Zürcher Autoflotte in Bewegung

Im Kanton Zürich wächst die Zahl der registrierten Autos langsamer als die Bevölkerung. Deshalb ist deren Motorisierungsgrad rückläufig. Obwohl die grosse Mehrheit der derzeit zirkulierenden Autos immer noch einen klassischen Verbrennungsmotor hat, fährt mittlerweile jede vierte Zürcher Neuzulassung ganz oder teilweise mit Strom. Die Neuzugänge zur Flotte werden im Schnitt aber auch immer schwerer und leistungsstärker, was ihren Energieverbrauch beim Fahren steigen lässt. Dies zeigt eine Analyse des Statistischen Amts.

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Laut der Analyse waren Ende September 2020 im Kanton Zürich 729'000 Personenwagen zugelassen. Damit kommen 474 Autos auf 1'000 Einwohnerinnen und Einwohner. Dieser sogenannte Motorisierungsgrad war in den letzten Jahren leicht rückläufig, weil die Zahl der Autos langsamer wächst als jene der Menschen. Regional gibt es jedoch grosse Unterschiede beim Motorisierungsgrad. Am höchsten ist er im Furttal mit 613 Autos pro 1'000 Einwohnerinnen und Einwohner. Das sind beinahe doppelt so viele wie in der Stadt Zürich, deren Bevölkerung am wenigsten motorisiert ist (324). Und die Schere öffnet sich immer weiter: Während der Motorisierungsgrad im ländlichen Raum tendenziell zulegt, nimmt er in städtischen Gebieten ab.

Alternative Antriebe fahren aus der Nische

Herkömmliche Verbrenner sind nach wie vor die Regel: 95 Prozent aller Autos haben einen Benzin- oder Dieselmotor. Elektrofahrzeuge und Hybride, bei denen neben einem Elektro- auch ein Verbrennungsmotor unter der Haube steckt, machen also nur einen kleinen Teil der Zürcher Autoflotte aus. Aber ihr Bestand hat sich in jüngster Zeit vervielfacht, und bei den Neuzulassungen fallen die alternativen Antriebe mittlerweile richtig ins Gewicht. 2020 war jedes vierte neu in Verkehr gesetzte Auto hybrid oder rein elektrisch unterwegs. Die Zahl der elektrifizierten Autos überstieg sogar jene der dieselbetriebenen. Vorläufig noch unangefochten an der Spitze liegen jedoch – mit mehr als der Hälfte aller Neuzulassungen – die Benziner.

Sattes Minus bei den Neuzulassungen

Die Zahl der kantonalen Neuzulassungen ging im letzten Jahr drastisch zurück, nämlich von üblicherweise rund 48'000 auf gut 38'000. Besonders von März bis Mai brach sie regelrecht ein. Dies hängt natürlich zusammen mit der Corona-Pandemie, deren erste Welle im Frühling 2020 anrollte. Zum einen herrschte damals der erste bundesrätliche Lockdown, weshalb der Autohandel zeitweise geschlossen blieb. Zum anderen unterbrachen die Pandemie und die weltweiten Gegenmassnahmen der Gesundheitsbehörden eingespielte Lieferketten. Dies führte etwa bei Mikrochips zu einem Mangel, so dass es in der Autoindustrie zu Lieferengpässen kam, die teilweise bis heute anhalten. Schliesslich dürfte auch ein psychologisches Moment mitspielen: Das Virus sorgt allgemein für Verunsicherung und dämpft so die Konsumlust weitherum.

Immer mehr Leistung, immer schwerer

Die Motoren der Neuzulassungen entfalten immer mehr Kraft. Jene der neusten Generation leisten im Schnitt eineinhalb Mal so viel wie noch vor 20 Jahren, nämlich rund 150 Kilowatt (200 PS). Ebenfalls im Steigen begriffen ist das Gewicht. Inzwischen bringt ein neu zugelassenes Auto im Mittel gut 1.7 Tonnen auf die Waage. Dass die Autos immer schwerer werden, hängt nicht zuletzt mit dem Aufkommen der alternativen Antriebe zusammen. Denn die Akkus, die einen Elektromotor mit Strom versorgen, sind sehr schwer. Bei den Hybriden kommt hinzu, dass zwei Motoren verbaut sind, was das Fahrzeuggewicht ebenfalls erhöht. Aber auch die klassischen Verbrenner bringen immer mehr Gewicht auf die Waage, weil mit jeder Fahrzeuggeneration mehr Technik an Bord ist.

Positive und negative Signale

Der Boom der alternativ angetriebenen Autos ist aus klimapolitischer Sicht erfreulich. Denn Elektrofahrzeuge stossen, über ihren ganzen Lebenszyklus gesehen, weniger CO2 aus als ihre Pendants mit Benzin- oder Dieselmotor. Dies gilt zumindest für den Fall, dass der Strommix an der Ladestation, wie in der Schweiz, kaum fossil erzeugten Strom enthält. In der EU hingegen, wo manchenorts nach wie vor Kohle verstromt wird, unterscheiden sich die Treibhausgasbilanzen von Stromern und Verbrennern weniger deutlich. Klimapolitisch negativ schlägt auf der anderen Seite zu Buche, dass die Neuzulassungen von Jahr zu Jahr schwerer werden. Mehr Gewicht bedeutet in der Regel mehr Materialaufwand bei der Fahrzeugproduktion und -entsorgung sowie mehr Treibstoff- oder Stromverbrauch beim Fahren. Deshalb steigt mit dem Gewicht bei sonst gleichen Bedingungen auch die Umweltbelastung, die das einzelne Auto verursacht.

Autos mit Zürcher Nummernschildern

Alle im Kanton Zürich zugelassenen Motorfahrzeuge sind in einer Datenbank des Strassenverkehrsamts registriert. Seit 2002 wird einmal jährlich, jeweils Ende September, ein Auszug aus der Datenbank gemacht. Die Analyse des Statistischen Amts basiert auf diesen jährlichen Datenbankauszügen. Sie beschränkt sich auf die Personenwagen, die gut 70 Prozent aller Motorfahrzeuge und damit die weitaus grösste Gruppe ausmachen. Die Neuzulassungen eines bestimmten Jahres sind definiert als jene Autos, die zwischen dem 1. Oktober des Vorjahres und dem 30. September erstmals in Verkehr gesetzt wurden.
 

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