Die kantonale Verwaltung historisch betrachtet

Unter dem Titel «Von der Kameralistik zum New Public Management. Geschichte der Zürcher Kantonsverwaltung von 1803 bis 1998» wird erstmals die Entwicklung der kantonalen Verwaltung in Buchform dargestellt. Kameralistik wurde im 18. Jahrhundert an preussischen Universitäten gelehrt, heute spricht man von Verwaltungswissenschaften. Autor des Buches ist der Historiker Martin Illi.

Bis 1798 war Zürich ein Stadtstaat mit der Landschaft als Untertanengebiet. Regiert hat ein halbjährlich wechselnder Rat aus je dreizehn Mitgliedern, allesamt Stadtbürger. Die Hauptlast der Verwaltung trug eine Vielzahl von Kommissionen. Nach dem fünfjährigen Experiment des gesamtschweizerischen Einheitsstaats, der Helvetik von 1798 bis 1803, stellte man unter dem Diktat von Napoleon Bonaparte die Hoheit der Kantone wieder her. Mit der Mediationsverfassung von 1803 und vor allem mit der Regenerationsverfassung von 1831 wurden die Grundlagen des modernen Kantons Zürich sowie der Stadt Zürich geschaffen. Der grössere Teil der Regierungskommissionen, Ämter und weiteren Institutionen sowie der Vermögenswerte wurde vom Kanton Zürich übernommen, der kleinere Teil wie etwa das Kornamt, das Fraumünsteramt sowie der Sihlwald von der Stadt Zürich.

Eisenbahnkönig brachte neuen Wind in die Amtsstuben

Trotz neuen Verfassungen, Schulreform und Transportrevolution unterschied sich die kantonale Verwaltung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts noch wenig von der des 18. Jahrhunderts, und erst 1850 kehrte ein neuer Wind in die Amtsstuben. Auf Anregung des Eisenbahnkönigs Alfred Escher stimmte das Zürcher Volk 1849 einer Verfassungsänderung zu, welche die Einführung der Departementverwaltung ermöglichte. Seitdem ist die kantonale Verwaltung in verschiedene Direktionen eingeteilt, deren wechselnde Entwicklung bis zur Verwaltungsreform von 1998 im Einzelnen beleuchtet wird.

Die moderne Verwaltung durchdringt unser Alltagsleben mehr als man sich gewöhnlich vorstellt, vom Kehrichtsack bis zum Nummernschild, von der Identitätskarte bis zur Steuererklärung, ganz zu schweigen von Schulen, Spitälern, Strassen, Wasserbau, Flughafen, Verkehrsverbund, Landwirtschaft und Umweltschutz. Zudem ist der Kanton Zürich mit fast 40’000 Mitarbeitenden der grösste öffentliche Arbeitgeber der Schweiz geworden. Insofern dokumentiert das Buch auch den Wandel des beruflichen Alltags in einem zentralen Gebiet.

Autor des Buches ist der Historiker Martin Illi (Kilchberg). Die Herausgabe des Werks wurde von einer Kommission begleitet, die unter der Leitung der beiden Staatsarchivare Otto Sigg (bis 2006) und Beat Gnädinger stand.

Durchsetzt ist das Werk von Essays aus der Feder prominenter Zürcherinnen und Zürchern, die auf ganz unterschiedliche Weise ihren Bezug zur Verwaltung schildern.

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Martin Illi, Von der Kameralistik zum New Public Management. Geschichte der Zürcher Kantonsverwaltung von 1803 bis 1998, herausgegeben vom Regierungsrat des Kantons Zürich, Zürich 2008 (Chronos Verlag, 507 Seiten, 150 Abbildungen), im Buchhandel erhältlich, Preis CHF 68/EUR 42 ISBN 978-3-0340-0887-7

Bilder aus der Publikation «Von der Kameralistik zum New Public Management»

Blechdose zum Aufbewahren der Farbbänder zu einer Hermes Schreibmaschine, mit dem Schriftzug der kantonalen Verwaltung

Kanzlei der Bezirksjugendanwaltschaft in Meilen 1954.

Kantonales Verwaltungsgebäude um 1900. Vor dem Bezug des Kaspar-Escher-Hauses 1922 und der Verwaltungsgebäude an der Walche und dem Neumühlequai 1936 war das ehemalige Barfüsserkloster, das Obmannamt Verwaltungssitz. Das Gebäude wird heute vom Obergericht genutzt.

(Medienmitteilung der Direktion der Justiz und des Innern)

Hinweis

Diese Meldung ist vor 2018 erschienen. Gegenüber der ursprünglichen Fassung sind alle Bilder, Links und Downloads entfernt worden. Dies beim Wechsel zum neuen kantonalen Webauftritt 2020.
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