Die Kantonspolizei Zürich betrieb über viele Jahre das Kriminalmuseum. Mit dem Umzug ins Polizei- und Justizzentrum Zürich schloss das Museum seine Tore in der Polizeikaserne. Die Kantonspolizei präsentiert 13 Zürcher Kriminalfälle, die zu unterschiedlichen Zeiten für Aufsehen sorgten.
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Geschichte des Kriminalmuseums
1901 – 1947
Im Jahr 1901 bezog die Kantonspolizei Zürich die frischerrichtete Polizeikaserne an der Kasernenstrasse 29 in Zürich. Dort war im südwestlichen Eckzimmer des zweiten Stocks neben dem grossen Speisesaal ein «Kriminalmuseum» eingerichtet.
Dieses war zunächst kein «Museum», sondern Teil des Erkennungsdiensts und Lehranstalt für die Mannschaft und Studenten des Rechts. Zudem fanden Führungen für interessierte Gruppen und Vereine statt. Angereichert wurde die Sammlung unter anderem durch Zuweisungen von Gegenständen und Corpora delicti durch die Gerichte und Anwaltschaften des Kantons.
Ab 1923 versuchte die Sammlung sodann, die Geschichte der Zürcher Kantonspolizei zu dokumentieren. Dazu erging ein Aufruf an frühere Korpsangehörige und deren Familien, noch vorhandene alte Ausrüstungsgegenstände und Uniformen zu Verfügung zu stellen.
Die Notwendigkeit, in der Polizeikaserne weitere Büroräume für die Kantonspolizei einzurichten, führte 1919 zur Verlegung des Museums in die nordöstliche Ecke des zweiten Stocks, der zuvor durch das Kantonskriegskommissariat genutzt worden war, und 1932 schliesslich in den Dachstock der Polizeikaserne, wo nach dessen Ausbau grosszügig Vitrinen und Schaukästen präsentiert werden konnten.
1948 – 1958
Im Jahr 1948 musste über die Hälfte der 200 Quadratmeter Museumsfläche an den Photodienst abgetreten werden. Eine Besichtigung der Gegenstände war danach nicht mehr möglich, nur noch deren Magazinierung. Weil indessen das Polizeikommando das Kriminalmuseum als wichtig für die Ausbildung von Polizisten und Kriminalisten einschätzte, aber auch als ein «wertvolles Bindeglied zwischen Bevölkerung und Polizei», drängte es auf eine Neugestaltung und Wiedereröffnung.
Die Pläne für eine solche Wiedereröffnung lagen 1950 vor, aber erst 1954 bewilligte der Regierungsrat den Ausbau durch den Einbezug bisheriger Magazinräume im Dachstock der Polizeikaserne. Die Neueinrichtung geschah unter Mitarbeit eines Grafikers, die Neueröffnung erfolgte im Dezember 1958 in Anwesenheit von zwei Regierungsräten.
In verschiedenen Räumen und in fünfzig Vitrinen zeigte das Museum Gegenstände zur Geschichte der Polizei und zur Geschichte des Verbrechens, insbesondere im Kanton Zürich. Die Presse gratulierte der Kantonspolizei zur Ausstellung und gab sich überzeugt, dass diese internationales Ansehen geniessen werde.
1959 – 2022
Das Kriminalmuseum durfte jeweils nur gruppenweise und nach Voranmeldung besucht werden. Gleichwohl war das Interesse der Bevölkerung enorm: Von 1959 bis 2022 liessen sich in vielleicht 30'000 Führungen mehr als eine halbe Million Personen das Museum zeigen. Die Wartefristen betrugen regelmässig drei bis sechs Monate.
Mehrfach wurde die Ausstellung inhaltlich und technisch modernisiert, so wurden zum Beispiel 1972 «neue Erscheinungsformen des Verbrechens» wie Sprengstoff- und Terroranschläge sowie die Drogenkriminalität dokumentiert. Im Jahr 1982 wurden die Räume «publikumswirksam» neugestaltet und «Multi-Visions-Tonbildschauen» eingeführt.
Eine umfangreiche Leihgabe von Schweizer Waffen aus dem 15. bis ins 20. Jahrhundert bereicherte 1992 die ab 1975 angelegte Sammlung von Polizeiwaffen. Beides wurde in einem besonderen Raum neben dem Kriminalmuseum im Dachgeschoss der Polizeikaserne gezeigt.
Zuletzt, im Mai 2022, besuchten über 1000 Interessierte das Kriminalmuseum, bevor dieses mit dem Auszug der Kantonspolizei aus der Polizeikaserne seine Türen schloss.
Die Polizeikaserne Zürich
Weitere interessante Geschichten im Zusammenhang mit der ehemaligen Polizeikaserne Zürich können im Buch «Die Polizeikaserne Zürich» nachgelesen werden. Das reichbebilderte Buch kann kostenlos bestellt werden.
- Meinrad Suter: «Die Polizeikaserne Zürich: Geschichte und Geschichten des Stammhauses der Kantonspolizei Zürich von 1901 bis 2022», Zürich, 2022.
Podcast zum Kriminalmuseum
Das Kriminalmuseum zeigte von 1959 bis 2022 einer breiten Öffentlichkeit einen Blick hinter die Kulissen der Kantonspolizei und erinnerte an aufsehenerregende Kriminalfälle im Kanton Zürich. Zwei frühere Kuratoren und eine ehemalige Museumsführerin erzählen in dieser Folge von ihrem ersten Kontakt mit dem Kriminalmuseum und von ihren eindrücklichsten Fällen.
Die Geschichte des Kriminalmuseums
Kriminalmuseum
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Kriminalmuseum im zweiten Stock der Polizeikaserne (bis 1958). Es diente in erster Linie zur Ausbildung der Polizeiaspiranten. Quelle: KAPO ZH -
Aufnahme aus dem Kriminalmuseum nach dessen Öffnung für die Öffentlichkeit im Jahr 1958. Quelle: KAPO ZH -
Blick in die Waffensammlung des seit 2022 geschlossenen Kriminalmuseums. Quelle: KAPO ZH -
Exponate zu speziellen und aufsehenerregenden Kriminalfällen, welche im Kriminalmuseum ausgestellt waren. Quelle: KAPO ZH
13 Fälle
Fall 1 – Der Fall Schürmann/Deubelbeiss
Munitionsdiebstahl sowie Entführung und Tötung eines Bankiers
1951: Die Kleinganoven Kurt Schürmann und Ernst Deubelbeiss planen ein grosses Ding: die Entführung eines Bankiers. Polizist und Museumsführer Gregor Schäppi erzählt, wie die kriminelle Karriere zweier Männer begann, wie sie an ein riesiges Waffenarsenal gelangten und wie am Schluss alles aus dem Ruder lief.
Munitionsdiebstahl, Entführung und Tötung eines Bankiers
Fall 2 – Terroranschläge 1969
Anschlag auf eine El-Al-Maschine in Kloten und Flugzeugabsturz einer Swissair bei Würenlingen
1969/1970: Erste terroristische Attacken erreichen die Schweiz. Polizist und Museumskurator Martin Wermuth berichtet von den Geschehnissen beim Angriff auf ein Flugzeug am Flughafen Kloten und vom Absturz einer Swissair-Maschine bei Würenlingen.
Anschlag auf eine El-Al-Maschine in Kloten und Absturz einer Swissair-Maschine bei Würenlingen
Fall 3 – Giftpilzmord
Lange, qualvolle Tötung eines Mannes mit hinterhältigen Mitteln
1993: Der pensionierte Kantonspolizist und Museumsführer Rolf Berger erzählt eindrücklich, wie Simone S. mehrfach versucht hat, ihren Mann Martin S. zu töten. Zum Einsatz kamen Schlafmittel, HIV-positives Blut und der Saft von Knollenblätterpilzen.
Eindrückliche Erzählung, wie eine Frau ihren Mann qualvoll tötete.
Fall 4 – Letztes Todesurteil
Vollstreckung des letzten Todesurteils im Kanton Zürich
1865: Heinrich Götti war der letzte Mörder, der im Kanton Zürich zum Tode verurteilt worden ist. Polizist und Museumsführer Marcel Graf erzählt die Geschichte des mehrfachen Kindermörders sowie der Zürcher Guillotine, mit der insgesamt sechs Todesurteile vollstreckt worden sind.
Letzte Hinrichtung im Kanton Zürich
Fall 5 – Sprengstoffanschlag in Winterthur
Sektiererisch motivierter Terror
1975: Beim Wohnhaus des damaligen Regierungsrats Jakob Stucki explodiert eine Bombe. Als Täter werden Anhänger des Winterthurer Divine-Light-Zentrums und ihr spiritueller Führer, der Inder Swami Omkarananda, überführt. Der pensionierte Polizist und Museumsführer Hugo Tschopp gibt einen Einblick in diesen einzigartigen Fall.
Sektiererisch motovierter Terror in Winterthur
Fall 6 – Überfall auf Volksbank
RAF-Terroristen überfallen eine Bank an der Zürcher Bahnhofstrasse
1979: Der brutale Raubüberfall in Zürich hat die Leute aufgewühlt, und sie haben Angst bekommen. Polizistin und Museumsführerin Carmen Surber erzählt, wie vier RAF-Terroristen mitten in der Stadt Zürich eine Bank überfielen und um sich schossen. Eine unbeteiligte Passantin kam dabei ums Leben.
RAF-Terroristen überfallen eine Bank an der Zürcher Bahnhofstrasse
Fall 7 – Exorzismus im Zürcher Oberland
Ein junges Mädchen wird bei einer Teufelsaustreibung umgebracht
1966: Drei Männer rufen einen Arzt an und erzählen ihm, dass ein junges Mädchen gestorben sei. Der Arzt stellte eine nicht natürliche Todesursache fest und avisierte sofort die Polizei. Der pensionierte Polizist und ehemalige Museumskurator Andreas Krebs erzählt, wie sich bei den Ermittlungen Abgründe von religiösem Wahn, Macht und Abhängigkeit auftaten.
Exorzismus im Zürcher Oberland
Fall 8 – Mord am Katzensee
«Leichenfund vom Katzensee gibt Rätsel auf» schreiben die Zeitungen
2010: Ein Spaziergänger macht in einem Naturschutzgebiet eine unheimliche Entdeckung. Er findet in einem abgelegenen Teil des Katzensees eine tote Frau und ruft die Polizei. Marc Besson, Polizist und Museumsführer, erzählt, wie ein mysteriöses Tötungsdelikt nur mit hartnäckiger Ermittlungsarbeit der Polizei gelöst werden konnte.
Mord am Katzensee
Fall 9 – Agentenpaar aus der DDR
Spionagefall im Kanton Zürich aufgedeckt
1973: Der Fall des Agentenpaars Kälin hat bis in die oberste politische Instanz Wellen geworfen. Polizist und Museumsführer Ralph Hirt schildert eindrücklich, wie inmitten des Kalten Kriegs ein gut getarntes Agentenpaar aufflog, das Informationen für die damalige DDR beschafft hatte.
Podcast über das Agentenpaar Kälin aus der DDR
Fall 10 – Tankstellenraub und geografisches Profiling
Grosse Fahndungsaktion führte zur Verhaftung eines brutalen Tankstellenräubers
2006: Mehrere Raubüberfälle auf Tankstellenshops im Kanton Zürich beschäftigen die Polizei. Polizistin und Museumsführerin Sonja Matzinger erklärt, was diese brutale Serie von Raubüberfällen mit einem Fuchs und seiner Höhle zu tun hat.
Podcast zu einer Serie von Tankstellenraubdelikten und geografischem Profiling
Fall 11 – Revolutionäre Zelle Zürich
Untergrundorganisation plante grossen Coup
1972: Die Polizistin und Museumsführerin Sonja Matzinger schildert, wie sich drei junge Männer in den Siebzigerjahren in extremer und gefährlicher Art radikalisiert haben und Kontakte zu ausländischen Terrororganisationen knüpften.
Revolutionäre Zelle Zürich- Untergrundorganisation plante grossen Coup
Fall 12 – Mörderischer Verkehrsunfall
Mord als Verkehrsunfall getarnt
1933: Was sich als schwerer Motorradunfall darstellte, offenbarte sich einige Zeit später als brutaler und hinterhältiger Mord. Polizist und Museumskurator Martin Wermuth erzählt, wie die sorgfältig getarnte Tat lange unentdeckt blieb.
Mörderischer Verkehrsunfall - Mord als Verkehrsunfall getarnt
Fall 13 – Der Betonmord
Ansichtskarten von einem Vermissten
1966: Der frühere Kurator des Kriminalmuseums, Hans Schubiger, erzählt, wie in den Sechzigerjahren ein aussergewöhnlich komplexer und mysteriöser Mord dank internationaler Zusammenarbeit mit der deutschen Polizei geklärt werden konnte.
Bonusfolge 3: Betonmord - Warum erhielt eine Frau regelmässig Ansichtskarten von ihrem Mann, den sie als vermisst gemeldet hatte?
Bilder zu einigen Fällen
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Fall 2 – Die Ausstellungsstücke zum Attentat auf das El-Al-Flugzeug am Flughafen Zürich. Quelle: KAPO ZH -
Fall 3 – Agenda mit handschriftlichen Einträgen der Täterin. Der Eintrag vom 24.09.1993 zeigt den Versuch, den Verdacht von sich abzulenken. Quelle: KAPO ZH -
Fall 4 – Modell der Zürcher Guillotine, ausgestellt im ehemaligen Kriminalmuseum. Quelle: KAPO ZH -
Fall 5 – Eine der nicht detonierten Bomben. Der Zündmechanismus, bestehend aus einer im Kaufhaus erworbenen Eieruhr, verfügte über zu wenig Kraft, um den Auslösemechanismus in Gang zu setzen. Quelle: KAPO ZH
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Fall 9 – Das vom Agentenpaar verwendete Funkgerät. Quelle: KAPO ZH -
Fall 11 – Fotografie des Ausstellungsstückes im Fall Revolutionäre Zelle Zürich. Quelle: KAPO ZH -
Fall 13 – Nachgestellte und im Kriminalmuseum ausgestellte Szenerie im sogenannten Betonmord-Fall. Quelle: KAPO ZH
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