Neue Studie: Zürcher Gemeinden sind leistungsfähig – aber auch stark gefordert
Medienmitteilung 17.02.2026
Die Gemeinden im Kanton Zürich erfüllen ihre Aufgaben insgesamt zuverlässig und auf hohem Niveau. Sie kämpfen aber auch mit strukturellen, personellen und gesellschaftlichen Herausforderungen, die wenig erforscht sind. Die neue Studie «Zustand und Entwicklung der Zürcher Gemeinden» zeigt, was die Zürcher Gemeinden ausmacht und wie sie aufgestellt sind.
Auf dieser Seite
- Politische Beteiligung in Zürcher Gemeinden deutlich unter Schweizer Durchschnitt
- Mehr Frauen in Gemeindeexekutiven
- Lokale Parteien sind präsent, viele Parteilose in den Exekutiven
- In Gemeindeverwaltungen fehlen Fachkräfte
- Hohe Leistungsfähigkeit und Autonomie
- Beteiligung stärken und Autonomie erhalten
- Nationale Gemeindeschreiberbefragung
- Kontakt
Die Studie hat das Zentrum für Demokratie Aarau im Auftrag des Gemeindeamts des Kantons Zürich erstellt. Sie beruht auf den Zürcher Antworten auf eine schweizweite Befragung der Gemeindeschreiberinnen und Gemeindeschreiber im Jahr 2023. Knapp 90 Prozent der 160 Zürcher Gemeinden haben daran teilgenommen. Die Studie zeigt die Stärken und die Herausforderungen der Zürcher Gemeindelandschaft auf. Hier sind die wichtigsten Ergebnisse:
Politische Beteiligung in Zürcher Gemeinden deutlich unter Schweizer Durchschnitt
Die politische Beteiligung auf lokaler Ebene fällt vielerorts tief aus. An Gemeindeversammlungen nehmen im Durchschnitt nur gerade 3,4 Prozent der Stimmberechtigten teil. Im Rest der Schweiz sind es durchschnittlich 7,5 Prozent. Auch an kommunalen Wahlen nehmen deutlich weniger Stimmberechtigte teil als im Rest der Schweiz. Bei den Wahlen der Gemeindeparlamente ist die Beteiligung mit etwa 20 Prozent besonders tief. Hingegen kommen alternative Formen der Bürgerbeteiligung wie Konsultationen häufiger zum Einsatz als im Rest der Schweiz. Mit zunehmender Gemeindegrösse werden zudem direktdemokratische Instrumente wie die kommunale Initiative häufiger genutzt.
Mehr Frauen in Gemeindeexekutiven
Eine Zürcher Gemeindeexekutive zählt im Durchschnitt rund 6,4 Mitglieder. Der Frauenanteil beträgt rund ein Drittel. Das ist mehr als in der übrigen Schweiz, liegt aber weiterhin unter dem Bevölkerungsanteil. In den Zürcher Gemeindeparlamenten sind ebenfalls rund ein Drittel der Mitglieder Frauen. Das entspricht dem Schweizer Durchschnitt. Von den nationalen Parteien haben in den Zürcher Gemeinden die Grünen und die SP mit 50 und 39 Prozent den höchsten Frauenanteil. Auch in Kleinstparteien, die Politik ausschliesslich vor Ort machen, ist der Frauenanteil mit 48 Prozent hoch. Diese Lokalparteien lassen sich häufig ideologisch kaum zuordnen.
Die Rekrutierung von Exekutivmitgliedern wird vor allem in kleineren Zürcher Gemeinden als anspruchsvoll empfunden. Die grosse Mehrheit der Zürcher Gemeinderätinnen und Gemeinderäte (zwei Drittel) arbeitet im Nebenamt. Die übrigen sind in einem Teilamt oder – wie in den Grossstädten – in einem Vollamt angestellt. Der Professionalisierungsgrad der Exekutivmitglieder hängt wie im Rest der Schweiz stark von der Grösse der Gemeinde ab. Mit zunehmender Bevölkerungszahl steigen daher auch die Entschädigungen der Gemeindeexekutive. Seit 2019 wurden die Entschädigungen bei rund der Hälfte der Exekutiven erhöht. Dasselbe ist im Rest der Schweiz zu beobachten.
Lokale Parteien sind präsent, viele Parteilose in den Exekutiven
Rund 40 Prozent der Exekutivmitglieder sind parteilos. Häufiger vertreten sind zudem die FDP (20 Prozent) und die SVP (14 Prozent). Lokale Parteien spielen nach wie vor eine wichtige Rolle. Sie sind in rund vier von fünf Zürcher Gemeinden präsent – im Gegensatz zu 60 Prozent in der übrigen Schweiz. Ihre Präsenz nimmt mit steigender Bevölkerungszahl zu. Am verbreitetsten sind Ortsparteien der bürgerlichen Parteien (SVP, gefolgt von der FDP und Mitte). Die Mitte und die GLP konnten in den letzten Jahren ihre lokale Verankerung ausbauen.
In Gemeindeverwaltungen fehlen Fachkräfte
In den meisten Zürcher Gemeinden ist den Exekutivmitgliedern wie im Rest der Schweiz jeweils ein Themenbereich zugeordnet. Der Gemeindeschreiber oder die Gemeindeschreiberin ist im Kanton Zürich aber deutlich häufiger für die operative Leitung der Gemeinde zuständig. Wenig überraschend liegt der Personalbestand in den Gemeinden des bevölkerungsreichsten Kantons weit über dem Durchschnitt der restlichen Schweiz. In den Kernverwaltungen von mittelgrossen Zürcher Gemeinden sind aber im Durchschnitt ähnlich viele Personen angestellt wie in der übrigen Schweiz. Der Personalbestand der Zürcher Gemeinden ist im Zeitraum von zehn Jahren stärker gestiegen als im Rest der Schweiz. Gleichzeitig nehmen die Gemeinden einen starken Fachkräftemangel wahr.
Die Zürcher Gemeindeschreiberinnen und -schreiber geben zudem an, dass ihre Gemeinden stark von gesellschaftlichen Herausforderungen betroffen sind. Die wahrgenommene Betroffenheit ist besonders bei der Unterbringung von Asylsuchenden, dem Fachkräftemangel, der Digitalisierung und der Integration deutlich höher als im Rest der Schweiz. Je grösser die Gemeinde ist, desto stärker schätzt sie die Betroffenheit von den Herausforderungen ein.
Hohe Leistungsfähigkeit und Autonomie
Die Zürcher Gemeinden sind überdurchschnittlich gross. Sie können ihre Aufgaben deshalb häufiger selbstständig erbringen als andere Gemeinden in der Schweiz. Gerade bei komplexen Aufgaben arbeiten sie aber häufig mit anderen Gemeinden zusammen. In verschiedenen Aufgabenbereichen greifen sie auch auf private Anbieter zurück. Externe Beratungsangebote sind in den Zürcher Gemeinden zudem verbreiteter als im Rest der Schweiz. Die Gemeinden bewerten sie mehrheitlich als hilfreich und wirksam.
In bestimmten Aufgabenbereichen stossen die Zürcher Gemeinden vermehrt an Leistungsgrenzen. Am häufigsten nennen sie dabei die Unterbringung von Asylsuchenden, die Bewilligung von Baugesuchen und die Digitalisierung. Die Zufriedenheit der Bevölkerung mit dem kommunalen Leistungsangebot schätzen sie aber als hoch ein. Auch ihre Autonomie nehmen die Zürcher Gemeinden, verglichen mit dem Rest der Schweiz, als höher wahr. Über längere Zeit gesehen, nehmen sie aber eine Abnahme ihrer Autonomie wahr. Das Verhältnis zum Kanton hat sich im selben Zeitraum verbessert.
Gegenüber den Gemeinden in anderen Kantonen schätzen die Zürcher Gemeinden ihre Position im Standortwettbewerb und ihre Standortattraktivität im Durchschnitt als besser ein. Das dürfte unter anderem auch auf die Lage im oder nahe dem Grossraum Zürich als wichtigstem Wirtschaftszentrum der Schweiz zurückzuführen sein.
Beteiligung stärken und Autonomie erhalten
Diese Studie zeigt, dass die Zürcher Gemeinden in vielen Bereichen gut aufgestellt, aber auch stark gefordert sind. Für die Zukunft wird es für die Gemeinden von grosser Bedeutung sein, Wege zu finden, um die politische Beteiligung zu stärken, die Leistungsfähigkeit in kritischen Bereichen zu verbessern und gleichzeitig die Autonomie und Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten.
Nationale Gemeindeschreiberbefragung
Die vorliegende Studie basiert im Wesentlichen auf der Nationalen Gemeindeschreiberbefragung 2023 Diese wurde vom IDHEAP (Universität Lausanne) und der School of Management and Law (ZHAW) durchgeführt. Sie wird seit 1988 alle vier bis sechs Jahre durchgeführt. Die schweizweite Teilnahmequote betrug 83%.