Corona bewirkt keine «She-cession» im Zürcher Arbeitsmarkt

Die Corona-Pandemie hat im Jahr 2020 auf dem Zürcher Arbeitsmarkt weniger Spuren hinterlassen als befürchtet: Nach einem deutlichen Einbruch im zweiten Quartal haben sich sowohl die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden wie auch die Erwerbsbeteiligung in der zweiten Jahreshälfte wieder erholt. Von diesen Effekten waren Frauen und Männer insgesamt ähnlich stark betroffen. In einzelnen Bevölkerungsgruppen gab es jedoch deutliche Geschlechtsunterschiede. Dies zeigt eine Analyse des Statistischen Amts des Kantons Zürich.

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Im zweiten Quartal 2020 schlug die Corona-Krise voll auf den Zürcher Arbeitsmarkt durch: Die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden brach bei den Männern um 7.6 Prozent ein, bei den Frauen sogar um 8.3 Prozent. Allerdings war der Kanton Zürich im Vergleich mit dem schweizweiten Durchschnitt etwas weniger stark betroffen. Auch Geschlechtsunterschiede zeigten sich weniger. Nebst der Arbeitszeit der Beschäftigten hat die Corona-Pandemie auch die Erwerbsbeteiligung reduziert, also den Anteil der Erwerbstätigen und Erwerbslosen an der ganzen Bevölkerung. Im Kanton Zürich ist sie im zweiten Quartal für Frauen wie Männer um 1 Prozent zurückgegangen. Eine sogenannte «She-cession» – eine Rezession, die vorwiegend Frauen trifft – ist aber im Kanton Zürich nicht eingetroffen. Landesweit war der Einbruch der Partizipation bei den Frauen doppelt so hoch wie bei den Männern. Im weiteren Verlauf des Jahres 2020 erholte sich die Erwerbsbeteiligung jedoch wieder.

Im internationalen Vergleich wenig betroffen

Im internationalen Vergleich, insbesondere Nordamerika, aber auch einigen europäischen Ländern, war der Einfluss der Pandemie auf den Schweizer Arbeitsmarkt übers Ganze gesehen geringer. Auch war in den Vergleichsländern der Unterschied der Auswirkungen auf die Geschlechter grösser als in der Schweiz. Die Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen blieben hierzulande nur für wenige Wochen geschlossen, während in anderen Ländern der Präsenzunterricht monatelang eingestellt war. Dies hat vermutlich wesentlich dazu beigetragen, dass der Schock zu Beginn der Krise, im zweiten Quartal 2020, bislang keine dauerhaften Verschiebungen auf dem Arbeitsmarkt ausgelöst hat.

Krise der Jungen, Niedrigqualifizierten und Selbstständigen

Auch wenn die Corona-Pandemie im Jahr 2020 keine grossen Verwerfungen hinterlassen hat, waren ihre Auswirkungen für einige Bevölkerungsgruppen trotzdem deutlich spürbar: Erwerbstätige mit niedrigem Bildungsabschluss und damit geringeren Arbeitsmarktchancen, Erwerbstätige in Branchen mit viel Kundenkontakt wie dem Gastgewerbe und den persönlichen Dienstleistungen, aber auch Selbständigerwerbende gehören dazu. In allen diesen Gruppen waren die Frauen zudem stärker betroffen als die Männer. Auch junge, am Beginn ihres Arbeitslebens stehende Erwerbstätige spürten die Folgen: Sie blieben dem Arbeitsmarkt häufiger ganz fern. Dies zeigte sich für beide Geschlechter gleichermassen.

Mütter von Schulkindern reduzierten ihre Arbeitsmarktbeteiligung

Ein besonderes Augenmerk galt in der öffentlichen Diskussion den erwerbstätigen Müttern. In der Krise war mehr Kinderbetreuung nötig. Es stellte sich daher die Frage, wie sich die so verstärkte Doppelbelastung auf ihre Arbeitsmarktbeteiligung auswirkt. Im ersten Coronajahr haben Eltern ihre Erwerbsbeteiligung tatsächlich überdurchschnittlich reduziert – am deutlichsten dann, wenn ihre Kinder noch im Schulalter waren. Mütter reduzierten ihre Erwerbstätigkeit dabei stärker als Väter. Ob sich die coronabedingt niedrigere Erwerbstätigkeit von Müttern mit schulpflichtigen Kindern verfestigt, ist zurzeit aber noch offen.

Langfristige Folgen ungewiss

Die Studie des Statistischen Amts untersucht das Jahr 2020. Der weitere Verlauf der Pandemie und die Massnahmen, die zu ihrer Bekämpfung getroffenen wurden, wirken sich weiterhin auf den Arbeitsmarkt aus. Schockartige Verwerfungen wie im zweiten Quartal 2020 dürften aber wohl eine Ausnahme bleiben. Die längerfristigen Konsequenzen für die Gleichstellung der Geschlechter auf dem Arbeitsmarkt können erst in ein paar Jahren beurteilt werden. Je länger die Krise andauert, desto eher dürften sich kurzfristige Verschiebungen bei der Arbeitsmarktbeteiligung jedoch verfestigen.

Grafik der Veränderung der Arbeitsstunden nach Geschlecht
Grafik der Veränderung der Arbeitsstunden nach Geschlecht Quelle: Statistisches Amt

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Schweizerische Arbeitskräfteerhebung (SAKE)

Die Hauptdatengrundlage ist die Schweizerische Arbeitskräfteerhebung (SAKE), die vom Bundesamt für Statistik (BFS) durchgeführt wird. Befragt wird eine Zufallsstichprobe der Bevölkerung ab 15 Jahren. Dabei werden viermal jährlich rund 25'000 Personen telefonisch befragt, im Kanton Zürich umfasst die Stichprobe 3'500 Personen. Damit lassen sich für die bedeutendsten Bevölkerungsgruppen im Kanton statistisch robuste Aussagen treffen. Für die obigen Analysen wurde die Bevölkerung zwischen 15 und 64 Jahren berücksichtigt.

Arbeitsstunden

Bei der durchschnittlichen Anzahl geleisteter Arbeitsstunden pro erwerbstätige Person werden sämtliche Erwerbstätigen und sämtliche Abwesenheitsarten (inkl. Kurzarbeit) berücksichtigt.

Erwerbsbeteiligung

Anteil der Erwerbspersonen (Erwerbstätige und Erwerbslose) an der Referenzbevölkerung, hier Personen zwischen 15 und 64 Jahren.


statistik.info 2021/06. Arbeiten in Zeiten von Corona. Die Corona-Pandemie auf dem Zürcher Arbeitsmarkt aus der Geschlechterperspektive. Online verfügbar unter www.web.statistik.zh.ch

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