Zufriedenheit mit der Zürcher Wirtschaft trotz Herausforderungen des Wachstums

Am «Tag des Standorts» befassten sich Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung des Kantons Zürich mit der Beziehung von Bevölkerung und Wirtschaft. Eine Studie des Amts für Wirtschaft und der Zürcher Handelskammer zeigt, dass die Zürcher Bevölkerung ein überwiegend positives Bild der kantonalen Wirtschaft hat und mehrheitlich zufrieden ist mit der eigenen wirtschaftlichen Situation. Gleichzeitig beschäftigen die Bevölkerung die Kehrseiten des Wirtschaftserfolgs und zentrale Anliegen der Wirtschaft sind bei den Zürcherinnen und Zürchern nicht mehrheitsfähig.

Drei Viertel der Befragten bewerten die Zürcher Wirtschaft insgesamt positiv. 93 Prozent sehen sie als zentralen Pfeiler der Gesellschaft, 83 Prozent attestieren ihr einen wichtigen Beitrag zur hohen Lebensqualität im Kanton. Besonders geschätzt werden die guten Arbeits- und Ausbildungsplätze, die Innovationskraft sowie das Engagement der Unternehmen für Kultur und Sport.

Mehr als drei Viertel mit wirtschaftlicher Situation zufrieden

Die Menschen zeigen sich auch zufrieden mit ihrer persönlichen Lage: 77 Prozent sind mit ihrer wirtschaftlichen Situation zufrieden, 60 Prozent sind der Ansicht, dass der von der Zürcher Wirtschaft geschaffene Wohlstand allen zugutekommt. Das zeigt die Bevölkerungsbefragung «Die Zürcher Wirtschaft aus Sicht der Bevölkerung», welche das Forschungsinstitut Sotomo im Auftrag des Amts für Wirtschaft und der Zürcher Handelskammer durchgeführt hat.

«Die Ergebnisse bestätigen, dass die Wirtschaft bei einer grossen Mehrheit der Bevölkerung einen sehr guten Ruf geniesst», sagt Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh. «Das ist ein Vertrauensvotum für unseren Wirtschaftsstandort – und zugleich eine Verpflichtung, die Rahmenbedingungen so weiterzuentwickeln, dass die Bevölkerung vom Erfolg profitiert.»

Ambivalenz in der Bevölkerung

Gleichzeitig macht die Studie sichtbar, dass der wirtschaftliche Erfolg auch Wachstumsschmerzen verursacht. Am stärksten zu spüren sind diese beim Wohnen und bei den Kosten: Eine Mehrheit nimmt den angespannten Wohnungsmarkt, die steigenden Lebenshaltungskosten und die zunehmende Bevölkerungsdichte als negative Begleiterscheinungen der starken Wirtschaftsleistung wahr.

Die internationale Ausstrahlung des Wirtschaftsstandorts Zürich wird von vielen Befragten als Bereicherung empfunden: Eine deutliche Mehrheit freut sich darüber, mit Menschen aus aller Welt zu leben und zu arbeiten. Es wird auch breit anerkannt, dass die Zürcher Wirtschaft auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen ist. Gleichzeitig äussern aber viele Unbehagen – etwa aufgrund eines wachsenden Fremdheitsgefühls. Zudem sind 44 Prozent der Meinung, dass die Zürcher Wirtschaft auch ohne grosse internationale Unternehmen erfolgreich wäre. Diese Ambivalenz zieht sich durch breite Teile der Bevölkerung. «Der Kanton Zürich steht damit ähnlich wie andere erfolgreiche Wirtschaftszentren vor der Herausforderung, Wachstum und Lebensqualität noch besser in Einklang zu bringen», sagt Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh.

Anliegen der Wirtschaft ohne Mehrheit im Volk

Die Befragung zeigt auch, dass die Identifikation der Zürcherinnen und Zürcher mit der Wirtschaft relativ gering ist. Trotz ihrer Bedeutung für den Arbeitsmarkt und den Wohlstand haben Unternehmen politisch einen schweren Stand. Zentrale Anliegen wie tiefere Steuern und weniger Regulierung sind derzeit nicht mehrheitsfähig. Mit 39 Prozent respektive 46 Prozent sind weniger als die Hälfte der Befragten der Meinung, die Unternehmen würden zu stark besteuert oder übermässig reguliert. In den Augen der Bevölkerung stehen andere Herausforderungen für den Wirtschaftsstandort klar weiter oben: allen voran der Wohnungsmarkt, gefolgt von internationaler Handelspolitik, dem Fachkräftemangel und der besseren Nutzung des inländischen Arbeitskräftepotenzials. Noch kaum als Herausforderung erkannt wird der künftige Fachkräftemangel aufgrund des demografischen Wandels.

Engagierte zweite Ausgabe des Tags des Standorts

Die Studie war einer der Schwerpunkte am gestrigen Tag des Standorts, welcher von der Volkswirtschaftsdirektion des Kantons Zürich durchgeführt wurde. Gemeinsam mit rund 250 Akteuren aus der Wirtschaft und Wissenschaft diskutierte der Zürcher Regierungsrat Ideen und Massnahmen, wie sich der Standort bestmöglich weiterentwickeln kann. Ziel der Veranstaltung war es, den Dialog zu fördern und Massnahmen für den Wirtschaftsstandort Zürich zu erarbeiten. «Die Zürcher Wirtschaft ist breit aufgestellt und sehr vielfältig», sagt Finanzdirektor Ernst Stocker, «diese Stärke gilt es zu erhalten und zu festigen.» «Mit der öffentlichen Beschaffung kann und will der Kanton Zürich Innovationen fördern und so den Standort Zürich stärken», sagt Regierungsratspräsident Martin Neukom.

In einem Podiumsgespräch wurde die erwähnte Bevölkerungsbefragung von Ständerätin und Mitglied der Kommission für Wirtschaft und Abgaben Tiana Angelina Moser, Staatssekretärin Daniela Stoffel, Adrian Locher (Merantix Capital) und Rahul Sahgal (Swiss-American Chamber of Commerce) diskutiert. Ein weiteres Podiumsgespräch mit Ana Carolina Alex (Combient Foundry), Christian Wolfrum (Nanyang Technological University Singapore), Kevin Baxpehler (Remagine Ventures) und Matthias Konrad (Bayern Innovativ) widmete sich der Fragestellung: «Innovationsstandorte im Vergleich – was können wir voneinander lernen?»

Am Vormittag wurden diverse Workshops durchgeführt, unter anderem zum Thema KI-Kompetenzen in Organisationen, zum möglichen Abbau von Regulierungen, zu den Herausforderungen des demografischen Wandels oder zur Förderung künftiger Arbeitsskills bereits beim Nachwuchs.
 

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