanton hat sich verschiedentlich zur Planung geologischer Tiefenlager in der Schweiz geäussert, beispielsweise im Rahmen der Vernehmlassungen zum Sachplan geologische Tiefenlager. Hier finden Sie die Stellungnahmen des Kantons.

Newsletter Standpunkt

Der Kanton informiert die Bevölkerung in den Zürcher Gemeinden der Standortregionen Nördlich Lägern und Zürich Nordost periodisch mit dem Newsletter «Standpunkt». Hier finden Sie die bisherigen Newsletter zum Download.

 

Ansprechpersonen

Bei Fragen zur Planung geologischer Tiefenlager wenden Sie sich bitte an:

Thomas Flüeler

Bereichsleiter Kerntechnik

thomas.flueeler@bd.zh.ch
+41 43 259 41 70

Regula Rometsch

Wissenschaftliche Mitarbeiterin Bereich Kerntechnik

regula.rometsch@bd.zh.ch
+41 43 259 29 95

Annette Spörri

Raumplanerin Tiefenlager

annette.spoerri@bd.zh.ch
+41 43 259 41 99

Kontakt

Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft – Bereich Kerntechnik

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