Jugendgewalt leicht rückläufig

Die Jugendgewalt hat 2022 im Kanton Zürich zum ersten Mal seit sechs Jahren abgenommen. Während die Zahl der Gruppendelikte zurückging, nahm die Zahl der Einzeltaten zu. Das Durchschnittsalter der delinquierenden Jugendlichen ist leicht gesunken.

Die Jugendkriminalität im Kanton Zürich hat sich stabilisiert. Die fünf Jugendanwaltschaften des Kantons Zürich eröffneten im vergangenen Jahr gegen 5’994 Jugendliche (2021: 5’961) ein Strafverfahren. Damit nahm die Zahl der beschuldigten Minderjährigen im Vergleich zum Vorjahr um 0,6 Prozent zu. Die Jugendgewalt hingegen hat zum ersten Mal seit 2016 abgenommen. Insgesamt wurden 884 Jugendliche (2021: 1’014) wegen eines Gewaltdelikts verzeigt. Das sind 12,8 % weniger als im Vorjahr.

Erledigungen

Im vergangenen Jahr erliessen die fünf Jugendanwaltschaften des Kantons Zürich 4'593 Strafbefehle (2021: 4’929), in 39 Fällen (2021: 40) erhoben sie Anklage bei den Jugendgerichten. Sie sprachen 4’401 Strafen (2021: 4’775) aus, darunter 2’515 (2021: 2’761) Verweise, 808 (2021: 927) persönliche Leistungen, 955 (2021: 922) Bussen und 123 (2021: 144) Freiheitsentzüge. In 0 (2021: 7) Fällen sahen sie von einer Bestrafung ab. Bei 22 (2021: 9) zum Tatzeitpunkt volljährigen Personen ordneten die Jugendanwaltschaften und Gerichte 33 (2021: 14) Erwachsenenstrafen an. Wie bereits in den Vorjahren haben die Jugendanwaltschaften Gewaltstraftaten prioritär behandelt. 3’169 Strafbefehle von minderschweren Delikten oder 68,4 Prozent (+ 5,7 Prozent) wurden schriftlich erlassen.

Art der Verurteilungen

Mit 4,5 Prozent (2021: 4,3 Prozent) betraf gut jede 20. Verurteilung ein Delikt gegen Leib und Leben. Die Verurteilungen wegen Vermögensdelikten, darunter fallen beispielsweise (geringfügiger) Diebstahl, (geringfügige) Sachbeschädigung, Raub und Betrug, nahmen mit 21,2 Prozent (2021: 22,2 Prozent) leicht ab. Zugenommen haben die Verurteilungen wegen Delikten gegen die Freiheit wie Hausfriedensbruch, Drohung und Nötigung. Ihr Anteil betrug 6,2% Prozent (2021: 5,6 Prozent). Die Verstösse gegen das Strassenverkehrsgesetz stiegen ebenfalls an, ihr Anteil lag neu bei 17,4 Prozent (2021: 13,6 Prozent). Die Verstösse gegen das Betäubungsmittelgesetz nahmen seit 2017 kontinuierlich ab und sind bei 9,7 Prozent (2021: 11,7 Prozent) angelangt. Bei den Verurteilungen wegen Delikten gegen die sexuelle Integrität gab es eine Zunahme von 2,5 Prozent (2021) auf 2,9 Prozent. Der Anteil an verurteilten Mädchen über alle Delikte hinweg nahm leicht ab und lag 2022 bei 26,6 Prozent (2021: 27,2 Prozent). Der Ausländeranteil betrug 36,8 Prozent (2021: 34,4 Prozent) und bewegte sich damit etwas über dem langjährigen Mittel von einem Drittel.

Kosten für Schutzmassnahmen

Insgesamt waren 41 (2021: 32) Jugendliche am Stichtag 31. Dezember 2022 stationär untergebracht, 172 (2021: 162) Jugendliche befanden sich in einer ambulanten Schutzmassnahme. Insgesamt wurden im letzten Jahr 10 stationäre (2021: 12) sowie 75 ambulante (2021: 77) Schutzmassnahmen angeordnet. Die Kosten für die Schutzmassnahmen sanken von 19,3 Millionen Franken auf 18,9 Millionen Franken.

Einzelne Aspekte der Jugendgewalt 2022

Die Oberjugendanwaltschaft analysiert seit mehreren Jahren Gewaltstraftaten, welche im Kanton Zürich wohnhafte Jugendliche begangen haben. Im vergangenen Jahr waren die Beschuldigten durchschnittlich 15,3 Jahre alt (2021: 15,5). Mit einem Anteil von 90,3 Prozent (2021: 88,1 Prozent) überwogen männliche Jugendliche. 52,1 Prozent der Beschuldigten waren nicht vorbestraft. Jeder Zweite ging zur Schule und jeder Sechste machte eine Ausbildung. Überdurchschnittlich oft waren die Delinquierenden den Zivilbehörden bekannt wegen Verbeiständung (23 Prozent), weil eine Gefährdungsmeldung vorlag (13 Prozent) oder weil sie andere (schulische) Unterstützungsmassnahmen in Anspruch nahmen.

Im Jahr 2022 fiel auf, dass 42 Prozent der Beschuldigten unter 15 Jahre alt waren. Die Delinquenzrate stieg bei den 13-Jährigen wie schon in den letzten drei Jahren weiter an; bei allen anderen Alterskategorien, insbesondere bei den 16- bis 17-Jährigen war die Zahl der eines Gewaltdeliktes beschuldigten Jugendlichen rückläufig.

Während die Zahl der Gruppendelikte zurückging, nahm die Zahl der Einzeltaten zu. Ihr Anteil lag bei 45,5 Prozent (2021: 36 Prozent). Der Zeitpunkt von Delikten verschob sich prozentual im Vergleich zum Vorjahr wieder mehr in den Tag (45,2 Prozent). Der Anteil an nächtlichen Vorfällen liegt mittlerweile noch bei 20,5 Prozent (2020: 28,5 Prozent). Obwohl der öffentliche Raum weiterhin den primären Tatort (35,2 Prozent) darstellte, stieg der Anteil an Gewaltstraftaten an Schulen mit 12,2 Prozent zum ersten Mal seit 2018 wieder an.

Auch im vergangenen Jahr richtete sich die Jugendgewalt vornehmlich gegen andere Jugendliche. Gefährliche Gegenstände, insbesondere legale und illegale Messer, spielten in rund 20 Prozent der Fälle eine Rolle. Das Smartphone, sei es für Filmaufnahmen oder als Online-Planungsmittel, kam in jedem fünften Fall zum Einsatz.

Kontakt

Direktion der Justiz und des Innern - Medienstelle

Adresse

Neumühlequai 10
Postfach
8090 Zürich
Route (Google)