Bald mehr Pensionierte als Jugendliche?
Mitteilung 09.07.2026
Die Alterung der Gesellschaft schreitet weiter voran, im Kanton Zürich etwas langsamer als in den meisten anderen Kantonen. Wie es in Zukunft weitergeht, hängt vor allem von der Geburtenhäufigkeit und der Zuwanderung ab – und unterscheidet sich zwischen den Regionen.
Wie das Bundesamt für Statistik (BFS) berichtet, leben in der Schweiz seit dem Jahr 2025 mehr Menschen über 65 als Kinder und Jugendliche unter 20 Jahren. Die demografische Alterung schreitet also weiter voran und wird sich gemäss Bevölkerungsprognosen in Zukunft weiter fortsetzen.
Auch im Kanton Zürich steigt der Anteil der Menschen im Pensionsalter an, aber weniger rasch als im Landesdurchschnitt. Hier werden erst um das Jahr 2030 mehr alte (65+) als junge Menschen (0–19) leben.
Damit gehört Zürich zu den jungen und langsam alternden Kantonen. Nur in den Kantonen Freiburg, Waadt und Genf ist der Anteil der über 65-Jährigen geringer. Gleichzeitig hat Zürich von allen Kantonen den grössten Anteil von Menschen im Erwerbsalter (20–64), heute und laut Prognose auch in Zukunft.
Am frühesten hat sich die demografische Alterung in den Kantonen Basel-Stadt und Tessin gezeigt, sie zählten bereits vor dem Jahr 2010 mehr Pensionierte als Kinder und Jugendliche. In Genf wird das voraussichtlich erst gegen Ende der Vierzigerjahre der Fall sein.
Anteile der drei grossen Altersgruppen, 2010–2055
Nicht nur mehr ältere Menschen
Die Alterung der Zürcher Bevölkerung zeigt sich in allen Szenarien der aktuellen Bevölkerungsprognose. Sie äussert sich durchgängig darin, dass die Altersgruppen sehr ungleichmässig wachsen – besonders stark die Gruppe der über 65-Jährigen. Dadurch nimmt ihr relatives Gewicht zu, während der Anteil der Jüngeren sinkt.
Das bedeutet aber nicht, dass nur die Zahl der Pensionierten zunimmt. Laut Prognose gibt es bis 2055 auch mehr Menschen im Erwerbsalter als heute und vermutlich auch mehr Kinder und Jugendliche.
Den grössten Zuwachs wird die Gruppe der 30- bis 49-Jährigen erfahren, ihre Zahl steigt im Referenzszenario von rund 510'000 auf 590'000. Im Verhältnis zur heutigen Grösse wächst allerdings die Gruppe der über 80-Jährigen am stärksten, von 90'000 auf 150'000 Mitglieder.
Gründe für die demografische Alterung sind zum einen die steigende Lebenserwartung und zum anderen die niedrige Geburtenrate. Hinzu kommt der Umstand, dass die geburtenstarken Jahrgänge der frühen 1960er («Babyboomer») zunehmend das Rentenalter erreichen.
Zwischen den Geschlechtern gibt es nur geringe Unterschiede im Alterungsprozess. Frauen haben jedoch weiterhin eine etwas höhere Lebenserwartung, während diejenige der Männer schneller ansteigt.
Geburten und Zuwanderung prägend
Obwohl kaum ein Zweifel an der weiteren Alterung besteht, ist ihr Ausmass bei weitem noch nicht ausgemacht. Je nach Szenario steigt das Durchschnittsalter der Zürcherinnen und Zürcher bis 2055 um 2,1 bis 3,5 Jahre an. Dieser Unterschied von 1,4 Jahren entspricht der demografischen Alterung der vergangenen 20 Jahre.
Die Unsicherheit liegt aber weniger an der Gruppe der über 65-Jährigen, ihre Entwicklung ist in allen drei Szenarien der Bevölkerungsprognose recht ähnlich. Deutliche Unterschiede zwischen den Szenarien gibt es jedoch bei den Kindern und Jugendlichen wie auch bei den Menschen im Erwerbsalter. Das heisst, die Stärke der Alterung hängt vom Wachstum dieser Gruppen ab.
Bevölkerung nach Geschlecht und Alter, 2025–2055
Dabei ist vor allem die zukünftige Geburtenrate und der internationale Wanderungssaldo entscheidend, denn in diesen beiden Punkten unterscheiden sich die Szenarien hauptsächlich.
Das hohe Szenario geht von vielen Geburten und Zuwanderungen aus und sagt am Ende ein niedrigeres Durchschnittsalter und einen geringeren Anteil an Pensionierten voraus. Im tiefen Szenario ist es genau umgekehrt, während das Referenzszenario mit jeweils mittleren Werten rechnet. Die demografische Alterung läuft also je nach Szenario schneller oder langsamer ab, aufhalten lässt sie sich jedoch in keinem Fall.
Für junge Erwachsene attraktiv
Doch was steckt dahinter? Dass eine höhere Zahl von Neugeborenen zu einer geringeren Alterung führt, ist intuitiv einsichtig. Der verjüngende Effekt der Zuwanderung hängt allerdings vom Altersaufbau der Zuziehenden ab. Wie eine Analyse der Wanderungsströme zeigt, kommen die meisten Ausländerinnen und Ausländer für eine Ausbildung oder eine Erwerbstätigkeit in den Kanton Zürich und sind im Durchschnitt deutlich jünger als die Zürcherinnen und Zürcher mit Schweizer Pass.
Aktuell sind nur sieben Prozent der ausländischen Bevölkerung über 65 Jahre alt, unter den Schweizerinnen und Schweizern ist es fast ein Viertel (22 Prozent). Dagen befinden sich drei Viertel der Ausländerinnen und Ausländer im erwerbsfähigen Alter, die meisten davon sind zwischen 20 und 49.
In der schweizerischen Bevölkerung ist nur etwas mehr als die Hälfte im erwerbsfähigen Alter, und zwar vor allem zwischen 40 und 64. Der Anteil der unter 20-Jährigen ist dagegen in beiden Bevölkerungsgruppen ähnlich gross.
Die Anziehungskraft des Arbeitsmarktes und der Hochschulen dürfte also ein wesentlicher Grund dafür sein, dass die Bevölkerung in Zürich jünger ist als in den meisten anderen Kantonen. Dieser Eindruck erhärtet sich, wenn man die regionalen Differenzen der Altersstruktur innerhalb des Kantons in den Blick nimmt.
Stadt Zürich sticht heraus
Denn vor allem im Agglomerationsgebiet der Stadt Zürich, wo es zahlreiche Arbeits- und Ausbildungsangebote gibt, leben anteilsmässig mehr jüngere Menschen. Ländlich geprägte Regionen wie das Weinland, das Oberland oder auch der Pfannenstiel haben hingegen einen überdurchschnittlich hohen Anteil von Menschen im Pensionsalter.
Besonders auffällig ist der Unterschied zwischen der Stadt Zürich (ohne Agglomeration) und allen anderen Gebieten des Kantons. Die Stadt hat mit 40,5 Jahren das mit Abstand niedrigste Durchschnittsalter aller Regionen, im übrigen Kanton liegt es aktuell bei 42,7 Jahren.
Bevölkerung nach Gebiet, Geschlecht und Alter, 2025–2055
Das tiefe Durchschnittsalter in der Stadt resultiert daraus, dass dort besonders viele Erwachsene im Alter zwischen 20 und 45 leben und verhältnismässig wenige über 55. Das wiederum ist darauf zurückzuführen, dass junge Zuwandernde aus dem Ausland und Zuziehende aus anderen Kantonen besonders häufig die Stadt Zürich ansteuern.
Damit geht es hauptsächlich auf die Stadt Zürich zurück, dass der Kanton als Ganzes zu den überdurchschnittlich jungen Kantonen zählt. Dennoch wird auch die Stadt Zürich in Zukunft demografisch altern, wenn auch etwas weniger stark als die übrigen Regionen des Kantons.
Datengrundlage und Definitionen
Obige Auswertungen basieren auf der Kantonalen Bevölkerungserhebung und der Kantonalen Bevölkerungsprognose des Amtes für Statistik und Daten. Alle Auswertungen beziehen sich auf die zivilrechtliche Wohnbevölkerung nach der kantonalen Finanzausgleichsverordnung (FAV) vom 17.08.2011.
Die zivilrechtliche Wohnbevölkerung umfasst alle Personen, die am Stichtag in einer Gemeinde mit Hauptwohnsitz gemeldet sind oder wegziehen, wenn sie a) schweizerische Staatsangehörige sind, b) ausländische Staatsangehörige mit einer Aufenthalts- (Ausweis B) oder Niederlassungsbewilligung (Ausweis C) sind, c) ausländische Staatsangehörige sind, die nicht unter b) fallen und seit mindestens zwölf Monaten in der Gemeinde gemeldet sind, ausgenommen Asylsuchende (Ausweis N). Stichtag ist der 31. Dezember jeden Jahres.
Eine Ausnahme bilden lediglich die Daten zur Schweiz in der ersten Grafik, diese stammen vom Bundesamt für Statistik und beziehen sich auf die ständige Wohnbevölkerung. Im Unterschied zur zivilrechtlichen Bevölkerung werden hierzu auch Asylsuchende gezählt, sobald sie mindestens zwölf Monate in der Schweiz anwesend sind.