Demografie beeinflusst Mitgliederzahl der Zürcher Kirchen

Obwohl die Bevölkerung des Kantons Zürich in den letzten Jahren stark zugenommen hat, verringerte sich bei der reformierten Kirche die Zahl der Mitglieder. Auch die katholische Kirche verliert in jüngster Zeit Mitglieder, nachdem sie ihren Bestand lange halten konnte. Eine neue Studie des Statistischen Amts des Kantons Zürich zeigt wie es dazu kommt.

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Die evangelisch-reformierte Kirche des Kantons Zürich hat in den letzten zehn Jahren im Schnitt jährlich rund 6'600 Mitglieder verloren. Die römisch-katholische Kirche, die bis vor kurzem noch leicht hatte zulegen können, verlor im gleichen Zeitraum 1'200 Personen pro Jahr. Beide Landeskirchen verzeichneten im vergangenen Jahrzehnt etwa gleich viele Austritte, nämlich im Schnitt rund 4'700 pro Jahr. Tendenziell nehmen die Austritte bei beiden Konfessionen zu. Die Austrittszahlen vermögen also die unterschiedliche Entwicklung nicht zu erklären: Die Mitgliederzahlen hängen nämlich auch stark von demografischen Faktoren ab.

Viele im Seniorenalter und kaum Zuwanderung bei den Reformierten

In der reformierten Kirche sind Menschen im Seniorenalter deutlich übervertreten. Im Schnitt sind die Reformierten derzeit 47 Jahre alt, und damit fast sechs Jahre älter als die Gesamtbevölkerung. Wegen dieser Altersstruktur sind bei den Reformierten Beerdigungen weitaus häufiger als Taufen. Im Schnitt starben im vergangenen Jahrzehnt jedes Jahr fast 6'000 Mitglieder, geboren und getauft wurden aber nur halb so viele Kinder. Hinzu kommt, dass die Reformierten nicht von der starken Zuwanderung meist junger Menschen aus dem Ausland profitieren können: Beispielsweise lassen sich viele aus Deutschland stammende Angehörige der evangelisch-lutherischen Kirche nicht als Mitglieder der evangelisch-reformierten Kirche registrieren. Aufgrund der Altersstruktur der Mitglieder und der Konfessionsstruktur der zuwandernden Bevölkerung dürfte die Zahl der Mitglieder der reformierten Kirche weiter abnehmen.

Katholische Kirche wächst durch Zuwanderung

Die Mitglieder der katholischen Kirche sind im Schnitt nur etwa zwei Jahre älter als die Bevölkerung insgesamt. Sie verzeichnen deshalb nur etwa halb so viele Sterbefälle wie die Reformierten, und lange Zeit war die Bilanz aus Geburten und Sterbefällen recht ausgeglichen. Doch auch bei ihnen nimmt der Sterbeüberschuss mittlerweile zu. Anders als die reformierte kann die katholische Kirche aber von der Zuwanderung profitieren: Besonders Wanderungsgewinne aus Deutschland und aus den traditionell katholischen Ländern Süd- und Osteuropas schlagen sich positiv in der Mitgliederzahl nieder. Unter dem Strich resultierte daraus lange ein leichter Zugewinn. Sollte sich die zunehmende Tendenz bei den Austritten fortsetzen, können diese Verluste aber nicht mehr durch die Zuwanderung kompensiert werden.

Datenlage erfordert Modellschätzungen

Die Studie des Statistischen Amts des Kantons Zürich basiert zum einen auf Daten des Einwohnerregisters, in dem die Mitgliedschaft in der evangelisch-reformierten oder römisch-katholischen Kirche erfasst ist, weil sie eine Kirchensteuerpflicht begründet. Zum anderen flossen Daten zu den Taufen, Beerdigungen, Ein- und Austritten ein, die von den Kirchen stammen. Da die amtliche Statistik die demografischen Bewegungen nicht nach Konfessionen erfasst, mussten einige Komponenten der Mitgliederentwicklung in einem Modell geschätzt werden.

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