Sanierung einer Mehrfamilienhaus-Siedlung mit Abluft- und Erdwärmesonden-Wärmepumpen
Die Wohnsiedlung Dettenbühl in Wettswil am Albis wurde energetisch erneuert, ohne die Gebäude umfassend zu sanieren. Anstelle der bisherigen Ölheizung sorgt heute eine Kombination aus dezentralen Abluftwärmepumpen und einer zentralen Erdsonden-Wärmepumpe für Heizung und Warmwasser. Das Projekt zeigt, dass sich auch ältere Mehrfamilienhäuser mit bestehenden Radiatoren fossilfrei beheizen lassen.
Ausgangslage
- Die Wohnsiedlung Dettenbühl aus den 1970er-Jahren wurde ursprünglich mit einer zentralen Ölheizung versorgt.
- Die Gebäude verfügten bereits über eine moderate Fassadendämmung, eine umfassende Gesamtsanierung war jedoch nicht vorgesehen.
- Bei der Erneuerung von Küchen und Bädern musste eine mechanische Abluftanlage eingebaut werden.
- Gesucht wurde eine Lösung, welche den Ölverbrauch ersetzt und gleichzeitig geringe bauliche Eingriffe in den Wohnungen erfordert.
Projektbeschrieb
Die Baugenossenschaft Rotach sanierte ihre Wohnsiedlung mit sieben Mehrfamilienhäusern und rund 120 Wohnungen in mehreren Etappen zwischen 2013 und 2015. Jedes Gebäude wurde mit einer eigenen Abluftwärmepumpe ausgestattet, die die in der Abluft enthaltene Wärme für die Warmwasserbereitung sowie für rund 40 % des Heizwärmebedarfs nutzt. Für die Spitzenlastabdeckung wurde zusätzlich eine zentrale Erdsonden-Wärmepumpe mit 320 kW Leistung installiert, die den bisherigen 750 kW Ölkessel ersetzte. Die bestehende Wärmeverteilung über Radiatoren blieb weitgehend erhalten. Über zwei Heizperioden hinweg wurden Energieverbrauch, Wärmeerzeugung, Raumkomfort, Luftqualität und Betriebskosten detailliert analysiert.
Projektziele
- Ersatz der bestehenden Ölheizung durch ein erneuerbares Wärmesystem
- Nachweis eines energieeffizienten Betriebs trotz Vorlauftemperaturen bis 45 °C und bestehender Radiatoren
- Bewertung von Energieeffizienz, Raumkomfort, Luftqualität und Wirtschaftlichkeit im realen Betrieb
Erkenntnisse
Die Abluftwärmepumpen deckten mehr als die Hälfte des gesamten Wärmebedarfs der Siedlung. Zusammen mit der Erdsonden-Wärmepumpe wurde eine Jahresarbeitszahl von 3.3 erreicht. Der gewichtete Energieverbrauch konnte gegenüber dem Ausgangszustand um mehr als 50 % reduziert werden. Gleichzeitig ersetzte das neue System den bisherigen Verbrauch von rund 150'000 Litern Heizöl pro Jahr. Die Untersuchungen zeigen, dass eine fossilfreie Wärmeversorgung auch bei teilweise sanierten Mehrfamilienhäusern möglich ist, jedoch Kompromisse bei Lüftungskomfort und Luftqualität erforderlich sein können.
Ausblick
Die gewonnenen Betriebserfahrungen liefern eine Grundlage für ähnliche Sanierungsprojekte im Mehrfamilienhausbestand. Insbesondere bei Gebäuden, bei denen eine umfassende Erneuerung der Gebäudehülle nicht möglich oder wirtschaftlich ist, kann das Konzept eine Alternative zu fossilen Heizsystemen darstellen.
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