Geschlechtsspezifische Gewalt

Geschlechtsspezifische Gewalt tritt in unterschiedlichen Formen auf und hat vielfältige Ursachen und Folgen. Sie betrifft Menschen in verschiedenen Lebensbereichen und wirkt sich sowohl auf die Betroffenen als auch auf die Gesellschaft aus. Die Förderung von Gleichstellung ist ein wichtiger Ansatz, um geschlechtsspezifischer Gewalt vorzubeugen und ihre Ursachen nachhaltig zu bekämpfen.

Darum geht es 

Geschlechtsspezifische Gewalt kann viele Formen annehmen – körperliche, sexuelle/sexualisierte, psychische, digitale, wirtschaftliche oder strukturelle Gewalt. Sie zeigt sich etwa in Partnerschaften, am Arbeitsplatz, im öffentlichen Raum oder online und richtet sich gegen Menschen aufgrund ihres Geschlechts oder ihrer Geschlechtsidentität.

Geschlechtsspezifische Gewalt kommt weltweit vor: Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat etwa jede dritte Frau auf der Welt im Alter von 15 Jahren bis 49 Jahren, die in einer Beziehung lebt, schon einmal körperliche und/oder sexuelle Gewalt durch ihren Partner erfahren.


In der Schweiz wurden gemäss der Opferhilfestatistik aus dem Jahr 2024 51 547 Beratungen infolge einer Straftat gegen die körperliche, psychische oder sexuelle Integrität durchgeführt. Die Opfer gaben in 71 Prozent der registrierten Fälle an, dass sie die mutmassliche Täterin oder den mutmasslichen Täter kennen. In 78 Prozent aller Fälle war diese Person ein Mann und in knapp vier von zehn Beratungen handelte es sich dabei um den Partner oder Ex-Partner des Opfers.   

Hilfe nach sexueller oder häuslicher Gewalt

Betroffene von sexueller/sexualisierter Gewalt und häuslicher Gewalt können sich an die folgenden Stellen wenden:

Formen geschlechtsspezifischer Gewalt 

Es gibt verschiedene Formen von geschlechtsspezifischer Gewalt:

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Bei der sexualisierten oder auch sexuellen Gewalt handelt es sich um Straftaten, die Gewalt und insbesondere sexuelle Handlungen umfassen. Sie erfolgen ohne Einverständnis und gegen den Willen einer minderjährigen oder erwachsenen Person. Sie werden angedroht, aufgedrängt oder aufgezwungen.

Gemäss Art. 198 im Strafgesetzbuch geht es bei sexueller Belästigung um das Vornehmen einer sexuellen Handlung vor einer Person, welche das nicht erwartet, und das Erregen von Ärger dadurch oder durch tätliche oder grobe Belästigung durch Wort, Schrift oder Bild.

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz fällt unter das Gleichstellungsgesetz. Mehr dazu erfahren Sie auf der Themenseite «Sexuelle Belästigung».

Häusliche Gewalt oder auch Gewalt im sozialen Nahraum oder Gewalt in Paarbeziehungen kann psychische, sexuelle/sexualisierte, körperliche, soziale oder wirtschaftliche Gewalt in der Familie, oder einer Beziehung umfassen. Dabei kann sie auch auftreten, wenn die Personen nicht mehr im selben Haushalt leben oder die Beziehung bereits beendet wurde.

Häusliche Gewalt entsteht durch das Zusammenspiel verschiedener Faktoren auf individueller, partnerschaftlicher, gemeinschaftlicher und gesellschaftlicher Ebene. Fehlende Gleichstellung ist dabei ein wichtiger Risikofaktor für geschlechtsspezifische Gewalt. Sie verstärkt bspw. finanzielle Abhängigkeiten in Beziehungen und fördert Geschlechterstereotype, die Gewalt begünstigen können.

Auch nach einer Trennung endet die Gewalt nicht zwangsläufig. Das Risiko weiterer Gewalteskalationen bis hin zu Tötungsdelikten im sozialen Nahraum kann sogar steigen.

Zwangsheirat 

Eine Zwangsheirat bezeichnet die Eheschliessung, welche gegen den Willen von mindestens einer der heiratenden Personen geschieht. Sie wird unter Druck von aussen geschlossen, beispielsweise durch Familienangehörige. Oft schweigen die betroffenen Personen aufgrund des familiären oder gesellschaftlichen Drucks, selbst wenn sie nicht einverstanden sind. Auch Minderjährige sind von Zwangsheirat betroffen. Mehr Informationen zum Thema Zwangsheirat finden Sie auf dieser Website

Digitale Gewalt bezeichnet Angriffe auf Menschen über das Internet oder soziale Medien. Dazu zählen Hasskommentare, Beleidigungen, Drohungen, sexuelle Belästigung, Cyberstalking sowie das Veröffentlichen privater Daten (Doxxing). Besonders betroffen sind Frauen, sowie mehrfach diskriminierte Personen, da digitale Gewalt häufig an bestehende gesellschaftliche Diskriminierungen anknüpft.

Digitale Gewalt kann erhebliche Folgen haben. Viele Betroffene erleben psychischen Druck, Angst oder ziehen sich aus öffentlichen Räumen zurück. Häufig vermeiden sie es, sich öffentlich zu äussern, um weiteren Angriffen zu entgehen. Besonders Frauen in Politik, Medien oder Aktivismus sind verstärkt betroffen, was ihre gesellschaftliche und politische Teilhabe einschränken kann. 

Prävention geschlechtsspezifischer Gewalt 

Die Förderung von Gleichstellung beispielsweise durch ökonomische Unabhängigkeit oder dem Abbau von stereotypen Rollenerwartungen wirken präventiv. Mehr dazu hier

Ursachen geschlechtsspezifischer Gewalt 

Die Ursachen von Gewalt in einer Partnerschaft sind vielschichtig und können nicht allein auf individuelle Persönlichkeitsmerkmale zurückgeführt werden. Oft entsteht sie durch das Zusammenspiel diverser Faktoren auf verschiedenen Ebenen. Während einige dieser Faktoren das Risiko für Gewalt erhöhen, wirken andere schützend und können deren Folgen abmindern.

Es sind also nie einzelne Faktoren, sondern es gilt, Risikofaktoren auf unterschiedlichen Ebenen zu berücksichtigen.

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Auf der ersten Ebene geht es um gesellschaftliche Einflussfaktoren, die entweder Gewalt begünstigen oder ihr entgegenwirken können. Im Fokus stehen bspw. soziale Normen, insbesondere in Bezug auf Geschlechterrollen und den Umgang mit Gewalt.

So wird geschlechtsspezifische Gewalt von traditionellen Geschlechterrollen und Stereotypen in der Gesellschaft beeinflusst: Diese stereotypen Bilder und Vorstellungen tragen dazu bei, dass Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern in vielen Bereichen der Gesellschaft bestehen bleiben. Diese ungleichen Machtverhältnisse schaffen ein Umfeld, in dem Gewalt häufig verharmlost oder toleriert wird.

Die gesellschaftliche Wahrnehmung von Gewalt und Geschlecht beeinflusst massgeblich auch, wie sexistische Bemerkungen und sexuelle Belästigung bewertet und angegangen werden.

Diese Ebene umfasst die sozialen und räumlichen Netzwerke, in die Individuen und Paare eingebunden sind. Das können Familie, Freundeskreis, Nachbarschaft oder Arbeitsplatz sein. Dabei geht es darum, inwieweit betroffene Personen Unterstützung vom Umfeld erfahren oder möglicherweise sozial isoliert sind.

Neben sozialer Isolation ist finanzielle Abhängigkeit ein weiterer Risikofaktor für Gewalt und ein Aspekt, der es Betroffenen erschweren kann, Beziehungen zu beenden.

Geschlechtsspezifische Gewalt kann begünstigt werden durch geschlechterstereotype Rollenbilder, die das Verständnis von Geschlecht, Ehe, Partnerschaft und Sexualität prägen können.

Diese Vorstellungen begünstigen nicht selten die Akzeptanz von Gewalt als legitimes Mittel zur Konfliktbewältigung – besonders im Zusammenhang mit Männlichkeit. Grenzüberschreitendes Verhalten wird dabei häufig als Ausdruck von Stärke und Durchsetzungsvermögen gewertet, was die Anwendung von Gewalt normalisieren kann.

Im Mittelpunkt der Beziehungsebene stehen Aspekte wie Kommunikationsverhalten, Konfliktbewältigung, Beziehungszufriedenheit, Eifersucht sowie die Verteilung von Macht innerhalb der Partnerschaft. Denn geschlechtsspezifische Gewalt ist eng mit Machtverhältnissen innerhalb von Geschlechterbeziehungen verknüpft, die tief in gesellschaftliche Strukturen eingebettet sind.

Diese Beziehungen spiegeln oft Ungleichheiten wider, die nicht nur zwischen zwei Personen oder innerhalb einer Gruppe, sondern auch in der gesamten Gesellschaft bestehen. Solche Machtverhältnisse prägen das individuelle Verständnis von Geschlecht, Gewalt und Konfliktbewältigung. Die Art und Weise, wie Menschen Gewalt wahrnehmen und mit ihr umgehen, wird somit stark von diesen gesellschaftlichen Ebenen beeinflusst.

Um geschlechtsspezifische Gewalt zu bekämpfen, ist es unerlässlich, diese strukturellen Machtungleichheiten zu erkennen und anzugehen.

Auf individueller Ebene spielen entwicklungsbedingte, biologische und persönliche Faktoren eine Rolle, die das Verhalten von Partnerinnen und Partnern in der Beziehung beeinflussen. Dazu zählen unter anderem die Fähigkeit zur Stressbewältigung, frühere Missbrauchserfahrungen, das Selbstwertgefühl, antisoziales Verhalten sowie der Konsum von Alkohol und Drogen.

Die fehlende Gleichstellung der Geschlechter in verschiedenen Bereichen der Gesellschaft hat Auswirkungen auf individueller Ebene – insbesondere in Form finanzieller Abhängigkeit. Diese Abhängigkeit stellt einen wesentlichen Risikofaktor für geschlechtsspezifische Gewalt dar, da sie Betroffene in gewaltvollen Beziehungen hält und ihre Möglichkeiten, sich zu lösen, stark einschränkt.

Ohne wirtschaftliche Unabhängigkeit fehlt oft der notwendige Handlungsspielraum, um sich aus missbräuchlichen Partnerschaften zu lösen.

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