Wie hängen Männlichkeitsnormen, Migration und geschlechtsspezifische Gewalt zusammen? Expertinnen und Experten aus der Wissenschaft und der Praxis haben an der Fachtagung «Und bist du nicht willig …» vom 25. Juni 2026 teilgenommen. Sie haben über aktuelle Erkenntnisse, Risikofaktoren sowie Ansätze für die Prävention und den Schutz von Opfern diskutiert.
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Thema der Fachtagung
Welche Rolle spielen Männlichkeitsnormen bei Gewalt gegen Frauen? Wie wirken Erfahrungen mit Migration und andere soziale Bedingungen mit? Und was bedeutet das für Prävention, Opferschutz, Opferhilfe und Täterarbeit?
Diese Fragen wurden bei der Fachtagung am 25. Juni 2026 im Volkshaus Zürich besprochen. Die Tagung brachte verschiedene Perspektiven aus der Wissenschaft, der Verwaltung und der Praxis zusammen. Im Mittelpunkt stand eine differenzierte, wissenschaftlich fundierte Auseinandersetzung: Gewalt wurde nicht einer einzelnen Bevölkerungsgruppe oder einem einzelnen Faktor zugeschrieben.
Vielmehr wurde das Zusammenspiel von verschiedenen Faktoren betrachtet:
- Normen für Männlichkeit
- Erziehung und Sozialisation
- Lebenslagen
- Erfahrungen mit Migration
- Bedingungen in der Gesellschaft und in Institutionen
Die Fachtagung wurde in Zusammenarbeit mit männer.ch und der Fachstelle Gleichstellung durchgeführt und ist eine Massnahme des kantonalen Aktionsplans zur Gleichstellungsstrategie. Sie gehört zum Themenfeld «Respekt und Gewaltfreiheit» und trägt zur gleichstellungsbasierten Prävention geschlechtsspezifischer Gewalt bei.
Eröffnungsrede
Regierungsrätin Jacqueline Fehr, Vorsteherin der Direktion der Justiz und des Innern, eröffnete die Fachtagung. Bundesrat Beat Jans, Vorsteher des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements, richtete sich mit einer Videobotschaft an die Teilnehmenden.
Videobotschaft von Bundesrat Beat Jans
Fachliche Beiträge
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Nora Markwalder, Professorin für Strafrecht, Strafprozessrecht und Kriminologie an der Universität St. Gallen, ordnete Polizeistatistiken, Opferbefragungen und Forschungsergebnisse ein. Sie zeigte auf, welche Aussagen die verfügbaren Daten zulassen und wo Forschungslücken bestehen.
Markus Theunert ist der fachliche Leiter von männer.ch. Er erklärte, wie bestimmte Vorstellungen von Männlichkeit mit der Akzeptanz und dem Ausüben von Gewalt zusammenhängen. Daraus leitete er Vorschläge für die Prävention ab. Zudem zeigte er auf, wie sich die Gesellschaft mit Normen auseinandersetzen kann, die Gewalt fördern.
Kambez Nuri ist Co-Leiter der Fachstelle OH BOY* und Kursleiter bei den Bewährungs- und Vollzugsdiensten. Er erklärte, dass die Debatte oft zu vereinfacht geführt wird.
Er zeigte, wie man die Arbeit zur Vorbeugung (Präventionsarbeit) und die Arbeit mit Täterinnen und Tätern (Täterarbeit) verbinden kann. Dabei werden persönliche, soziale und institutionelle Faktoren gemeinsam berücksichtigt.
Am Nachmittag vertieften die Teilnehmenden die fachlichen Beiträge in fünf Workshops:
- junge Männer und die sogenannte Manosphere
- männlichkeitssensible Gewaltprävention in der Schule
- Risikofaktoren bei Intimpartnergewalt gegen Frauen
- Folgerungen für die inklusive Opferhilfestrategie
- Männlichkeitsreflexion als Teil gleichstellungsbasierter Gewaltprävention
Wie es weitergeht
Die Fachtagung setzte die im Aktionsplan vorgesehene Massnahme M-2.1 um. Ihre Auswertung dient dazu, Empfehlungen für die weitere gleichstellungsbasierte Prävention geschlechtsspezifischer Gewalt abzuleiten. Die Erkenntnisse werden für die weiteren Arbeiten im Themenfeld «Respekt und Gewaltfreiheit» genutzt.
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