Internationale Steuerausscheidung bei Grundstücken, Geschäftsbetrieben und Betriebsstätten
1.Unbeschränkte Steuerpflicht in der Schweiz
Steuerrechtlicher Wohnsitz oder Aufenthalt in der Schweiz (NP) / Sitz oder tatsächliche Verwaltung in der Schweiz (JP)
1.1Grundstück im Ausland
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Natürliche Personen (NP)
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Juristische Personen (JP)
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Ausscheidung
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Interkantonale Regeln (Grundsätze des Bundesrechts über das Verbot der interkantonalen Doppelbesteuerung) (Art. 6 Abs. 3 Satz 1 DBG; § 5 Abs. 3 Satz 1 StG; BGr, 10.5.2017, 2C_404/2017, E. 3.1, E. 4.1). Grundstückerträge/-aufwendungen: objektmässig (BGr, 10.5.2017, 2C_404/2017, E. 3.2.1). Schulden/Schuldzinsen: proportional nach Lage aller (Brutto-)Aktiven des Privat- und Geschäftsvermögens (BGr, 10.5.2017, 2C_404/2017, E. 3.2.1) Schuldzinsenüberschuss aus der Schweiz: kann auf Ausland verlegt werden (BGr, 16.3.2022, 2C_465/2021, E. 3.8-10). Gewinnungskosten (organische Abzüge): nach Einkünften, auf die sie entfallen (BGr, 26.6.2015, 2C_1154/2013, E. 3.3). allgemeine Abzüge: - nach sachlichem Zusammenhang mit Einkommensart - sofern ohne sachlichen Zusammenhang: proportional nach Lage des Reineinkommens (BGr, 26.6.2015, 2C_1154/2013, E. 3.3, 4.3). Sozialabzüge: anteilsmässig nach (Netto)-Einkommen (Art. 35 Abs. 3 DBG; § 34 Abs. 3 StG; BGr, 26.6.2015, 2C_1154/2013, E. 3.3, 4.3). |
Interkantonale Regeln (Grundsätze des Bundesrechts über das Verbot der interkantonalen Doppelbesteuerung); mit sachlich begründeten Einschränkungen bzw. Modifikationen der im interkantonalen Steuerrecht gültigen Praxis (Art. 52 Abs. 3 Satz 1 DBG; § 57 Abs. 3 Satz 1 StG; BGr, 5.8.2020, 2C_1116/2018, E. 7.2). Grundstückerträge/-aufwendungen: objektmässig (Art. 52 Abs. 3 Satz 4 DBG; § 57 Abs. 3 Satz 4 StG). Schuldzinsen: sofern keine Betriebsstätte im betreffenden Land: nach Lage der Aktiven; - sofern Betriebsstätte im betreffenden Land: objektmässig; sofern keine sachgemässe objektmässige Ausscheidung möglich ist: nach Lage der Aktiven. Kapital/Schulden: sofern keine Betriebsstätte im betreffenden Land: nach Lage der Aktiven; - sofern Betriebsstätte im betreffenden Land: objektmässig; sofern keine sachgemässe objektmässige Ausscheidung möglich ist: nach Lage der Aktiven. |
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Auslandsverluste
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Auslandsverluste (Gewinnungskostenüberschuss, Schuldzinsenüberschuss) sind für die Ermittlung des steuerbaren Einkommens nicht zu übernehmen (Art. 6 Abs. 3 Satz 3 DBG; § 5 Abs. 3 Satz 3 StG; BGr, 10.5.2017, 2C_404/2017, E. 3.2.2, E. 4.1). |
Verlustübernahme aus ausländischen Liegenschaften nur, wenn Betriebsstätte im gleichen Land unterhalten wird (Art. 52 Abs. 3 Satz 4 DBG; § 57 Abs. 3 Satz 4 StG). Berücksichtigung im Ergebnis der Betriebsstätten des betreffenden Landes und provisorische Verrechnung mit schweizerischen Gewinnen im Rahmen der Verlustverrechnung der ausländischen Betriebsstätten gemäss Art. 52 Abs. 3 Satz 2 und 3 DBG bzw. § 57 Abs. 3 Satz 2 und 3 StG. Inländische Verluste: Verlustvortrag innerhalb der CH; kein Export ins Ausland (Art. 52 Abs. 3 DBG bzw. § 57 Abs. 3 StG; objektmässig direkte Ausscheidung). |
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Steuersatz
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Steuersatz des gesamten (weltweiten) Einkommens (Progressionsvorbehalt) (Art. 7 Abs. 1 DBG; § 6 Abs. 1 StG; BGr, 10.5.2017, 2C_404/2017, E. 3.1, E. 4.1.2). Auslandsverluste (auch Verlustvorträge) sind bei der Ermittlung des Steuersatzes zu berücksichtigen (Art. 6 Abs. 3 Satz 3 DBG; § 5 Abs. 3 Satz 3 StG; BGr, 10.5.2017, 2C_404/2017, E. 3.2.2, E. 4.1) |
1.2Geschäftsbetrieb oder Betriebsstätte im Ausland
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Natürliche Personen (NP)
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Juristische Personen (JP)
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Ausscheidung
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Interkantonale Regeln (Grundsätze des Bundesrechts über das Verbot der interkantonalen Doppelbesteuerung) (Art. 6 Abs. 3 Satz 1 DBG; § 5 Abs. 3 Satz 1 StG; BGr, 10.5.2017, 2C_404/2017, E. 3.1, E. 4.1). Erträge/Aufwendungen Geschäftsbetrieb oder Betriebsstätte im Ausland: objektmässig (Art. 6 Abs. 3 Satz 2 DBG; § 5 Abs. 3 Satz 2 StG). Schulden/Schuldzinsen: proportional nach Lage aller (Brutto-)Aktiven des Privat- und Geschäftsvermögens (BGr, 10.5.2017, 2C_404/2017, E. 3.2.1) Schuldzinsenüberschuss aus der Schweiz: kann auf Ausland verlegt werden (BGr, 16.3.2022, 2C_465/2021, E. 3.8-10). Allgemeine Abzüge: - nach sachlichem Zusammenhang mit Einkommensart; - sofern ohne sachlichen Zusammenhang: proportional nach Lage des Reineinkommens (BGr, 26.6.2015, 2C_1154/2013, E. 3.3, 4.3). Sozialabzüge: anteilsmässig nach (Netto)-Einkommen (Art. 35 Abs. 3 DBG; § 34 Abs. 3 StG; BGr, 26.6.2015, 2C_1154/2013, E. 3.3, 4.3) |
Interkantonale Regeln (Grundsätze des Bundesrechts über das Verbot der interkantonalen Doppelbesteuerung); mit sachlich begründeten Einschränkungen bzw. Modifikationen der im interkantonalen Steuerrecht gültigen Praxis (Art. 52 Abs. 3 Satz 1 DBG; § 57 Abs. 3 Satz 1 StG; BGr, 5.8.2020, 2C_1116/2018, E. 7.2). Betriebsstättenerträge/-aufwendungen: objektmässig nach Betriebsstätten-Buchhaltung (Art. 52 Abs. 3 Satz 2 DBG; § 57 Abs. 3 Satz 2 StG). Ausgehend vom Gesamtgewinn werden positive ausländische Betriebsstättengewinne aufs Ausland ausgeschieden. Ausländische Betriebsstättenverluste werden provisorisch übernommen, mit Rückbelastungsmöglichkeit (vgl. Auslandsverluste). Kapital: grundsätzlich objektmässig nach Betriebsstätten-Buchhaltung; sofern keine sachgemässe Ausscheidung nach Betriebsstätten-Buchhaltung möglich ist: nach Hilfsgrössen (i.d.R. nach Lage der Aktiven) |
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Auslandsverluste
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Geschäftsort in der Schweiz / Betriebsstätte im Ausland (Unternehmen wird von der Schweiz aus geleitet) Provisorische Verrechnung von ausländischen Betriebsstättenverlusten mit inländischen Gewinnen aus selbständiger Erwerbstätigkeit mit Revisionsmöglichkeit gemäss Art. 6 Abs. 3 Satz 2 DBG bzw. § 5 Abs. 3 Satz 2 StG (BGr, 10.5.2017, 2C_404/2017, E. 3.1). - Es wird nur ein Nettoverlust aus dem betreffenden Betriebsstättenland übernommen; die ausländischen Betriebsstättenverluste werden zuerst mit übrigen Gewinnen/Nettoerträgen im gleichen Land verrechnet. Geschäftsort im Ausland / Betriebsstätte in der Schweiz oder nur Geschäftsbetrieb im Ausland (Unternehmen wird nicht von der Schweiz aus geleitet). Auslandsverluste (Gewinnungskostenüberschuss, Schuldzinsenüberschuss) sind für die Ermittlung des steuerbaren Einkommens nicht zu übernehmen (Art. 6 Abs. 3 Satz 3 DBG; § 5 Abs. 3 Satz 3 StG; BGr, 10.5.2017, 2C_404/2017, E. 3.2.2). |
Provisorische Verrechnung von ausländischen Betriebsstättenverlusten mit schweizerischen Gewinnen, soweit diese Verluste im Betriebsstättenstaat nicht berücksichtigt wurden und Rückbelastungsmöglichkeit der verrechneten Verluste gemäss Art. 52 Abs. 3 Satz 2 und 3 DBG bzw. § 57 Abs. 3 Satz 2 und 3 StG. Inländische Verluste: Verlustvortrag innerhalb der CH; kein Export ins Ausland (Art. 52 Abs. 3 DBG bzw. § 57 Abs. 3 StG; objektmässig direkte Ausscheidung) |
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Steuersatz
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Steuersatz des gesamten (weltweiten) Einkommens (Progressionsvorbehalt) (Art. 7 Abs. 1 DBG; § 6 Abs. 1 StG; BGr, 10.5.2017, 2C_404/2017, E. 3.1). Auslandsverluste (auch Verlustvorträge) sind bei der Ermittlung des Steuersatzes zu berücksichtigen (Art. 6 Abs. 3 Satz 3 DBG; § 5 Abs. 3 Satz 3 StG; BGr, 10.5.2017, 2C_404/2017, E. 3.2.2). |
2.Beschränkte Steuerpflicht in der Schweiz
Ohne steuerlichen Wohnsitz oder Aufenthalt in der Schweiz (NP) / Ohne Sitz oder tatsächliche Verwaltung in der Schweiz (JP)
2.1Grundstück in der Schweiz
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Natürliche Personen (NP)
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Juristische Personen (JP)
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Ausscheidung
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Interkantonale Regeln (Grundsätze des Bundesrechts über das Verbot der interkantonalen Doppelbesteuerung) (Art. 6 Abs. 2 und Abs. 3 Satz 1 DBG; § 5 Abs. 2 und Abs. 3 Satz 1 StG). Grundstückerträge/-aufwendungen: objektmässig (Art. 6 Abs. 2 DBG; § 5 Abs. 2 StG; BGr, 15.1.2015, 2C_18/2014, E. 2.2.2). Schulden/Schuldzinsen: proportional nach Lage aller (Brutto-)Aktiven des Privat- und Geschäftsvermögens (BGr, 15.1.2015, 2C_18/2014, E. 2.2.2). Schuldzinsenüberschuss aus der Schweiz: kann auf Ausland verlegt werden. Gewinnungskosten: nach Einkünften, auf die sie entfallen (BGr, 26.6.2015, 2C_1154/2013, E. 3.3). Allgemeine Abzüge: - nach sachlichem Zusammenhang mit Einkommensart; - sofern ohne sachlichen Zusammenhang: proportional nach Lage des Reineinkommens (BGr, 26.6.2015, 2C_1154/2013, E. 3.3, 4.3). Sozialabzüge: anteilsmässig nach (Netto)-Einkommen (Art. 35 Abs. 3 DBG; § 34 Abs. 3 StG; BGr, 26.6.2015, 2C_1154/2013, E. 3.3, 4.3). |
Grundstückerträge/-aufwendungen: objektmässig (Art. 52 Abs. 4 DBG; § 57 Abs. 4 StG; BGr, 5.8.2020, 2C_1116/2018, E. 7.3.2). Schuldzinsen: nach Lage der Aktiven (M StR 2007 Nr. 4; RK, 17.11.2006, 2 DB.2006.86). Kapital/Schulden: nach Lage der Aktiven (M StR 2007 Nr. 4; RK, 17.11.2006, 2 DB.2006.86). |
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Auslandsverluste
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Auslandsverluste (Gewinnungskostenüberschuss, Schuldzinsenüberschuss) sind für die Ermittlung des steuerbaren Einkommens nicht zu übernehmen (Art. 6 Abs. 2 Satz 2 DBG; Art. 6 Abs. 3 Satz 3 DBG; § 5 Abs. 2 Satz 2 StG; § 5 Abs. 3 Satz 3 StG; BGr, 15.1.2015, 2C_18/2014, E. 4.3.3). Staatssteuer: Verluste aus anderen Kantonen werden nicht übernommen (§ 5 Abs. 2 Satz 2 StG; BGr, 15.1.2015, 2C_18/2014, E. 4.3.3). |
Auslandsverluste werden nicht übernommen (Art. 52 Abs. 4 DBG; § 57 Abs. 4 StG). Staatssteuer: Verluste aus anderen Kantonen werden nicht übernommen (§ 57 Abs. 4 StG; BGr, 15.1.2015, 2C_18/2014, E. 4.3.3). Inländische Verluste: Verlustvortrag innerhalb der CH; kein Export ins Ausland (Art. 52 Abs. 4 DBG bzw. § 57 Abs. 4 StG; objektmässig direkte Ausscheidung). |
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Steuersatz
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Steuersatz des gesamten (weltweiten) Einkommens (Progressionsvorbehalt), wobei der Steuersatz jedoch mindestens dem in der Schweiz (DBG) bzw. dem im Kanton (StSt) erzielten Einkommen entspricht (Ausschluss des negativen Progressionsvorbehalts) (Art. 7 Abs. 1 und 2 DBG; § 6 Abs. 1 und 2 StG; BGr, 15.1.2015, 2C_18/2014, E. 2.2.2). Auslandsverluste (auch Verlustvorträge) sind bei der Ermittlung des Steuersatzes zu berücksichtigen, wobei der Steuersatz jedoch mindestens dem in der Schweiz (DBG) bzw. dem im Kanton (StSt) erzielten Einkommen entspricht (Ausschluss des negativen Progressionsvorbehalts) (Art. 6 Abs. 3 Satz 3 DBG; Art. 7 Abs. 2 DBG; § 5 Abs. 3 Satz 3 StG; § 6 Abs. 2 StG; BGr, 15.1.2015, 2C_18/2014, E. 2.2.2). |
2.2Geschäftsbetrieb oder Betriebsstätte in der Schweiz
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Natürliche Personen (NP)
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Juristische Personen (JP)
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Ausscheidung
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Objektmässig (Art. 6 Abs. 2 DBG; § 5 Abs. 2 StG; BGr, 15.1.2015, 2C_18/2014, E. 2.2.2). Schulden/Schuldzinsen: proportional nach Lage aller (Brutto-)Aktiven des Privat- und Geschäftsvermögens (BGr, 15.1.2015, 2C_18/2014, E. 2.2.2). Schuldzinsenüberschuss aus der Schweiz: kann auf Ausland verlegt werden Allgemeine Abzüge: - nach sachlichem Zusammenhang mit Einkommensart - sofern ohne sachlichen Zusammenhang: proportional nach Lage des Reineinkommens (BGr, 26.6.2015, 2C_1154/2013, E. 3.3, 4.3). Sozialabzüge: anteilsmässig nach (Netto)-Einkommen (Art. 35 Abs. 3 DBG; § 34 Abs. 3 StG; BGr, 26.6.2015, 2C_1154/2013, E. 3.3, 4.3). |
Betriebsstättenerträge/-aufwendungen: objektmässig (Art. 52 Abs. 4 DBG; § 57 Abs. 4 StG; BGr, 5.8.2020, 2C_1116/2018, E. 7.3.2). Kapital: objektmässig (§ 57 Abs. 4 StG). |
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Auslandsverluste
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Auslandsverluste sind für die Ermittlung des steuerbaren Einkommens nicht zu übernehmen (Art. 6 Abs. 2 Satz 2 DBG; Art. 6 Abs. 3 Satz 3 DBG; § 5 Abs. 2 Satz 2 StG; § 5 Abs. 3 Satz 3 StG; BGr, 15.1.2015, 2C_18/2014, E. 4.3.3). Staatssteuer: Verluste aus anderen Kantonen werden nicht übernommen (§ 5 Abs. 2 Satz 2 StG; BGr, 15.1.2015, 2C_18/2014, E. 4.3.3). |
Auslandsverluste werden nicht übernommen (Art. 52 Abs. 4 DBG; § 57 Abs. 4 StG). Staatssteuer: Verluste aus anderen Kantonen werden nicht übernommen (§ 57 Abs. 4 StG; BGr, 15.1.2015, 2C_18/2014, E. 4.3.3). Inländische Verluste: Verlustvortrag innerhalb der CH; kein Export ins Ausland (Art. 52 Abs. 4 DBG bzw. § 57 Abs. 4 StG; objektmässig direkte Ausscheidung). |
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Steuersatz
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Steuersatz des gesamten (weltweiten) Einkommens (Progressionsvorbehalt), wobei der Steuersatz jedoch mindestens dem in der Schweiz (DBG) bzw. dem im Kanton (StSt) erzielten Einkommen entspricht (Ausschluss des negativen Progressionsvorbehalts) (Art. 7 Abs. 1 und 2 DBG; § 6 Abs. 1 und 2 StG; BGr, 15.1.2015, 2C_18/2014, E. 2.2.2). Auslandsverluste (auch Verlustvorträge) sind bei der Ermittlung des Steuersatzes zu berücksichtigen, wobei der Steuersatz jedoch mindestens dem in der Schweiz (DBG) bzw. dem im Kanton (StSt) erzielten Einkommen entspricht (Ausschluss des negativen Progressionsvorbehalts) (Art. 6 Abs. 3 Satz 3 DBG; Art. 7 Abs. 2 DBG; § 5 Abs. 3 Satz 3 StG; § 6 Abs. 2 StG; BGr, 15.1.2015, 2C_18/2014, E. 2.2.2). |