Zahlen & Fakten zum Jugendstrafrecht

Wie viele Jugendliche wurden im vergangenen Jahr im Kanton Zürich verzeigt? Begehen Mädchen weniger Delikte als Jungen? Nimmt die Jugendgewalt erneut zu? Die zusammengetragenen Zahlen und Fakten geben Auskunft rund um das Thema Jugendkriminalität und Jugendgewalt.

Inhaltsverzeichnis

Jugendkriminalität

Das Erwachsenwerden stellt für Jugendliche in vielerlei Hinsicht eine Herausforderung dar. Und trotzdem: Ein Grossteil von ihnen kommt nicht mit dem Gesetz in Konflikt. Von den im Kanton lebenden 10- bis 17-jährigen Jugendlichen wurde im Jahr 2019 gut jeder 23. verzeigt. Ein kleiner Teil der im Kanton Zürich lebenden Jugendlichen musste sich wegen eines Gewaltdelikts verantworten muss. 2018 war es einer von 133.

Visualisierung: Anzahl verzeigte Jugendliche

Kommen Jugendliche mit dem Gesetz in Konflikt, dann oft wegen leichten bis mittelschweren Delikten. Dazu gehören beispielsweise Schwarzfahren (PBG), geringfügige Vermögensdelikte wie Ladendiebstahl oder Sachbeschädigung. Dies widerspiegelt sich auch bei den ausgesprochenen Sanktionen. Insgesamt sprachen die fünf Jugendanwaltschaften des Kantons Zürich 2019 3701 Strafen aus. In knapp jedem zweiten Fall handelte es sich um einen Verweis. Das lässt sich primär damit erklären, dass die Mehrzahl der Jugendlichen nur einmal mit dem Gesetz in Konflikt kommt und zwar wegen eines Bagatelldelikts. In solchen Fällen reicht meist ein Verweis, der vergleichbar ist mit einer gelben Karte im Fussball. Persönliche Leistungen wurden in jedem vierten Fall, Bussen jeweils in jedem fünften Fall ausgesprochen. Parallel zum Rückgang der schweren Jugendgewalt nahm die Zahl der ausgesprochenen Freiheitsentzüge ab. 2019 - parallel zum Anstieg der Gewaltstraftaten - nahm ihr Anteil wieder leicht zu. Er betrug 2019 knapp drei Prozent.

Visualisierung: Anzahl Delikte bei Verurteilung

Deliktkategorien bei Verurteilung

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Zwar gilt das Jugendstrafrecht ab zehn Jahren, sehr junge Beschuldigte sind aber relativ selten. Drei von vier beschuldigten Jugendlichen sind über 15 Jahre alt, wobei die Gruppe der 17-Jährigen mit 30 Prozent im Jahr 2019 am meisten vertreten ist. Dies lässt sich auch damit erklären, dass sich Jugendliche im Laufe der Pubertät vermehrt nach Aussen orientieren. Während die Familie an Einfluss verliert, werden Freunde zunehmend wichtiger. Jugendliche sind öfters und auch länger draussen unterwegs. Sie suchen vermehrt das Risiko – und überschreiten dabei teilweise Grenzen. Das kann sich auch in delinquentem Verhalten manifestieren.

Visualisierung: Alter bei Verzeigung

Auffallend ist, dass Jugendkriminalität noch immer ein primär männliches Phänomen ist. Auch wenn der Anteil an weiblichen Verurteilten in den letzten Jahren von 19,3 (2007) auf 24,4 Prozent (2019) zugenommen hat, sind die Jungen noch immer deutlich übervertreten. Relativ konstant ist hingegen der Ausländeranteil, der im Vergleich zur Gesamtbevölkerung leicht erhöht ist. Er bewegt sich zwischen 28,8 (2008) und 34,3 Prozent (2016). 2019 betrug er 32,7 Prozent.

Visualisierung: Zusammensetzung der Geschlechter bei Verurteilung

Geschlechterverhältnis bei Verurteilung

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Was sind Gewaltstraftaten?

Unter Gewaltstraftaten werden sämtliche Straftatbestände zusammengefasst, welche die vorsätzliche Anwendung oder Androhung von Gewalt gegen Personen beinhalten. Darunter fallen Tätlichkeiten, einfache und schwere Körperverletzung, Drohung, Erpressung, Nötigung, Raufhandel/Angriff, Raub, sexuelle Nötigung, Gewalt und Drohung gegen Beamte, Vergewaltigung, (versuchte) Tötung, aber auch Delikte wie Zwangsheirat, Freiheitsberaubung/Entführung, Mord, Totschlag, Kindestötung, Verstümmelung weiblicher Genitalien und Geiselnahme.1

1 Bundesamt für Statistik (https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/kriminalitaet-strafrecht/polizei/gewalt.html)

Jugendgewalt

Jugendgewalt hat viele Facetten. Sie reicht von Tätlichkeiten wie einer leichten Rempelei auf dem Pausenplatz bis hin zu einer Messerstecherei, die später als versuchte Tötung qualifiziert werden muss. Doch unabhängig von der Schwere des Delikts: Jegliche Formen von Jugendgewalt haben in unserer Gesellschaft keinen Platz und werden dementsprechend nicht toleriert. Nachdem die Jugendgewalt im Jahr 2009 mit 1151 verzeigten im Kanton Zürich wohnhaften Jugendlichen ihren Höchststand erreicht hatte, ging sie in den folgenden Jahren massiv zurück. Seit 2016 nimmt sie kontinuierlich wieder zu.

Eine Analyse der Oberjugendanwaltschaft für das Jahr 2019 zeigt, dass der durchschnittliche jugendliche Gewalttäter 15,6 Jahre alt, männlich (86,3%) und mehrheitlich nicht vorbestraft (59,7%) war. Auffallend ist, dass insbesondere die Gruppendelikte im letzten Jahr markant zugenommen haben. Während es sich bei den jüngeren Beschuldigten mehrheitlich um Einzeltätern handelt, agieren ältere primär in Gruppen. Zugleich finden Gruppendelikte vor allem in der Nacht oder abends statt. Bei knapp der Hälfte der nächtlichen Gewaltstraftaten spielt Alkohol wiederum nachweislich eine Rolle. Jugendgewalt spielt sich denn auch vermehrt im öffentlichen Raum, also in Parks, am See, auf der Strasse und insbesondere am Bahnhof ab und richtet sich primär gegen andere Jugendliche, wobei sich Opfer und Täter nicht zwangsläufig kennen müssen.

Missbräuchlicher Medienkonsum

Ob Pornographie, Gewaltdarstellungen, Ehrverletzungen oder auch Drohungen und Nötigungen – viele von Jugendlichen begangenen Delikte finden mittlerweile auch online statt. Die Jugendstrafrechtspflege des Kantons Zürich hat dies bereits früh erkannt, seit 2016 erhebt sie jährlich Zahlen zum missbräuchlichen Medienkonsum bei Jugendlichen. Die Erhebung wird jeweils im Sommer publiziert. Ziel ist es, einen Beitrag zur Sensibilisierung von Eltern und Jugendlichen für die Möglichkeiten und Gefahren des Internets zu leisten. Denn unüberlegtes Onlineverhalten lässt sich kaum mehr rückgängig machen und kann nicht nur strafrechtliche Konsequenzen, sondern auch massive persönliche Schädigungen zur Folge haben. Die aktuelle Erhebung können Sie hier herunterladen:

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