Alpen-Bergflachs / Bayrischer Bergflachs / Leinblättriger Bergflachs / Schnabelfrüchtiger Bergflachs
Alpen-Bergflachs
Artbeschrieb
Die Unterscheidung der verschiedenen Bergflachs-Arten ist sehr anspruchsvoll. Das Vorkommen einer Bergflachs-Art ist im Kanton Zürich aber grundsätzlich wertvoll und soll gepflegt werden, auch wenn eine Bestimmung auf Art-Niveau nicht möglich sein sollte.
Alpen-Bergflachs (Thesium alpinum)
- 10 - 50 cm hoch, kahl, gelbgrün bis graugrün, keine Ausläufer
- Zahlreiche Stängel, bogig aufsteigend, wenig oder nicht verzweigt, am Grund nur ca. 1 mm dick
- Blätter lineal-lanzettlich, 1 - 4 cm lang, 1 - 4 mm breit, wechselständig, sitzend, 1-nervig
- Blütenstand als schmale, einseitswendige Traube, Blüten 4zählig, innen weiss, aussen grün, jede Blüte mit 3 Hochblättern (1 grösseres Deckblatt, seitlich 2 kleinere Vorblätter), mit gezähntem Rand (Lupe!)
- Frucht fast kugelig, Perigon nach der Blüte nur an der Spitze eingerollt und mind. so lang wie die Frucht
- Blütezeit Mai - Juli
Bayrischer Bergflachs (Thesium bavarum)
Blühender Bayrischen Bergflachs
- 30-80 cm hoch, horstig, kräftig, mit verdickter, verholzter Pfahlwurzel, blaugrün, keine Ausläufer
- Stängel aufrecht, nicht kriechend, meist 2-4 mm dick, am Grund mit zahlreichen, z.T. dachziegelig angeordneten, dichten Schuppen (Lupe!)
- Blätter 4-6 cm lang, 3-7 mm breit, wechselständig, sitzend, oft bis zur Spitze 3-5 nervig
- Blütenstand rispig, mit trugdoldigen Teilblütenständig, Blüten meist 5-zählig (teils 4-zählig), innen weiss, aussen grün, jede Blüte mit 3 Hochblättern (1 grösseres Deckblatt, seitlich 2 kleinere Vorblätter)
- Perigonzipfel nach der Blüte bis zum Grund eingerollt, dadurch kürzer als die Frucht
- Blütezeit Juni - Juli
Leinblättriger Bergflachs (Thesium linophyllon)
Blüheneder Leinblättriger Bergflachs
- 15 - 50 cm hoch, gelbgrün, mit unterirdischen Ausläufern
- Stängel ± aufrecht/aufsteigend, zahlreich, weniger als 2mm dick, am Grund mit entfernt stehenden Blattschuppen
- Blätter schmal-lanzettlich, 1 - 4 cm lang, 1 - 4 mm breit, wechselständig, sitzend, in der oberen Hälfte 1-nervig, am Grund oft 3-nervig
- Blütenstand rispig oder traubig, schmal, Blüten 5-zählig, innen weiss, aussen grün, jede Blüte mit 3 Hochblättern (1 grösseres Deckblatt, seitlich 2 kleinere Vorblätter, diese kürzer als die Frucht)
- Perigonzipfel nach der Blüte bis zum Grund eingerollt, dadurch kürzer als die Frucht
- Blütezeit Mai - Juli
Schnabelfrüchtiger Bergflachs (Thesium rostratum)
Blühender Schnabelfrüchiger Bergflachs
- 15-40 cm hoch, gelbgrün, keine Ausläufer
- Stängel sehr dünn (ca. 1mm), Stängelgrund mit dicht stehenden Schuppenblättern
- Blätter lineal, sehr schmal, selten über 3mm breit, wechselständig, sitzend, 1nervig
- Blütenstand allseitswendig, an der Spitze mit einem Schopf von fädigen Blättern ohne Blüten, Blüten 5zählig, jede Blüte nur mit 1 Hochblatt
- Perigonzipfel nach der Blüte 2-3mal so lang wie die Frucht
- Blütezeit Mai
Ähnliche Arten
Die Bergflachs-Arten sind sich grundsätzlich sehr ähnlich. Sie können aber auch mit folgenden Arten – besonders im vegetativen Zustand – verwechselt werden.
Der Pyrenäen-Bergflachs (Thesium pyrenaicum) unterscheidet sich von dem Alpen-Bergflachs (Thesium alpinum) durch folgende Merkmale:
- Blüten meist 5-zählig
- Blütenstand allseitswendig
- 3 Hochblätter am Rand mit feinen, borstigen Zähnchen (Lupe!)
- Vorkommen: Trockene bis wechselfeuchte, magere, eher kalkarme Wiesen und Weiden
Pyrenäen-Bergflachs (Thesium pyrenaicum)
Das Gemeine Leinkraut (Linaria vuglaris) unterscheidet sich von den Bergflachs-Arten durch folgende Merkmale:
- Blüten gelb
- Stängel dicht beblättert, nur selten mit Achseltrieben
- Blattrand nach unten gerollt, Mittelnerv oberseits eingesenkt, graugrün
- Vorkommen: Wegränder, Schuttplätze
Gemeines Leinkraut (Linaria vuglaris)
Pflege und Gefährdung
Bergflachs-Vorkommen sind generell sehr wertvoll. Solche Standorte sollen – auch ohne Kenntnis über die genaue Artzugehörigkeit – entsprechend gepflegt werden.
Grundanforderungen an die Pflege für alle Bergflachs-Arten:
- Periodisches Entfernen vonkonkurrierender Vegetation (Gehölze, Gebüsche, Grasbestände)
- Periodische bis jährliche, späte Mahd (ab 1. September)
Zusätzlich im Speziellen:
Alpen-Bergflachs (Thesium alpinum):
Was hilft der Art?
- Zuwachsen von Extremstandorten (Felsköpfe) verhindern
- Freihalten abgelegener, nicht mehr bewirtschafteter (oder beweideter) Flächen, vor allem in Gratnähe
Leinblättriger Bergflachs (Thesium linophyllon):
Was hilft der Art?
- Nährstoffarme Standorte offenhalten und Konkurrenzvegetation zurückdrängen mit jährlich später Mahd
- Saumgesellschaften: Mahd ab 1. August, bei sehr lückigen & nährstoffarmen Beständen eventuell nur alle zwei Jahre
- Lichter Wald: Mahd ab 1. September
- Nährstoffreiche Bereiche: erste Mahd ab 1. August, zweite Mahd im Oktober
- Schnittgut abtransportieren
- Bei Verdunkelung des Standorts periodisch einzelne Gehölze, Sträucher und Grasbestände entfernen
- Kleinräumig Bodenstellen öffnen, um Keimnischen zu erstellen
Was gefähret der Art?
- Beschattung durch Konkurrenzvegetation und Kronenschluss (Verbrachung, Verbuschung, Zuwachsen lichter Wälder)
- Zu frühe und/oder ausbleibende Mahd
Schnabelfrüchtiger Bergflachs (Thesium rostratum):
Was hilft der Art?
- Nährstoffarme Standorte offen halten & Konkurrenzvegetation zurückdrängen mit jährlich später Mahd
- Späte Mahd (frühestens ab 1. September)
- Wenn nur niedrige Krautschicht vorhanden: Mahd ab 1. Oktober
- Bei Verdunkelung des Standorts periodisch einzelne Gehölze, Sträucher und Grasbestände entfernen
- Föhren stehen lassen
- Kleinräumig Bodenstellen öffnen, um Keimnischen zu erstellen
- Verbuschung, Konkurrenzvegetation infolge Aufgabe der Nutzung und Aufforstungen
- Aufkommen von Mesophyten, welche die Art konkurrenzieren
- Nährstoffeinträge
Was gefährdet der Art?
Lebensraumansprüche und Vorkommen
Alpen-Bergflachs (Thesium alpinum):
- Kalkliebend
- Auf basenreichen, nährstoffarmen, humosen, lockeren, sandig-kiesigen, flachgründigen (Lehm-)Böden
- Magere, trockene bis feuchte Wiesen
- Lichter Wald, Föhrenwälder
- An Felsen und in felsigen Steilhängen
- Magere, sonnige Weg-Böschungen und Wegränder
Nach Delarze
4.2.4 - Mitteleuropäischer Halbtrockenrasen (Mesobromion)
4.3.1 - Blaugrashalde (Seslerion)
6.6.5 - Bergföhrenwald (Erico-Pinion)
Waldstandorte Kanton Zürich
- Bergseggen-Buchenwald (15)
- Pfeifengras-Föhrenwald (61)
- Orchideen-Föhrenwald (62)
- Knollendistel-Bergföhrenwald (63)
Bayrischer Bergflachs (Thesium bavarum):
- Lichtliebend
- Trockene, kalkreiche, flachgründige, lockere Lehm- und Lössböden
- Eichen- und Föhrenwälder, lichte Wälder
- Trockene Böschungen, Waldränder & Saumgesellschaften
- Gebüsche
- Trockene Wiesen
Nach Delarze
5.1.1 – Trockenwarmer Krautsaum (Geranion sanguinei) (Charakterart)
5.3.2 – Trockenwarmes Gebüsch (Berberidion)
6.6.5 – Bergföhrenwald (Erico-Pinion)
Waldstandorte Kanton Zürich
- Bergseggen-Buchenwald (15)
- Waldlabkraut-Hagebuchenwald (35)
- Strauchkronwicken-Flaumeichenwald (39)
- Knollendistel-Bergföhrenwald (63)
Leinblättriger Bergflachs (Thesium linophyllon):
- Kalk- und lichtliebend
- Auf trockenen, basenreichen, nährstoffarmen, lockeren und sehr durchlässigen Sand- oder Steinböden
- Trockene Wälder (Eichenwälder, Föhrenwälder)
- Gebüsch- und Staudenränder
- Wegränder
- Trocken- und Halbtrockenwiesen
- Felsbandgesellschaften
Nach Delarze
4.2.1.2 – Kontinentaler Halbtrockenrasen (Cirsio-Brachypodion)(Charakterart)
Waldstandorte Kanton Zürich
- Geissklee-Föhrenwald (64)
Schnabelfrüchtiger Bergflachs (Thesium rostratum):
- Trockene, neutrale bis basische, kalkreiche, humose, nährstoffarme, steinige oder mergelige Ton-, Lehm- oder Mergelböden
- Trockene Wälder (lichte Föhrenwälder)
- Trockene Hänge, Waldstrassenböschungen
- Kiesbänke, Auensteppen
- Trockenwiesen
Nach Delarze
6.4.2 – Subkontinentaler kalkreicher Föhrenwald (Erico-Pinion sylvestris)(Charakterart)
Waldstandorte Kanton Zürich
- Bergseggen-Buchenwald (15)
- Orchideen-Föhrenwald (62)
Arten mit gleichen/ähnlichen Ansprüchen (nicht abschliessend)
Bayrischer Bergflachs (Thesium bavarum):
Flora
- Hirschwurz (Peucedanum cervaria), siehe Steckbrief
- Blutroter Storchenschnabel (Geranium sanguineum)
- Schwarzwerdender Geissklee (Cytisus nigricans), siehe Steckbrief
Leinblättriger Bergflachs (Thesium linophyllon):
Flora
- Ästige Graslilie (Anthericum ramosum), siehe Steckbrief
- Niedrige Segge (Carex humilis)
Schnabelfrüchtiger Bergflachs (Thesium rostratum):
Flora
- Ästige Graslilie (Anthericum ramosum), siehe Steckbrief
- Buchsblättrige Kreuzblume (Polygala chamaebuxus)
- Schwarzwerdender Geissklee (Cytisus nigricans), siehe Steckbrief
- Erika (Erica carnea), siehe Steckbrief
- Wald-Föhre (Pinus sylvestris)
Weiteres
Alle Bergflachs-Arten sind Halbschmarotzer (Hemiparasiten), die mittels Saugorganen (Haustorien) Wasser und Nährstoffe von benachbarten Wurzeln beziehen. Über die Wirtsspezifität ist bei einigen Arten nicht viel bekannt.
Alpen-Bergflachs (Thesium alpinum L.):
Der Alpen-Bergflachs wird durch Insekten bestäubt. Bleiben diese aus, findet Selbstbestäubung statt. Diese erfolgt beim Abblühen durch Schliessen der Perigonblätter, wodurch die Staubblätter gegen die Narbe gedrückt werden.
Bayrischer Bergflachs (Thesium bavarum Schrank):
Wird durch Insekten bestäubt. Bleiben diese aus, findet Selbstbestäubung statt. Diese erfolgt beim Abblühen durch Schliessen der Perigonblätter, wodurch die Staubblätter gegen die Narbe gedrückt werden. Die Art ist wohl nicht wirtsspezifisch.
Leinblättriger Bergflachs (Thesium linophyllon L.):
Wird von Insekten bestäubt, die Verbreitung erfolgt über Samen, die von Tieren wieder ausgeschieden werden. Die Früchte (und damit die Samen) werden auch durch Ameisen verschleppt.
Schnabelfrüchtiger Bergflachs (Thesium rostratum Mert.& W. D. J. Koch):
Die Früchte (und damit die Samen) werden durch Ameisen verschleppt.
Parasitiert vermutlich auf der Buschblättrigen Kreuzblume (Polygala chamaebuxus), Erika/Schneeheide (Erica carnea), Silberweide (Dryas octopetala) und Grasartigen.
Aktionsplanart im Kanton Zürich
Kontakt
Amt für Landschaft und Natur – Abteilung Wald