Startschuss zu «Zukunft Oper»: Beginn des Projektwettbewerbs

Nach mehrjähriger Vorbereitung beginnt heute der Wettbewerb zum Bauprojekt «Zukunft Oper» des Opernhauses Zürich und des Kantons Zürich. Der bestehende Erweiterungsbau - im Volksmund «Fleischkäse» genannt - soll durch einen Neubau ersetzt werden.

Um auch in Zukunft Oper und Ballett in herausragender Qualität anbieten zu können, muss das Opernhaus Zürich saniert und erweitert werden. An einem der schönsten städtischen Plätze in Zürich und in der Schweiz entsteht die Chance für einen prägenden Neubau, der das Stadtbild und das Opernhaus aufwertet und weiterentwickelt. Planungsteams aus der ganzen Welt können sich ab heute (6. November) im Rahmen des Projektwettbewerbs für diese Aufgabe bewerben.

Offenes Haus für alle

Der künftige Erweiterungsbau soll ein Gebäude für alle sein: Eine Terrasse und ein «Open Foyer» sind frei zugänglich, laden zum Verweilen ein und bieten Einblicke in den Alltag des Opern- und Ballettbetriebs.
Das Bauprojekt soll die Zukunftsfähigkeit des Opernhauses über die nächsten 60 bis 90 Jahre als lebendiges, identitätsstiftendes und offenes Haus für Oper und Tanz sicherstellen.

Matthias Schulz, Intendant des Opernhauses: «Gerade in einem digitalisierten Umfeld wächst die Sehnsucht nach authentischen Erlebnissen, nach dem Echten. Im Opernhaus kommen Menschen zusammen, nehmen die Musik und das Geschehen sehr körperlich wahr- als Live-Erlebnis und enthoben vom Alltag. Diese Kunstform ist hochaktuell, die Kraft von Oper und Ballett wächst, wie auch die aktuelle Auslastung von über 90 Prozent im Opernhaus zeigt. 'Zukunft Oper' bietet die Chance, Zürich einen offenen Kulturort zu geben, der diese einzigartige Erfahrung auch für künftige Generationen ermöglicht und sichert.»

Betriebliche Verbesserungen

Im Zuge des Projekts soll die betriebliche Situation des Opernhauses verbessert werden. Die Kulturinstitution am Sechseläutenplatz leidet seit Jahren an logistischen Problemen und einem gravierenden Platzmangel. Arbeitsplätze entsprechen teils nicht mehr den gesetzlichen Anforderungen, die betrieblichen Abläufe sind ineffizient.
Die offene Anlieferung von Bühnenelementen über die Falkenstrasse und die zu geringen Lagerflächen stellen derzeit besonders grosse Herausforderungen dar. Das Wettbewerbs-programm sieht eine unterirdische Anlieferung und deutlich grössere Lagerflächen vor.
Geplant sind auch eine neue Montagehalle, Anpassungen der Garderoben, eine Laborbühne sowie zusätzliche Probe- und Musikzimmer. Das Bernhard Theater bleibt innerhalb des Hauses bestehen. Geprüft werden auch Möglichkeiten, die Akustik im Altbau mit baulichen Massnahmen zu verbessern. Im Untergrund des Erweiterungsbaus soll die so genannte
«Wanne» erhalten bleiben, welche die Untergeschosse vor dem hoch stehenden Grundwasser schützt.

Markus Notter, Verwaltungsratspräsident der Opernhaus Zürich AG: «Der Kanton Zürich hat der Opernhaus Zürich AG die Aufgabe übertragen, ein Musiktheater und Ballett von herausragender Qualität mit internationaler Ausstrahlung zu betreiben. Im Rahmen der gesetzlich geforderten langfristigen Investitionsplanung hat der Verwaltungsrat das Sanierungs- und Neubauprojekt gestartet, um die Oper zukunftsfähig zu machen und den Auftrag des Kantons auch weiterhin erfüllen zu können.»

Anonymisiertes Wettbewerbsverfahren

Das Wettbewerbsprogramm basiert auf den insgesamt vier Machbarkeitsstudien, die in den letzten Jahren erstellt wurden - die vierte wurde diesen Sommer abgeschlossen. Auch die Erkenntnisse aus dem Dialogverfahren mit der breiten Bevölkerung und wichtigen Stakeholdern (2023) sowie aus dem Jugendarchitekturwettbewerb (2025/26) flossen in das Programm mit ein. Dabei wurde insbesondere der Wunsch nach öffentlich zugänglichen Bereichen zum Ausdruck gebracht.
Das Verfahren wird als selektiver, einstufiger Projektwettbewerb durchgeführt. Zunächst werden aus allen Bewerbungen maximal 25 Teams ausgewählt CPräqualifikation). Danach wählt die Jury, die vom emeritierten ETH-Professor Vittorio Magnano Lampugnani präsidiert wird, in einem anonymisierten Verfahren das Siegerprojekt aus. Mit der Bekanntgabe des Siegerprojekts ist Ende 2027 zu rechnen. «Der Projektwettbewerb soll für die betrieblichen Bedürfnisse des Opernhauses und für die städtebauliche Gestaltung die besten Lösungen finden», sagt Kantonsbaumeister Beat Pahud.Das Projektteam geht von einer Bauzeit von 4 bis 6 Jahren aus. In dieser Zeit wird ein Spielbetrieb am Sechseläutenplatz nicht möglich sein. Um der Bevölkerung in dieser Zeit weiterhin Oper und Ballett zu bieten, wird der Spielbetrieb in eine Interimsspielstätte verlagert. Zu möglichen Objekten sind derzeit Abklärungen im Gang. Der Baubeginn könnte nach aktueller Planung im Jahr 2034 erfolgen, Möglichkeiten eines früheren Beginns werden geprüft.

Mitfinanzierung durch Stiftung

Die Kosten des Projekts können erst dann berechnet werden, wenn das Siegerprojekt vorliegt und die Interimsspielstätte bestimmt ist. Basierend auf der vierten Machbarkeitsstudie werden die Baukosten auf 500 Millionen Franken geschätzt, wovon knapp die Hälfte auf die Instandsetzung und Aufwertung des Altbaus entfallen dürfte. Hinzu kommen die Interimsspielstätten für Opernhaus und Bernhard Theater, deren Kosten derzeit auf rund 100 Millionen Franken geschätzt werden.
Die Finanzierung des Projekts erfolgt über eine Public Private Partnership, einer Kooperation zwischen öffentlicher Hand, Sponsor:innen und privaten Spender:innen. Zu diesem Zweck wurde im Jahr 2023 die «Stiftung Zukunft Opernhaus Zürich» gegründet, die eine namhafte finanzielle Zuwendung an das Projekt anstrebt.

Regierungsrätin Jacqueline Fehr, die Vorsitzende des Spezialausschusses des Verwaltungsrates für das Projekt «Zukunft Oper»: «Dieses Projekt ist eine zweifache Chance: Wir lösen endlich die seit Jahren drängenden logistischen und betrieblichen Probleme des Hauses und schaffen gleichzeitig einen einladenden, offenen Ort für die gesamte Bevölkerung am See.»

(Gemeinsame Medienmitteilung des Opernhauses Zürich sowie der Direktion der Justiz und des Innern)

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