Nachhaltiges innerstädtisches Gesamtprojekt Hohlstrasse 100 in Zürich

Die innerstädtische Verdichtung stellt hohe Anforderungen an Fassadenkonstruktionen: Wenig Platz, strenge Energieschutzvorschriften und Lärmschutzauflagen müssen gleichzeitig erfüllt werden. Am Pilotprojekt Hohlstrasse 100 in Zürich wurden erstmals Aerogeldämmung, Vakuumisolationsverglasung und eine Grundwasserwärmepumpe gemeinsam in einem Neubauprojekt eingesetzt – und zeigen, wie schlanke Konstruktionen die Nutzfläche maximieren, ohne beim Wärmeschutz Abstriche zu machen.

Wirkungsbereich
Energieeffizienz
Branche
Immobilienwirtschaft
Projektstand
abgeschlossen
Projektart
Pilot- und Demonstrationsanlage
Projektpartner
Dietrich Schwarz Architekten AG, Zentrum für Immobilien AG, EK Energiekonzepte AG, Empa, Innoplan Ingenieurbüro, Innoplan , GlassX AG, Lenum AG
sdr
Neubau mit Aerogel Fassade an der Hohlstrasse 100 in Zürich. Quelle: Corak AG

Ausgangslage

  • Verdichtetes Bauen im innerstädtischen Raum erfordert schlanke Fassadenkonstruktionen: Konventionelle Dämmstärken konkurrieren direkt mit vermietbarer Wohnfläche. Jeder Zentimeter zählt.
  • Die Schweiz verfügt über ein erhebliches Potenzial, bestehende und neue Innenstadtparzellen energetisch hochwertig zu verdichten, wenn geeignete Hochleistungsdämmstoffe und Verglasungen den Flächenverlust minimieren.
  • Aerogeldämmung und Vakuumisolationsverglasungen sind in der Schweiz noch wenig erprobt; das Projekt Hohlstrasse 100 schafft erstmals reale Erfahrungswerte für den mehrgeschossigen Wohnungsbau unter innerstädtischen Bedingungen.
  • Durch die Kombination von passiven Massnahmen (schlanke Hülle, VIG) mit aktiven Systemen (Grundwasserwärmepumpe, PV-Anlage) lässt sich der fossile Energiebedarf im Wohnungsbau auf nahezu null senken.

Projektbeschrieb

Am Standort Hohlstrasse 100 in Zürich wurde zwischen 2015 und 2019 ein sechsgeschossiges Randgebäude als Neubau und ein historisches Hofgebäude aus dem Jahr 1904 energetisch saniert und umgenutzt; zusammen entstanden 70 Wohneinheiten auf rund 4'376 m² Energiebezugsfläche. Zur Maximierung der Nutzfläche kamen vorfabrizierte Sandwichelemente mit einem rund 6 cm dicken Aerogel-Dämmkern sowie Vakuumisolationsverglasungen (VIG) zum Einsatz, die trotz ihrer geringen Schichtdicke von rund 14 cm an der Aussenwand einen U-Wert von 0.2 W/m²K erreichen – eine konventionelle Steinwoll-Fassade benötigt für denselben Wert mehr als doppelt so viel Dicke. Die Wärme- und Warmwassererzeugung erfolgt über eine Grundwasserwärmepumpe mit einer Jahresarbeitszahl von über 5, ergänzt durch eine 109 kWp-Photovoltaikanlage, die rund 26 % des Gesamtstrombedarfs abdeckt.

Aerogel Partikel bunt
Aerogel Partikel Quelle: Empa

Projektziele

  • Nachweis, dass Aerogeldämmung und Vakuumisolationsverglasungen im mehrgeschossigen Wohnungsneubau unter innerstädtischen Bedingungen eine schlanke, hochgedämmte Gebäudehülle mit U-Werten um 0.2 W/m²K ermöglichen und dadurch rund 120 m² zusätzliche Nutzfläche gegenüber konventioneller Bauweise erschlossen werden können.
  • Betrieb der Grundwasserwärmepumpe mit einer Jahresarbeitszahl, die die Minergie-A-P-Anforderungen (JAZ ≥ 3.2 für Heizung, ≥ 2.9 für Warmwasser) deutlich übertrifft, und Nachweis der Tauglichkeit des Gesamtsystems im realen Betrieb unter Zürcher Innenstadtbedingungen.
  • Ermittlung des tatsächlichen Brauchwarmwasserverbrauchs im Gebäudebetrieb als Grundlage für eine Überprüfung der SIA-Normwerte sowie Optimierung der gebäudetechnischen Anlagekomponenten durch ein mehrjähriges Monitoring.

Erkenntnisse

Die Aerogeldämmung und die Vakuumisolationsverglasungen haben ihre technische Tauglichkeit im mehrgeschossigen Innenstadtbau unter realen Bedingungen bestätigt: Durch den schlanken Fassadenaufbau wurden gegenüber einer konventionell gedämmten Fassade rund 120 m² zusätzliche Wohnfläche erschlossen, was einem Mehrwert von schätzungsweise bis zu einer Million Franken entspricht. Die Grundwasserwärmepumpe erreichte eine Jahresarbeitszahl von 5.14 für Heizung und 3.28 bzw. 4.21 für Warmwasser und übertraf damit die Minergie-A-P-Anforderungen deutlich; der Gesamtstromverbrauch lag mit 222'383 kWh unter dem prognostizierten Wert von 252'151 kWh. Gleichzeitig hat das Projekt gezeigt, dass die gleichzeitige Einführung mehrerer neuer Technologien in einem einzigen Bauvorhaben hohe Anforderungen an Planung, Koordination und Bautoleranzen stellt – Abweichungen im Rohbau führten zu aufwändigen Korrekturmassnahmen, die bereits in der Entwurfsphase hätten antizipiert werden müssen.

Ausblick

Die gewonnenen Erfahrungswerte zu Aerogeldämmung, Vakuumisolationsverglasungen und Grundwasserwärmepumpen sind direkt auf weitere innerstädtische Verdichtungsprojekte in der Schweiz übertragbar und können als Referenz für die Weiterentwicklung entsprechender Produkte und Normen dienen. Eine weitere Optimierung des Gesamtsystems – insbesondere beim Freecooling, der Warmwasseraufbereitung und einem allenfalls noch nachzurüstenden Batteriespeicher – wird durch die bestehende MSR-Infrastruktur ermöglicht.

Projektpartner

Dietrich Schwarz Architekten

Dietrich Schwarz

dietrich.schwarz@schwarz-architekten.com

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Pilotprojekte Energie – Energie

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