Zahlen & Fakten zum Jugendstrafrecht

Wie viele Jugendliche wurden im vergangenen Jahr im Kanton Zürich verzeigt? Begehen Mädchen weniger Delikte als Jungen? Nimmt die Jugendgewalt erneut zu? Die zusammengetragenen Zahlen und Fakten geben Auskunft rund um das Thema Jugendkriminalität und Jugendgewalt.

Inhaltsverzeichnis

Jugendkriminalität

Das Erwachsenwerden stellt für Jugendliche in vielerlei Hinsicht eine Herausforderung dar. Und trotzdem: Ein Grossteil von ihnen kommt nicht mit dem Gesetz in Konflikt. Von den im Kanton lebenden 10- bis 17-jährigen Jugendlichen wurde im Jahr 2021 jeder 20. verzeigt. Ein kleiner Teil der im Kanton Zürich lebenden Jugendlichen musste sich wegen eines Gewaltdelikts verantworten. 2021 war es einer von 116.

Anzahl verzeigte Jugendliche

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Anzahl verzeigte Jugendliche

Kommen Jugendliche mit dem Gesetz in Konflikt, dann oft wegen leichten bis mittelschweren Delikten. Dazu gehören beispielsweise Schwarzfahren (PBG), geringfügige Vermögensdelikte wie Ladendiebstahl oder Sachbeschädigung. Dies widerspiegelt sich auch bei den ausgesprochenen Sanktionen. Insgesamt sprachen die fünf Jugendanwaltschaften des Kantons Zürich 2021 4'850 Strafen aus. In knapp jedem zweiten Fall handelte es sich um einen Verweis. Das lässt sich primär damit erklären, dass die Mehrzahl der Jugendlichen nur einmal mit dem Gesetz in Konflikt kommt und zwar wegen eines Bagatelldelikts. In solchen Fällen reicht meist ein Verweis, der vergleichbar ist mit einer gelben Karte im Fussball. Persönliche Leistungen und Bussen wurden in jedem fünften Fall ausgesprochen. Der Anteil an Freiheitsentzügen lag 2021 bei drei Prozent.

Anzahl Delikte bei Verurteilung

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Deliktkategorien bei Verurteilung

Zwar gilt das Jugendstrafrecht ab zehn Jahren, sehr junge Beschuldigte sind aber relativ selten. Drei von vier beschuldigten Jugendlichen sind über 15 Jahre alt. Die Gruppe der 17-Jährigen war mit 27 Prozent im Jahr 2021 am meisten vertreten. Dies lässt sich auch damit erklären, dass sich Jugendliche im Laufe der Pubertät vermehrt nach Aussen orientieren. Während die Familie an Einfluss verliert, werden Freunde zunehmend wichtiger. Jugendliche sind öfters und auch länger draussen unterwegs. Sie suchen vermehrt das Risiko – und überschreiten dabei teilweise Grenzen. Das kann sich auch in delinquentem Verhalten manifestieren.

Alter bei Eröffnung der Strafuntersuchung (Verzeigung)

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Auffallend ist, dass Jugendkriminalität noch immer ein primär männliches Phänomen ist. Auch wenn der Anteil an weiblichen Verurteilten in den letzten Jahren von 19,3 (2007) auf 27,2 Prozent (2021) zugenommen hat, sind die Jungen noch immer deutlich übervertreten. Relativ konstant ist der Ausländeranteil, der im Vergleich zur Gesamtbevölkerung leicht erhöht ist. Er bewegt sich zwischen 28,8 (2008) und 34,4 Prozent (2021).

Zusammensetzung der Geschlechter bei Verurteilung

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Geschlechterverhältnis bei Verurteilung

Was sind Gewaltstraftaten?

Unter Gewaltstraftaten werden sämtliche Straftatbestände zusammengefasst, welche die vorsätzliche Anwendung oder Androhung von Gewalt gegen Personen beinhalten. Darunter fallen Tätlichkeiten, einfache und schwere Körperverletzung, Drohung, Erpressung, Nötigung, Raufhandel/Angriff, Raub, sexuelle Nötigung, Gewalt und Drohung gegen Beamte, Vergewaltigung, (versuchte) Tötung, aber auch Delikte wie Zwangsheirat, Freiheitsberaubung/Entführung, Mord, Totschlag, Kindestötung, Verstümmelung weiblicher Genitalien und Geiselnahme.1

1 Bundesamt für Statistik (https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/kriminalitaet-strafrecht/polizei/gewalt.html)

Jugendgewalt

Jugendgewalt hat viele Facetten. Sie reicht von Tätlichkeiten wie einer leichten Rempelei auf dem Pausenplatz bis hin zu einer Messerstecherei, die später als versuchte Tötung qualifiziert werden muss. Doch unabhängig von der Schwere des Delikts: Jegliche Formen von Jugendgewalt haben in unserer Gesellschaft keinen Platz und werden dementsprechend nicht toleriert. Nachdem die Jugendgewalt im Jahr 2009 mit 1151 verzeigten im Kanton Zürich wohnhaften Jugendlichen ihren Höchststand erreicht hatte, ging sie in den folgenden Jahren massiv zurück. Seit 2016 nimmt sie kontinuierlich wieder zu.

Eine Analyse der Oberjugendanwaltschaft für das Jahr 2021 zeigt, dass der durchschnittliche jugendliche Gewalttäter knapp 15,5 Jahre alt, männlich (88,1%) und mehrheitlich nicht vorbestraft (56,8%) war. Auffällig ist, dass die Zahl der 13- bis 15-jährigen Beschuldigten in den letzten fünf Jahren überdurchschnittlich stark zugenommen hat. In den letzten Jahren kam es vermehrt zu Gruppendelikten. Jugendgewalt spielt sich oft im öffentlichen Raum ab - beispielsweise in Parks, auf der Strasse und insbesondere am Bahnhof. Sie richtet sich meist gegen andere Jugendliche, wobei sich Opfer und Täter nicht zwangsläufig kennen müssen. Bei den über 16-Jährigen kam es jedoch sowohl auf Täter- als auch Opferseite vermehrt zu einer Vermischung mit jungen Erwachsenen. In diesem Alter spielte Alkohol zudem in einem Drittel der Fälle nachweislich eine Rolle. Gefährliche Gegenstände, ob eingesetzt oder als Teil der Drohkulisse, blieben auch 2021 ein Thema.  

Missbräuchlicher Medienkonsum

Ob Pornographie, Gewaltdarstellungen, Ehrverletzungen oder auch Drohungen und Nötigungen – viele von Jugendlichen begangenen Delikte finden mittlerweile auch online statt. Die Jugendstrafrechtspflege des Kantons Zürich hat dies bereits früh erkannt. Seit 2016 erhebt sie jährlich Zahlen zum missbräuchlichen Medienkonsum bei Jugendlichen. Die Erhebung wird jeweils im Sommer publiziert. Ziel ist es, einen Beitrag zur Sensibilisierung von Eltern und Jugendlichen für die Möglichkeiten und Gefahren des Internets zu leisten. Denn unüberlegtes Onlineverhalten lässt sich kaum mehr rückgängig machen. Es kann nicht nur strafrechtliche Konsequenzen, sondern auch massive persönliche Schädigungen zur Folge haben. Die aktuelle Erhebung können Sie hier herunterladen:

Weiterführende Informationen

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Kontakt

Oberjugendanwaltschaft

Adresse

Zürcherstrasse 15
8400 Winterthur
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