Verkehrsverhalten

Die Bevölkerung des Kantons Zürich legt im Schnitt rund 35 Kilometer pro Tag zurück. Mehr als die Hälfte davon bewältigt sie mit dem Auto, rund ein Drittel mit dem öffentlichen Verkehr.

Inhaltsverzeichnis

Grundlagen

Das Verkehrsverhalten der Bevölkerung wird von zahlreichen Faktoren beeinflusst. Dazu gehört zum einen der persönliche Mobilitätsbedarf, also das Bedürfnis, einen bestimmten Weg zu einem bestimmten Zeitpunkt zurückzulegen. Zum anderen spielen das vorhandene Verkehrsangebot und die zur Verfügung stehenden Mobilitätswerkzeuge (Auto-, Velo-, Führerschein- oder Abonnements-Besitz) eine Rolle, zudem die persönlichen Einstellungen sowie vorhandene Informationen über das gewünschte Verkehrsmittel (z.B. Fahrplan) und den aktuellen Verkehrszustand. Des Weiteren ist das Verkehrsverhalten abhängig von der räumlichen Verteilung der individuellen Reiseziele. Diese ist unter anderem entscheidend dafür, wie viele Kilometer eine Person täglich zurücklegt und wie lange sie unterwegs ist.

Tagesdistanz

Täglich 35 Kilometer unterwegs

Die Zürcherinnen und Zürcher sind im Schnitt rund eineinhalb Stunden pro Tag unterwegs. Dabei legen sie eine mittlere Distanz von 35 Kilometern zurück, wobei die individuellen Unterschiede ausgesprochen gross sind. Die Reisefreudigsten überwinden täglich 100 und mehr Kilometer, während rund zehn Prozent der Bevölkerung das Haus überhaupt nicht verlassen. Dies zeigt die Erhebung «Mikrozensus Mobilität und Verkehr» aus dem Jahr 2015.

Verkehrsmittel

Öffentlicher Verkehr mit hohem Stellenwert

Rund 57 Prozent der Tagesdistanz entfallen im Schnitt auf den motorisierten Individualverkehr (MIV), 32 Prozent auf den öffentlichen Verkehr (ÖV) und neun Prozent auf den Fuss-, Velo- und E-Bike-Verkehr. Die verbleibenden zwei Prozent gehen auf das Konto anderer Verkehrsmittel wie Taxi oder Reisecar. Auch wenn der MIV mit Abstand am meisten Kilometer leistet, nutzt die Zürcher Bevölkerung Bahn, Bus und Tram deutlich häufiger als die meisten übrigen Bewohnerinnen und Bewohner der Schweiz.

Seit 2010 unveränderter Modalsplit

Der Modalsplit, wie die Prozentaufteilung zwischen den Verkehrsmitteln genannt wird, hat sich zwischen 2010 und 2015 kaum verändert. Zuvor jedoch, etwa seit der Jahrtausendwende, hatten Bahn, Bus und Tram klar zulasten des Autos zugelegt. Weil im Kanton Zürich die Bevölkerung und auch die Zahl der Arbeitsplätze stetig wächst, nimmt das Verkehrsaufkommen zu. Ein unveränderter Modalsplit bedeutet deshalb nicht, dass die Frequenzen auf der Strasse und im ÖV gleichgeblieben wären. Vielmehr haben sie zugenommen. Der Mehrverkehr hat sich aber seit 2010 so auf die Verkehrsmittel verteilt, dass ihre Prozentanteile unverändert blieben.

Modalsplit 1994 bis 2015 im Kanton Zürich und in der Schweiz

Anteil der Verkehrsmittel an der Tagesdistanz, Strecken im Inland

Modalsplit 1994–2015 im Kanton Zürich und in der Schweiz
LV = Langsamverkehr (zu Fuss, Velo, E-Bike), ÖV = öffentlicher Verkehr, MIV = motorisierter Individualverkehr. Zwischen 2000 und 2010 hat der ÖV auf Kosten des MIVs an Gewicht gewonnen, landesweit auf deutlich tieferem Niveau als im Kanton Zürich. Quelle: BFS / ARE, Mikrozensus Mobilität und Verkehr

Verkehrszwecke

Freizeitverkehr dominiert – seine Bedeutung schwindet aber

Am meisten Kilometer legen die Zürcherinnen und Zürcher in der Freizeit zurück, im Schnitt rund 44 Prozent ihrer Tagesdistanz. Am zweitwichtigsten ist das Pendeln zur Arbeits- oder Ausbildungsstätte, gefolgt vom Einkaufen. In den vergangenen zwei Jahrzehnten verlor der Freizeitverkehr an Bedeutung, während der Arbeits- und Ausbildungsverkehr zugelegt hat. Dies dürfte mit ein Grund dafür sein, dass der ÖV Marktanteile gutgemacht hat. Denn das Pendeln ist jener Verkehrszweck, auf den das radial auf die Wirtschaftszentren ausgerichtete Liniennetz des öffentlichen Verkehrs primär zugeschnitten ist.

Abo- und Autobesitz

Stadtzürcher Haushalte mehrheitlich autofrei

Rund 70 Prozent der Zürcherinnen und Zürcher ab 16 Jahren haben mindestens ein Abonnement für den öffentlichen Verkehr, weit mehr als etwa im Tessin oder in der Romandie, wo mehr als die Hälfte der Bevölkerung kein ÖV-Abo hat. Umgekehrt hat fast ein Drittel der Zürcher Haushalte kein Auto, Tendenz leicht steigend. Damit gehört Zürich, zusammen mit Genf und allen voran Basel-Stadt, zu jenen Kantonen, in denen der Anteil der autofreien Haushalte am grössten ist. Besonders verbreitet ist der Verzicht auf den eigenen Wagen in den grossen Städten. So sind die Haushalte ohne Auto in der Stadt Zürich seit kurzem in der Überzahl.

Autobesitz der Haushalte 2015 im Kanton Zürich und in der Schweiz

Anteil der Haushalte ohne bzw. mit Autos

Autobesitz der Haushalte 2015 im Kanton Zürich und in der Schweiz
In der Stadt Zürich ist jeder zweite Haushalt autofrei, im Kanton fast jeder dritte. Landesweit ist es dagegen etwa jeder fünfte. Quelle: BFS / ARE, Mikrozensus Mobilität und Verkehr

Methode

Verwenden Sie die Akkordeon-Bedienelemente, um die Sichtbarkeit der jeweiligen Panels (unterhalb der Bedienelemente) umzuschalten.

Der «Mikrozensus Mobilität und Verkehr» ist die einzige Erhebung zum Verkehrsverhalten der Bevölkerung, die landesweit und regelmässig durchgeführt wird. Im Auftrag der Bundesämter für Statistik (BFS) und für Raumentwicklung (ARE) wird eine repräsentative Stichprobe der Schweizer Bevölkerung ab sechs Jahren zu ihrem Mobilitäts- und Verkehrsverhalten im Alltag befragt. Die Stichprobe des letzten Mikrozensus, der 2015 über die Bühne ging, umfasste landesweit 57'090 und im Kanton Zürich 6433 Personen. Die neuste Erhebung hätte eigentlich 2020 stattfinden sollen. Sie lief planmässig im Januar an, wurde dann aber wegen der Corona-Krise gestoppt und um ein Jahr verschoben. Erste Ergebnisse des Mikrozensus 2021 liegen voraussichtlich 2023 vor.

Weil es sich um eine Stichprobenerhebung handelt, sind die Aussagen, die der Mikrozensus liefert, mit einer gewissen Unschärfe behaftet. Dies ist bei der Interpretation der Ergebnisse zu beachten. Das Ausmass der Unschärfe ist von verschiedenen Faktoren abhängig und deshalb je nach Merkmal kleiner oder grösser. Beispielsweise gilt für die mittlere Tagesdistanz der Zürcher Bevölkerung folgender Unsicherheitsbereich: 35 ± 1 km.

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