Konjunktur

Erholung trotz anhaltender Unsicherheit

Die Zürcher Gesamtwirtschaft präsentiert sich zum Ende des ersten Halbjahres 2026 weiterhin verhalten, aber robust. Nach einem guten Start ins Jahr trübte sich die Geschäftslage zwischen April und Juni im Zuge der Eskalation im Nahen Osten leicht ein. Zu Beginn des dritten Quartals hat sich das Bild jedoch wieder deutlich aufgehellt: Die Geschäftslage der Zürcher Unternehmen ist so positiv wie zuletzt Mitte 2023.

Im gesamtschweizerischen Vergleich beurteilen die Zürcher Unternehmen ihre aktuelle Lage weiterhin leicht besser. Auch die Geschäftserwartungen haben sich verbessert. Das spricht für vorsichtigen Optimismus: Trotz hoher Unsicherheit zeigen sich die Zürcher Unternehmen anpassungsfähig, ohne die bestehenden Risiken auszublenden. In den ersten turbulenten Monaten konnten viele auf bestehende Lagerbestände zurückgreifen, statt Vorprodukte zu höheren Preisen einzukaufen, und zugleich ihre Lieferketten diversifizieren.

Wirtschaftsstruktur wirkt stabilisierend

Die Erholung zeigt sich inzwischen breiter über die Branchen hinweg. Besonders die Industrie hat zuletzt deutlich an Zuversicht gewonnen. Auch bei den Finanzdienstleistungen, im Grosshandel und bei den übrigen Dienstleistungen zeigen sich positive Tendenzen. Die Binnenbranchen Bau und Projektierung bleiben auf hohem Niveau stabil. Schwächer präsentieren sich dagegen das Gastgewerbe und der Detailhandel. Zu beachten ist hier allerdings, dass die Einschätzungen noch vor der neuerlichen Eskalation im Nahen Osten sowie dem Zoll-Entscheid aus Washington Ende Juli gemacht wurden – Entwicklungen, die besonders die Industrie abermals ausbremsen könnten.

Zürichs Wirtschaftsstruktur wirkt in der aktuellen Lage weiterhin stabilisierend und wachstumstreibend. Einerseits ist der Kanton weniger stark von Warenexporten und von der Industrie abhängig als die Gesamtschweiz. Zürich weist einen deutlich höheren Anteil an Dienstleistungen auf. Da die Zürcher Dienstleistungsbranchen zuletzt wieder an Dynamik gewonnen haben und sich die inländischen Konsumausgaben stabil entwickeln, liefert dies positive Wachstumsimpulse. Unter dem Strich dürfte sich Zürich im zweiten Halbjahr daher ähnlich wie die Gesamtschweiz entwickeln. Unter Einbezug verschiedener Prognosen geht das Konjunkturboard für 2026 von einem moderaten BIP-Wachstum von real rund 1% im Kanton Zürich aus (Sportevent-bereinigt). Unbereinigt, also mit Sportevents, dürfte das Wachstum aufgrund der Wertschöpfung aus der FIFA-Fussballweltmeisterschaft näher an 2% zu liegen kommen. Die brüchige Waffenruhe im Nahen Osten und die US-Handelspolitik sind dabei wesentliche Risiko- und Unsicherheitsfaktoren.

Im Tourismus fehlen ausgabestarke Gäste

Eine Eintrübung ob der geopolitischen Spannungen im Nahen Osten zeigt sich derzeit im Tourismus und im Gastgewerbe. Die Tourismusregion Zürich verzeichnete im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 1,4% weniger Logiernächte als in der Vorjahresperiode. Nach einem positiven Jahresstart setzte ab März eine rückläufige Entwicklung ein. Während der Heimmarkt und europäische Nahmärkte stützend wirkten, akzentuierte sich der Rückgang insbesondere bei den internationalen Gästen aus Fernmärkten, die stark von Flugverbindungen über den Nahen Osten abhängig sind: Die Logiernächte aus dem Ausland lagen im ersten Halbjahr über 3% tiefer als in der Vorjahresperiode.

Die Logiernächte von Gästen aus Indien gingen im ersten Halbjahr um 28% zurück, jene aus Südostasien um 26% und jene aus den Golfstaaten um 14%. China verzeichnete ein Minus von 2%. Wirtschaftlich besonders relevant sind dabei die Rückgänge bei den Gästen aus den Golfstaaten und China, weil diese im Durchschnitt überdurchschnittlich hohe Tagesausgaben aufweisen. 

Zurückhaltung bei Neueinstellungen hält an

Auf dem Arbeitsmarkt zeigt sich weiterhin ein verhaltenes Bild. In der Schweiz dürfte die Arbeitslosigkeit vorerst auf erhöhtem Niveau verharren. Im Kanton Zürich hat sich die Arbeitslosenquote seit Mitte 2023 ähnlich entwickelt wie in der Gesamtschweiz. Aktuell liegt sie leicht tiefer. Gleichzeitig fiel das Beschäftigungswachstum im Kanton Zürich zuletzt schwach aus. Die KOF-Umfragen deuten auf einen erhöhten Druck bei den Finanzdienstleistern und dem Gastgewerbe hin. Typischerweise sind Ausschläge im Beschäftigungswachstum – nach unten und nach oben – in Zürich historisch gesehen markanter als in der Gesamtschweiz.

Trotzdem steigt die Arbeitslosenquote im Kanton Zürich nicht stärker als in der Gesamtschweiz. Mögliche Gründe für diese Divergenz könnten eine abnehmende Erwerbsquote sein sowie die Tatsache, dass viele Arbeitnehmende aus anderen Kantonen nach Zürich pendeln. Wird eine Stelle in Zürich abgebaut, schlägt sich das unter Umständen in der Arbeitslosenquote eines anderen Kantons nieder.

Trotz verhaltenem Optimismus bei der Geschäftslage bleiben die Unternehmen bei Neueinstellungen für die kommenden Monate noch zurückhaltend. Eine leichte Verbesserung ist zwar erkennbar, eine deutliche Belebung des Arbeitsmarkts zeichnet sich aber noch nicht ab. Die Einschätzung der Zürcher Unternehmen zur aktuellen Beschäftigung liegen dabei praktisch auf dem Niveau der Gesamtschweiz.

Ins Bild passt, dass sich der Arbeits- und Fachkräftemangel zuletzt weiter entspannt hat. Einzig in den Zürcher Bau- und Projektierungssektoren bleibt die Lage relativ akut, und bei Möglichkeit würde weiter jeder zweite Betrieb gerne zusätzliches qualifiziertes Personal einstellen. 

Wirtschaftsdaten und Prognosen für den Kanton Zürich

Konjunktur
Quelle
2025
II/2025
III/2025
IV/2025
Bruttoinland-
produkt, real,
sporteventbereinigt
BAK Economics, VgV. 1,6%      
Warenexporte,
nominal
BAK Economics, Vjp.   1,2%    
Logiernächte  BFS, Vjp.   1,9% 1,7%  
Arbeitsmarkt
Quelle
2025
II/2025
lII/2025
IV/2025
Beschäftigte              BFS, Vjp.                        0,3%   0,1%  
Stellensuchende SECO, Vjp. 19,7% 20,4% 20,3% 16,1%
Arbeitslosenquote SECO 2,6% 2,5% 2,6%   2,8%
Unternehmen             
Quelle
2025
II/2025
III/2025
IV/2025
Neueintragungen
im Handelsregister   
BAK Economics, Vjp.   5,3% 8,7%  
Prognosen
Quelle
2025
2026
2027
2028
Bruttoinlandpro-
dukt, real
BAK Economics, VgV. 1,6% 2,3% 0,3%  
Bruttoinlandpro-
dukt, real,
sporteventbereinigt
BAK Economics, VgV. 1,6% 1,2% 1,4%  

Vjp. = Veränderung gegenüber Vorjahresperiode

VgV. = Veränderung gegenüber Vorperiode

Stand: Januar 2025

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