Grüningen

Das historische «Stedtli» in Grüningen soll vom Durchgangsverkehr entlastet werden, ohne dass das geschützte Ortsbild beeinträchtigt wird. 2018 ging in einem Konkurrenzverfahren ein Projekt der Calatrava Valls SA für eine Umfahrungsstrasse mit Brücke über das Aabachtobel als beste Lösung hervor. Die Regierung hat im Juni 2021 die Baudirektion beauftragt, auf dieser Grundlage ein Vorprojekt zu erarbeiten.

Inhaltsverzeichnis

Projektübersicht

Das Städtchen Grüningen besitzt einen mittelalterlichen Ortskern, der im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung (ISOS) enthalten und zusammen mit seiner Umgebung geschützt ist. Der Ortskern wird allerdings von einer Hauptstrasse durchquert, die unter anderem von den Bussen der Verkehrsbetriebe Zürichsee und Oberland und anderem Schwerverkehr befahren wird. Jeden Tag fahren rund 5000 Fahrzeuge durch das «Stedtli». Die räumlichen Gegebenheiten im «Stedtli» erlauben jedoch nur einen sehr kleinen Sicherheitsstandard. Für den Fuss- und Veloverkehr stehen praktisch keine gesicherten Strassenräume zur Verfügung. Dazu führt der motorisierte Verkehr zu hohen Lärm- und Schadstoffimmissionen für die Anwohnenden und insbesondere der Schwerverkehr führt zu Erschütterungen, welche die historische Bausubstanz beschädigen. Eine Umfahrung soll diese Probleme lösen.

Umfahrung mit Brücke und Unterführung

Im Rahmen eines Studienauftrags sollte eine Umfahrung mittels einer Brücke über das Aabachtobel ausgearbeitet werden. Dabei musste zwingend vorliegenden Gutachten der kantonalen Natur- und Heimatschutzkommission (NHK) und der Eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission (ENHK) Rechnung getragen werden. Diese besagen unter anderem, dass das Ortsbild, die historische Bausubstanz, die umliegenden Frei- und Grünräume sowie wichtige Sichtbezüge ungeschmälert zu erhalten sind. Als Sieger ging dabei 2018 ein Projekt des spanisch-schweizerischen Architekten und Bauingenieurs Santiago Calatrava hervor.

Die Brücke quert das Aabachtobel diagonal zur Talrichtung. Auf der Westseite schliesst die Umfahrungsstrasse beim Restaurant Bahnhöfli ans bestehende Strassennetz an. Auf der Ostseite mündet die Brücke in einer rund 220 Meter langen Unterführung, die bis zur Wetzikerstrasse führt. Damit wird die Engstelle zwischen dem Friedhof und dem kulturhistorisch wertvollen Haus «Wirz» umgangen, welche oberirdische Lösungen erschwert.

Karte von Grüningen mit eingezeichneter Umfahrung mit Brücke und Unterführung
Etwa 220 Meter der Umfahrung verlaufen unterirdisch.

Beeinträchtigungen gering, «Stedtli» autofrei

Durch die Absenkung bleibt die Sicht auf das historische Städtchen von allen wesentlichen Standorten ungestört erhalten und Veränderungen an der bestehenden Topographie werden minimiert. Eine feingliedrige strukturelle Ausbildung verleiht der Brücke ein elegantes Aussehen und reduziert zugleich den Schattenwurf im Tal.

Modell der Brücke mit feingliedriger struktureller Ausbildung
Modell der Brücke über das Aabachtobel

Das «Stedtli» und die Dürntenerstrasse werden über eine vor der Unterführung gelegene Abzweigung erschlossen. Da der Durchgangsverkehr über die neue Umfahrung zirkuliert, kann das «Stedtli» zur autofreien Fussgängerzone mit Anliegerverkehr umgestaltet werden. Zur Kompensation der durch das Projekt wegfallenden Parkplätze ist eine unterirdische Garage beim Restaurant Bahnhöfli geplant, auf deren Dach eine Aussichtsplattform vorgesehen ist. Zwischen Parkgarage und Umfahrungsstrasse führt ein hindernisfreier Fuss- und Veloweg zur Badi hinunter.

Schützenswerter Damm bleibt bestehen

Noch offen war nach dem Studienauftrag, was mit dem 1844 erstellten Strassendamm passiert, der nach Inbetriebnahme der Umfahrung seine bisherige Funktion verliert. Aus diesem Grund beurteilten die zuständigen kantonalen Sachverständigenkommissionen – die Denkmalpflegekommission (KDK) und die Natur- und Heimatschutzkommission (NHK) – in einem Gutachten die Bedeutung und Schutzwürdigkeit des Dammes. Beide Kommissionen kommen zum Schluss, dass der Damm erhalten bleiben soll. Er ist aus ihrer Sicht ein Schutzobjekt von überkommunaler Bedeutung und ein fester Bestandteil des schützenswerten Ortsbildes. Zudem dokumentiert er als verkehrshistorischer Zeuge den Kunststrassenbau des 19. Jahrhunderts.

Der Regierungsrat hat nach Vorliegen dieser Gutachten im Juni 2021 die Baudirektion beauftragt, ein Vorprojekt auf der Basis des Projekts der Calatrava Valls SA zu erarbeiten. Im Rahmen des Vorprojekts wird das Vorhaben weiter konkretisiert und die Bewilligungsfähigkeit vertieft abgeklärt. Auch die grobe Kostenschätzung von 24 Millionen Franken wird weiter konkretisiert. Der Kredit für das Projekt muss anschliessend durch den Kantonsrat und im Falle eines Referendums durch die Stimmbevölkerung genehmigt werden.

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Tiefbauamt – Projektieren und Realisieren

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