Tag des Standorts 2026
Mitteilung 04.02.2026
Zürichs wirtschaftlicher Erfolg ist kein Selbstläufer: Internationale Konkurrenz, gesellschaftliche Akzeptanz und fehlendes Risikokapital stellen den Wirtschaftsstandort vor grosse Herausforderungen. Am Tag des Standorts diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung, wie Zürich seinen Wohlstand nachhaltig sichern kann.
Wohlstand schaffen statt verwalten: Zürich im Spannungsfeld von Erfolg und Wandel
«Ich bin zuversichtlich, dass Zürich seine gute wirtschaftliche Position behalten kann – aber wir dürfen jetzt keine grossen Fehler machen.» Mit diesen Worten brachte Ständerätin Tiana Angelina Moser den Tenor am Tag des Standorts auf den Punkt. Denn der Zürcher Wirtschaft geht es zwar gut, doch der Kanton steht vor diversen Herausforderungen – lokal wie global.
Die internationale Konkurrenz wächst
Zu den Herausforderungen gehört etwa die neue protektionistische Geopolitik, wie Fabian Streiff, Amtschef des Amts für Wirtschaft, erklärte: «Unser exportorientiertes Wirtschaftssystem steht vor einer neuen Ära.» Die US-Zölle hätten im vergangenen Jahr zeitweise zu Exporteinbussen im Kanton Zürich geführt.
Gleichzeitig liesse sich im internationalen Wettbewerb nicht mehr so einfach mit niedrigen Steuern punkten. Denn seit 2024 gilt für Grossunternehmen in allen OECD-Staaten eine Mindeststeuer von 15 Prozent.
Auch im wichtigen Vermögensverwaltungsgeschäft, einem zentralen Pfeiler des Finanzplatzes Zürich, holen andere Länder auf, so Staatssekretärin Daniela Stoffel. «Absolut gesehen geht es uns gut, aber wir verlieren an Bedeutung.» Neue Vermögen würden heute schon oftmals in Asien verbleiben oder neben der Schweiz auch in die USA wandern.
Lokale Skepsis gegenüber der Wirtschaft
Während die globalen Herausforderungen zunehmen, äussert sich die lokale Bevölkerung ambivalent gegenüber dem Kanton als erfolgreicher Wirtschaftsstandort. Gemäss einer aktuellen Studie attestieren zwar über 80 Prozent der Befragten der Zürcher Wirtschaft einen wichtigen Beitrag zur hohen Lebensqualität im Kanton. Gleichzeitig zeigt sich ein verhaltenes Verständnis für die Anliegen der Wirtschaft. Nur 39% der Befragten teilt die Meinung der Wirtschaft, dass die Steuerbelastung für die Unternehmen zu hoch sei. Auch bei der Frage, ob die Unternehmen übermässig reguliert werden, ist keine Mehrheit auszumachen.
Regierungsrätin und Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh erklärte diese Einstellung der Bevölkerung mit den «Kehrseiten des Wirtschaftserfolgs»: steigende Mieten und höhere Lebenshaltungskosten. Wirtschaft und Politik müssten ihre Anliegen besser erklären, um zentrale wirtschaftliche Anliegen wieder mehrheitsfähig zu machen.
Gleichzeitig seien Reformen nötig, um die Wirtschaft auf Kurs zu halten – unter anderem in Anbetracht der alternden Gesellschaft. Dazu gehöre etwa die Flexibilisierung des Rentenalters, wie eine aktuelle Studie zeige.
Ständerätin Tiana Angelina Moser wies auf eine weitere politisch «heisse Kartoffel» hin: die geplanten Anpassungen der Bankenregulierung, die höhere Eigenmittel für Banken vorsehen. In ihrer aktuellen Form gingen die Vorschläge zu weit, meint Moser: «Das wird selbstverständlich einen Impact auf den Finanzplatz sowie die daran gekoppelte Gesamtwirtschaft haben.»
Wohlstand durch Risiko schaffen
Diese vielfältigen Herausforderungen dürfen aber nicht über allgemeine Stärken hinwegtäuschen. Rahul Sahgal, CEO der Schweizerisch-Amerikanischen Handelskammer betonte: «Ich glaube, wir haben gute Voraussetzungen.» Er plädiert aber für offensivere Vorstellungen, was den Finanzplatz betrifft, wie zum Beispiel eine zusätzliche schweizerische Corporate Bank für das Firmenkundengeschäft.
Zürich sollte sich nicht auf seinem Erfolg ausruhen, wie auch Adrian Locher, Gründer der Investmentfirma Merantix Capital, mahnte: «Wohlstand kann nicht verwaltet werden, er setzt Risikobereitschaft voraus.»
Tatsächlich ist die Schweiz im internationalen Vergleich zurückhaltend, wenn es um Risikokapital geht. In der späten Finanzierungsphase von Startups stammt nur ein marginaler Anteil des investierten Kapitals aus dem Inland und fast die Hälfte aus den USA.
Internationale Perspektiven bringen neue Impulse
Der Mangel an inländischem Risikokapital muss nicht unbedingt ein Problem sein – das zeigte die Diskussion mit Gästen aus dem Ausland. Startups im Land zu halten sei strategisch falsch, denn Europa könne ohnehin nicht mit den USA konkurrieren. So meinte Kevin Baxpehler, Gründer des israelischen Venture-Capital-Fonds Remagine Ventures: «Der Weg in die USA sollte so einfach wie möglich sein.»
Mit Firmensitz und CEOs in den USA und Forschungsabteilungen im Inland würden Startups doppelt profitieren: Die Chancen auf Kapital und internationalen Marktzugang verbessern sich und so entstehen globale Unternehmen mit lokalen Wurzeln, so Baxpehler.
Diesen Ansatz verfolgt auch Schweden, wie Ana Carolina Alex von Combient Foundry berichtete. Die Überlegung dahinter: «Wir haben lieber 60 Prozent von einem grossen Kuchen als 90 Prozent von einem kleinen.» Ein berühmtes schwedisches Beispiel: Spotify.
Besser werden statt stehen bleiben
Das Fazit des Dialogs mit ausländischen Gästen war: «Zürich ist ein sehr starker Innovationsstandort, nur die Übersetzung in den Markt ist das Problem: Innovationen verpuffen hier – sonst hätte der Standort einen unglaublich grossen Wettbewerbsvorteil», so Christian Wolfrum, Rektor der Nanyang Technological University in Singapur. In Singapur setze man deshalb auf den Staat, der den Rahmen bereitstellen würde, um neue Technologien zu testen.
Auch Regierungsrätin Carmen Walker Späh betonte die Wichtigkeit eines proaktiven Vorgehens: «Es geht uns gut – aber jetzt müssen wir besser werden. Denn Stillstand ist Rückschritt.»
Dass der Tag des Standorts die notwendigen Impulse setzen kann, hat sich bereits gezeigt. Zwei Jahre nach der ersten Durchführung wird nun ein zentrales Anliegen für eine schlankere Administration umgesetzt: Ab Juni steht Unternehmen ein neues digitales Orientierungs- und Informationsportal zur Verfügung. Es bündelt erstmals alle wichtigen Informationen für Unternehmen an einem Ort.
Impressionen
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Gruppenfoto vom Gesamtregierungsrat am «Tag des Standorts»: Kathrin Arioli, Jacqueline Fehr, Mario Fehr, Natalie Rickli, Carmen Walker Späh, Martin Neukom, Ernst Stocker und Silvia Steiner (v.l.n.r.) Quelle: Tim Love Weber -
Volles Haus beim «Tag des Standorts»: Im Zentrum standen die globalen und lokalen Herausforderungen für den Wirtschaftsstandort Zürich. Quelle: Tim Love Weber -
Fabian Streiff, Amtschef des Amts für Wirtschaft, präsentierte zentrale Ansätze zur Stärkung des Innovationsstandorts. Quelle: Tim Love Weber -
Einblick in die Zürcher Wirtschaft: Fabian Streiff, Amtschef des Amts für Wirtschaft, erläutert die globalen Herausforderungen für den Kanton Zürich Quelle: Tim Love Weber
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Podiumsdiskussion zum Spannungsfeld zwischen globalem Wettbewerb und lokaler Akzeptanz des Wirtschaftsstandorts Zürich mit Rahul Sahgal, Adrian Locher, Tiana Angelina Moser, Daniela Stoffel und Moderator Michael Schönenberger (v. l. n. r.). Quelle: Tim Love Weber -
Regierungsrat Ernst Stocker ordnet im Rahmen des Panels zu den globalen Herausforderungen die internationalen Entwicklungen aus Sicht des Kantons Zürich ein. Quelle: Tim Love Weber -
Internationale Perspektiven auf Innovationsstandorte mit Ana Carolina Alex, Christian Wolfrum, Matthias Konrad, Kevin Baxpehler und Moderatorin Tanya König (v. l. n. r.). Quelle: Tim Love Weber -
Regierungsrat Martin Neukom ordnet im Rahmen des Panels zu den Innovationsstandorten internationale Perspektiven in den Zürcher Kontext ein. Quelle: Tim Love Weber -
Rückblick auf die Workshops mit Raphael Tschanz (Zürcher Handelskammer), Andreas Meier (Deloitte), Raphael von Thiessen (Amt für Wirtschaft), Pascal Kern (Amt für Mobilität) und Rico Loppacher (Amt für Arbeit) (v.l.n.r.). Quelle: Tim Love Weber -
Intensive Arbeitsphase während des Workshops zum Thema Regulierung: Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung im Austausch. Quelle: Tim Love Weber -
Workshop zum Thema Fachkräfte: In moderierter Workshops wurden Lösungsansätze zur Sicherung und Gewinnung von Fachkräften diskutiert. Quelle: Tim Love Weber -
Vertiefende Diskussionen in den Workshops: In Kleingruppen wurden konkrete Ansätze zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts Zürich erarbeitet. Quelle: Tim Love Weber
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