Das Prinzip der Schwammstadt geht die Herausforderungen von Hitze, Trockenheit und Starkregen gleichermassen an. Die Umgebung wird so gestaltet, dass sie überschüssiges Wasser wie ein Schwamm vor Ort aufsaugen und speichern kann, um dieses bei Hitze und Trockenheit wieder abzugeben.
Mehr Grün und Blau statt Grau – Die wichtigsten Massnahmen der Schwammstadt
Um Städte widerstandsfähiger gegen Hitze, Trockenheit und Starkregen zu machen, setzt das Schwammstadt-Prinzip auf natürliche Wasserkreisläufe statt Wasser schnell in die Kanalisation abzuleiten. Grüne Dächer und Fassaden speichern Regenwasser, kühlen Gebäude und verbessern das Stadtklima. Entsiegelte Flächen und wasserdurchlässige Beläge ermöglichen die Versickerung, während Parks, Mulden und Retentionsflächen das Wasser aufnehmen und langsam wieder abgeben. Zisternen und Regenwasserspeicher fangen Niederschläge zur späteren Nutzung auf. Zusätzlich helfen Bäche und offene Wasserflächen, den Wasserhaushalt auszugleichen und die Umgebung zu kühlen. So wird Regenwasser nicht als Abfall betrachtet, sondern als wertvolle Ressource für lebenswertere und klimaresiliente Siedlungen genutzt.
Schon gewusst?
... dass ein grosskroniger Stadtbaum seine direkte Umgebung an einem Sommertag 4 bis 7 Grad Celsius abkühlen kann?
... dass 1 m² versickerungsfähiger Boden pro Jahr rund 500 Liter Regenwasser aufnehmen kann – statt es in die Kanalisation abzuleiten?
... dass ein grünes Wohnumfeld das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Atemwegserkrankungen und psychische Belastungen verringern kann?
... dass begrünte Dächer bis zu 70 % des jährlich anfallenden Regenwassers zurückhalten können?
... dass das Stadtklima bis zu 10 °C wärmer sein kann als das Umland – durch den sogenannten Wärmeinseleffekt?
... dass Retentionsflächen und offene Wasserläufe nicht nur zur Hitzeminderung beitragen, sondern auch die Biodiversität in Städten deutlich steigern?
Wie kann das Schwammstadt-Prinzip eingefordert werden? – Rechtliche Grundlagen
Die Umsetzung des Schwammstadt-Prinzips wird durch bestehende gesetzliche und fachliche Vorgaben unterstützt. Sie schaffen den verbindlichen Rahmen, um eine klimaangepasste Regenwasserbewirtschaftung in der Siedlungsentwicklung einzufordern und umzusetzen.
Das Prinzip der Schwammstadt ist seit Einführung des Gewässerschutzgesetzes (GSchG) 1991 gesetzlich verankert. So ist bereits im Zwecksartikel (Art. 1 Bestimmung h, GSchG) die Sicherung des natürlichen Wasserkreislaufes erwähnt. Art. 7 Abs. 2 des GSchG umschreibt dann die Priorisierung der Bewirtschaftung von nicht verschmutztem Abwasser. So soll dies entsprechend dem natürlichen Wasserkreislauf zuerst versickert, und erst wenn dies nicht möglich ist, in ein Gewässer eingeleitet werden.
Zwei zentrale Grundlagen im Kanton Zürich sind die Richtlinie und Praxishilfe Regenwasserbewirtschaftung und das Planungs- und Baugesetz (PBG):
Richtlinie und Praxishilfe Regenwasserbewirtschaftung
Die Richtlinie und Praxishilfe Regenwasserbewirtschaftung (Baudirektion, 2025) baut auf den oben erwähnten Grundsätzen auf und zeigt, wie der natürliche Wasserkreislauf auch auf überbauten Liegenschaften erhalten werden kann. Als Planungs- und Beurteilungsinstrument ist diese Richtlinie und Praxishilfe für kommunale Baubehörden, Branchenorganisationen und private Fachpersonen gedacht. Die Richtlinie ist verbindlich, denn es ist per Wassergesetz (WsG) § 103 lit b. die Aufgabe der Baudirektion Weisungen und Richtlinien für den Vollzug bzw. Umsetzung des GSchG zu erlassen. Zudem wird die Richtlinie namentlich in der Besonderen Bauverordnung I (BBV I) im Anhang Ziffer 2.73 als beachtlich aufgeführt und gilt somit als eine verbindliche Norm bzw. Richtlinie.
Weiter ist seit dem 1. Dezember 2024 gemäss §5 der Bauverfahrensverordnung (BVV) zwingend ein Plan über die Liegenschaftsentwässerung mit Versickerungsflächen, Anlagen zur Nutzung des Regenwassers und der Umgebungsgestaltung einzureichen.
Erhaltung des natürlichen Wasserkreislaufs
- Hauptziel: Von einem bebauten Grundstück soll möglichst nicht mehr Regenwasser abfliessen als dies im natürlichen Zustand vor der Bebauung der Fall war.
- Eine dezentrale Regenwasserbewirtschaftung ist überall möglich, auch wenn der Untergrund nur über eine eingeschränkte Sickerfähigkeit verfügt.
Planungs- und Baugesetz (PBG) – Gesetzesrevision «Klimaangepasste Siedlungsentwicklung»
Mit der Revision des Planungs- und Baugesetzes (PBG) vom 1. Dezember 2024 wurden Bestimmungen eingeführt, die die Förderung des Schwammstadt-Prinzips in der kommunalen Nutzungsplanung ermöglichen. Besonders relevant sind die Paragrafen § 238a und § 76a.
§ 238a PBG Begrünung der Gebäudeumgebung
Mit § 238a PBG wird im Bewilligungsverfahren folgendes verbindlich gesichert:
- Begrünung der Gebäudeumgebung: Vorgärten und andere geeignete Teile des Gebäudeumschwungs sind in angemessenem Umfang als ökologisch wertvolle Grünflächen zu erhalten oder neu zu gestalten.
- Minimierung der Versiegelung: Die Versiegelung von nicht überbauten Flächen sollen möglichst geringgehalten werden, um die natürliche Versickerung von Regenwasser zu ermöglichen.
- Erhalt und Ersatz von Bäumen: Bestehende Bäume sind nach Möglichkeit zu erhalten. Falls dies nicht möglich ist, sind angemessene Ersatz- oder Neupflanzungen vorzusehen. Dabei ist auf ausreichenden Wurzelraum und geeignete Wachstumsbedingungen zu achten.
- Dauerhafte Begrünung: Die geschaffene Begrünung ist dauerhaft zu erhalten und bei Verlust zu ersetzen.
Um die Begrünung weiter zu fördern, können Gemeinden ergänzende Bestimmungen in ihrer Bau- und Zonenordnung (BZO) festlegen.
§ 76 PBG Bäume
Gemeinden können Vorgaben zur Pflanzung, zum Schutz und zur Ersatzpflanzung von Bäumen treffen – etwa zu Mindestbaumgrössen, Standortqualität und Baumartenwahl.
§ 76a PBG Dachbegrünung
Gemeinden können vorschreiben, dass Flachdächer begrünt werden müssen sowie den Umfang und die Qualität der Begrünung regeln.
Diese Bestimmungen bedürfen der Umsetzung in der kommunalen BZO. Sie sind nicht direkt anhand des PBG anwendbar.
§ 238a PBG ist eine direkt anwendbare Bestimmung, die für sämtliche Bauvorhaben auch in der Regelbauweise gilt, unabhängig davon, ob es sich um Neubauten oder Umbauten handelt. Im Baubewilligungsverfahren müssen Bauherrschaften nachweisen, dass sie die Anforderungen des § 238a erfüllen. Die Gemeinden sind verpflichtet, diese Vorgaben zu prüfen und deren Umsetzung sicherzustellen.
Planen und bauen nach dem Schwammstadt-Prinzip Projektphase
Planen und bauen nach dem Schwammstadt-Prinzip bedingt, dass Regenwasser als zentrales Element in der Planung mitgedacht wird. Eine frühzeitige und koordinierte Planung der Regenwasserbewirtschaftung ist die Grundlage für wirksame Lösungen. So können Schäden durch unkontrollierten Oberflächenabfluss reduziert und den Rückhalt von Regenwasser für Hitze- und Trockenperioden ermöglicht werden.
In Anlehnung an die Bauplanung nach SIA kann das Schwammstadt-Prinzip wie folgt die verschiedenen Projektphasen integriert werden:
Strategische Planung
In der Strategischen Planung werden die Bedürfnisse, Ziele und Rahmenbedingungen des Projekts definiert. Die Integration des Schwammstadt-Prinzips in die Nachhaltigkeitsziele des Projekts stellt sicher, dass dieser Themenbereich von Anfang an berücksichtigt wird. So wird das Prinzip bereits bei der Erarbeitung von Lösungsstrategien und bei allfälligen Planungswettbewerben ausreichend berücksichtigt.
Vorstudie
Zur Integration des Schwammstadt-Prinzips wird eine Bilanz des Wasserhaushalts erstellt und es werden Lösungsansätze für eine dezentrale Regenwasserbewirtschaftung entwickelt. Hierfür braucht es den frühzeitigen Einbezug der Landschaftsarchitektur. Gemeinsam mit der städtebaulichen Setzung werden Freiflächen, unterbaute Flächen sowie Versickerungs- und Retentionsflächen bereits ausgeschieden.
Projektierung
Mit der Projektierung wird ein Regenbewirtschaftungs- und Begrünungskonzept erstellt. Die Schwammstadt-Elemente sind zu dimensionieren und mit der Landschaftsarchitektur und der Verkehrsplanung abzustimmen.
Realisierung
Schwammstadt-Elemente sind als Teil der Infrastruktur zu beachten. Entsprechend ist in der Ausführung darauf zu achten, dass die Schwammstadt-Elemente fachgerecht erstellt werden.
Verwenden Sie die Akkordeon-Bedienelemente, um die Sichtbarkeit der jeweiligen Panels (unterhalb der Bedienelemente) umzuschalten.
So funktioniert es
Wasser gezielt leiten – mit dem richtigen Quergefälle
Die Strassenentwässerung ist eine wesentliche Planungsaufgabe im Strassenbau. Ein wichtiger Erfolgsfaktor ist das korrekte Quergefälle. Strassen werden mit einem Quergefälle gebaut, damit das Oberflächenwasser möglichst rasch und schadlos abgeleitet werden kann. Bei der Umsetzung des Schwammstadtprinzips im Strassenraum ist das Quergefälle so zu wählen, dass das Strassenabwasser möglichst zu Grünstreifen, Versickerungsmulden oder Baumrigolen geleitet wird. Damit dies möglich ist, muss die Strassenentwässerung bereits in den frühen Planungsphasen berücksichtigt werden.
Bei bestehenden Strassen ist eine Anpassung des Quergefälles oft mit erheblichen Kosten verbunden. Bei Sanierungsprojekten ist es jedoch eher möglich, zumindest einen Teil der Verkehrsflächen so zu entwässern, dass das Strassenabwasser in angrenzende Grünflächen geleitet wird. Auf diese Weise können die Kosten reduziert und trotzdem ein Beitrag zu einer dezentralen Regenwasserbewirtschaftung geleistet werden.
Zudem sollen die Randabschlüsse (Randsteine, Stellplatten, etc.) eine Einleitung in die Grünflächen ermöglichen. Zu diesem Zweck kann es auch sinnvoll sein die Strassennormalien, also die Regelbauweise im Strassenbau, anzupassen.
Um die Verkehrssicherheit bei extremen Regenereignissen zu garantieren, können klassische Strasseneinläufe als Notüberlauf in die Kanalisation vorgesehen werden.
Zentrale Elemente zur Umsetzung
Entwässerung über die Schulter
Eine einfache und wirkungsvolle Methode, um Regenwasser lokal zu versickern, ist die Entwässerung über die Strassenschulter. Das Wasser wird direkt von der befestigten Fläche auf angrenzende Grünflächen geleitet, wo es im angrenzenden Boden gespeichert und versickert wird. So bleibt das Wasser im natürlichen Kreislauf, entlastet die Kanalisation und versorgt Pflanzen mit Feuchtigkeit.
Versickerungsmulden für Rückhalt und Reinigung
Versickerungsmulden nehmen das von der Strasse geleitete Wasser auf, speichern es und lassen es langsam in den Untergrund einsickern. Sie filtern Schadstoffe und helfen so, die Qualität des Grundwassers zu sichern. Gleichzeitig wirken sie kühlend und fördern die Biodiversität im Strassenraum. Dank einem grösseren Retentionsvolumen können Versickerungsmulden mehr Wasser zurückhalten als ebene Flächen. Dank einem grösseren Retentionsvolumen können Versickerungsmulden mehr Wasser zurückhalten als ebene Flächen.
Tiefbeete stellen ebenfalls ein flächeneffizientes Gestaltungselement dar, welches sowohl die Versickerung ermöglicht und zeitgleich ein temporäres Speichervolumen für das Strassenabwasser bereitstellt.
Baumrigolen
Baumrigolen sind unterirdische Regenwasserspeicher, die speziell für Stadtbäume angelegt werden. Unterhalb des Baumes befindet sich ein durchlässiges, speicherfähiges Substrat, das wie ein Schwamm wirkt: Es nimmt Niederschlagswasser auf, speichert es und gibt es in Trockenphasen langsam an die Baumwurzeln ab.
Gerade in engen Strassenräumen sind kompakte Lösungen gefragt. Unterirdisch verbundene Baumrigolen oder Speicherelemente unter Gehwegen und Parkplätzen schaffen zusätzliches Rückhaltevolumen und einen grösseren Wurzelraum.
Regenwasser speichern und bewässern
Regenwasser wird in unterirdischen Speicherräumen gesammelt – unter Baumgruben, unter Verkehrsflächen oder zusätzlich in Kanälen bzw. Zisternen. Das zwischengespeicherte Wasser steht zur Bewässerung zur Verfügung, reduziert den Wasserverbrauch und entlastet gleichzeitig die Kanalisation bei Starkregen.
Bäume im engen Strassenraum – optimale Bedingungen schaffen
Bäume sind ein zentrales Element des Schwammstadt-Prinzips, denn sie spenden Schatten, kühlen die Umgebung und nehmen über ihre Wurzeln Wasser auf. Im engen Strassenraum ist es jedoch oft eine Herausforderung, genügend Platz für gesunde Baumstandorte zu schaffen. Versiegelte Flächen, Leitungen im Untergrund und beengte Wurzelräume behindern das Wachstum. Lösungen bieten Baumgruben mit speziellem Baumsubstrat, unterirdische Rigolen oder modulare Wurzelkammersysteme, die auch unter Gehwegen oder Parkbuchten angeordnet werden können. Wichtig ist insbesondere, dass auch die langfristige Wasserversorgung für die Bäume gesichert wird. Regenwasser soll gezielt zu den Wurzelbereichen geleitet werden, damit die Bäume auch in Hitze- und Trockenperioden vital bleiben. Eine enge Abstimmung mit Werkleitungen und Verkehrsplanung ist dabei unerlässlich, damit Bäume trotz beengter Verhältnisse langfristig wachsen können und nicht zu einem Sicherheitsrisiko werden, z.B. durch eine zu starke Einschränkung der Sichtweiten. Entscheidend ist auch die richtige Wahl der Baumart. Strassenbäume müssen stressresistent, salztolerant und trockenheitsverträglich sein. Im Sinne der Biodiversität sind einheimische Sorten zu bevorzugen.
Verschmutztes Strassenabwasser richtig behandeln
Regenwasser von Strassenflächen ist oft mit Schadstoffen wie Reifenabrieb, Schwermetallen und Ölresten belastet. Deshalb muss sichergestellt werden, dass das Wasser vor der Versickerung ausreichend gereinigt wird. Je stärker befahren eine Strasse ist, desto höher ist die Belastung – und desto strenger sind die Anforderungen an die Reinigung beziehungsweise den Bodenaufbau. So wird verhindert, dass Schadstoffe ins Grundwasser gelangen und die natürlichen Kreisläufe belasten.
Hinweise zur Umsetzung
Schwammstadt von Beginn im Projekt integrieren
Damit möglichst viele Synergien genutzt werden können, sollte die Umsetzung des Schwammstadt-Prinzips bereits in den frühen Projektphasen berücksichtigt werden. Gemäss der SIA 112/ Modell Bauplanung werden bereits vor der eigentlichen Projektierungsphase eine Projektdefinition und ein Projektpflichtenheft mit den Zielen und Rahmenbedingungen des Auftraggebers erstellt. In diesem Rahmen können die Projektziele und der Projektumfang wie folgt erweitert werden:
Projektziele:
- Nachhaltige Regenwasserbewirtschaftung gemäss dem Schwammstadtprinzip
- Verbesserung des Mikroklimas durch Begrünung und Verdunstung
- Reduktion der Hitzeinseln im Siedlungsgebiet
Projektumfang:
- Einbau von versickerungsfähigen Belägen auf Parkplätzen und Gehwegen
- Begrünung mit standortgerechten Bäumen mit unterirdischen Wurzelräumen zur Regenwasserspeicherung
- Erweiterung des Wurzelraums mit überbaubarem Baumsubstrat
- Regenwassermulden, Rigolen oder Retentionsflächen zur Zwischenspeicherung und Versickerung von Niederschlagswasser
- Integration von Grünflächen und Begrünung von Trottoirs zur Förderung der Biodiversität
Dokumente:
So funktioniert es
Ganzheitliche Wasserführung als Schlüssel im verdichteten Areal
In Arealüberbauungen werden grosse Flächen neu überbaut. Diese Flächen bestehen oft aus verschiedenen Parzellen, die in mehreren Bauetappen gebaut werden. Um das Schwammstadt Potential vollständig auszuschöpfen, sollte das Wasser von Anfang an parzellenübergreifend gedacht und bewirtschaftet werden. Das bedeutet: Wasser darf über das gesamte Areal geführt und nicht nur auf der eigenen Parzelle zurückgehalten werden.
Das Wassermanagement sollte bereits bei der städtebaulichen Setzung und der Geländemodellierung mitgedacht werden. Dachflächen müssen so geplant werden, dass sie Regenwasser aufnehmen (Retentionsdächer, Gründächer) und in sogenannten Regenwasserkaskaden wieder abgeben können. Dabei fliesst das Wasser idealerweise über verschiedenen Dachflächen und Zwischenspeicher auf den Boden, wo es versickert oder über Rinnen, als Oberflächengewässer zu einem Brunnen oder Teich oder in grössere Retentionsflächen oder Versickerungsanlagen geführt wird. Eine solche Wasserführung muss bereits in der Grundstruktur der Arealplanung mitgedacht werden, bevor einzelne Gebäude geplant sind. Nur so kann das Regenwasser gleichmässig verteilt, gespeichert, genutzt, verdunstet und versickert werden anstatt punktuell kanalisiert und abgeleitet werden.
Eine Arealüberbauung bietet den Vorteil, dass verschiedene Gebäude zusammenhängend geplant werden: so kann ein übergeordnetes Wasserführungskonzept für das gesamte Gebiet entwickelt und das Wasser effizient verteilt und gespeichert werden. Dabei ist wichtig, bereits im Vorprojekt eine Wasserhaushaltsbilanz zu erstellen, sonst fehlen später die Flächen und Volumen für Rückhalt, Versickerung und Verdunstung.
Zentrale Elemente der Umsetzung
Retentionsdächer und Gründächer
Grosse Flachdächer können als Retentionsflächen gestaltet werden. Voraussetzung ist, dass die Statik und Firsthöhen das Gewicht von Wasser und Substrat tragen können. Dachbegrünungen entlasten die Kanalisation, verbessern das Mikroklima und speichern Wasser, das bei späteren Niederschlägen nicht sofort abfliesst.
Regenwasserkaskaden
Eine Wasserführung über Kaskaden ermöglicht es, Wasser mehrfach zu nutzen und den Abfluss zeitlich zu verzögern. Das Wasser wird zunächst auf dem Gründach zurückgehalten und fliesst dann über möglichst viele verschiedene Ebenen auf Aussenflächen oder in Innenhöfe, wird dort gesammelt und fliesst weiter, bis es schliesslich in grössere Versickerungsbereiche oder Speicher gelangt. Jede «Ebene» übernimmt eine eigene Funktion – Verdunstung, Rückhalt, Versickerung. Die Kaskade kann dabei nicht nur vom Dach in den Boden geführt werden, sondern auch von Dachfläche zu Dachfläche, sodass das Wasser stufenweise über mehrere Gebäude hinweg genutzt wird. Zusätzlich kann es über künstliche Kanäle, offene Rinnen oder Teiche gesammelt und als Gestaltungselement im Aussenraum eingesetzt werden. So wird Regenwasser nicht nur bewirtschaftet, sondern auch sichtbar, erlebbar und für die Bewohnerinnen und Bewohner zugänglich gemacht. Voraussetzung für das Funktionieren einer solchen Kaskade ist eine sorgfältig abgestimmte Topografie innerhalb des Areals und die technische Kopplung dieser Ebenen – etwa über Überläufe, Kaskadenauslässe oder kontrollierte Ableitungssysteme.
Aussenbereiche mit offenen Bodenflächen und Versickerung
Die Aussenräume einer Arealüberbauung bieten ein grosses Potenzial für die Umsetzung des Schwammstadt-Prinzips. Offene Bodenflächen ermöglichen es, Regenwasser direkt in den Untergrund versickern zu lassen und so den natürlichen Wasserkreislauf zu stärken. Grünflächen, Rasenmulden oder locker bepflanzte Zonen können Wasser aufnehmen, zwischenspeichern und langsam wieder abgeben – was nicht nur Überflutungen vorbeugt, sondern auch das Mikroklima verbessert.
Damit diese Wirkung voll entfaltet werden kann, braucht es eine gezielte Gestaltung der Topografie. Leichte Gefälle führen das Wasser bewusst in Mulden, Grünstreifen oder Baumstandorte, anstatt es unkontrolliert abfliessen zu lassen. So werden selbst bei Starkregen die Aussenbereiche zu wertvollen Pufferräumen.
Gleichzeitig muss die Zugänglichkeit des Areals jederzeit gewährleistet sein. Hier bietet eine clevere Zonierung die Lösung: Wege, Zufahrten und Begegnungsflächen können dort befestigt werden, wo sie wirklich nötig sind, während andere Bereiche bewusst entsiegelt bleiben. Dadurch entsteht eine ausgewogene Mischung aus funktionaler Erschliessung und offenen, durchlässigen Flächen.
Genügend Raum für Bäume – Unterbauung beschränken und Wurzelraum sichern
Ein zentrales Element für schwammstadtgerechte Arealüberbauungen ist die Schaffung von ausreichend Platz für grosse, standortgerechte Bäume. Damit diese ihre volle Wirkung entfalten können – Kühlung, Beschattung, Wasserrückhalt und Lebensraum für Biodiversität – benötigen sie Raum für das Wurzelwachstum im Untergrund. Deshalb ist es entscheidend, die Unterbauung im Areal bewusst zu beschränken und Flächen freizuhalten, die als durchwurzelbare Zonen genutzt werden können. So brauchen grosse Bäume mit breiter Krone im Siedlungsgebiet idealerweise bis zu 35 m³ Bodenvolumen.
Neben dem Volumen spielt auch die Qualität des Bodens eine Rolle. Verdichtungsarme, strukturreiche Substrate sichern die Durchlüftung und Wasserführung und fördern so ein stabiles Wachstum. Wo der Platz im Boden durch Tiefgaragen oder Leitungen begrenzt ist, können technische Lösungen wie Wurzelkammersysteme, Baumrigolen oder substratgefüllte unterirdische Module den Wurzelraum erweitern. Dennoch gilt: Kein technisches Hilfsmittel ersetzt die Wirkung grosszügig bemessener, zusammenhängender Bodenräume. Nur so können Bäume vital bleiben und langfristig ihren Beitrag zur Schwammstadt leisten.
Eine häufige Herausforderung bei Arealüberbauungen ist die grossflächige Unterbauung durch Tiefgaragen oder Technikräume. Diese reduziert den verfügbaren Bodenraum und verunmöglicht das Wachstum grosser, klimawirksamer Bäume. Damit die Schwammstadt im Areal funktioniert, braucht es gezielte Flächen ohne Unterbauung, in denen ausreichend durchwurzelbarer Boden zur Verfügung steht. Nur so können Bäume langfristig ein stabiles Wurzelsystem ausbilden, genügend Wasser speichern und mit ihrem Kronenvolumen wirksam zur Kühlung und Beschattung beitragen. In der frühen Planung muss daher festgelegt werden, wo Unterbauungen eingeschränkt oder ganz vermieden werden, um Platz für Grossbäume und deren nachhaltige Entwicklung zu schaffen.
Wasser erlebbar machen, in offenen Rinnen, Wasserflächen und Retentionsbecken
Regenwasser muss nicht unsichtbar im Untergrund verschwinden. In Arealüberbauungen bietet sich die Chance, es über künstliche Rinnen und Wasserflächen offen zu führen und damit auch gestalterische Qualitäten zu schaffen. Wasserflächen wie Kanäle, flache Becken oder Teiche können am Ende einer Kaskade das gesammelte Regenwasser aufnehmen. Sie verzögern den Abfluss, fördern Verdunstungskühlung und bieten attraktive Aufenthaltsorte für die Bewohnenden sowie wertvolle Lebensräume für Pflanzen und Tiere. Wichtig ist bei Teichen, dass deren Wasserflächen so geplant werden, dass sie auch bei Starkregen Rückhaltevolumen bieten und bei Trockenheit nicht vollständig austrocknen.
Zisternen und unterirdische Speicher
Regenwasser kann auch in Tanks oder Kiesrigolen unter Grünflächen oder Spielplätzen gespeichert werden. Diese Speicher müssen über Überläufe mit langsamer Abgabe an Mulden oder andere Speicher verbunden sein, damit bei Starkregen keine Überlast entsteht. Das gespeicherte Wasser kann für die Bewässerung von Dach- und Hofgrün verwendet werden. Wichtig: Für die Nutzung und Versickerung des Regenwassers darf nur unverschmutztes Regenwasser verwendet werden. Verschiedene Dach/Fassadenmaterialien (z.B. unbeschichtete Metalldächer) sind ohne Behandlung nicht zulässig.
Hinweise zur Umsetzung
Damit das Schwammstadt-Prinzip in einer Arealüberbauung tatsächlich funktioniert, muss die Wasserstrategie ein Grundpfeiler der Planung sein. Bereits im Vorprojekt muss eine Wasserhaushaltsbilanz erstellt werden. Topographie, Lage der Hofabsenkungen, Zisternen, Rigolen und Baumgruben müssen schon in den Grundrissen berücksichtigt werden. Es braucht klare Vorgaben in Gestaltungsplänen oder Sondernutzungsplänen, damit diese Elemente nicht in späteren Planungsschritten aus Kostengründen gestrichen werden.
Besonderes Augenmerk liegt auf der frühzeitigen Berücksichtigung der Dachtragfähigkeit, der Aufbauhöhen über Tiefgaragen, und der Führung des Wassers durch das gesamte Areal. Nur wenn Wasser gezielt geleitet, zwischengespeichert, versickert oder verdunstet wird – in Kombination mit begrünten Höfen und Dachflächen – kann eine Arealüberbauung wirksam zur Hitzeminderung beitragen und das Kanalnetz entlasten. Eine spätere Nachrüstung ist nur mit grossem Aufwand möglich – darum ist die frühe Koordination der Schlüssel zum Erfolg.
Technik ist teuer und aufwändig. Teilweise ist Technik unumgänglich. Aber wenn möglich sollten nicht technische Lösungen bevorzugt werden sondern Ansätze über die Topographie gesucht werden.
Private vs. öffentliche Bereiche
Arealüberbauungen bestehen oft aus einer Mischung von privatem, halböffentlichem und öffentlichem Raum. Deshalb braucht es klare Vereinbarungen, wer für welchen Teil des Regenwassermanagements zuständig ist. Versickerungsflächen in Innenhöfen können nicht automatisch öffentliche Aufgaben sein. Sie müssen in die Gebäudebewilligungen aufgenommen und langfristig unterhalten werden. Dies muss spätestens im Gestaltungsplan verbindlich geregelt werden.
So funktioniert es
Öffentliche Plätze sind zentrale Bestandteile des Siedlungsraums und erfüllen vielfältige Funktionen: Sie dienen als Begegnungsorte, Bewegungsflächen für Spiel und Sport sowie als Veranstaltungsorte für kulturelle und gesellschaftliche Anlässe. Ihre Gestaltung beeinflusst direkt die Lebensqualität der Bevölkerung und muss daher unterschiedlichste Nutzungsansprüche berücksichtigen – von Aufenthaltskomfort über Sicherheit bis hin zur ökologischen Wirkung.
Die Integration des Schwammstadt-Prinzips in die Planung öffentlicher Plätze ermöglicht eine klimaangepasste und zukunftsfähige Gestaltung. Durch die gezielte Kombination von durchlässigen Oberflächen, Beschattung durch Bäume, Regenwasserrückhalt und multifunktionaler Nutzung wird das Mikroklima verbessert, die Biodiversität gefördert und die Kanalisation entlastet. Gleichzeitig entstehen attraktive, nutzbare Räume, die sowohl bei Trockenheit als auch bei Regenereignissen funktionieren.
Multifunktionale Flächen - auch Multicodierung genannt - sind dabei besonders effektiv: Sie vereinen gestalterische, soziale und hydrologische Funktionen und ermöglichen eine flexible Nutzung je nach Bedarf. So wird Regenwasser nicht als Störfaktor, sondern als gestaltendes Element verstanden, das zur Aufenthaltsqualität und ökologischen Aufwertung beiträgt.
Geeignete Elemente zur Umsetzung
Multicodierung - Mehrfachnutzen von Flächen ermöglichen
Durch eine sorgfältige Gestaltung der Topografie öffentlicher Räume können diese im Bedarfsfall, etwa bei Starkregenereignissen, temporär wenige Zentimeter überflutet werden. So lassen sich tiefergelegte Gehwege, Parkflächen oder Sportplätze als Retentionsräume nutzen, um Regenwasser gezielt dorthin zu leiten, wo es keine Schäden an Gebäuden oder Infrastrukturen verursacht.
Auch Tiefbeete bieten sich als multifunktionale Elemente an: Sie können so gestaltet werden, dass sie bei Trockenheit als Aufenthaltsbereiche dienen und bei Regenwetter zur Wasserspeicherung beitragen.
Selbst Flächen, die aus funktionalen Gründen befestigt sein müssen, lassen sich mehrfach nutzen. Durch die Wahl geeigneter, durchlässiger Materialien können beispielsweise Parkplätze und Gehwege zusätzlich zur Versickerung von Regenwasser beitragen – ohne ihre primäre Funktion einzuschränken.
Mit Begrünung kühlen
Bäume mit grossen Kronen und begrünte Pergolen spenden Schatten und kühlen die Umgebung, indem sie Wasser aus dem Boden aufnehmen und durch ihr Blattwerk verdunsten (Evapotranspiration). Sie dienen aber auch als Rückzugsort oder Treffpunkt an heissen Sommertagen.
Um die Vitalität der Vegetation sicherzustellen kann mit geeigneten Baumsubstraten die Wurzelbildung gefördert werden und gleichzeitig für genügend Bewässerung gesorgt werden.
Bewässern mit Regenwasser
Damit Begrünungselemente wie Bäume, Stauden und Rasenflächen auch während längerer Trockenperioden ihre volle Wirkung entfalten können, ist eine gezielte Regenwassernutzung sinnvoll. Besonders in stark versiegelten Siedlungsgebieten bietet sich die Speicherung von Regenwasser im Untergrund an, um es zeitverzögert für die Bewässerung der Vegetation verfügbar zu machen.
Geeignete Lösungen sind beispielsweise Rigolen – unterirdische Kieskörper mit Porenvolumen – die das Regenwasser aufnehmen und langsam an den umgebenden Boden abgeben. Alternativ oder ergänzend können Zisternen eingesetzt werden, die das Wasser sammeln und bei Bedarf zur gezielten Bewässerung genutzt werden können, etwa über automatische Systeme oder manuelle Entnahme.
Die Kombination von oberirdischer Begrünung mit unterirdischer Wasserspeicherung erhöht die Standortqualität für Pflanzen und trägt zur langfristigen Vitalität der Vegetation bei. So wird nicht nur die Hitzeminderung durch Verdunstung gesichert, sondern auch die ökologische Funktion der Grünflächen gestärkt – selbst bei ausbleibendem Regen.
Wasser erlebbar machen
Regenwasser muss nicht unsichtbar im Untergrund verschwinden – es kann als gestaltendes Element in die Platzgestaltung integriert werden. Die Sichtbarkeit von Wasser im öffentlichen Raum fördert das Bewusstsein für den natürlichen Wasserkreislauf und trägt zu einer erhöhten Aufenthaltsqualität bei.
Die gezielte Führung des Regenwassers über offene Rinnen, Mulden, Kaskaden oder temporäre Wasserflächen kann als gestalterisches Element dienen, die den Charakter eines Platzes prägt.
Hinweise zur Umsetzung
Hindernisfreiheit (BehiG)
Die Gestaltung eines öffentlichen Platzes nach dem Schwammstadt-Prinzip kann gut mit den Anforderungen des Behindertengleichstellungsgesetzes (BehiG) vereinbart werden. Entscheidend ist eine klare Zonierung: Hauptwege, Aufenthalts- und Rückzugsbereiche sowie Retentionsflächen müssen so geplant werden, dass sie auch für Menschen mit Behinderungen zugänglich und sicher nutzbar sind. Dabei sind ebene, rutschfeste und befahrbare Beläge ebenso wichtig wie kontrastreiche Gestaltung und gute Orientierungshilfen.
Unfallsicherheit
Bei der Umsetzung von Schwammstadt-Massnahmen im öffentlichen Raum sind sicherheitsrelevante Aspekte zwingend zu berücksichtigen. Je nach Gestaltung muss insbesondere der Absturzsicherheit und der Ertrinkungssicherheit bei dauerhaft eingestauten Wasserflächen ausreichend Beachtung geschenkt werden.
So funktioniert es
Regenwasser lokal bewirtschaften – direkt auf dem Grundstück
Das Schwammstadt-Prinzip auf privaten Liegenschaften zielt darauf ab, Regenwasser dort zurückzuhalten, wo es anfällt: auf Dächern, Wegen, Höfen und Grünflächen. Statt es direkt in die Kanalisation zu leiten, wird das Wasser verdunstet, versickert oder gespeichert. So bleibt es im natürlichen Wasserkreislauf, entlastet die Infrastruktur und verbessert das Mikroklima.
Durch gezielte Gestaltung von Aussenräumen – etwa mit begrünten Flächen, Versickerungsmulden oder Retentionsräumen – kann Regenwasser dezentral bewirtschaftet werden. Auch Dächer und Fassaden bieten Potenzial: Begrünte Dächer speichern Wasser und fördern die Verdunstung, während Fassadenbegrünungen zur Kühlung beitragen.
Die Umsetzung ist sowohl bei Neubauten als auch bei Sanierungen möglich. Wichtig ist, dass die Regenwasserbewirtschaftung frühzeitig in die Planung integriert wird – idealerweise bereits bei der Projektdefinition.
Geeignete Elemente zur Umsetzung
Verdunstung – Begrünte Dächer und Fassaden
Extensive oder intensive Dachbegrünungen speichern Wasser, fördern die Verdunstung und verbessern die Dämmung. Fassadenbegrünungen tragen zur Kühlung bei und erhöhen die Biodiversität. In Kombination mit Kaskadenspeicherung können sie als erste Rückhaltestufe dienen.
Versickerung – Versickerungsfähige Beläge und Mulden
Wege, Zufahrten und Terrassen können mit wasserdurchlässigen Belägen gestaltet werden. Ergänzend sorgen Versickerungsmulden oder Tiefbeete dafür, dass Regenwasser aufgenommen und langsam in den Boden geleitet wird.
Retention – Regenwassernutzung und Zwischenspeicherung
Zisternen oder Retentionstanks ermöglichen die Zwischenspeicherung von Regenwasser. Dieses kann zur Gartenbewässerung oder – bei entsprechender Aufbereitung – auch im Haushalt genutzt werden. In einer Kaskade können sie als mittlere Speicherebene zwischen Dach und Garten fungieren.
Kaskadenspeicherung – Wasser intelligent weiterleiten
Durch eine gestaffelte Anordnung von Speicherelementen kann Regenwasser effizient bewirtschaftet werden. Beispielsweise kann das Wasser zuerst auf einem begrünten Dach zurückgehalten werden, dann über Fallrohre in eine Zisterne oder Rigole geleitet werden und schliesslich in eine Versickerungsmulde oder ein Tiefbeet übergehen. Diese Kaskade ermöglicht eine flexible Nutzung und Speicherung des Wassers auf mehreren Ebenen – von der Dachfläche über die Fassade bis in den Garten.
Baumpflanzungen mit unterirdischen Wurzelräumen
Bäume sind zentrale Elemente der Schwammstadt. Mit geeigneten Pflanzgruben, speziellem Substrat und gezielter Wasserzufuhr können sie auch auf kleinen Grundstücken langfristig gedeihen. In einer Kaskade kann Regenwasser gezielt zu den Wurzelräumen geleitet werden, um die Bäume auch in Trockenperioden zu versorgen.
Hinweise zur Umsetzung
Frühzeitig planen – Synergien nutzen
Die Regenwasserbewirtschaftung sollte bereits in der Projektdefinition berücksichtigt werden. So können Synergien mit anderen Massnahmen wie Begrünung, Energieeffizienz oder Biodiversitätsförderung genutzt werden.
Rechtliche und technische Rahmenbedingungen beachten
Die Umsetzung muss mit den kantonalen und kommunalen Vorgaben abgestimmt werden. Dazu zählen unter anderem die Vorschriften zur Versickerung, die Anforderungen an die Wasserqualität sowie die baurechtlichen Rahmenbedingungen.
Pflege und Unterhalt sicherstellen
Damit die Elemente langfristig funktionieren, ist ein regelmässiger Unterhalt notwendig. Dies betrifft insbesondere Mulden, Beläge und technische Anlagen wie Zisternen oder Pumpen.
Fördermöglichkeiten prüfen
In vielen Gemeinden gibt es Förderinstrumente für Massnahmen zur Regenwasserbewirtschaftung. Eine frühzeitige Abklärung kann helfen, finanzielle Unterstützung zu erhalten.
Dokumente:
Die Raumplanung ist das zentrale Instrument, um das Schwammstadt-Prinzip verbindlich in der kommunalen Entwicklung zu verankern. Gemeinden im Kanton Zürich können über Richtpläne und Bau- und Zonenordnungen sicherstellen, dass klimaangepasste und wassersensible Massnahmen nicht nur empfohlen, sondern rechtlich abgesichert sind.
So funktioniert es
Richtpläne als strategische Grundlage
Im Kanton Zürich gibt es kantonale, regionale und kommunale Richtpläne. Sie legen die Grundzüge der räumlichen Entwicklung für 20–25 Jahre fest und sind für alle Behörden verbindlich.
Gemeinden können in ihren kommunalen Richtplänen Ziele zur Regenwasserbewirtschaftung, Entsiegelung und Begrünung aufnehmen. Diese Vorgaben bilden die Basis für nachgelagerte Instrumente wie Bau- und Zonenordnungen, Gestaltungspläne oder Abwasserreglemente.
So wird aus einer Vision eine verbindliche Planung.
Geeignete Elemente zur Umsetzung in der Planung
Integration in den kommunalen Richtplan
- Zieldefinition, dass der natürliche Wasserhaushalt in der Gemeinde erreicht werden soll.
- Festlegung von Vorranggebieten für wassersensible Gestaltung (z. B. Grünräume, Retentionsflächen).
- Definition von Mindestanforderungen für Durchlässigkeit und Begrünung bei Neubauten und Verdichtungen.
Überführung in Bau- und Zonenordnung
- Vorschriften für Materialwahl (durchlässige Beläge).
- Pflicht zur Dachbegrünung oder Regenwasserrückhaltung bei bestimmten Bauvorhaben.
Koordination mit übergeordneten Richtplänen
- Sicherstellen, dass lokale Ziele mit kantonalen und regionalen Vorgaben harmonieren (Gegenstromprinzip).
Hinweise zur Umsetzung
Frühzeitige Verankerung
Bei Revisionen der kommunalen Richtpläne sollten klimaangepasste und wassersensible Ziele explizit aufgenommen werden.
Behördenverbindlichkeit nutzen
Richtpläne sind nicht parzellengenau, aber für Behörden verbindlich. Damit können Gemeinden sicherstellen, dass Schwammstadt-Ziele in Bewilligungsverfahren berücksichtigt werden.
Verknüpfung mit Förderinstrumenten
Ergänzend zu verbindlichen Vorgaben können Gemeinden Anreize für private Bauherren schaffen (z. B. Subventionen für Dachbegrünung).
Kooperation und Kommunikation
Die Abstimmung zwischen Bauamt, Umweltfachstellen und Planungsbüros ist entscheidend, um Zielkonflikte zu vermeiden.
Grundlagen, Merkblätter und Hilfsmittel
Für die Umsetzung des Schwammstadt-Prinzips stehen verschiedene Hilfsmittel und Merkblätter zur Verfügung.
Sie bieten praxisnahe Unterstützung und erläutern wichtige Themen an den Schnittstellen zu Planung, Bau und Unterhalt. Gemeinden, Planende und Fachpersonen finden darin konkrete Empfehlungen, Anforderungen und Beispiele, um Massnahmen effizient und koordiniert umzusetzen.
- Planungshilfe Schwammstadt im Strassenraum
- Biodiversitätsindex für Stadtbäume im Klimawandel
- Richtlinien «Behindertengerechte Fussnetze»
- Einsatz von geprüften Baumsubstraten in der Strassenentwässerung
- Merkblatt: Stechmücken-Schwammstadt – Verband Schweizer Abwasser- und Gewässerschutzfachleute
- Wegleitung Hitzeminderung bei Strassenprojekten
- Brandschutzmerkblatt Gebäudebegrünung 2011-15 Gebäudebegrünung
Infomaterial und Beratungen
Wollen sie Schwammstadt-Projekte in ihrer Gemeinde umsetzen, wissen aber nicht wie oder wo anfangen?
Das Beratungsangebot Fachberatung Klima des Kantons bietet die Möglichkeit einer kostenlosen Beratung auch im Bereich Schwammstadt-Prinzip.
Vorteile:
Haben Sie Fragen zum Schwammstadt-Prinzip, Umsetzung und Anwendung? Wir sind für sie da!
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Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft – Sektion Klima und Mobilität
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