Die Regionalen Staatsanwaltschaften im Berichtsjahr
Jahresrücklick 22.05.2026
Für die nordöstlichen Gebiete des Kantons wird seit Mitte 2025 eine neue Pikettorganisation mit vereinfachten Prozessen und vereinheitlichten Sicherheitsstandards erprobt. Insgesamt waren auch im vergangenen Jahr kantonsweit Höchstwerte bei den Falleingängen zu verzeichnen. Gleichzeitig konnten rund 40’000 Verfahren abgeschlossen werden.
Die fünf Regionalen Staatsanwaltschaften bilden das Rückgrat der Zürcher Strafverfolgung. Während sich die Kantonalen Staatsanwaltschaften mit komplexen und zeitintensiven Verfahren in bestimmten Deliktsarten befassen, bearbeiten die Regionalen Amtsstellen vor allem das Massengeschäft. Gemessen an den Fallabschlüssen erledigen sie rund 94 Prozent des gesamten Fallvolumens der Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich.
STA-Pikett West: Zuführungszahlen auf Rekordniveau
Die Regionalen Staatsanwaltschaften betreiben im Polizei- und Justizzentrum (PJZ) einen Pikettdienst für polizeilich zugeführte Personen. Das STA-Pikett West, das die Bezirke Zürich, Horgen, Affoltern und Dietikon umfasst, verzeichnete im Jahr 2025 mit 5’554 Zuführungen einen neuen Höchststand (2024: 5’449).
In Zusammenarbeit mit der Kantonspolizei Zürich und weiteren Schnittstellenpartnern konnten im Berichtsjahr bedeutende Verbesserungen im Bereich der Sicherheit sowie der organisatorischen Abläufe im PJZ umgesetzt werden. So wurde beispielsweise der Einsatz des polizeilichen Sicherheitspersonals bei Einvernahmen neu konzipiert.
Zuführungen STA-Pikett West
STA-Pikett Ost: einjähriges Pilotprojekt
Seit dem 1. Juli 2025 wird das bewährte Konzept des STA-Piketts West im Rahmen eines einjährigen Pilotversuchs auch auf die acht Bezirke Dielsdorf, Bülach, Andelfingen, Winterthur, Pfäffikon, Hinwil, Uster und Meilen übertragen. Mitarbeitende der Staatsanwaltschaften Winterthur/Unterland und See/Oberland übernehmen den Pikettdienst (Brandtour und polizeiliche Zuführungen) neu wochenweise für die gesamte Region Ost. Gleichzeitig wurde der Pikettdienst für polizeiliche Zuführungen im PJZ zentralisiert. Damit können bestehende Infrastrukturen effizienter genutzt, die Belastung der Fallbearbeitenden reduziert, Prozesse vereinfacht und Sicherheitsstandards vereinheitlicht werden. Die organisatorischen Voraussetzungen hierfür wurden in enger Zusammenarbeit mit der Kantonspolizei Zürich und weiteren Schnittstellenpartnern geschaffen.
Zunahme der Falleingänge
Insgesamt lag die Zahl der Eingänge bei den Regionalen Staatsanwaltschaften im Jahr 2025 bei 41’093 Geschäften und bewegt sich damit weiterhin auf hohem Niveau (+1,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr). Besonders ausgeprägt war die Zunahme bei der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis (+15,8 Prozent), während andere Amtsstellen einen geringfügigen Rückgang zu verzeichnen hatten. Bei den Abschlüssen ist im Vergleich zum Vorjahr insgesamt ein leichter Rückgang von 393 Verfahren auf 40’056 festzustellen (–1,0 Prozent). Infolge des anhaltend hohen Fallaufkommens stieg die Zahl der Pendenzen um 756 Fälle auf 11’356 Fälle (+7,1 Prozent).
Die seit Jahren hohen Eingangszahlen, die stark mit dem Bevölkerungswachstum korrelieren, machen deutlich, dass zusätzliche Ressourcen und gezielte Massnahmen dringend erforderlich sind, um die Leistungsfähigkeit der Strafverfolgungsbehörden langfristig zu sichern. Im Berichtsjahr wurde diesbezüglich ein wichtiger Meilenstein erreicht: Mit der erfolgten Zustimmung von Regierungs- und Kantonsrat kann 2026 die Entlastungs-Staatsanwaltschaft (ESTA) mit einem verstärkten juristischen Mittelbau realisiert werden. Diese wird einfachere Fälle der Massendelinquenz (z. B. Strassenverkehrs- und Betäubungsmitteldelikte) direkt übernehmen. Mit der ESTA gewinnt die Gesamtorganisation deutlich an Flexibilität, und der bewährte innerkantonale Belastungsausgleich zwischen den Regionalen Staatsanwaltschaften kann weiter ausgebaut werden.
Parallel dazu wurde eine Reihe von Entlastungs- und Verbesserungsmassnahmen weitergeführt oder neu umgesetzt. Dazu zählen insbesondere die Verstärkung der Joker-Abteilung bei Mutterschaftsurlauben, präventive Abwehrmassnahmen gegen die Betrugswelle auf Internetmarktplätzen wie «Tutti» sowie – gemeinsam mit der Kantonspolizei Zürich – die Bildung einer Arbeitsgruppe «Prozessoptimierung» mit dem Ziel, die Effizienz bei der Erteilung und Bearbeitung von Ermittlungsaufträgen sowie beim polizeilichen Rapportieren zu steigern.
Krawallgruppe: mehr Abschlüsse bei rückläufigen Eingängen
Die Krawallgruppe, die sich primär mit Verfahren im Zusammenhang mit Fangewalt und Demonstrationen befasst, verzeichnete im Jahr 2025 insgesamt 74 Neueingänge (–29,5 Prozent gegenüber 2024). Der Rückgang ist insbesondere darauf zurückzuführen, dass im Gegensatz zu den Vorjahren keine grösseren Klimaaktionen stattfanden, bei denen potenziell strafbares Verhalten zu verzeichnen war.
Gleichzeitig konnten 116 Verfahren erledigt werden, was im Vergleich zum Vorjahr einer deutlichen Steigerung von 37 Prozent entspricht. Insbesondere im Bereich der Fangewalt wurden durch konsequente Anklagen und Verurteilungen klare strafrechtliche Signale gesetzt.
Raserdelikte: neue Höchstzahlen
Die Zahl der bei der Staatsanwaltschaft eingegangenen Raserfälle erreichten im Berichtsjahr mit 230 Fällen einen neuen Höchststand. Bei Raserfällen mit Unfallfolge kamen mehrere Personen ums Leben oder wurden schwer verletzt. Jeder fünfte Verkehrstote im Kanton Zürich stand im Jahr 2025 im Zusammenhang mit einem Raserdelikt.
Seit der Einführung des sogenannten Raserartikels (Art. 90 Abs. 3 SVG) im Jahr 2013 wurden bis Ende 2024 insgesamt 851 Urteile wegen qualifiziert grober Verkehrsregelverletzung ins Strafregister eingetragen. Die Urteilsstatistik zeigt, dass die spezialisierte Verkehrsgruppe konsequent gegen besonders schwere Verkehrsdelikte vorgeht.
Einbrüche in Waffengeschäfte und Garagen
Im Berichtsjahr kam es schweizweit und auch im Kanton Zürich zu einer Häufung von Einbrüchen in Waffengeschäfte. Im Sommer wurden innert weniger Tage entsprechende Delikte in Pfungen, Bülach und Höri verübt. Mehrere tatverdächtige Personen konnten festgenommen werden; die Staatsanwaltschaft eröffnete Strafverfahren gegen die mutmasslichen Täter. Die Ermittlungen deuten in einigen Fällen auf international agierende Tätergruppierungen aus Frankreich hin. Auf das Konto solcher Tätergruppen gehen auch verschiedene Einbrüche in Garagen, die mit dem Versuch verbunden waren, meist teure Sportwagen zu entwenden.