Zürcher Studien zu Seroprävalenz von Spitex- und Heimpersonal sowie zu Immunantwort und Langzeitfolgen bei Corona-positiv Getesteten

Die Ergebnisse zur Seroprävalenz von besonders exponierten Berufsgruppen zeigen, dass sich diese etwas häufiger mit dem Coronavirus infiziert haben als die Gesamtbevölkerung im gleichen Zeitraum. Die Kohortenstudie dokumentiert bei einem Viertel der an COVID-19 Erkrankten Langzeitfolgen und bei 96 % mit symptomatischen Verläufen den Nachweis von Antikörpern sechs Monate nach der Infektion. Die Universität Zürich führte die Studien mit Unterstützung der Gesundheitsdirektion durch.

Inhaltsverzeichnis

Das Institut für Epidemiologie, Biostatistik und Prävention (EBPI) der Universität Zürich ist mit sieben Studien zu Ausbreitung und Auswirkung des Coronavirus in der Zürcher Bevölkerung massgeblich am nationalen Forschungsprogramm «Corona Immunitas» beteiligt. Dieses wird von der Stiftung Swiss School of Public Health (SSPH+) initiiert und koordiniert. Prof. Milo Puhan, Direktor des EBPI, zum grundsätzlichen Ziel von «Corona Immunitas»: «Wir wollen verlässliche epidemiologische Daten liefern, die der Entscheidungsgrundlage für verhältnismässige und wirkungsvolle Massnahmen zum Schutz der Bevölkerung dienen.»

Anstieg der Seroprävalenz in Zürcher Bevölkerung im letzten Jahresdrittel

Gemäss der EBPI-Studie zur Seroprävalenz in der Zürcher Bevölkerung – der Häufigkeit von Antikörpern in deren Blutproben als Nachweis für eine durchgemachte Coronavirus-Infektion – hatten sich bis im August 2020 3,4 % der Zürcherinnen und Zürcher mit dem Coronavirus infiziert. Bis Ende Dezember 2020 nahm dieser Wert zu und lag bei rund 8 %.

Seroprävalenz-Analyse bei ausgewähltem Spitex- und Heimpersonal

Wie sieht dieser Wert bei besonders exponierten Berufsgruppen aus? Dieser Frage sind die Forschenden des EBPI durch Analyse der Seroprävalenz bei Mitarbeitenden von Alters- und Pflegeheimen sowie Spitex-Organisationen nachgegangen. Die Studien entstanden in Zusammenarbeit mit Curaviva sowie Spitex-Verbänden und wurden von der Gesundheitsdirektion mitfinanziert. Sie fanden im Zeitraum vom 22.9. bis zum 23.10.2020 statt. Ausgewählt wurden Alters- und Pflegeheime sowie Spitex-Organisationen, deren Mitarbeitende im Frühling 2020 besonders exponiert waren. Das heisst, sie waren entweder in Heimen tätig mit SARS-CoV-2-infizierten Bewohnerinnen und Bewohnern oder in Gemeinden mit besonders vielen infizierten Einwohnerinnen und Einwohnern. Insgesamt wurden 131 Spitex-Mitarbeitende aus 6 Organisationen und 296 Mitarbeitende aus 6 Alters- und Pflegeheimen mittels Antikörper-Bluttest untersucht und bezüglich Umgang mit Corona am Arbeitsplatz befragt. Die Probanden waren mehrheitlich in der Betreuung oder Pflege tätig, ein kleinerer Teil im technischen Service oder in der Küche sowie in der Administration.

Mehr infizierte Mitarbeitende in Heimen als bei Spitex

Die durchschnittliche Seroprävalenz der Spitex-Mitarbeitenden lag bei 3,8 %, was nur leicht höher ist als der Wert in der Gesamtbevölkerung im gleichen Zeitraum. Die Seroprävalenz bei den Mitarbeitenden der ausgewählten Alters- und Pflegeheime lag dahingegen höher, bei durchschnittlich 14,9 %. Allerdings gab es grosse Unterschiede zwischen den einzelnen Heimen: eine Bandbreite von 3,8 bis 24,4 % durchschnittlicher Seroprävalenz der Mitarbeitenden. Befragt nach den grössten Herausforderungen bei der Arbeit, gaben die meisten Studienteilnehmenden das Schutzkonzept mit Maskentragen, Abstand halten und Hygienemassnahmen an, gefolgt von mehr Arbeitsaufwand durch die veränderte Arbeitsstruktur. Bei den emotionalen Aspekten wurde die physische Distanz als erschwerend beurteilt. Für Kantonsärztin Christiane Meier bestätigen die Studienresultate, wie zentral Schutzvorkehrungen in den Heimen und bei der Arbeit mit besonders vulnerablen Personen sind. Ausserdem: «Jedes Alters- und Pflegeheim braucht ein spezifisch auf seinen Betrieb angepasstes Schutzkonzept und bei den ersten positiven Fällen sollte umgehend eine Ausbruchsuntersuchung durchgeführt werden. Denn wir haben die Erfahrung gemacht, dass dadurch meist einige weitere Fälle, auch bei den Mitarbeitenden, entdeckt werden.»

Langzeitstudie von Corona-positiv Getesteten

Die Gesundheitsdirektion beteiligte sich finanziell überdies an einer Kohortenstudie (Beobachtungsstudie) des EBPI. Das Team um Prof. Puhan untersuchte mittels Fragebogen die langfristigen klinischen Folgen sowie durch Blutentnahme die Immunantwort (Antikörper nach der Coronavirus-Infektion) bei rund 1500 positiv getesteten Personen im Kanton Zürich. Die Studienteilnehmenden wurden zufällig aus dem ganzen Kanton ausgewählt und waren von asymptomatisch bis sehr schwer erkrankt. Die erste Gruppe umfasste Personen, welche sich im Frühling infizierte (450 Personen), die zweite Gruppe solche, welche ab August 2020 positiv getestet worden sind (1050 Personen). Zusätzlich wurden für die Studie auch 400 Kontaktpersonen der zweiten Gruppe untersucht und unter anderem zum Erleben der Quarantäne befragt.

Mehrheitlich robuste und anhaltende Immunantwort

Bei 96 % der Teilnehmenden der ersten Gruppe konnten rund sechs Monate nach ihrer COVID-19-Erkrankung noch Antikörper nachgewiesen werden. Ihr Blut lieferte also eine robuste und anhaltende Immunantwort. Zu erwähnen ist, dass diese Probanden im Schnitt eher stärkere Symptome hatten – zu diesem Zeitpunkt wurde ja auch eingeschränkter getestet. Eine detaillierte Analyse bei Personen der zweiten Gruppe ergab, dass jene mit einer schwereren Erkrankung, Männer sowie Nichtraucher mit höherer Wahrscheinlichkeit nachweisbare Antikörper und mehr Antikörper im Blut hatten. Bei 15 % der Probanden, vor allem bei jenen mit mildem Verlauf, konnten keine Antikörper nachgewiesen werden. Diese Personen können aber durchaus eine Immunität aufweisen, welche man anhand der Antikörper alleine nicht feststellt. Es gibt auch Abwehrzellen (zum Beispiel T-Zellen), welche als Antwort auf eine Infektion zum späteren Schutz vor dem Virus beitragen können. Dem werden die Forscher der Zürcher Coronavirus-Kohorte nachgehen, ebenso wie der Immunantwort von geimpften Personen.

Rund ein Viertel klagt über Langzeitfolgen 

Insgesamt 26 % der an COVID-19-Erkrankten gaben an, sich sechs Monate nach der Infektion noch nicht ganz erholt zu haben. Als häufigste Beschwerden nannten die Betroffenen starke Müdigkeit, Kurzatmigkeit, Husten und Symptome einer mindestens leichten Depression oder Angststörung. Mindestens jeder zehnte dieser Long COVID-Betroffenen befindet sich noch in einem schlechten Gesundheitszustand und ist im Alltag sehr eingeschränkt. Prof. Puhan: «Bei einem schweren Verlauf ist das Risiko, unter Langzeitbeschwerden zu leiden, höher – aber es gibt sie auch nach leichtem Verlauf.» Für die Versorgungplanung sei es wichtig, die Entwicklung und Anzahl der Long COVID-Betroffenen zu kennen, meint Kantonsärztin Meier: «Das Virus und seine Folgen werden das Gesundheitswesen noch länger beschäftigen.»

Dr. med. Christiane Meier zieht folgendes Fazit: «Wir sind sehr dankbar für solche Studien. Die Ergebnisse helfen uns, im Rahmen der Pandemiebewältigung die richtigen Schlüsse zu ziehen.»

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