Risikomanagement

Titelbild Risikomanagement

Wie hoch ist das Risiko, dass im Kanton Zürich ein flächendeckender und langanhaltender Stromausfall eintritt? Eine von vielen Fragen, die das Risikomanagement des Bevölkerungsschutzes analysiert – um auf alle Möglichkeiten vorbereitet zu sein und die Bevölkerung zu schützen.

Inhaltsverzeichnis

Das Wichtigste in einfacher Sprache

Der Bevölkerungsschutz möchte die Menschen im Kanton schützen. Er untersucht dafür verschiedene Gefahren und was man dagegen tun könnte. Zum Beispiel Strom, der ausfallen könnte. Das kommt nicht oft vor. Der Bevölkerungsschutz möchte darauf vorbereitet sein. Das nennt man Risikomanagement.

Beurteilung von Risiken

Die Gefährdungsanalyse für den Kanton Zürich befasst sich mit gravierenden Ereignissen, die selten, wenn nicht gar äusserst selten zu erwarten sind. Doch auch solch seltene Ereignisse können einmal eintreten und werden dann für alle zur realen Gefährdung. Daher ist es wichtig, sich damit zu befassen und das Mögliche zur Vorbereitung zu tun.

Ein Blick auf verschiedene Gefährdungen und Risiken zeigt sehr anschaulich, dass es nie eine absolute Sicherheit geben wird. Auch das beste Risikomanagement kann nicht verhindern, dass gravierende Ereignisse eintreten, doch eine umsichtige und verhältnismässige Vorsorge ist unabdingbare Voraussetzung für eine möglichst rasche und umsichtige Bewältigung des Ausserordentlichen.

Der Bericht «Risikomanagement Bevölkerungsschutz – Kanton Zürich» ist ein weiterer Schritt für die Vorsorge im Kanton Zürich. Mit Hilfe von Referenzszenarien wurden die vorhandenen Strukturen und Fähigkeiten beurteilt und Verbesserungspotenziale gesucht und gefunden.

Gefährdungen und Risiken

Analysiert werden Gefährdungen, bei deren Eintreten sehr grosse Schäden zu erwarten sind und eine «ausserordentliche Lage» gemäss §2 und §10 des kantonalen Bevölkerungsschutzgesetzes (BSG) eintritt. Für den Kanton Zürich gelten derzeit folgende Gefährdungen als relevant:

Einteilung der verschiedenen Gefährdungen
Die Einteilung der verschiedenen Gefährdungen.

Die Ergebnisse der Analysen zeigen für den Kanton Zürich ein ähnliches Bild wie in anderen Kantonen oder auf nationaler Ebene: Auch diese weisen die Pandemie als grösstes Risiko aus, gefolgt von Naturgefahren sowie dem Szenario eines Stromausfalls. Die weiteren technischen Gefährdungen weisen meist geringere Risiken auf. Als Zürcher Besonderheit ist aufgrund der Lage des Flughafens Zürich und der dichten Besiedelung im Umfeld das vergleichsweise hohe Risiko eines Absturzes eines Grossraumflugzeugs zu nennen.

Weitere Informationen

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Im Kanton Zürich sind Bevölkerungszahl, Infrastruktur- und Wertedichte vergleichsweise hoch. Entsprechend komplex sind die Aufgaben, welche die Verantwortlichen für den Bevölkerungsschutz bei der Vorsorge und der Ereignisbewältigung erfüllen müssen. Daher müssen die zuständigen Organisationen über ausreichende Ressourcen verfügen und die Abläufe aufeinander abstimmen. Dies ist heute im Kanton Zürich grundsätzlich der Fall. Trotzdem wird der Bevölkerungsschutz bei schwerwiegenden Ereignissen, vor allem bei sogenannten Ausserordentlichen Lagen, auch im Verbund mit den Partnerorganisationen, an seine Grenzen stossen. Aus diesem Grund ist es zwingend, das Bevölkerungsschutz-System ständig kritisch zu reflektieren und dem Umfeld anzupassen.

Eine solche Analyse zeigte rund 51 Verbesserungsmöglichkeiten auf in den Bereichen Vorbeugung, Bewältigung und Regeneration sowohl auf strategisch-politischer als auch auf operativer Ebene: von fehlenden Konzepten über den Bedarf nach mehr Informationsaustausch und Engpässen bei Infrastruktur oder Material bis hin zum Bedarf nach mehr Ausbildungen und Übungen. Gleichzeitig wurden geeignete Massnahmen entwickelt, um die erkannten Verbesserungsmöglichkeiten auch umsetzen zu können.

Ziel des Risikomanagements Bevölkerungsschutz im Kanton Zürich ist es, den Schutz der Bevölkerung und ihrer Lebensgrundlagen weiterhin auf hohem Niveau zu gewährleisten und kontinuierlich zu verbessern. Daher gilt es, die erkannten Verbesserungsmöglichkeiten umzusetzen und die Gefährdungssituation kontinuierlich weiter zu verfolgen. Denn sowohl das Spektrum der relevanten Gefährdungen wie auch das Optimierungspotenzial können sich mit der Zeit verändern.

Mit diesen Aufgaben befassen sich zwei ergänzende Teilprozesse:

  • In der «Strategischen Vorsorge» wird etwa alle fünf Jahre die Gefährdungslage neu beurteilt und der Handlungsbedarf evaluiert.
  • Die «Operative Vorsorge» überprüft jährlich die vorgeschlagenen Massnahmen sowie deren Umsetzung.

Bedeutsame Entwicklungen können jederzeit in die beiden Teilprozesse einfliessen. Die Bevölkerungsschutzabteilung der Kantonspolizei Zürich koordiniert die beiden Teilprozesse des kontinuierlichen Risikomanagements.

Gefährdungsanalyse und Risikobeurteilung
Anlehnung an Kreislauf des integralen Risikomanagements im Bevölkerungsschutz aus dem Leitfaden KATAPLAN 2013.

Die Arbeiten orientieren sich am Leitfaden KATAPLAN des Bundesamts für Bevölkerungsschutz (BABS) und am Prozess des integralen Risikomanagements. Die Gefährdungsanalyse und die Risikobeurteilung stehen dabei im Zentrum und bilden die Grundlage für eine kontinuierliche und nachhaltige Vorsorgeplanung.

Für jede relevante Gefährdung wird ein Faktenblatt mit den wichtigsten Informationen und Annahmen zusammengestellt und laufend aktualisiert. Die Blätter dienen als:

  • Referenz zur Prüfung der Verbesserungsmöglichkeiten
  • Referenz für Private und Betriebe zur eigenen Vorsorge
  • Grundlage für Übungsszenarien
Sturm

Bei Sturm handelt es sich um Wind von grosser Heftigkeit, der erhebliche Schäden und Zerstörung anrichten kann. Übersteigen die durchschnittlichen Windgeschwindigkeiten während mindestens zehn Minuten 118 km/h, wird der Sturm als «Orkan» klassifiziert. Orkanböen können in der Schweiz in jedem Jahr und zu jeder Jahreszeit vorkommen.

Hochwasser & Erdrutsch

Als Hochwasser wird der Zustand in einem Gewässer bezeichnet, bei dem der Wasserstand oder Abfluss einen bestimmten (Schwellen-)Wert erreicht oder überschritten hat.
Hochwasserführende Flüsse transportieren oft grössere Mengen an Schwemmgut (Holz, Zivilisationsgüter) und Geschiebe mit.

Mit Hochwasser gehen oft Erdrutsche einher. Ein Erdrutsch ist ein sich oft schnell bewegendes Gemenge aus Wasser und Feststoffen (Sand, Kies, Steine, Blöcke, Holz). Bei beidem kann es zu Ufer- und Sohlenerosion sowie Ablagerung von Geschiebe kommen.

Erdbeben

Als Erdbeben werden grossräumige Erschütterungen des Erdbodens bezeichnet, die sich von einem Ursprungsort im Erdinneren ausgehend über einen grossen Teil der Erdoberfläche ausbreiten. Die Erdbeben in der Schweiz stehen im Zusammenhang mit den grossräumigen Bewegungen der afrikanischen und europäischen Kontinentalplatten. Durch diese Bewegungen werden Spannungen in der Erdkruste aufgebaut, die sich in Form von Erdbeben entladen.

Die mit der Plattentektonik zu erklärenden Beben bezeichnet man als tektonische Beben. Sie machen den Grossteil der weltweiten Erdbeben aus. Weitere Ursachen von Erdbeben sind Einsturzbeben durch den Einsturz von Höhlen, meist in Karstgebieten, und durch den Menschen induzierte Beben (Sprengungen, Absenkungen in Bergbaugebieten, Tunnelbau oder Geothermie).

Die Erdbebengefährdung im Kanton Zürich wird als gering eingestuft.

Absturz Grossraumflugzeug

Als «Absturz Grossraumflugzeug» wird ein Flugunfall bezeichnet, bei dem ein Grossraumflugzeug ungewollt auf den Boden aufschlägt und Schäden bewirkt.

Ein Grossraumflugzeug ist definiert als Verkehrsflugzeug mit mehr als fünf Meter Rumpfdurchmesser und mindestens zwei Gängen in der Passagierkabine.

Störfall konventionelle Anlage

Ein Störfall ist ein ausserordentliches Ereignis in einem stationären Betrieb oder in einer stationären Anlage, in der Gefahrengüter hergestellt oder gelagert werden oder in denen mit Gefahrstoffen gearbeitet wird. Ein Störfall in einem konventionellen Betrieb geht meist mit einem Grossbrand oder einer Explosion einher. 

Gefahrgutunfall Schiene

Gefährliche Güter (Gefahrgüter) sind Stoffe, die eine Gefahr für Mensch, Tier und Umwelt bedeuten können. Gefahrgutunfälle sind Ereignisse, die beim Verladen, Befördern, Rangieren, Entladen oder während eines transportbedingten Aufenthalts von gefährlichen Gütern, Mensch oder Umwelt gefährden.

Ausfall Stromversorgung

Der «Ausfall Stromversorgung» wird als Ausfall der Versorgung mit elektrischer Energie aufgrund unterbrochener oder beschädigter Stromleitungen, Transformatoren oder Verteilknoten definiert. Bei einem vollständigen Stromausfall spricht man von einem «Blackout».

KKW-Unfall Inland

Jeder vom Normalbetrieb abweichende Anlagenzustand in einem Kernkraftwerk gilt als Störfall. Von einem KKW-Unfall wird gemäss internationaler Bewertungsskala für nukleare Ereignisse dann gesprochen, wenn die zusätzliche Strahlenexposition der Bevölkerung etwa der Höhe der natürlichen Strahlenexposition entspricht oder diese übersteigt.

Ein Unfallablauf wird in drei Phasen gegliedert: Vorphase vom Beginn des Unfalls bis zum möglichen Austritt von radioaktiven Stoffen (Minuten bis Tage), Wolkenphase vom Beginn austretender radioaktiver Stoffe bis Ende des Durchzugs der Partikelwolke (Stunden bis Tage) sowie Bodenphase geprägt durch die Strahlung des kontaminierten Bodens (Monate bis Jahrzehnte).

Pandemie

Infektionskrankheiten können durch verschiedene Krankheitserreger oder Pathogene (Bakterien, Viren, Pilze, Parasiten, selten Prionen) hervorgerufen werden.

Ein stark gehäuftes Auftreten einer Infektionskrankheit innerhalb eines bestimmten Zeitraums und einer bestimmten Region oder Bevölkerung wird «Epidemie» genannt. Unter «Pandemie» versteht man eine zeitlich begrenzte, weltweite, massive Häufung von Erkrankungen. Solche Pandemien werden vorwiegend durch Viren ausgelöst.

Tierseuche

Eine Tierseuche ist eine durch Krankheitserreger hervorgerufene, übertragbare und sich meist schnell verbreitende Erkrankung von Tieren. Die Grenzen zu einer «normalen» Tierkrankheit sind fliessend. Der Begriff «Tierseuche» ist durch die Tierseuchengesetze der jeweiligen Länder juristisch definiert und ist Ausdruck eines staatlichen Interesses an der Bekämpfung dieser Krankheit.

In der Schweiz sind Tierseuchen im Sinne des Tierseuchengesetzes übertragbare Krankheiten, die

  • auf den Menschen übertragen werden können (Zoonosen),
  • von einzelnen Tierhaltungen nicht mit Aussicht auf Erfolg abgewehrt werden können,
  • einheimische wildlebende Tierarten bedrohen können,
  • bedeutsame wirtschaftliche Folgen haben können,
  • für den internationalen Handel mit Tieren und tierischen Produkten von Bedeutung sind.
Konventioneller Anschlag

Bei einem Anschlag mit einer konventionellen Bombe wird eine Sprengvorrichtung vorsätzlich zur Explosion gebracht. Ziel des Anschlags können Personen, Tiere, Güter oder die Umwelt sein. Je nach Beweggrund und Zielsetzung der nicht-militärischen Täterschaft kann sich der Anschlag gegen bewusst ausgewählte Ziele oder gegen zufällig anwesende Personen richten.

In erster Linie geht es um die möglichst weitreichende Verbreitung psychologischer Effekte (Unsicherheit, Angst und Schrecken). Die Tat wird durch die zu erwartende mediale Aufmerksamkeit als Terrorakt inszeniert.

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Kantonspolizei Zürich – Bevölkerungsschutzabteilung

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