Wer zieht zu, wer weg?

In den vergangenen zehn Jahren ist die ständige Wohnbevölkerung des Kantons Zürich um rund 170’000 Personen oder zwölf Prozent gewachsen. Dieses Wachstum ist das Ergebnis vieler einzelner Bewegungen: Menschen ziehen aus dem Ausland oder anderen Kantonen zu, andere ziehen weg, Kinder werden geboren, Menschen sterben. Die Zuwanderung aus dem Ausland, vor allem aus dem europäischen Umland, prägt dabei die Bevölkerungsentwicklung am stärksten.

Die Kantonsbevölkerung wächst vor allem wegen der Zuwanderung aus dem Ausland. Auch aus anderen Landesteilen ziehen junge Erwachsene in den Kanton Zürich. In jüngster Zeit ziehen jedoch insgesamt mehr Menschen in andere Kantone weg als umgekehrt.

Auch die Geburten tragen zum Bevölkerungszuwachs bei, jedoch deutlich weniger als die Zuwanderung: So war im Jahr 2024 rund 80 Prozent des jährlichen Wachstums der Zuwanderung aus dem Ausland zuzuschreiben, 20 Prozent dem Geburtenüberschuss (Geburten abzüglich der Sterbefälle).

Zwei Drittel wandern aus der EU oder EFTA zu

Die grosse Mehrheit der Menschen, die zwischen 2015 und 2024 aus dem Ausland zugewandert ist, waren Staatsangehörige europäischer Länder. Insgesamt stammten 58 Prozent aus einem EU- oder EFTA-Staat, davon etwa die Hälfte aus den Nachbarländern. Weitere 12 Prozent der Zugewanderten stammten aus anderen europäischen Ländern. Deutschland (17 Prozent) und Italien (9 Prozent) waren mit Abstand die wichtigsten Herkunftsstaaten.

Im Schnitt sind in den vergangenen zehn Jahren rund 37’300 Personen pro Jahr aus dem Ausland in den Kanton Zürich gezogen. Gleichzeitig verliessen jährlich rund 22’700 Personen den Kanton ins Ausland. Durch die Auslandszuwanderung sind unter dem Strich also rund 14’600 Personen pro Jahr zur Bevölkerung hinzugekommen.

Internationale Zu- und Wegzüge nach Staatsangehörigkeit

Kanton Zürich, 2015–2024

Balkendiagramm: Internationale Zu- und Wegzüge nach Staatsangehörigkeit
Lesehilfe: Zur EFTA gehören neben der Schweiz Liechtenstein, Island und Norwegen. Zum übrigen Europa zählen Albanien, Andorra, Belarus, Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Moldau, Monaco, Montenegro, Nordmazedonien, Russland, San Marino, Serbien, die Ukraine, Vatikanstadt, die Türkei und das Vereinigte Königreich. Nicht dargestellt ist eine kleine Gruppe, die per Saldo weniger als 60 Personen pro Jahr zur Zuwanderung beigetragen hat (u.a. Australien oder Mikronesien inkl. Personen, deren Staatsangehörigkeit in den Daten nicht verfügbar ist). // Quelle: BFS, Statistik der Bevölkerung und der Haushalte (STATPOP Bewegungen)

Junge Schweizerinnen und Schweizer zieht es ins Ausland

Auch schweizerische Staatsangehörige sind Teil der internationalen Migrationsbewegungen. Sie stellten rund zwölf Prozent der Zuwanderung des vergangenen Jahrzehnts. Allerdings sind mehr Schweizerinnen und Schweizer ausgewandert als aus dem Ausland in den Kanton Zürich zurückgekehrt sind: Im Schnitt lag der negative Wanderungssaldo bei rund 1'900 Personen pro Jahr.

Besonders beliebt ist der Umzug ins Ausland bei jungen Erwachsenen: 20- bis 29-Jährige machten rund 40 Prozent des Wanderungssaldos aus. Ferner häufen sich Umzüge ins Ausland auch rund ums Pensionsalter. Auf 60- bis 69-Jährige entfiel knapp ein Fünftel des internationalen Wanderungssaldos der Schweizerinnen und Schweizer.

Zugewanderte meist im frühen Erwerbsalter

Jüngere Erwachsene im Erwerbsalter machen das Gros der Zugewanderten aus dem Ausland aus. Rund 60 Prozent der im vergangenen Jahrzehnt zugewanderten Personen waren im Alter von 20 bis 39 Jahren. Unter dem Strich wanderten Personen bis Mitte 50 häufiger zu als weg. Der positive Wanderungssaldo bei Kindern und Jugendlichen, die in der Regel mit ihren Eltern umziehen, weist zudem darauf hin, dass aus dem Ausland auch junge Familien mit Kindern zuwandern.

Internationale Zu- und Wegzüge nach Alter

Kanton Zürich, Anzahl Personen pro Jahr, Mittelwert der Jahre 2015–2024

Balkendiagramm:
Quelle: BFS, Statistik der Bevölkerung und der Haushalte (STATPOP Bewegungen)

Ab Mitte 50 zogen mehr Personen aus dem Kanton Zürich ins Ausland als umgekehrt, besonders viele gingen im Alter zwischen 60 und 65 Jahren. Neben Schweizerinnen und Schweizern, die nach der Pensionierung ins Ausland auswandern, dürften darunter auch viele Menschen sein, die nach der Pensionierung in ihr Herkunftsland zurückkehren. So entfielen drei Viertel des negativen Wanderungssaldos der 60-Jährigen auf Ausländerinnen und Ausländer, bei den 65-Jährigen zwei Drittel.

Junge Familien ziehen häufiger in andere Landesteile als umgekehrt

Dass der Kanton Zürich als Wohnort für junge Erwachsene im Ausbildungs- oder Berufseinstiegsalter attraktiv ist, zeigt sich auch an den Zuzügen aus anderen Kantonen. Insgesamt zogen in den vergangenen fünf Jahren zwar mehr Menschen aus dem Kanton Zürich in andere Teile der Schweiz als umgekehrt. Der Saldo bei den jungen Erwachsenen blieb jedoch positiv.

Interkantonale Zu- und Wegzüge nach Alter

Kanton Zürich, Anzahl Personen pro Jahr, Mittelwert der Jahre 2020–2024  

Balkendiagramm: Kanton Zürich, Anzahl Personen pro Jahr, Mittelwert der Jahre 2020–2024
Quelle: BFS, Statistik der Bevölkerung und der Haushalte (STATPOP Bewegungen)

Ab 30 ziehen mehr Personen in andere Kantone als zuziehen. Das ist für viele Menschen die Phase, in der sie Kinder bekommen. Der negative Saldo ist dementsprechend auch bei jüngeren Kindern im Vorschulalter besonders deutlich. Das ist ein Hinweis darauf, dass viele Familien umziehen, bevor die Kinder in die Schule kommen.

Beliebte Nachbarkantone

Personen, die über die Kantonsgrenzen hinaus umziehen, bleiben vielfach in der Region. Bei zwei Dritteln der Wegzüge in andere Kantone lag der neue Wohnort in einem angrenzenden Kanton. Dabei ist der Aargau mit Abstand das häufigste Umzugsziel, gefolgt von den Kantonen St. Gallen und Thurgau. Insgesamt zogen zwischen 2020 und 2024 mehr Personen in die Nachbarkantone als von dort zuzogen. Mit den übrigen Kantonen der Schweiz hat der Kanton Zürich ausgeglichene Wanderungsbilanzen oder verzeichnet etwas mehr Zu- als Wegzüge.

Interkantonale Zu- und Wegzüge nach Herkunfts- und Zielkanton

Kanton Zürich, Anzahl Personen pro Jahr, Mittelwert der Jahre 2020–2024  

Balkendiagramm: Interkantonale Zu- und Wegzüge nach Herkunfts- und Zielkanton
Kanton Zürich, Anzahl Personen pro Jahr, Mittelwert der Jahre 2020–2024

Die Stadt wächst von aussen

Alle Regionen des Kantons Zürich wachsen durch die Zuwanderung aus dem Ausland, aber in der Stadt Zürich ist die Bedeutung der Auslandszuwanderung mit Abstand am grössten. Ausserdem hat Zürich als einzige Region im Kanton einen positiven interkantonalen Wanderungssaldo. Alle anderen Regionen verzeichnen per Saldo mehr Wegzüge in andere Kantone als Zuzüge.

Hingegen hat die Stadt Zürich als einzige Region im Kanton einen negativen Binnenwanderungssaldo. Das heisst, mehr Menschen ziehen aus der Stadt in andere Kantonsgebiete als zuziehen. Alle anderen Regionen verzeichnen mehr Zuzüge aus der Stadt als Wegzüge in diese. Für das Weinland und das Knonaueramt sind Zuzüge aus anderen Regionen des Kantons sogar der wichtigste Wachstumstreiber.

Bedeutung unterschiedlicher Wanderungssaldi am gesamten Wachstum der jeweiligen Region

Kanton Zürich, Mittelwert der Jahre 2020–2024

Kartengrafik: Bedeutung unterschiedlicher Wanderungssaldi am gesamten Wachstum der jeweiligen Region
Lesehilfe: Das Weinland (ganz im Norden des Kantons) wächst vor allem durch die Zuwanderung aus anderen Kantonsgebieten und zu einem kleineren Teil auch durch Zuwanderung aus dem Ausland. Die Bevölkerung im Weinland verringert sich hingegen durch Wegzüge in andere Kantone. // Quelle: BFS, Statistik der Bevölkerung und der Haushalte (STATPOP Bewegungen)

Datengrundlage und Definitionen

Obige Auswertungen basieren auf der Statistik der Bevölkerung und der Haushalte (Bewegungsdaten) des Bundesamts für Statistik.

Als Zu- bzw. Wegwandernde werden Personen gezählt, die in einem gegebenen Jahr zur ständigen Wohnbevölkerung hinzukommen oder sie verlassen. Zur ständigen Wohnbevölkerung zählen schweizerische Staatsangehörige mit Hauptwohnsitz im Kanton Zürich, ausländische Staatsangehörige mit Ausweis B oder C sowie Personen mit Kurzaufenthaltsbewilligung und einer Gesamtaufenthaltsdauer von mindestens zwölf Monaten. Ebenso werden Personen im Asylprozess (Ausweis F, N oder S) mitgezählt, die sich mindestens zwölf Monate in der Schweiz aufgehalten haben.

Ansprechperson

Irene Böckmann

Teamleiterin Statistisches Amt

irene.boeckmann@statistik.ji.zh.ch
+41 43 259 75 53

Zu diesem Bericht haben Sebastian Weingartner, Katharina Kälin und Irene Böckmann beigetragen. Textredaktion: Thomas Hofer.

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