Im Furttal startet der Passagierbetrieb mit selbstfahrenden Fahrzeugen
Medienmitteilung 24.09.2026
Ab dem 28. September 2026 startet im Furttal der öffentliche Passagierbetrieb des Pilotversuchs «iamo – intelligente automatisierte Mobilität». Fahrgäste können dann erstmals in der Schweiz selbstfahrende Fahrzeuge buchen und nutzen, wobei weiterhin eine Sicherheitsperson mit an Bord ist. «iamo» will zeigen, wie automatisierte Mobilität den öffentlichen Verkehr weiterentwickeln und flexibler gestalten kann – insbesondere auf der ersten und letzten Meile.
Automatisiertes Fahren gilt als eine der wichtigsten technologischen Entwicklungen im Mobilitätsbereich und hat grosse Fortschritte gemacht. Die vier Projektpartner sehen insbesondere im öffentlichen Verkehr (ÖV) ein grosses Potenzial für Angebote mit automatisierten Fahrzeugen. Der gemeinsame Pilotversuch «iamo» soll zeigen, wie der ÖV dort ergänzt werden kann, wo klassische Angebote an ihre Grenzen stossen – zum Beispiel während Randzeiten oder in dünn besiedelten Regionen. Als Testregion wurde das Furttal ausgewählt. Ausschlaggebend dafür waren die vielseitige Siedlungsstruktur, die Grösse der Region sowie das bestehende ÖV-Netz mit einer zentralen S-Bahn-Linie.
«iamo» startet den öffentlichen Passagierbetrieb
Ab dem 28. September 2026 können Fahrgäste individuelle Fahrten in einem der drei Personenwagen buchen und automatisierte Mobilität im Alltag nutzen. Die Fahrzeuge fahren im selbstfahrenden Modus im regulären Verkehr und bedienen knapp 100 vordefinierte Haltepunkte in den Gemeinden Boppelsen, Dänikon, Hüttikon und Otelfingen. Auf dem Fahrersitz befindet sich eine Sicherheitsperson, der Beifahrersitz bleibt aus Sicherheitsgründen frei. Die Buchung der Fahrten erfolgt über die App «iamo». Bis zu drei Fahrgäste pro Auto werden an den Haltepunkten abgeholt und innerhalb des Betriebsgebiets an ihr Ziel gebracht.
Der Preis setzt sich pro Fahrt zusammen aus einer Grundpauschale von 4.70 Franken und einem Kilometerpreis von 0.38 Franken. Da es sich um einen Pilotversuch handelt, ist dieses Angebot nicht ins ÖV System integriert. Generalabonnements und andere ÖV Abos sind daher nicht gültig. Das Angebot steht zunächst täglich zwischen 13 und 17 Uhr zur Verfügung. Personen ab 12 Jahren können allein mitfahren, jüngere Kinder nur in Begleitung einer erwachsenen Person.
Erfahrungen im regulären Strassenverkehr
Der aktuelle Passagierbetrieb baut auf umfangreichen Tests auf: Im Sommer 2025 waren die ersten beiden Fahrzeuge im Furttal unterwegs. Damals wurden sie noch manuell gesteuert und erstellten eine hochpräzise digitale Karte der Pilotregion. Diese dient nun – in Kombination mit Echtzeitdaten – als Grundlage für die sichere Navigation der Fahrzeuge im automatisierten Modus.
Im November 2025 erteilte das Bundesamt für Strassen (ASTRA) dem Pilotversuch die Bewilligung zum automatisierten Fahren. Seither sind bis zu drei Fahrzeuge selbstfahrend im regulären Strassenverkehr unterwegs, stets mit einer Sicherheitsperson hinter dem Lenkrad. Die Fahrten fanden zu unterschiedlichen Tageszeiten und Wetterlagen sowie bei variierendem Verkehrsaufkommen statt. Sämtliche Einsätze wurden dokumentiert und ausgewertet, um das Fahrverhalten kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Ausblick auf den weiteren Versuchsverlauf
Im weiteren Projektverlauf soll die Flotte durch Kleinbusse ergänzt und Fahrten ohne Sicherheitsperson an Bord ermöglicht werden. Die Fernüberwachung der Kleinbusse ohne Sicherheitsperson übernimmt dann geschultes Personal aus der zentralen Leitstelle von Eurobus. Voraussetzung dafür ist eine entsprechende Freigabe des ASTRA.
Die aktuell eingesetzten Personenwagen werden hingegen während des gesamten Passagierbetriebs von einer Sicherheitsperson begleitet. Ein fahrerloser Betrieb mit den Prototyp-Fahrzeugen wäre mit einem zu hohen Aufwand verbunden. Deshalb konzentriert «iamo» seine Kräfte bereits heute auf die weiteren Projektschritte wie den geplanten Einsatz der Kleinbusse.
(Gemeinsame Medienmitteilung des Swiss Transit Labs, der Volkswirtschaftsdirektion Kanton Zürich, des Departements Bau, Verkehr und Umwelt des Kantons Aargau und der SBB)
Stimmen zum Start des öffentlichen Passagierbetriebs
SBB
«Dieses Pilotprojekt zeigt, wie Mobilität künftig gestaltet werden kann: Die Bahn bleibt das Rückgrat für mittlere und längere Strecken, wenn Angebote wie selbstfahrende Fahrzeuge auf kurzen Distanzen Reisende einfach und flexibel zum Bahnhof oder nach Hause bringen. Wir wollen herausfinden, wie diese Angebote im Einklang mit dem ÖV funktionieren können.»
Matthias Bütler | Mitglied der Konzernleitung SBB und Leiter Markt Personenverkehr
Kanton Zürich
«Automatisierte Mobilität verbessert die Erreichbarkeit in den ländlichen Regionen, sie stärkt den öffentlichen Verkehr und eröffnet gerade älteren Menschen oder jenen ohne Führerausweis neue Möglichkeiten.»
Regierungspräsidentin Carmen Walker Späh | Vorsteherin der Volkswirtschaftsdirektion
Kanton Aargau
«Die Mobilität endet nicht an Kantonsgrenzen. Mit der Zusammenarbeit schaffen wir die Möglichkeit, gemeinsam Erfahrungen mit neuen Technologien im öffentlichen Verkehr zu sammeln. Der Kanton Aargau will diese Chance nutzen, um den strassengebundenen ÖV innovativ weiterzubringen und die Mobilität von morgen aktiv mitzugestalten.»
Regierungsrat Stephan Attiger | Vorsteher Departement Bau, Verkehr und Umwelt
Swiss Transit Lab
«iamo» bringt automatisierte Mobilität in den Alltag der Menschen im Furttal. Dass unsere Fahrzeuge nun im realen Betrieb mit Fahrgästen unterwegs sind, ist ein wichtiger Meilenstein für den öffentlichen Verkehr von morgen.»Matthias Rödter | Präsident des Swiss Transit Lab
Über den Pilotversuch «iamo»
Das Swiss Transit Lab (STL), die Kantone Zürich und Aargau sowie die SBB testen mit dem Pilotversuch «iamo – intelligente automatisierte Mobilität» ein neues Mobilitätsangebot im Furttal. Das Projekt ist Ende 2024 gestartet und auf bis zu fünf Jahre ausgelegt. Ziel ist es, Erfahrungen mit selbstfahrenden Fahrzeugen im Alltag zu sammeln und Erkenntnisse für künftige Mobilitätsangebote zu gewinnen. Der Pilotversuch wird vom Bundesamt für Strassen (ASTRA) begleitet. Technologiepartner ist WeRide. Die iamo-Begleitforschung wird von der Stiftung für Prävention der AXA gefördert.