Struktur & Löhne

20 Prozent aller landesweit Beschäftigten haben ihren Arbeitsplatz im Kanton Zürich, der damit der wirtschaftsstärkste Kanton der Schweiz ist. Wissensintensive Dienstleistungen prägen die Branchenlandschaft.

Inhaltsverzeichnis

Struktur

Überwiegend Dienstleistungen

Der Kanton Zürich zählte im Jahr 2020 mehr als eine Million Beschäftigte, verteilt auf rund 120'000 Betriebe. Berücksichtigt man zusätzlich den Beschäftigungsgrad, teilen sich die Zürcher Beschäftigten rund 820'000 Vollzeitstellen (sogenannte Vollzeitäquivalente VZÄ). Die hiesige Unternehmenslandschaft wird von Dienstleistungsbetrieben dominiert, die über 85 Prozent der ansässigen Betriebe ausmachen.

Beschäftigte in Vollzeitäquivalenten (VZÄ)

Für die Beschäftigung in Vollzeitäquivalenten wird das Arbeitsvolumen sämtlicher Voll- und Teilzeitbeschäftigten, das normalerweise in Arbeitsstunden gemessen wird, in Vollzeitbeschäftigte umgerechnet. Das Bundesamt für Statistik schätzt diese Grösse basierend auf Lohnangaben der AHV nach Branchen und Geschlecht, ergänzt mit Informationen aus anderen Erhebungen.

Banken haben Spitzenplatz verloren

Mit Ausnahme des Baugewerbes sind die zehn beschäftigungsstärksten Branchen denn auch dem Dienstleistungssektor zuzuordnen. Die grösste Branche (gemessen an der Zahl der VZÄ) ist das Gesundheitswesen mit über 57'000 VZÄ, gefolgt vom Unterrichtswesen sowie dem Gross- und dem Detailhandel. Erst danach folgen mit weniger als 40'000 VZÄ «Unternehmenshauptsitze und -beratung» sowie die Finanzdienstleistungen, also die Banken, die noch vor sechs Jahren mit 47'000 VZÄ die bedeutendste Branche der Zürcher Wirtschaft darstellten. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Gastronomie nicht mehr unter den beschäftigungsstärksten Branchen vertreten.

Beschäftigungsstärkste Branchen

Kanton Zürich, 2020

Stärke der Branche nach Anzahl Vollzeitäquivalente
Dargestellt sind die zehn beschäftigungsstärksten Branchen (gemäss NOGA 2-Steller Klassifikation). / Quelle: Bundesamt für Statistik (STATENT)

Staatsnahe Branchen wachsen stark

Seit 2015 haben die Finanzdienstleister beinahe 8'000 VZÄ abgebaut – keine andere Branche hat in den letzten fünf Jahren so viele Arbeitsplätze verloren. Der Grosshandel hat in den vergangenen Jahren ebenfalls spürbar abgebaut. Auffallend ist, dass zwei der fünf stärksten Wachstumsbranchen dem staatsnahen Sektor zuzuordnen sind, was auf die wachsende und besonders auch alternde Bevölkerung zurückzuführen ist. Daneben haben jedoch auch die Dienstleistungen der Informationstechnologie stark zulegen können. Der starke Zuwachs um mehr als 15'000 VZÄ in der Branche «Unternehmenshauptsitze und -beratung» lässt sich teilweise auch durch Umstrukturierungen in anderen Branchen erklären.

Branchenentwicklung

Kanton Zürich, 2015–2020

Entwicklung der Branchen nach Vollzeitäquivalenten
Dargestellt sind die fünf Branchen mit dem stärksten absoluten Stellenzuwachs bzw. -rückgang seit dem Jahr 2015, gemessen in Vollzeitäquivalenten. / Quelle: Bundesamt für Statistik (STATENT)

Folgen von Corona

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie sind in den Daten des Jahres 2020 erst teilweise sichtbar, da die durch Kurzarbeitsentschädigungen abgegoltenen Arbeitsausfälle in dieser Erhebung nicht abgebildet werden. Ein Stellenverlust zeigt sich hier lediglich, wenn Arbeitsverhältnisse aufgelöst werden. Insgesamt ist die Beschäftigung im Kanton um beinahe 6'000 Personen geschrumpft, während die Stellenzahl (VZÄ) um 2'200 angestiegen ist. Das Stellenwachstum entfällt vollumfänglich auf die Frauen, da die mit Männern besetzten Stellen minimal abgenommen haben. Die Veränderung der Stellenzahl im ersten Corona-Jahr offenbart denn auch die grossen Gewinner und Verliererbranchen. In der Gastronomie (-9,4%) und der Beherbergung (-22,6%) wurden im Jahr 2020 zahlreiche Stellen abgebaut. Auch die übrigen Branchen, die im ersten Pandemiejahr geschrumpft sind, wie Grosshandel, Lagerei und Luftfahrt, überraschen wenig, da die Mobilität von Personen sowie die Lieferketten zeitweise stark eingeschränkt waren. Die Branchen mit Stellenwachstum im Jahr 2020 gehörten bereits in den vergangenen Jahren zu den Wachstumsbranchen. Am stärksten war die Stellenzunahme im Gesundheitswesen, dessen Beschäftigte mit der medizinischen Versorgung von Corona-Erkrankten sowie mit der Impfkampagne mehrfach gefordert waren. Ferner wurde das Lehr- und Verwaltungspersonal im ersten Pandemie-Jahr mit Zusatzaufgaben belastet, weshalb auch hier die Stellenzahl ausgeweitet wurde.

Branchenentwicklung nach Geschlecht

Kanton Zürich, 2019–2020

Branchen mit dem stärksten absoluten Stellenzuwachs bzw. -rückgang seit dem Jahr 2019, gemessen in Vollzeitäquivalenten nach Geschlecht
Dargestellt sind die fünf Branchen mit dem stärksten absoluten Stellenzuwachs bzw. -rückgang seit dem Jahr 2019, gemessen in Vollzeitäquivalenten nach Geschlecht. / Quelle: Bundesamt für Statistik (STATENT)

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Die Statistik der Unternehmensstruktur (STATENT) liefert zentrale Informationen zur Struktur der Schweizer Wirtschaft. Sie wurde erstmals im Jahr 2011 erhoben und ersetzt die Betriebszählung (BZ), die 2008 zum letzten Mal durchgeführt wurde. Die STATENT erfasst alle Unternehmen, die verpflichtet sind, für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter AHV-Beiträge zu bezahlen. Auswertungseinheiten sind zum einen die Betriebe (Arbeitsstätten) und zum anderen die Unternehmen (ein Unternehmen kann aus mehreren Betrieben bestehen). In der STATENT werden die Beschäftigten ausgehend vom AHV-pflichtigen Lohn erhoben.

Neugründungen

Wieder mehr als 8000 neu gegründete Unternehmen pro Jahr

Neue Arbeitsplätze – und damit ein prosperierender Wirtschaftsstandort – können auf verschiedene Arten entstehen: durch das Wachstum bestehender Unternehmen, Zuzüge von Unternehmen aus anderen Kantonen oder aus dem Ausland sowie durch Neugründungen. 2019 wurden mehr als 8100 neue Unternehmen mit über 11'000 Beschäftigten gegründet. Damit entfallen etwas weniger als 20% der landesweiten Neugründungen auf den Kanton Zürich.

Unternehmensgründungen

Kanton Zürich, 2013–2019

Anzahl Unternehmensgründungen und Beschäftigte nach Jahr
Lesehilfe: Rund die Hälfte der neu gegründeten Unternehmen haben ihren Sitz in der Stadt Zürich. / Quelle: Bundesamt für Statistik (UDEMO)

Zwei Drittel der Neuen überstehen kritische Phase

Beinahe die Hälfte der neu gegründeten Unternehmen hat ihren Sitz in der Stadt Zürich. Analog zur Struktur der bereits ansässigen Unternehmen sind mehr als 90 Prozent der neu gegründeten Unternehmen Dienstleister. Den Unternehmensgründungen stehen die -schliessungen gegenüber. Jungunternehmen müssen sich erst am Markt behaupten, was nicht allen gelingt. Im Kanton Zürich «überleben» jedoch mehr als zwei Drittel der neu gegründeten Unternehmen die kritischen ersten drei Jahre nach der Gründung

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Die Statistik der Unternehmensdemographie (UDEMO) erfasst nur marktwirtschaftliche Unternehmen, die tatsächlich neu entstanden sind. Eine Neugründung liegt dann vor, wenn eine neue Kombination von Produktionsfaktoren geschaffen wird und kein anderes, bereits bestehendes Unternehmen daran beteiligt ist. Aus Fusionen, Übernahmen, Spaltungen oder Restrukturierungen hervorgegangene Unternehmen werden daher nicht zu den Neugründungen gezählt. Die UDEMO wird seit 2013 in dieser Form erhoben.

Löhne

Landesweit höchster Durchschnittslohn

Anhand der Lohnstrukturerhebung (LSE), die alle zwei Jahre vom Bundesamt für Statistik (BFS) durchgeführt wird, lassen sich die Löhne der Angestellten für verschiedene Arbeitsplatzeigenschaften, Personenmerkmale sowie geografische Kriterien vergleichen. Die Zürcher Beschäftigten erzielen mit 7'110 Franken landesweit den höchsten mittleren Bruttomonatslohn (Median, standardisiert). Damit liegen sie deutlich über dem Schweizer Mittel von 6'670 Franken, wobei die Löhne im öffentlichen Sektor mit 7'940 Franken diejenigen im privaten Sektor mit 6'910 Franken klar überragen.

Je nach Branche grosse Unterschiede

Den grössten Zahltag erhalten die Beschäftigten im Finanzsektor mit rund 10'000 Franken monatlich. In den weiteren wissensintensiven Dienstleistungsbranchen wie «Information und Kommunikation», aber auch den freiberuflichen Dienstleistungen werden ebenfalls überdurchschnittliche Löhne bezahlt. Allen diesen Branchen ist gemeinsam, dass sie zahlreiche hochqualifizierte Stellen für spezialisierte Fachkräfte anbieten. Demgegenüber ist die Lohntüte von Beschäftigten in der Hotellerie und der Gastronomie nicht einmal halb so prall gefüllt wie jene im Finanzsektor. Es handelt sich um eine typische Niedriglohnbranche, wo auch viele ungelernte Beschäftigte eine Anstellung finden. Mit einem monatlichen Bruttolohn von 5'300 Franken auskommen müssen auch die Beschäftigten der «sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen», wozu zahlreiche persönliche Dienstleistungen wie Reinigung, Arbeit im Callcenter oder Stellenvermittlung zählen. In den beschäftigungsstarken Handelsbranchen liegt der mittlere Monatslohn etwas höher, bei rund 5'590 Franken.

Standardisierter Bruttomonatslohn nach Wirtschaftsabschnitten

Median (50%-Quantil), Kanton Zürich, 2020

Median des monatlichen Bruttolohn nach Wirtschaftsabschnitte als Balkendiagramm
*Variationskoeffizient grösser als 5% (Zahlenwert statistisch unsicher) / Quelle: Bundesamt für Statistik (LSE)

Ausgangspunkt für differenzierte Analysen

Auch innerhalb der Branchen sind die Lohnunterschiede gross. Die individuellen Löhne werden besonders von der Ausbildung der Beschäftigten, ihrer beruflichen Stellung (Hierarchiestufe) und dem Anforderungsniveau der Stelle bestimmt. Die Lohnstrukturerhebung erlaubt es, die ausbezahlten Löhne sehr differenziert zu analysieren, und bildet daher auch die Datenbasis zur Analyse von Lohnungleichheiten zwischen Mann und Frau auf dem Schweizer Arbeitsmarkt  

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Die schweizerische Lohnstrukturerhebung (LSE) ist eine schriftliche Befragung, die alle zwei Jahre bei den Unternehmen in der Schweiz durchgeführt wird. Sie erlaubt eine regelmässig wiederholte Beschreibung der Lohnstruktur in allen Branchen des sekundären und des tertiären Sektors anhand von repräsentativen Daten. Sie erfasst nicht nur Branche und Grösse der Unternehmen, sondern auch die einzelnen Merkmale der Beschäftigten und der Arbeitsplätze.

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