Trotz historischem Wirtschaftseinbruch bleibt Arbeitsmarktlage bisher stabil

Das Corona-Virus hat im Kanton Zürich zu einem historischen Wirtschaftseinbruch geführt. Bis Ende 2021 dürfte sich der BIP-Verlust aufgrund der Pandemie auf rund 16 Milliarden Franken belaufen. Der Zürcher Arbeitsmarkt bleibt derweil weiterhin robust: Im Oktober lag die Arbeitslosenquote den sechsten Monat in Folge unverändert bei 3,2 Prozent.

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Aufzeichnung der Medienkonferenz vom 13. November 2020 Aufzeichnung der Medienkonferenz vom 13. November 2020

Analysen von BAK Economics gehen davon aus, dass die Wirtschaft im Kanton Zürich in diesem Jahr real um 4,1 Prozent einbricht. Gestützt auf diese Prognosen und im Vergleich zur erwarteten Situation ohne Corona-Krise rechnet das Amt für Wirtschaft und Arbeit mit einem Verlust des Bruttoinlandproduktes (BIP) von rund 16 Milliarden Franken bis Ende 2021.

Nach dem Lockdown sind die Konsumausgaben im stationären Handel im Kanton Zürich zwar rasch wieder aufs vorherige Niveau angestiegen, sie liegen jedoch unter dem Schweizerischen Durchschnitt. Das dürfte vor allem dadurch gegeben sein, dass Zürich stärker als andere Kantone vom Wirtschaftseinbruch betroffen ist. Ein wichtiger Grund dafür ist die internationale Ausrichtung von Zürich. So wurden Beherbergung, Gastronomie und Verkehr mit dem Flughafen Zürich aufgrund der Corona-Krise viel stärker getroffen als im Schweizer Durchschnitt.

Arbeitslosigkeit bleibt stabil

Der Arbeitsmarkt zeigt sich jedoch nach wie vor robust. Ende Oktober waren 27'416 Personen bei den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) des Kantons Zürich als arbeitslos gemeldet, 80 Personen weniger als im Vormonat. Um saisonale Effekte bereinigt, betrug die Abnahme fast 400 Personen. Die Arbeitslosenquote liegt den sechsten Monat in Folge bei 3,2 Prozent und damit 1,2 Prozentpunkte höher als im Oktober des Vorjahres.

In den einzelnen Branchen gibt es unterschiedliche Entwicklungstendenzen. So stieg die Zahl der Arbeitslosen von September auf Oktober 2020 im Baugewerbe (+109) spürbar an, wie es in den Herbst- und Wintermonaten üblich ist. Weitere Anstiege verzeichneten das Gastgewerbe (+73) sowie die Sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen (+59). Abgenommen hat die Arbeitslosigkeit hingegen im Gesundheits- und Sozialwesen (-95), im Detailhandel (-70) sowie in der Informatik (-27). Der Jahresvergleich per Ende Oktober zeigt, dass die jungen Erwachsenen (20-29 Jahre) bisher von der Arbeitslosigkeit am stärksten betroffen sind (+68%). Junge Erwerbstägige sind tendenziell stärker in Temporäranstellungen beschäftigt und haben kürzere Kündigungsfristen. Auch werden Personen mit umfassender Berufserfahrung während einer temporären Krise eher im Betrieb gehalten. Zudem arbeiten anteilsmässig mehr jüngere Arbeitnehmende im von der aktuellen Krise stark betroffenen Gastgewerbe. 

Der Anteil der Arbeitslosen, die länger als ein Jahr bei einem RAV des Kantons Zürich gemeldet sind, nimmt seit Mai 2020 stetig zu. Im April 2020 lag der Anteil der Langzeitarbeitslosen noch bei 9,4 Prozent. Bis Oktober ist dieser Anteil nun auf 15,5 Prozent angestiegen, wobei diese Zunahme teilweise auch durch unterstützende Massnahmen wie die zusätzlichen Taggelder, die arbeitslosen Personen zwischen März und August 2020 gewährt wurden, und der damit verbundene Aussteuerungsstopp, beeinflusst wird. 

Kurzarbeit als bewährtes Instrument

Unternehmen können neben anderen Unterstützungsleistungen von Bund und Kanton weiterhin Kurzarbeitsentschädigung beanspruchen. «Die Kurzarbeit hat seit Beginn der Pandemie entscheidend dazu beigetragen, dass Arbeitsplätze erhalten blieben und viele Arbeitnehmende vor der Arbeitslosigkeit bewahrt wurden», sagt Andrea Engeler, Chefin des Amts für Wirtschaft und Arbeit. 

Aufgrund der Corona-Pandemie ist die Entwicklung der Wirtschaftslage und des Arbeitsmarkts nur mit grossen Unsicherheiten vorherzusagen. Die aktuellste Prognose von BAK Economics zum Kanton Zürich geht von einem Wirtschaftswachstum 2021 von 3,4 Prozent aus. «Unser Kanton hat mit seinen vielfältigen Unternehmen, hervorragenden Bildungseinrichtungen und guten staatlichen Rahmenbedingungen beste Voraussetzungen für einen raschen Aufschwung nach der Krise», sagt Regierungsrätin und Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh. «Jetzt geht es aber erstmals darum, die nächsten schwierigen Monate zu meistern. Wir müssen jetzt so gut wie möglich ‹überwintern›», so Walker Späh weiter.