Immer mehr Firmenkapital im Kanton Zürich

Jahr für Jahr verliert der Kanton Zürich Unternehmen, weil sie ihren Sitz in einen anderen Kanton oder ins Ausland verlegen. Zuwanderungen vermögen diesen Verlust nicht aufzuwiegen, da sie seltener vorkommen als Abwanderungen. Dass der Kanton Zürich - und besonders dessen Hauptstadt - dennoch von den interkantonalen Sitzverlegungen profitiert, zeigt eine Studie, die das Statistische Amt soeben veröffentlicht hat.

Im Jahr 2002 verliessen gemäss der Studie 635 Firmen den Kanton Zürich. Im Gegenzug wanderten 529 Unternehmen zu. Dem Nettoverlust an Firmensitzen steht allerdings ein Gewinn an Firmenkapital gegenüber: Die interkantonalen Sitzverlegungen brachten zusätzliches Kapital von 1,1 Milliarden Franken in den Kanton Zürich, wobei sich diese Summe auf das im Handelsregister eingetragene Kapital von Aktiengesellschaften (AG) und Gesellschaften mit beschränkter Haftung (GmbH) bezieht.

«Visionen» für Zürich

Dieses Bild ist durchaus typisch für die jüngere Vergangenheit. Seit 1997 verlor der Kanton Zürich Jahr für Jahr mehr Unternehmen als er durch Zuwanderung gewann. Dennoch verzeichnete er stets einen Nettogewinn an Firmenkapital. Aussergewöhnlich war im vergangenen Jahr lediglich die Höhe dieses Gewinns. Während er sich in durchschnittlichen Jahren auf 200 bis 400 Millionen Franken beläuft, war er 2002 mit mehr als einer Milliarde rund drei Mal grösser. Laut Statistischem Amt dürfte dieser sprunghafte Anstieg eine Ausnahme bleiben, denn er geht auf ein singuläres Ereignis zurück: Im Juli 2002 wechselten drei von Martin Ebners «Visionen» mit einem Gesamtvolumen von 1,3 Milliarden Franken aus dem Kanton Schwyz in die Stadt Zürich.

Kapitalfluss unabhängig von Steuerbelastung

Insgesamt bescherten interkantonale Sitzverlegungen dem Kanton Zürich in den vergangenen sechs Jahren zusätzliches Firmenkapital in der Höhe von rund 2,5 Milliarden Franken. Der grösste Teil davon, rund drei Viertel, stammte aus den Kantonen Zug und Schwyz. Dieser Befund erstaunt, steht er doch im Widerspruch zur verbreiteten Auffassung, dass die Steuerpolitik der Innerschweizer Kantone dem Kanton Zürich Firmenkapital entziehe. Die Studie des Statistischen Amts kommt denn auch zum Schluss, dass das interkantonale Gefälle in der Steuerbelastung kaum Kapitalverschiebungen nach sich zieht. Genf und Basel-Stadt waren die einzigen Kantone, an die der Kanton Zürich während der letzten sechs Jahre Firmenkapital in nennenswertem Umfang verlor – und in beiden Stadtkantonen bittet der Fiskus Unternehmen weit stärker zur Kasse als im Kanton Zürich.

Stadt Zürich verliert Firmen ...

Innerhalb des Kantons nimmt die Stadt Zürich als Schweizer Wirtschaftsmetropole eine Sonderstellung ein. Seit 1997 hat sie netto über 1000 Firmensitze verloren, sowohl an die übrigen Zürcher Gemeinden als auch an andere Kantone oder ans Ausland. Dabei wanderten zwei Drittel der Unternehmen in den engsten Vorortsgürtel der Agglomeration ab, in Gemeinden, die der Stadt räumlich sehr nahe liegen. Ein Viertel zügelte in den übrigen Kanton. Der Rest, ungefähr ein Achtel der abwandernden Firmen, verliess nicht nur die Stadt, sondern kehrte dem Kanton Zürich gleich ganz den Rücken.

... und gewinnt Kapital

Aus finanzieller Sicht verhält sich die Situation auch hier umgekehrt. Trotz abwandernder Unternehmen akkumuliert die Stadt Zürich immer mehr eingetragenes Firmenkapital. 2002 etwa bewegte sich der Löwenanteil des in den Kanton Zürich verschobenen Kapitals in die Hauptstadt: 990 Millionen der insgesamt 1,1 Milliarden Franken aus interkantonalen Sitzverlegungen kamen der Stadt Zürich zugute. Hinzu kamen 460 Millionen, die per Saldo aus den übrigen Zürcher Gemeinden ins Wirtschaftszentrum flossen. Letzteres ist allerdings eine Ausnahme: über die vergangenen sechs Jahre hinweg betrachtet, war der Saldo zwischen Stadt und übrigem Kanton etwa ausgeglichen.

Die Studie «Sitzverlegungen von Firmen im Kanton Zürich 2002» ist in der Reihe «statistik.info» erschienen und online auf der Website des Statistischen Amts des Kantons Zürich verfügbar: www.statistik.zh.ch/statistik.info/pdf/2003_18.pdf

(Medienmitteilung des Statistischen Amts)

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