Energiemangellage

Was eine Strom- oder Gasmangellage auszeichnet, welche Massnahmen möglich sind und weitere Informationen zur Versorgung.

Inhaltsverzeichnis

Strommangel

Mangellage

In einer Strommangellage übersteigt die Nachfrage während mehrerer Tage, Wochen oder Monate das Angebot aus der Produktion.

Das hat zur Folge, dass der Verbrauch vermindert werden muss. So können komplette Stromausfälle (Blackouts) vermieden werden. Strom bleibt aber grundsätzlich verfügbar. 

Mögliche Massnahmen in vier Stufen

Der Bundesrat entscheidet je nach aktueller Situation und Schwere der Mangellage, welche Massnahmen ergriffen werden und ob Verbote oder Einschränkungen nötig sind. Ziel der Interventionen ist es, die Netzstabilität und damit die Stromversorgung aufrechtzuerhalten. Jede Stufe an Massnahmen hat zum Ziel, schlimmere Folgen und härtere Massnahmen zu vermeiden. 

Stufe 1: Sparappelle (Aufruf zum Sparen)

Bei einer unmittelbar drohenden Mangellage richtet der Bund zuerst dringliche Sparappelle an alle Stromverbraucher.

Stufe 2: Einschränkungen oder Verbote nicht zwingend benötigter Geräte und Anlagen

Parallel zu Sparappellen kann der Bundesrat bereits erste Verwendungsbeschränkungen und Verbote erlassen. Sie erfolgen in Eskalationsschritten, angefangen bei Komforteinschränkungen wie dem Verbot von Whirlpools im privaten Bereich oder von Anstrahlbeleuchtungen von Gebäuden und Gärten – bis hin zu einschneidenden Massnahmen wie Betriebsschliessungen. Im Verordnungsentwurf sind die verschiedenen Eskalationsschritte und die jeweiligen Verbote und Verwendungsbeschränkungen detailliert aufgelistet (siehe Medienmitteilung unten).

Die Eskalationsstufen sollen helfen, den volkswirtschaftlichen Schaden möglichst gering zu halten und Wettbewerbsverzerrungen zu minimieren. 

Stufe 3: Kontingentierung für Grossverbraucher

Das Ziel einer allfälligen Kontingentierung ist es, Netzabschaltungen zu verhindern. Dafür soll über eine bestimmte Zeitdauer eine bestimmte Menge an Energie eingespart werden. Der Bundesrat legt diese jeweils für einen Monat fest. Es ist aber auch eine Sofortkontingentierung möglich, die innert weniger Tage eingesetzt werden kann und sich auf einen Tag beläuft.

Betroffen sind nur Stromkunden mit einem Jahresverbrauch ab 100’000 Kilowattstunden. Das gilt grundsätzlich auch für Betreiber kritischer Infrastrukturen und Verbraucher, die für die Grundversorgung relevant sind. Der Bundesrat will aber während diesem Winter versuchsweise in einem eingeschränkten Rahmen die Weitergabe von Kontingenten ermöglichen. Für den Winter 2023/24 strebt er eine umfassende Lösung an.

Stufe 4: Netzabschaltungen

Als letztmögliche Bewirtschaftungsmassnahme sind Netzabschaltungen vorgesehen. Sie sollen einen umfassenden Netzzusammenbruch und somit einen Blackout verhindern. Zu diesem Zweck werden im Stromnetz einzelne Teilnetzgebiete abwechselnd abgeschaltet. Verbrauchergruppen mit lebenswichtigen Dienstleistungen wie zum Beispiel die Energie- und Wasserversorgung, Blaulichtorganisationen oder die medizinische Grundversorgung können von Netzabschaltungen ausgenommen werden, sofern dies technisch möglich ist.

Die Folgen für Wirtschaft und Bevölkerung wären gravierend, mit folgenschweren Einschränkungen. Deshalb wird alles unternommen, um Netzabschaltungen zu verhindern.

Stromausfälle (Blackouts)

Grossflächige regionale oder sogar überregionale Stromausfälle (Blackouts) sind sehr selten. Es ist davon auszugehen, dass die Netzstabilität während aller Szenarien einer Strommangellage sichergestellt ist und es nicht zu plötzlichen Stromausfällen kommt.

Infrastruktur und Grundversorgung

Mobilfunknetz und Internet

Mobilfunknetze werden bei kurzzeitigen Stromunterbrüchen nur bedingt zur Verfügung stehen. Mobilfunk-Antennenstandorte verfügen über eine Notstromversorgung (Batterien bis zu zwei Stunden), zentrale Einheiten über Notstromgeneratoren (mehr als zwei Stunden).

Bei Stromunterbrüchen stehen die ICT-Dienste (LAN, WLAN, Internet, teilweise Festnetztelefonie) nicht zur Verfügung, da es keine Notstromversorgung gibt.

Notruf

Im Fall eines Blackouts, aber auch bei den geplanten zyklischen Abschaltungen, ist davon auszugehen, dass die Kommunikationsnetze zumindest teilweise zusammenbrechen.

Im Extremfall kann dies bedeuten, dass die Notfallversorgung nur noch über kommunale Notfalltreffpunkte funktioniert.

Notfalldienste und Spitäler

Notfalldienste und Spitäler sind – wenn technisch möglich – von Abschaltungen ausgenommen. Andernfalls müssen die Notfalldienste bzw. die Gemeinden die Notstromversorgung sicherstellen (z.B. durch ein Notstromaggregat).

Lebensmittel

Grossverteiler und der Detailhandel sind für die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln zuständig. Diese Unternehmen bereiten sich entsprechend auf mögliche Anordnungen des Bundes vor und ergreifen Massnahmen zur Aufrechterhaltung (eines Teils) ihres Betriebs.

Sollten die Unternehmen diese Funktion nicht mehr sicherstellen, greift der Bund mit gezielten Massnahmen der wirtschaftlichen Landesversorgung in den Markt ein, z.B. mit der Freigabe von Pflichtlagern mit lebensnotwendigen Nahrungsmitteln.

Öffentliche Sicherheit

Bis auf Weiteres sind im Kanton Zürich keine Einschränkungen bei der Strassenbeleuchtung auf Kantonsstrassen vorgesehen. 

Um Strom zu sparen, kann für die Sicherheit nicht notwendige Beleuchtung im Ermessen des Kantons und der Gemeinden reduziert oder ausgeschaltet werden. Verbindliche Einschränkungen und Verbote würden vom Bund verordnet, sobald er dies aufgrund der Situation als notwendig erachtet.

Private Haushalte

Notvorrat

In Krisenzeiten wie einer Energiemangellage ist die Vorsorge besonders wichtig. In solchen Fällen bildet ein individuell zusammengestellter Notvorrat ein beruhigendes Reservepolster. Dazu gehören Wasser und Getränke, Lebensmittel für eine Woche, Gebrauchsgüter, Hygieneartikel sowie eine Hausapotheke.

Wiederaufstart von Geräten und Systemen

Normalerweise nehmen elektrische Geräte keinen Schaden bei einem Stromunterbruch.

Es kann jedoch zu Problemen mit Steuerungsanlagen beim Wiederaufstarten von Systemen kommen. So könnte z.B. eine Wärmepumpe nicht mehr anlaufen, eine elektrische WC-Spülung ausfallen oder ein Garagentorantrieb. Deshalb ist zu empfehlen, sich rechtzeitig damit auseinanderzusetzen, was zu tun ist, wenn der Strom wieder da ist.

Die Energieersparnis durch die Ausschaltung ist grösser als allenfalls zusätzlich verbrauchte Energie bei Startvorgängen.

Medizinische Hilfsgeräte

Für Personen, die für den Betrieb von medizinischen Hilfsgeräten auf eine durchgehende Stromversorgung angewiesen sind, können individuelle Lösungen ausgearbeitet werden. Sinnvollerweise arbeiten sie dafür mit Institutionen der Gesundheitsversorgung zusammen.

Die Vorsorge für mögliche Versorgungsunterbrüche liegt in erster Linie in der Verantwortung der Betroffenen selbst. Dazu gehört z.B. die Beschaffung geeigneter Ersatzversorgungslösungen wie Batteriepakete.

Strom aus privaten Solaranlagen

Ob selbst produzierter Strom aus privaten Photovoltaikanlage ins Netz eingespiesen werden muss, hängt vom jeweiligen vereinbarten Einspeisemodell ab. Dieses gilt weiter, unabhängig von allfälligen Bewirtschaftungsmassnahmen.

Grundsätzlich wird die Produktion elektrischer Energie mit dezentralen Energieerzeugungsanlagen wie gewohnt vergütet. Vorbehalten bleiben anderslautende Vorgaben des Bundes im Krisenfall.

Keine Notstromaggregate

Private Haushalte benötigen kein Notstromaggregat. Allfällige Stromunterbrüche würden vorab angekündigt.

Solange Kühl- und Gefrierschrank nicht geöffnet werden, verderben keine Lebensmittel.

Unternehmen

Lifte und Türen

Jeder Betreiber eines öffentlichen Gebäudes ist für die Gewährleistung des Zugangs für betagte, behinderte oder in der Mobilität eingeschränkte Personen verantwortlich.

Fallen Liftanlagen oder elektrische Türen aus, muss mit alternativen Mitteln der Zugang gewährleistet werden. Es empfiehlt sich, ein entsprechendes Konzept auszuarbeiten.

Sicherheitsanlagen

Betroffene müssen selber dafür sorgen, dass die Sicherheitssysteme unabhängig von Netzabschaltungen funktionieren. Alternativ können sie andere Massnahmen treffen, etwa die vorübergehende Einlagerung von Wertgegenständen in Safes.

Lebensmittelbetriebe

Lebensmittelbetriebe müssen sich je nach Grösse und Wert der Kühlprodukte überlegen, ob und wie sie Massnahmen zur Aufrechterhaltung der Kühlung treffen. Möglich sind etwa Batterieversorgungen oder Notstromaggregate.

Während eines Stromausfalls sollten Kühlräume und Kühlgeräte so wenig und so kurz wie möglich geöffnet werden. Die Lebensmittel sollten in Kühlboxen umgeräumt und die Kühlung sichergestellt werden, z.B. durch vorbereitete Kältedepots oder die kalte Aussentemperatur.

Kühlfahrzeuge können bei kalter Aussentemperatur zur kurzfristigen Auslagerung dienen.

Kälte wird in offenen Geräten oder Vitrinen gespeichert, wenn diese mit geeigneten Vorrichtungen wie Rollos geschützt werden.

Homeoffice

Homeoffice als Sparmassnahme ist nur sinnvoll, wenn dessen Anordnung nicht zu einer blossen Verlagerung des Energieverbrauchs vom Unternehmen in den Privathaushalt führt. Voraussetzung ist die zuverlässige Funktion der öffentlichen Kommunikationsnetze (Internet, Telefonie) sowie der Verbindungen zu den IT-Systemen im Geschäft. Dies wäre im Fall von zyklischen Stromabschaltungen nicht oder nur sehr eingeschränkt gegeben.

Finanzielle Unterstützung

Das Landesversorgungsgesetz sieht keine Entschädigungspflicht für den Bund vor. Grundsätzlich tragen Unternehmen die Kosten der Massnahmen.

Eine Entschädigung wäre allenfalls in Einzelfällen möglich, z.B. wenn ein Unternehmen vom Bund verpflichtet wird, einen bestimmten Beitrag zur Krisenvorsorge zu leisten.

Es sind keine Kostenübernahmen von Aufwänden, die durch OSTRAL-Vorbereitungsmassnahmen entstehen, vorgesehen. Stromgrossverbraucher tragen die entsprechenden Aufwendungen selbst. 

Es besteht die Möglichkeit, Kurzarbeitsentschädigung über die zuständige kantonale Amtsstelle zu beantragen (gemäss Arbeitslosenversicherungsgesetz, SR 837.0).  Kurzarbeitsentschädigung aus wirtschaftlichen Gründen wird erst gewährt, wenn Kündigungen drohen und ein Unternehmen alle zumutbaren Massnahmen ergriffen hat, um Arbeitsausfälle zu vermeiden. Eine Gewährung von Kurzarbeitsentschädigung setzt weiter voraus, dass ausserordentliche Umstände zu Arbeitsausfällen führen, welche als nicht zum normalen Betriebsrisiko gehörend erachtet werden.

Der Hinweis auf eine Energiepreissteigerung alleine reicht grundsätzlich nicht aus als Rechtfertigung für den Bezug von Kurzarbeitsentschädigung. Bei einer freiwilligen Produktionsreduktion oder Produktionsreduktionen aus Rentabilitätsgründen durch das Unternehmen steht die Kurzarbeitsentschädigung grundsätzlich nicht zur Verfügung.

Gasmangel

Mangellage

Übersteigt die Nachfrage nach Gas das lieferbare Angebot, ordnet der Bund entsprechende «Bewirtschaftungsmassnahmen» an. 

Mögliche Massnahmen in vier Stufen

Stufe 1: Sparappelle (Aufruf zum Sparen)

Bei einer unmittelbar drohenden Mangellage richtet der Bund zuerst dringliche Sparappelle an alle Stromverbraucher.

Stufe 2: Umschaltung Zweistoffanlagen von Gas auf Öl

Der Bund empfiehlt die Umschaltung von Zweistoffanlagen von Gas auf Öl bereits seit dem 1. Oktober 2022. Der Bund kann die Umschaltung aber auch noch anordnen (Stufe 2).

Da diese Umschaltung viel Heizöl benötigt, lautet die Empfehlung weiterhin, die Öltanks zu füllen. Um Lieferengpässe in den Wintermonaten zu vermeiden, sollte das Heizöl möglichst frühzeitig bestellt werden.

Stufe 3: Verbote und Beschränkungen der Verwendung von Gas

Der Bund kann beispielsweise die Raumtemperatur in Privathaushalten verbindlich beschränken. Auch für Geschäftsräume und Büros kann er eine maximale Temperatur verordnen. Weiter wäre ein Heizverbot für Schwimm- und Wellnessbäder denkbar.

Die Verordnungen werden erst im Falle einer schweren Gasmangellage in Kraft gesetzt und müssen dann gegebenenfalls unter Berücksichtigung der aktuellen Lage angepasst werden. Sie dienen dazu, eine Verschlechterung der Versorgungslage und damit die Notwendigkeit von weitergehenden Massnahmen zu verhindern.

Je nach Verlauf der Mangellage ist eine gleichzeitige oder auch eine gestaffelte Umsetzung der Massnahmen möglich. Sie werden stets befristet in Kraft gesetzt und so rasch wie möglich wieder aufgehoben.

Stufe 4: Kontingentierung für private und öffentliche Unternehmen

Der Bund kann schliesslich das Gas kontingentieren.

Er plant, bei einer Kontingentierung von privaten und öffentlichen Unternehmen folgende Verbraucher zu schützen:

  • Privathaushalte
  • Spitäler, Geburtshäuser, ambulante Zentren zur medizinischen Versorgung, Arztpraxen sowie Alters- und Pflegeheime
  • Einrichtungen für Kinder und Jugendliche und für Menschen mit Behinderungen, Asylzentren und Einrichtungen zum Schutz vor häuslicher Gewalt
  • Betriebe der öffentlichen Sicherheit (z.B. Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst, Justizvollzuganstalten, Armee)
  • Betriebe zur Sicherstellung der Trinkwasser- und Energieversorgung, Abwasserreinigung und Abfallentsorgung
  • Betriebe, die für Einrichtungen des Gesundheitswesens Textilien hygienisieren oder medizinische Gerätschaften sterilisieren
  • Betreiber von Weichenheizungen

Betroffene von allfälligen Kontingentierungen:

  • Industriebetriebe
  • Büro- und Verwaltungsgebäude
  • Sport- und Freizeitanlagen
  • Lagerhallen
  • Gewerbehäuser
  • öffentliche und private Schulen
  • Restaurants
  • Hotels
  • weitere, diese Auflistung ist nicht abschliessend

Vorbereitung

Öltanks füllen

Füllen Sie Ihren Öltank, falls Sie mit Öl heizen. Die empfohlene Umschaltung von Zweitstoffanlagen von Gas auf Öl benötigt viel Heizöl. Bestellen Sie das Heizöl möglichst früh, um Lieferengpässe in den Wintermonaten zu vermeiden.

Holzpelletvorrat füllen

Wer mit Holzpellets heizt, soll dieses Jahr so früh wie möglich sein Vorratslager füllen. Diese Empfehlung sowie zusätzliche Importe sollen helfen, bei den Pellets im kommenden Winter eine Mangellage zu verhindern.

Kontakt

Staatskanzlei – Kommunikationsabteilung des Regierungsrates

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