Regierungspräsident Ernst Stocker

Porträtfoto von Regierungsrat Ernst Stocker

Die Finanzdirektion wird seit 2015 von Regierungsrat Ernst Stocker geführt.

Inhaltsverzeichnis

Biografie

  • seit 2015: Vorsteher der Finanzdirektion
  • 2022/2023: Präsident des Regierungsrates
  • 2015/2016: Präsident des Regierungsrates
  • 2010–2015: Vorsteher der Volkswirtschaftsdirektion  

Persönliche Angaben

  • Parteizugehörigkeit: SVP
  • Bürgerort und Wohnort: Wädenswil
  • Geburtsdatum: 20. April 1955

Berufliche Tätigkeit

Jahr Tätigkeit
1983 Abschluss als eidg. dipl. Meisterlandwirt
bis 2007 Führen des eigenen Landwirtschaftsbetriebes mit Ausbildung von Lernenden

Behördliche Tätigkeit

Jahr Tätigkeit
1987–2010 Mitglied des Kantonsrates
2003/04 Kantonsratspräsident
1998–2006 Stadtrat von Wädenswil
1998–2002: Vorsteher Gesundheits- und Sicherheitsabteilung
2002–2006: Vorsteher Bau- und Planungsabteilung
2006–2010 Stadtpräsident von Wädenswil
2006–2010 Mitglied leitender Ausschuss Gemeindepräsidentenverband Kanton Zürich

Reden, Präsentationen & Bilder

2022/23

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Rafz, Zürich Schwamendingen, Seegräben; 1. August 2022
Regierungspräsident Ernst Stocker im Festzelt
Regierungspräsident Ernst Stocker am 1. August in Seegräben. Quelle: Gemeinde Seegräben
Nichts ist selbstverständlich – alles braucht Pflege.

(Es gilt das gesprochene Wort)

Ich danke Ihnen für die Einladung zu Ihrer Bundesfeier und die Gelegenheit für diese Ansprache. Ich habe sie wie alle Einladungen für 1.-August-Feiern gerne angenommen.
Ich komme bei meiner Tätigkeit als Finanzdirektor viel in unserem Kanton herum, jetzt als Regierungspräsident noch mehr. Ich sehe immer wieder, wie vielfältig Zürich ist.
Sie wissen: Zürich ist kein Stadtkanton wie Basel, aber auch kein Landkanton. Es ist ein Stadt-Land-Kanton und hat besonders viele Gesichter.

Aber mit den 1.-August-Feiern ist es ein bisschen wie mit den Badis: Es sieht überall ziemlich ähnlich aus.
Überall ähnliche Dekoration, überall die gleichen Würste auf dem Grill, und alle sitzen auf einer Festbank und trinken Most, Bier oder Wein.
Die 1.-August-Feiern gleichen sich, weil es der gleiche Staat ist, den wir feiern: die Schweiz. Anno 1899 hat der damalige Bundesrat entschieden: Immer am 1. August feiern wir das Gedenken an die Gründung unseres Gemeinwesens.

Im Bundesbrief der Talschaften von Uri, Schwyz und Unterwalden heisst es im letzten Satz: «Geschehen im Jahre des Herrn 1291 zu Anfang des Monats August».
Heute feiern wir also quasi den 731. Geburtstag der Eidgenossenschaft.

Aus einem gemeinsamen Schwur ist die Idee der Eidgenossenschaft entstanden, die bis heute Bestand hat. Und warum hat sie Bestand, meine Damen und Herren?
Weil die Idee der Eidgenossenschaft auf einem gemeinsamen Willen und Verständnis beruht. Dieses gemeinsame Verständnis ist heute in der Bundesverfassung festgehalten.
Dort heisst es: «Die Schweizerische Eidgenossenschaft schützt die Freiheit und die Rechte des Volkes und wahrt die Unabhängigkeit und Sicherheit des Landes».
Diese Zeilen sind in diesen unruhigen Zeiten aktueller denn je. Sie halten die grundlegende Idee der Eidgenossenschaft fest: dass wir, die Bürgerinnen und Bürger dieses Staates, ein Leben in Freiheit und Sicherheit führen können.

In Freiheit und Sicherheit. Ich bin überzeugt, dass diese Werte für jeden und jede auf die eine oder andere Weise sehr wichtig sind und dies – ich betone – unabhängig von der politischen Couleur.
Sie spielen in unseren Leben so tragende und vielschichtige Rollen, dass sie alle etwas angehen – auf ganz verschiedene Arten.

Ich fange an bei der Freiheit. Was bedeutet Freiheit für Sie? Für die einen bedeutet Freiheit, dass man sich bilden, weiterbilden und seinen Beruf selbst aussuchen kann.
Für die anderen bedeutet Freiheit, dass man sich frei äussern kann, sich in vielfältiger Weise demokratisch beteiligen, abstimmen und wählen kann oder für die eigene Meinung demonstrieren kann.

Andere denken vielleicht zuerst an die Religionsfreiheit. Und für ganz viele Leute bedeutet Freiheit gerade in den Sommermonaten Reisefreiheit – dass sie wählen können, ob sie ihre Ferien in den Bergen oder irgendwo am Wasser verbringen wollen. Und dass sie ins Ausland reisen können.

Viele Freiheiten sind im Verlauf der Jahre immer weiter ausgedehnt worden. Heute ist es zum Beispiel selbstverständlich, dass wir das Familienmodell selber wählen.
Aber denken Sie nur ein paar Jahrzehnte zurück: Das Leben im Konkubinat wurde in Zürich erst 1972 erlaubt!
Wenn Sie jetzt denken: «Das ist ja verrückt!» – dann hören sie sich das an: Im Kanton Schwyz war das Konkubinat noch bis 1992 verboten. Im Wallis gar bis 1995.

Natürlich gilt die Freiheit nicht grenzenlos. Gesetze, Regeln und Vorschriften regeln die Freiheit. Und nur mit diesen Grenzen funktioniert das freie Zusammenleben.
Sie schützen uns alle. Weil die eigene Freiheit dort aufhört, wo die Freiheit von anderen anfängt.

Aber es ist schon so: Unsere Freiheit geht weit. Wie weit, ist uns häufig gar nicht mehr bewusst.
Dabei muss man gar nicht weit fahren, bis man auf man auf ein anderes Freiheitsverständnis trifft.
Bei uns ist es doch beispielsweise selbstverständlich, dass die Bürgerinnen und Bürger den Steuerfuss in ihrer Gemeinde selber festsetzen. Neulich bin ich aber im Vorarlberg zu Gast gewesen und habe die neue Bibliothek einer Gemeinde bestaunt. Ich habe natürlich den Gemeindepräsidenten gefragt, ob sein Dorf viele gute Steuerzahler habe.
Seine verblüffende Antwort lautete: Darum kümmerten sie sich nicht, denn die Steuern lägen ohnehin in den Händen des Bundeslandes.

Das hat mich nicht nur als Schweizer Bürger, sondern auch als Finanzdirektor ziemlich gewundert. Denn eben: Bei uns ist es unvorstellbar, dass nicht die Bürgerinnen und Bürger an der Gemeindeversammlung über die Steuern entscheiden.

Egal, was einem an der Freiheit wichtig ist, klar ist: Wir können unsere Freiheit nicht nutzen, wenn wir uns nicht sicher fühlen.
Auch Sicherheit ist wieder ein weiter Begriff, der für uns alle wichtig ist und wiederum nichts mit der politischen Gesinnung zu tun hat.

Es kann zum Beispiel heissen, dass man abends unversehrt nach Hause kommt. Um das zu garantieren, haben wir eine Polizei, die uns vor Verbrechen schützt und unsere Ordnung garantiert.
Darum beschäftigt es mich so, wenn Polizisten oder Rettungskräfte angegriffen werden, wenn sie ihren Job machen. Ihre Arbeit dient nämlich dazu, dass wir frei und sicher sein können.
Immerhin: Eine Studie der ETH Zürich von Anfang Jahr zeigt, dass das Vertrauen der Bevölkerung in die Polizei gross und intakt ist. Auf einer Skala von 1 bis 10 erreicht die Polizei eine 7.9 und ist damit sehr vertrauenswürdig – noch vor der Wissenschaft, den Gerichten, dem Bundesrat und der Wirtschaft.

Sicherheit kann auch im militärischen Sinn verstanden werden. Oder es kann bedeuten, dass wir sozial abgesichert und gegen Krankheit versichert sind. Dass wir im Alter eine AHV und eine Pensionskasse haben, oder dass unser Geld auf der Bank sicher ist.

In den letzten Jahrzehnten hat man es niemandem übelnehmen können, wenn sie oder er all diese Facetten von Freiheit und Sicherheit für selbstverständlich gehalten hat.
Aber die vergangenen zweieinhalb Jahre haben gezeigt, dass Freiheit und Sicherheit eben doch nicht selbstverständlich sind – und viele von uns haben sich wohl das eine oder andere Mal die Augen gerieben.

Die Coronavirus-Pandemie zum Beispiel hat unsere persönlichen Freiheiten stark eingeschränkt. Wir konnten uns teilweise nicht mehr frei bewegen. Wir konnten nicht mehr in andere Länder reisen.
Und der Angriff von Russland auf die Ukraine zeigt, dass die Eigenständigkeit eines Landes und seine Grenzen keine Selbstverständlichkeit mehr sind.
Aber nicht nur das: Der Krieg stellt auch die Versorgung mit Energie und Nahrungsmitteln in Frage.
Gerade so wie es die Teuerung mit der Kaufkraft unserer Ersparnisse auf der Bank macht.

Diese Entwicklungen zeigen, dass für uns so selbstverständliche Werte wie Sicherheit und Freiheit nicht einfach für alle Zeiten gegeben sind.
Wir selber müssen dazu Sorge tragen, und wir müssen sie pflegen. Das macht man am besten ständig und nicht erst, wenn man merkt, dass sie nicht mehr da sind.

Unsere Vorfahren haben für ihre Freiheit und Sicherheit gekämpft. Wir müssen es heute auch tun.
Heute kämpfen wir zwar nicht mehr mit Lanzen und Schwertern, heute tun wir das gesitteter.
Doch auch wir müssen wieder darum kämpfen. Wir müssen darum kämpfen, dass unsere Schweiz ihre Unabhängigkeit und damit auch ihre Freiheit und Selbstbestimmung festigen kann.

Dazu gehört für mich, dass wir mit unseren Nachbarn Handel treiben und ein gutes Verhältnis haben. Aber das heisst nicht automatisch, dass wir als kleines Land alle Regeln unserer Nachbarn übernehmen müssen.
Es gehört aber auch dazu, dass wir die Armee wieder ernsthaft auf die Landesverteidigung ausrichten und auch entsprechend ausstatten.

Allgemein gesagt gehört für mich dazu: Selbstbewusstsein zeigen, Verantwortung übernehmen und nach Lösungen suchen.

Das symbolisiert auch unsere Währung. Wenn Sie einen Franken in die Hand nehmen, haben Sie die Freiheit, etwas zu kaufen. Wenn Sie die Münze umdrehen, sehen Sie Helvetia mit Speer und Schild.
Sie beschützt etwas, übernimmt Verantwortung für unser Land und die Freiheit unseres Landes. Das sagt mehr als viele glauben.
Interessant ist nämlich auch: Beide Seiten der Darstellung sind gleich gross. Keine Freiheit ohne Verantwortung also.

Für Freiheit und Sicherheit müssen wir alle Verantwortung übernehmen.

Ich bin überzeugt, dass uns das auch in Zukunft gelingt. Die Demokratie und die freie Wirtschaft sind unschlagbar, wenn es darum geht, in schwierigen Situationen Lösungen zu finden.
Das gilt speziell für die Schweiz.

Wir müssen uns bewusst sein: Freiheit und Sicherheit sind fundamentale Stärken unseres Landes, unseres Kantons und von uns allen – etwas, was wir immer wieder pflegen und verteidigen müssen.
Das lohnt sich auch in Zukunft. Freiheit und Sicherheit gehen jede und jeden etwas an.

Vielen Dank.

Frankfurt a. M., 28. Juli 2022

Ich danke Ihnen, Herr Generalkonsul, für die freundlichen Worte, für das Gastrecht und die Möglichkeit, den Kanton Zürich vorzustellen. Ihnen, verehrte Gäste, möchte ich meinen Dank für Ihr Kommen und Ihr Interesse aussprechen.

Meine Damen und Herren, lassen Sie mich mit einem Witz beginnen, der meines Wissens in Deutschland erzählt wird.
Was denkt ein Deutscher, wenn er zum ersten Mal in Zermatt steht und das Matterhorn sieht. «Ich habe es mir grösser vorgestellt.»

Ich finde den Witz auch darum gelungen, weil er in sehr ähnlicher Form auch bei uns erzählt wird.
Was denkt ein Zürcher, wenn er das Meer sieht? Das Gleiche: «Ich habe es mir grösser vorgestellt.»
Sie sehen, zumindest dieser Pointe nach ticken Zürcher und Deutsche ähnlich.

Auch unsere Standorte Zürich und Frankfurt haben einige Gemeinsamkeiten. Auch Zürich will gerne hoch hinaus.
Zwar ist die Silhouette noch nicht derart von Hochhäusern geprägt wie die von «Mainhatten». Aber wir holen auf. Immerhin jeder zweite Büro- und Wohnturm der Schweiz steht bei uns.

Beide Standorte haben ausserdem einen Flughafen, der als Hub mit interkontinentalen Flugverbindungen dient. Seit dem Verkauf der Swiss an die Lufthansa ist es nun auch derselbe Konzern, der die wichtigsten Flüge managt und abwickelt.

Eine weitere Gemeinsamkeit: Die Fussballclubs beider Städte hatten in diesem Frühling Grund zum Feiern. Eintracht Frankfurt gewann mit dem Zürcher Djibril Sow in ihren Reihen die Europa League, der FC Zürich mit dem deutschen Trainer André Breitenreiter die Schweizer Meisterschaft.

Schliesslich sind Frankfurt und Zürich auf ewig über die Geschichte von Heidi verbunden – Frankfurt als ein Ort der Handlung, Zürich als Ort der Entstehung.
Die Autorin Johanna Spyri war 1880, als ihr Heidi-Roman erschien, die «Frau Stadtschreiberin» – ihr Mann war oberster Verwaltungsbeamter der Stadt.

Ich sehe aber auch gewichtige Unterschiede zwischen unseren Standorten, zum Beispiel beim Preis für Fahrten mit dem öffentlichen Verkehr. Für 9 Euro kommt man im diesem Sommer ja auch von Frankfurt aus fast überall hin in Deutschland.
Doch in Zürich bekommen Sie für dieses Geld nicht einmal ein Billett für die 10-minütige Fahrt vom Flughafen in die Stadt. Angaben in Franken erübrigen sich – im Moment herrscht ja Euro-Franken-Parität.

Auch was die Bevölkerungsgrösse betrifft, spielen unsere Regionen in verschiedenen Ligen. Ich habe gelesen, dass im Ballungsraum Frankfurt Rhein Main über 2,4 Millionen Menschen leben.
Der Kanton Zürich hat derzeit 1,55 Millionen Menschen, wobei es jedes Jahr mehr werden.

Besonders rasant zugenommen hat in den vergangenen Jahren die Anzahl der Schulkinder an unserer Volksschule. Heute werden 15 Prozent mehr Buben und Mädchen unterrichtet als vor zehn Jahren. Das ist ein schönes Zeichen dafür, dass junge Familien im Kanton eine Zukunft sehen – Preisniveau hin, Lebenshaltungskosten her.

Allgemein ist Zürich mit seinem ausgebauten Bildungssystem eine grosse Talentschmiede. Wir führen eine Universität, die vielfältige Partnerschaften mit der Goethe-Universität hier in Frankfurt pflegt. Ausserdem haben wir drei kantonale Fachhochschulen.

Zürich ist auch der wichtigste Standort der Eidgenössischen Technischen Hochschule, kurz ETH. Sie gilt dank ihrer Arbeiten in Zürich als eine der führenden Institutionen in der Roboterforschung, zum Beispiel bei der Drohnentechnologie oder Computergrafik.

Das wissen auch die amerikanischen Techgiganten, die sich bei uns niedergelassen haben und jetzt um Abgänger buhlen. Google beschäftigt in Zürich rund 5000 Mitarbeitende.
In letzter Zeit ist neben den Techunternehmen auch der Life-Science-Sektor deutlich wichtiger geworden. Die Medizinalbranche zum Beispiel stellt über 11'000 Arbeitsplätze.

Was die Zürcher Wirtschaft letztlich auszeichnet, ist nicht unbedingt der hohe Grad an internationaler Vernetzung. Den haben andere Kantone wie Basel-Stadt oder Genf auch.

Was Zürich abhebt, ist vielmehr die Vielfalt und die Breite, die vom Finanzplatz bis zu den Zulieferern für die deutsche Autoindustrie und bis zu einem Jungunternehmen reicht, dessen vegane Gerichte auch in den Bordrestaurants der Deutschen Bahn serviert werden.

Es ist eine Vielfalt und Fülle, die notabene auf einem relativ kleinen Flecken Erde zwischen Voralpen und Rhein stattfindet. So gesehen ist es nur logisch, wenn ein deutscher Gast bei seinem ersten Besuch denkt: «Ich habe mir Zürich grösser vorgestellt.» Aber auch: «Wieso kostet hier eigentlich ein einziges Weizenbier soviel wie mein 9-Euro-Ticket zu Hause?»

Wir haben also genügend Gesprächsstoff. Ich freue mich auf einen kurzweiligen, ungezwungenen Abend und das eine oder andere Gespräch mit Ihnen.

Vielen Dank.

Opfikon, 22. Juli 2022

Was macht das neue Zentrum für Cybersicherheit des Kantons? Dieser Frage war der Sommerspaziergang 2022 gewidmet, zu dem Regierungspräsident Ernst Stocker Journalistinnen und Journalisten nach Opfikon eingeladen hat.

Regierungspräsident Ernst Stocker und Medienschaffende hören auf dem Rundgang dem Opfiker Stadtpräsidenten Roman Schmid zu.
Regierungspräsident Ernst Stocker und Medienschaffende hören auf dem Rundgang dem Opfiker Stadtpräsidenten Roman Schmid zu.

Zürich, 13. Juli 2022

61 kantonale ICT- und KV-Lernende haben das Qualifikationsverfahren erfolgreich absolviert. Den Abschluss ihrer Berufslehre feierten sie gemeinsam mit ihren Familienangehörigen, Lehrpersonen, den Ausbildungsverantwortlichen und Regierungspräsident Ernst Stocker. 

Als oberster Schirmherr der kantonalen Berufsbildung «habe er unterschriftsreife Arbeitsverträge mitgebracht», meinte Ernst Stocker spasseshalber in seiner Gratulationsadresse. Denn Fachkräfte seien schon fast verzweifelt gesucht. Mit dem Abschluss ihrer beruflichen Grundbildung stünden den Lehrabgängerinnen und -abgängern jetzt viele Türen offen: «Nutzen sie ihre Chancen!».

Regierungspräsident Ernst Stocker am Rednerpult.
Regierungspräsident Ernst Stocker an der Lehrabschlussfeier 2022 im Zürcher Volkshaus. Quelle: Michael Rippas

Egg, 29. April 2022

Regierungsrat Ernst Stocker am Rednerpult.
Finanzdirektor Ernst Stocker: "Gewerbeausstellungen sind wichtige Leistungsschauen und gesellschaftliche Anlässe." Quelle: Katrin Kaufmann-Buri

Sehr geehrte Kollegin aus dem Kanton Solothurn (Brigitte Wyss),
sehr geehrter Kollege aus dem Kanton Aargau (Dieter Egli),
sehr geehrte Mitglieder der Bundesversammlung,
sehr geehrte Mitglieder des Kantonsrats,
Geschätzter Herr Gemeindepräsident (Tobias Bolliger),
Geschätzter Herr OK-Präsident (Roman Gadola)
Liebe Gewerblerinnen und Gewerbler
Liebe Eggerinnen und Egger, Besucherinnen & Besucher

Zunächst vielen herzlichen Dank für die Einladung zu dieser Gewerbeschau. Ich freue mich sehr, dass ich mit Ihnen diese Ausstellung eröffnen darf. Ich überbringe Ihnen dazu sehr gerne auch die besten Grüsse und Wünsche des Regierungsrates.

Sie können sich sicher vorstellen: Es ist nicht die erste Gewerbeausstellung, die ich eröffnen darf. Allerdings bin ich etwas ausser Übung – viel zu lange hatte ich keine Gelegenheit mehr dazu.

Umso mehr freue ich mich, dass solche Gewerbeschauen wieder stattfinden. Ich besuche gerne diese Anlässe, und ich sage Ihnen auch warum.

Gewerbeausstellungen sind zuallererst einmal eine sehr gute Leistungsschau vom lokalen Gewerbe. Sie zeigen

  • wie vielfältig unser wirtschaftliches Leben und Angebot in unserer unmittelbaren Nähe ist, in der Gemeinde also;
  • wie breit die Palette von Dienstleistungen und Produkten in unserer eigenen Region ist;
  • wie gross die fachlichen Kompetenzen vom lokalen Gewerbe sind.

Das ist die eine Seite. Gewerbemessen sind aber ebenso offene, gesellschaftliche Anlässe. Man geht ja nicht nur hin, wenn man ein neues Bad, eine Gartenterrasse oder eine Solaranlage will.

Die Leute kommen auch, um andere Leute zu sehen, zu treffen, um mit ihnen einen Schwatz zu halten oder bei einem Glas Weissen anzustossen. Sie haben darum auch immer ein bisschen einen Volksfestcharakter, und es lassen sich alte Bande neu knüpfen.

Das ist wegen der Pandemie allzu lange nicht möglich gewesen. Darum ist gerade heute schön und wichtig, dass sich Leute wie das OK der EGA zusammenraufen und einen solchen Anlass wieder auf die Beine stellen.

Das Gewerbe, meine Damen und Herren, ist das Rückgrat unserer Wirtschaft. Ohne ein funktionierendes Gewerbe sähe unser Kanton anders aus. Ohne Sie, Ihre Mitarbeitenden, ihrer Flexibilität und Ihr Fachwissen würde der Kanton Zürich nicht so gut da stehen, wie er heute da steht.

Stichwort Flexibilität: Die Pandemie hat gezeigt, wie viele Betriebe sich schlagartig an eine komplett neue, unbekannte Lage anpassen können. Sie haben sich sehr schnell selber organisiert und auf die neuen Umstände mit Schliessungen, Homeoffice, Hygieneregeln, Sicherheitskonzepten oder gestörten Lieferketten eingestellt.

Es ist aber auch wahr: Für einige Betriebe waren die staatlichen Corona-Massnahmen so einschränkend, dass sie sich – wohl oder übel – an den Staat wenden mussten. Ich sah das bei unserem Härtefallprogramm. Wir haben im Jahr 2021 rund 9600 Gesuche um finanzielle Unterstützung geprüft.

Wie viele andere Massnahmen war auch das Härtefallprogramm vor der Pandemie unvorstellbar – vor allem, wenn man unternehmerisches Werte wie Selbständigkeit und Unabhängigkeit hochhält.

Wenn man sich aber die Konjunkturentwicklung oder die Arbeitslosenzahlen anschaut, kann man sagen: Die finanzielle Unterstützung durch den Staat hat sich gelohnt. Die Hilfsmassnahmen haben wesentlich dazu beigetragen, dass die Schweiz und Zürich gut durch die Krise gekommen sind.

Neben seiner Flexibilität zeichnet sich das Gewerbe – wie gesagt – auch durch viel Kompetenz und Fachwissen aus. Es ist auch ein wichtiger Träger unseres dualen Berufsbildungssystems, für das die Schweiz in der ganzen Welt ein Vorbild ist. Es ist die Verbindung von Praxis und schulischer Bildung.

Auf dieses Konzept dürfen wir alle stolz sein. Es funktioniert und bringt hervorragende Fachleute hervor. Auch der Kanton Zürich setzt deshalb viel Geld für die Berufsbildung ein. Und das erfolgreich, wie die Zahlen vom Bundesamt für Statistik zeigen.

92 von 100 jungen Erwachsenen im Kanton Zürich haben einen Sek-II-Abschluss. Das heisst, sie haben entweder eine Lehre gemacht, eine Berufsmatur oder eine Matur. 92 von 100 – das ist mehr als im Schweizer Durchschnitt.

Die Berufsausbildung hat in Zürich dabei ein hohes Gewicht. 70 Prozent von den jungen Erwachsenen haben bei uns eine berufliche Grundausbildung. Zum Vergleich: In Genf und Basel-Stadt sind es nur etwas mehr als 40 Prozent. Insgesamt haben dort nicht mehr als 85 Prozent der jungen Erwachsenen einen Sek-II-Abschluss.

Selbstverständlich heisst das nun aber nicht, dass wir in totaler Sorglosigkeit auf Wolke 7 schweben können. Der Erfolg ist keine Konstante. Wir müssen ihn jeden Tag von neuem erarbeiten. Sie alle haben in ihren Branchen ebenfalls kompetente Konkurrenten, Sie müssen sich behaupten. Das wissen Sie selber nur zu gut.

Vor den Anstrengungen des Gewerbes, konkurrenzfähig zu bleiben, habe ich grossen Respekt. Denn die Herausforderungen, die Sie tagtäglich haben, sind nicht gering. Wir alle wissen,
- dass die Energiepreise – vor allem der Treibstoff – in einem Mass angezogen hat, dass einem schwindlig wird;
- dass sich längst nicht alle Lieferketten eingependelt haben, und dass mit weiteren Lockdowns in China neue Probleme hinzukommen;
- dass die alten Probleme während der Pandemie nicht verschwunden sind – Stichworte dazu sind grenzüberschreitend organisierter Versandhandel oder Einkaufstourismus.

Um all diese Herausforderungen und Entwicklungen beneide ich sie nicht. Aber ich bin zuversichtlich, dass Sie auch dazu Mittel und Wege finden, um sie zu bewältigen.

Mit der EGA 22 machen Sie sicher einen guten und richtigen Schritt. Dazu gratuliere ich Ihnen und wünsche viel Erfolg, viele gute Kontakte und ein gutes Geschäftsjahr.

Vielen Dank.

Zürich, 3. Mai 2022

Ernst Stocker mit der Botschafterin von Namibia
Die Botschafterin der Republik Namibia, Julia Imene-Chanduru, zu Besuch bei Regierungspräsident Ernst Stocker. Quelle: Staatskanzlei

Wädenswil, 23. April 2022

Regierungsrat Ernst Stocker am Rednerpult.
Regierungsrat Ernst Stocker an der Eröffnungsfeier in Wädenswil.

Sehr geehrter Herr Bossert,
geschätzte Schwinger,
liebe Gönnerinnen, Gönner und Sponsoren,
liebe Gäste,

Ich danke für die Einladung an diese Eröffnungsfeier und die Gelegenheit, ein paar Worte zu sagen. Ich bin sehr gerne an diesen Anlass gekommen. Erstens bedeutet mir der Schwingsport viel, und zweitens ist die neue Schwinghalle genau nach meinem Geschmack.

Denn die neue Halle ist einfach, zweckmässig und vor allem auch nachhaltig gebaut. Es ist eine zeitgemässe Trainingsanlage, aber kein Prunkbau. Sie verfügt über sanitäre Anlagen (anders als das alte Lokal), aber keinen Schnickschnack.

Und: Die Schwinghalle ist ein Holzbau und somit vor allem aus einem nachwachsenden Baustoff gezimmert. Dem will auch der Kanton bei seinen Projekten mehr Aufmerksamkeit schenken.
Alles in allem ist es eine praktisch eingerichtete Sportstätte ohne Luxusteile. Die Haltung, die darin zum Ausdruck kommt, gefällt mir persönlich, aber auch – Sie ahnen es – in meiner Rolle als Finanzdirektor.

Wenn man sich den Werdegang des Bauprojekts anschaut, muss man sagen: Es ist ein kurzer Hosenlupf gewesen, gerade auch im Vergleich mit anderen Sportstätten. Ohne Pandemie und ohne die Einschränkungen hätte diese Feier schon viel früher stattfinden können.

Weiter fällt auf, dass die Unterstützung für das Vorhaben sehr breit abgestützt gewesen ist. Man muss ja nur hier in die Runde schauen. Dann bekommt man einen Eindruck, wie gross die Solidarität mit dem Schwingklub ist.

Und ich muss sagen: Es ist nur recht und billig, dass der Schwingklub diese Unterstützung bekommt. Denn er stärkt die Vielfalt in unserem Kanton, indem er namentlich den Nachwuchs fördert.

Schwingen ist ja nicht nur ein Sport, sondern auch ein Brauchtum und ein Kulturgut. Ein Schweizer Brauchtum und Kulturgut, das gerade in einem stark städtischen Kanton wie Zürich eine wichtige Rolle spielt, weil es sich hier seinen Platz im breiten Angebot an Freizeitmöglichkeiten erkämpfen muss. Es verbindet die ländlichen und die städtischen Gebiete in unserem schönen Kanton.

Mit seiner Vereinsarbeit hält der Schwingklub dieses Kulturgut hoch. Wir brauchen diese Vielfalt und dieses Nebeneinander im Kanton Zürich. Es wäre schlecht, in jeder Hinsicht, wenn wir einseitig würden. Denn: Einseitigkeit wäre auch verbunden mit Abhängigkeit. Und das ist nie gut.

Bei der Nachwuchsförderung denke ich nicht nur an die starke Jugendabteilung. Ich denke auch an gut besuchte Anlässe wie der Buebeschwinget oder den Schwinger Schnuppertag. Damit zieht der Klub immer wieder junge Talente an, bindet sie ein und macht sie zu engagierten Jungschwingern.

Ich komme zum Schluss: Der Erfolg von der Vereinsarbeit ist am Anfang der Idee für eine Schwinghalle gestanden. Der Andrang ist so gross gewesen, dass der Klub endlich ein rechtes Trainingslokal brauchte.

Ich bin überzeugt, dass die Halle den Verein in seiner Tätigkeit stärkt. Und dass sie einen Beitrag leitet zum Erhalt und Förderung von einer schönen Tradition, einem Kulturgut – und dem urchigsten und urschweizerischsten Sport von allen.

Vielen Dank.

2021/22

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Säntis, 14. Januar 2022
Gruppenbild auf dem Säntisgipfel
Ernst Stocker feiert mit Bundesrat Ignazio Cassis und Vertretungen aus der Schweiz, aus Deutschland, Österreich und dem Fürstentum Liechtenstein das 50-jährige Bestehen der Internationalen Bodensee-Konferenz. Quelle: Erich Brassel

2020/21

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Birmensdorf, 11. November 2021
Regierungsrat Ernst Stocker verabschiedet Armeeangehörige
Regierungsrat Ernst Stocker dankt abtretenden Armeeangehörigen für ihre geleisteten Dienste. Quelle: Amt für Militär und Zivilschutz

Geschätzte Armeeangehörige,
Sehr geehrte Gäste aus Kanton, Gemeinden und Armee,

Herzliche Gratulation: Sie haben es geschafft. Sie haben mit Rekrutenschule, Wiederholungskursen, Durchdienen oder Einsätzen so viele Diensttage gesammelt, dass Sie Ihre Dienstpflicht erfüllt haben. Sie können Ihr persönliches Material abgeben, und Sie können jetzt auch Ihren Abschied feiern. Sie stehen somit am Ende des Soldatenlebens, und deshalb hat Sie der Kanton zur heutigen Entlassungsfeier eingeladen. 

Ich hoffe für Sie, dass es Ihre erste und einzige Entlassung ist. Ziemlich sicher aber wird es die einzige sein, die ein Anlass zur Freude ist. Und dies auch nur für Sie – für mich nicht. Denn ich kann es nicht ganz nachvollziehen, dass die Armee jetzt schon auf Sie und Ihre Arbeitskraft verzichten will. Wenn ich in die Runde schaue, sehe ich keine klapprigen alten Männer, sondern lockere Typen und unternehmungslustige Jungspunde, die man problemlos noch für allerhand Einsätze im Dienst der Öffentlichkeit gebrauchen könnte. Würde es nach mir gehen, dann würden Sie darum noch den einen oder anderen Marschbefehl erhalten. Aber es geht ja nicht nach mir – und Sie denken jetzt vielleicht: zum Glück hat der nur bei den Finanzen das Sagen und nicht auch noch beim Militär.

Nun, Sie sind also offiziell am Ende Ihrer Dienstpflicht angelangt. Zu den vielen schönen Traditionen in unserem Kanton gehört es, dass Ihnen der Regierungsrat dankt für Ihren Einsatz im Dienst der Schweiz. Diesen Dank überbringe ich Ihnen im Namen meiner Kolleginnen und Kollegen im Regierungsrat sehr gerne. Sie haben gezeigt, dass auf Sie Verlass ist. Und Verlässlichkeit ist eine der wichtigsten Ressourcen, auf die die Schweiz zählen kann.

Sie haben sich gestern Abend beim Packen sicher an ein paar Erlebnisse aus Ihrer Dienstzeit erinnert. Ich bin sicher, dass es lästige Dinge darunter hatte, aber auch lustige und schöne. Zum Beispiel die Kameradschaft unter Leidensgenossen, ein Abendessen auf dem freien Feld oder die Verschiebung in eine Ecke von unserem Land, die man vorher nicht gekannt hat und wo man ohne Armee auch nie hingegangen wäre.

Andere Male ist Ihnen das Einrücken vielleicht nicht so leicht gefallen. Gemacht haben Sie es dann doch. Vielleicht haben Sie auch zu denjenigen Armeeangehörigen gezählt, die im Frühling 2020 alles stehen und liegen gelassen haben und zum Einsatz in der ersten Pandemie-Welle eingerückt sind. Vielleicht haben Sie in den vergangenen Monaten einen Einsatz zugunsten ziviler Behörden geleistet – zum Beispiel wegen der Überschwemmungen und Murgängen diesen Sommer. Das meine ich mit Verlässlichkeit: Sie haben das Aufgebot ernst genommen, ihr Alltagsleben hinter sich gelassen und sind zum Dienst in die Kaserne gefahren.

Sie haben mit Ihrem Einsatz in der Armee einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, dass unser Land und unser Kanton gut dastehen. Und dass die Schweiz seit Jahrzehnten ein sehr sicheres Land ist. Die Sicherheit ist ein wesentlicher Standortfaktor, den man nicht unterschätzen darf. Wo ein Klima der Unsicherheit herrscht, investiert niemand. Und wo niemand investiert und wo niemand Arbeitsplätze schafft, erhält der Staat auch nicht die nötigen Mittel. Die Sicherheit ist also eine wichtige Grundlage für ein gutes Wirtschaftsklima. Nur in einem sicheren Umfeld entstehen und gedeihen innovative und investitionsfreudige Unternehmen, interessante Arbeitsplätze und gute Bildungsmöglichkeiten.

Die Schweiz gilt heute als eines der innovativsten Länder der Welt und der Kanton Zürich leistet dazu überdurchschnittlich viel. Wir sind ein starker, innovativer, wirtschaftsfreundlicher Kanton, eine starke Volkswirtschaft. Darauf können wir alle stolz sein. Und dazu leistet die Armee wichtigen Beitrag. Sie hat das immer wieder gezeigt, zuletzt eben während dieser Pandemie. In der ersten Welle haben Armeeangehörige rund 325›000 Diensttage geleistet, seither waren es rund 60›000. Das ist eine beeindruckende Leistung – und keine andere Institution in unserem Land wäre dazu in der Lage gewesen.

Die Armee ist dank dem Milizprinzip auch einzigartig in der Bevölkerung verankert. Sie alle bestimmen als Bürger über die Armee mit, sie gehören ihr auch an und gleichzeitig haben Sie alle auch in unserer Gesellschaft eine berufliche, gesellschaftliche und private Rolle inne. Diese Verwurzelung zeigt sich in Umfragen wie derjenigen der ETH Zürich. Sie hat auch dieses Jahr ergeben, dass eine klare Mehrheit der Befragten die Notwendigkeit der Armee bejaht. Die Bevölkerung zieht die Milizarmee einer Berufsarmee vor und ist zufrieden mit ihrer Leistung – auch dank Ihnen.

Die Verankerung äussert sich aber auch immer wieder in Volksabstimmungen, zuletzt in derjenigen zu den Kampfflugzeugen. Es ist weltweit einmalig, dass die Bevölkerung in dieser Art über die Entwicklung der Armee mitbestimmen kann. Das heisst: Unsere Armee ist demokratisch legitimiert. Dieser Rückhalt ist Gold wert.

Meine Damen und Herren.
Wenn man «Entlassungsfeier» hört, dann könnte man auf den Gedanken kommen, dass der Staat ab jetzt nicht mehr auf seine ehemaligen Armeeangehörigen angewiesen ist. Doch nichts wäre falscher als das. Denn das Milizprinzip prägt nicht nur die Armee. Es ist nach wie vor ein Grundpfeiler unseres Staates und unseres gesellschaftlichen Lebens. Viele Behörden, aber auch Vereine, die Feuerwehr oder karitative Organisationen sind darauf angewiesen, dass sich Menschen wie Sie zur Verfügung stellen und anpacken. Nicht wegen des Geldes, sondern aus freiwilligem Engagement – und im Wissen um den Wert von einem stabilen, gut verankerten institutionellen Gefüge.

Ich appelliere daher an Sie: Kommen Sie auch weiterhin Ihren Bürgerpflichten nach und engagieren Sie sich in der einen oder anderen Weise in unserem Milizsystem. Wir brauchen Frauen und Männer, die sich engagieren. Entscheidend ist nicht, wo Sie sich neben Beruf und Familie noch engagieren – entscheidend ist, dass Sie es tun.

Liebe Armeeangehörige, es gäbe noch viel zu sagen. Aber ich glaube, dass Sie in Ihrem Leben genug im «Ruhn» gestanden haben. Ich danke daher Ihnen nochmals für Ihren geleisteten Dienst und wünsche Ihnen alles Gute auf Ihrem weiteren Lebensweg.

Vielen Dank.

Zürich, 10. November 2021
Finanzdirektor Ernst Stocker mit Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein
Regierungsrat Ernst Stocker verleiht Erbprinz Alois eine Ehrenmedaille. Quelle: Staatskanzlei Kanton Zürich

Durchlaucht (Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein)

Frau Nationalrätin (Regine Sauter)
Herr Ständerat (Daniel Jositsch)
Herr Richter des Staatsgerichtshofs des Fürstentums Liechtenstein (August Mächler)
Exzellenzen (Botschafter Petros Mavromichalis, Doris Frick)
Herren Botschafter (Pietro Piffaretti und Martin Dahinden)
Ihre Magnifizenz (Rektor Markus Jäger (Universität Liechtenstein))
Herr Kantonsratspräsident (Benno Scherrer)
Herr Stadtrat (Michael Baumer)
Frau Staatsschreiberin (Kathrin Arioli)
Meine sehr geehrten Damen und Herren

Es ist mir eine grosse Ehre und Freude, Sie im Namen des Regierungsrates des Kantons Zürich zum heutigen Abendessen willkommen zu heissen.

Vor 100 Jahren – am 5. Oktober 1921 – unterzeichnete Prinz Karl von Liechtenstein in Vertretung des damals regierenden Fürsten Johann II. die liechtensteinische Verfassung. Herzlichen Glückwunsch Ihnen, Durchlaucht, und allen Gästen aus Liechtenstein zu diesem Jubiläum.
Mit seinen rund 160 Quadratkilometern ist das Fürstentum Liechtenstein knapp ein Zehntel so gross wie der Kanton Zürich. In Europa ist es das viertkleinste Land. Im heutigen Referat am Europainstitut der Universität Zürich haben Sie, Durchlaucht, uns sehr aufschlussreiche Denkanstösse zu den «Herausforderungen und Chancen von Kleinstaaten» gegeben.

Der Begriff «Kleinstaat» ist nicht durch verbindliche völkerrechtliche, staatsrechtliche oder politikwissenschaftliche Kriterien definiert, und deshalb waren wir gespannt darauf, ob Sie die Schweiz auch dazuzählen würden oder nicht...
Sie haben uns jedenfalls zum Nachdenken angeregt und Eindrücke zu unserem eigentlich – oder vermeintlich? – vertrauten Nachbarland mitgegeben.
Eine interessante, aber wenig bekannte historische Anekdote ist folgende: Wussten Sie, meine Damen und Herren, dass der genannte Fürst Johann II. vor rund 150 Jahren vom russischen Zaren Alexander II. ein Kaufangebot für das Landgebiet von Alaska erhalten hat? Hätte der Fürst dieses Angebot angenommen, würde Alaska heute zu Liechtenstein gehören und das Fürstentum wäre flächenmässig über 40mal grösser als die Schweiz. Durchlaucht, wahrscheinlich hätten wir dann Ihnen heute Abend über Herausforderungen und Chancen von Kleinstaaten berichtet.

Bekanntermassen teilen das Fürstentum Liechtenstein und die Schweiz das Schicksal von flächenmässig kleinen Staaten. Viele Herausforderungen und Chancen sind ähnlich. Ebenso bestehen viele Gemeinsamkeiten: Beide Länder weisen im internationalen Vergleich beneidenswert tiefe Arbeitslosenzahlen auf (FL: 1,6% im Mai 21; CH: 2,6% bzw. ZH: 2,5% im Sept. 21). Die Wirtschaft beider Staaten ist stark exportorientiert. Auch sind sowohl Liechtenstein wie auch die Schweiz auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen. Erstaunlich ist die Statistik, dass über die Hälfte der Grenzgängerinnen und Grenzgänger Liechtensteins in der Schweiz wohnt, darunter viele EU-Ausländer und -Ausländerinnen mit Wohnsitz im Schweizer Grenzgebiet zu Liechtenstein.

Äusserst erfolgreich verläuft die Zusammenarbeit der beiden Staaten in der UNO: Seit dem Schweizer UNO-Beitritt hat sich eine intensive Partnerschaft zwischen beiden Staaten entwickelt. Zum Beispiel auf den Gebieten UNO-Reform, Sanktionen des Sicherheitsrats und Menschenrechte.
Dennoch gibt es auch Unterschiede zwischen unseren beiden Staaten: Zum Beispiel ist die Schweiz zwar ein Kleinstaat, aber gemessen am BIP gehört sie fast zu den 20 wirtschaftsstärksten Nationen der Welt. Das bringt sehr viele Vorteile, hat politisch aber auch Nachteile. Zum Beispiel zieht man die Blicke und den Argwohn grösserer Länder auf sich.
Ein weiterer Unterschied: Liechtenstein ist dem EWR beigetreten und hat trotzdem eine Beschränkung der Einwanderung durch Kontingente erreichen können.
Ohnehin ist das Verhältnis zur EU bekanntlich in beiden Staaten ein grosses Thema. Wenn ich dies zum Verhältnis Schweiz/EU anmerken darf, so kann ich Ihnen versichern, dass sich die Regierung des Kantons Zürich dafür einsetzen wird, mit unseren europäischen Partnern und Nachbarn tragfähige Lösungen zu finden.
Eine verlässliche und belastbare Zusammenarbeit ist schliesslich nicht nur ein ökonomisches Gebot, sondern auch ein Ausdruck der Tatsache, dass die Schweiz und Europa aufs Tiefste miteinander verbunden sind: sprachlich, kulturell und ebenso aufgrund von Austausch und Zusammenarbeit in allen Lebensbereichen – ob Bildung, Forschung, Wirtschaft, Kultur.

Dies gilt auch für die Beziehungen zwischen Liechtenstein und der Schweiz: Das Schicksal und damit die Zukunft unserer Länder sind aufs Engste miteinander verbunden.
Schon fast beispielhaft basieren die nachbarschaftlichen Beziehungen zwischen Liechtenstein und der Schweiz auf Vertrauen und sind traditionell eng und freundschaftlich. Schon 1919 übertrug das Fürstentum Liechtenstein die Interessenwahrung im Ausland an die Schweiz und eröffnete gleichzeitig eine Gesandtschaft in Bern.

Dass die grenzüberschreitende Zusammenarbeit auch auf regionaler Ebene bestens funktioniert, zeigt nicht zuletzt die Mitgliedschaft des Fürstentums Liechtenstein und des Kantons Zürich in der Internationalen Bodensee-Konferenz. In der IBK schätze ich als Zürcher Vertreter insbesondere auch die Zusammenarbeit mit dem Fürstentum Liechtenstein sehr.
Trotz dieser vertrauensvollen Zusammenarbeit wissen wir aber auch, dass wir eine gedeihliche Zusammenarbeit, Partnerschaft und Freundschaft zwischen Staaten und Völkern nie als Selbstverständlichkeit erachten dürfen – im Gegenteil. Sie bedürfen sorgfältiger Pflege.

Ihren Besuch, Durchlaucht, sehen wir denn auch als Ausdruck eines gemeinsamen Willens, die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Liechtenstein und dem Kanton Zürich und zur Schweiz zu pflegen und zu festigen. Im diesem Sinne ist es mir eine Freude, Ihnen im Namen des Regierungsrates des Kantons Zürich diese Ehrenmedaille zu verleihen.
Durchlaucht, sehr geehrte Damen und Herren, nun wünsche ich Ihnen allen einen schönen Abend und einen bereichernden Austausch. Ich danke Ihnen für Ihr Kommen und ihre Aufmerksamkeit.

Marthalen, 19. September 2021

Liebe Familie Weidmann,
lieber Herr OK-Präsident,
Geschätzte Gäste

Ich freut mich ausserordentlich, dass ich Sie mich auf diesen schönen Betrieb im Weinland eingeladen haben und dass die Bauern aus dieser Region den Aufwand und – ich betone das – die Chance wahrgenommen haben, sich an diesem Sonntag der Bevölkerung zu präsentieren.

Zusätzlich bedanken möchte ich mich bei der Familie Weidmann, die uns hier zusätzlich noch mit ihrer Gastfreundschaft beehrt.

Ihnen allen, die diesen Anlass mittragen, vor allem natürlich den sieben teilnehmenden Betrieben, überbringe ich gerne auch die Grüsse des Zürcher Regierungsrats. Er gratuliert Ihnen dazu, dass diese Veranstaltung nun schon zum elften Mal stattfindet.

Als Finanzdirektor habe ich heute mehr mit Geld als mit Heu zu tun. Trotzdem ist die Landwirtschaft für mich als Finanzdirektor ein wichtiger Teil unseres Kantons. Lassen Sie mich sagen weshalb. Wir sprechen ja immer gerne von Standortfaktoren, die einen er-folgreichen Kanton wie Zürich ausmachen. Viele Leute könnten wohl aus dem Stand ein paar aufzählen: die gute Infrastruktur, die Anbindungen, der zuverlässige Staat oder der funktionierende Ar-beitsmarkt. Das trifft alles zu.

Sehr wichtig ist aber auch die hohe Lebensqualität, die Zürich hat. Diese Lebensqualität ist ein wesentliches Merkmal für einen er-folgreichen Kanton, wie wir es sind. Wäre unser Kanton land-schaftlich unattraktiv, hätten wir weniger Zuzüger, die Wirtschaft hätte Mühe, genügend Arbeitskräfte zu finden.

Die Landschaft ist ein wesentlicher Bestandteil im Package der Standortqualität. Dafür, dass dieser Kanton auch landschaftlich sehr attraktiv ist, dazu tragen die Bäuerinnen und Bauern ganz wesentlich bei. Aber nicht nur mit ihrer Landschaftspflege, auch wenn das aus städtischer Sicht wohl besonders wichtig erscheint.

Tatsächlich ist es nett, schöne Landschaften und viel Grün in der Nähe zu haben. Aber aus Sicht der Bauern geht es in erster Linie um die Produktion von Nahrungsmitteln. Um gute, nachhaltige und umweltgerechte Produkte, mit denen sie auch in den Städten auf Begeisterung stossen.

Die Landwirtschaft trägt somit ebenso zur Standortqualität bei wie andere Wirtschaftszweige. Sie ist aber wie andere Branchen auch ganz entscheidend auf einen Faktor angewiesen, von dem es in Zürich zum Glück ganz viel gibt. Ich rede vom Vertrauen.

Ohne Vertrauen würde in der Banken- oder Versicherungsbranche nicht viel gehen. Wer bringt schon sein Geld zu jemandem, wenn er nicht sicher ist, dass der nicht sorgfältig damit umgeht? Wer zahlt einer Firma Prämien, wenn er nicht damit rechnet, dass ein möglicher Schaden abgedeckt ist?

Die Bauern sind aber in einer besonderen Lage: Sie sind den Blicken von Leuten, die nicht vom Fach sind, sehr viel mehr ausgestellt als die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Banken oder Versicherungen. Wegen der Nähe von Stadt und Land sind viele Menschen in ihrer Freizeit dort unterwegs, wo die Landwirte arbeiten.

Bauern können sich darum auch nicht verstecken. Wenn in einem Büro oder in einer Fabrik ein Mist passiert, erfahren die Vorgesetzten oder vielleicht noch die Rechtsabteilung davon. Aber wehe einem Bauern passiert ein Seich mit einem Güllenfass. Der kann nicht damit rechnen, dass das unentdeckt bleibt.

Eine weitere Herausforderung für die Bauernfamilien ist, dass in den Städten in vielen Köpfen sehr klare Vorstellungen herrschen, wie eine gute, nachhaltige Landwirtschaft funktionieren muss. Wie praktikabel diese Ideen sind, ist oft egal – Hauptsache, sie passen in das eigene Weltbild.

Vor diesem Hintergrund sind die Abstimmungsresultate von diesem Sommer doch bemerkenswert. In allen Kantonen – bis auf einen – sind die Trinkwasser- und die Pestizidinitiative abgelehnt worden. Auch im Kanton Zürich. Das ist wegen des Gewichts der Städte und Agglomerationen in unserem Kanton nicht selbstverständlich. Und es darf als Zeichen gewertet werden, dass das Vertrauen der Bevölkerung intakt ist.

Das Abstimmungsresultat ist aber kein Ruhekissen. Man darf sich nichts vormachen: Das Umweltthema wird die Landwirtschaft nicht in Ruhe lassen. Es werden weitere Fragen und weitere Vorstösse kommen, der Druck wird nicht abnehmen.

Umso wichtiger sind Veranstaltungen wie diese. Indem Sie Ihre Betriebe öffnen und Gäste empfangen, leisten Sie einen wichtigen Beitrag, um ein realistisches, gutes Bild von der Landwirtschaft zu vermitteln.

Man kann dem Anlass neudeutsch Marketingevent sagen. Man kann es aber auch anders ausdrücken: Sie helfen mit, das Vertrauen in die Landwirtschaft zu erneuern, zu erhalten und zu stärken. Und da die Landwirtschaft ein wichtiger Faktor ist, profitiert davon auch Zürich als Ganzes.

Vielen Dank.

Rheinau, 18. September 2021

Sehr geehrter Herr Stiftungsratspräsident (Roland Steiger),
sehr geehrter Herr Gemeindepräsident (Andreas Jenni),
sehr geehrter Herr Zschunke (Geschäftsführer Sativa),
geschätzte Vertreter der Stiftung Fintan und Handwerker

Ich gratuliere Ihnen zur Einweihung von Ihrem neuen Logistik- und Bürogebäude hier auf dem Chorb-Areal in Rheinau. Es ist planmässig fertig geworden, und ich habe Respekt vor dieser Leistung. Denn ich weiss, was es bedeutet, wenn man in der Landwirtschaft bauen will.

Ich habe vor meiner Wahl in den Regierungsrat ja während Jahren unseren Familienbetrieb geführt und helfe heute noch gerne, wenn es die Agenda zulässt. In dieser Zeit habe ich einen neuen Milchviehstall gebaut, und ich erinnere mich noch gut, wie viele Vorschriften und Auflagen beachtet werden mussten.

In Ihrem Fall sind noch besonders hohe Anforderungen an die Architektur hinzugekommen. Weil er hier auf dem Chorb-Areal in einem sensiblen Landschaftsraum befindet, muss er sich sorgfältig in die Umgebung einfügen. Ich denke, wenn man dieses Gebäude vom Architekturbüro Staufer Hasler sieht, darf man feststellen: Es ist ein gelungener erster Schritt zur Weiterentwicklung vom Chorb-Areal, und an dieser Weichenstellung ist auch der Regierungsrat beteiligt gewesen. Er hat vor vier Jahren grünes Licht gegeben für die Verlängerung des Pachtvertrags bis 2067.

Nun, Sie haben mich aber nicht als Architekturkritiker oder als Bauern eingeladen; ich komme ja auch aus einer anderen landwirtschaftlichen Tradition als die Stiftung Fintan. Ich bin heute Finanzdirektor und kümmere mich somit auch um das Vermögen des Kantons. Dazu gehören auch die Ländereien und Immobilien da in Rheinau.

In meiner Rolle als Finanzdirektor habe ich vor allem ein Interesse: dass das ehemalige Kloster gut, sorgfältig und seriös genutzt und verwaltet wird. Das bedeutet: nicht so wie vor etwa 200 Jahren von den letzten Benediktinern in der Abtei. Wissen Sie, wie man damals in Zürich über die geredet hat? Nicht nett. Man hat eher gelästert.

Man hat ihnen vorgeworfen, dass sie dem Staat gegenüber nicht alle Erträge und Vermögensteile offenlegen – heute würde man wohl sagen: dass sie Steuern hinterziehen. Aber nicht nur das: Man hat ihnen auch vorgeworfen, dass sie den Klosterbetrieb lausig führen. Eine Zeitung hat die die Abtei zum Beispiel ein «Sauf- und Faulnest» genannt und hat gefordert, dass man es auflöse.

Auch die NZZ griff zum Zweihänder: Einmal hat sie über das «Schlaraffenleben der Gottesmänner» geschimpft, ein anderes Mal nannte sie die Mönche «dumpfsinnige Faulenzer», die aus ihren Ländereien eine «Scholle Mist» gemacht hätten. So die später noble NZZ im Jahr 1835.

Die Sativa steht heute für das Gegenteil. Die Investition in den Neubau steht für Mut zum Risiko und für Aufbruch statt Verfall und Verschwendung. Er zeigt auch, dass die Pflanzenzucht und das Saatgut von Sativa in der Landwirtschaft und im Gartenbau auf Anklang stösst. Sonst wäre er kaum nötig geworden.

Das ist mit ein Grund, warum der Regierungsrat das Projekt mit Geld aus dem Gemeinnützigen Fonds gefördert hat. Er hat festgehalten, dass die Stiftung Fintan und die Sativa Rheinau AG einen wichtigen und führenden Beitrag zur biologischen Saatgutvermehrung leisten. Für unseren Kanton ist das besonders interessant. Denn Zürich hat von allen Kantonen die grösste Anbaufläche von Biogemüse.

Im Neubau kann man aber auch einen Beitrag für ein langfristiges Ziel des Regierungsrats sehen. Es lautet: «Die Land- und Forstwirtschaft ist nachhaltig und leistet einen wichtigen Beitrag zur Standortgunst und Lebensqualität.» Indem die Sativa jetzt die Voraussetzungen für einen weiteren erfolgreichen Betrieb geschaffen hat, hilft sie auch dem Kanton, einen Schritt in diese Richtung zu machen.

Sie sehen also: Von «einer Scholle Mist» ist keine Spur. Ich kann im Gegenteil feststellen, dass Sie einen Bau in Betrieb nehmen, der sich sorgfältig in die schöne Umgebung einfügt, einen Beitrag zur Zürcher Landwirtschaftpolitik leistet und auf eine nachhaltige Zukunft setzt.

Vielen Dank.

Zürich, 9. September 2021

Sehr geehrte Gäste,
Ich begrüsse Sie herzlich hier im Schwimmbad Letzigraben und freue mich, dass ich mit Ihnen einen spannenden Sportabend erleben darf. Es wird ein Abend voller Rennen und Höchstleistungen im Minutentakt.

Im Mittelpunkt stehen an einem solchen Meeting die einzelnen Athletinnen und Athleten. Doch auch in der Leichtathletik hängt der Erfolg nicht nur von den einzelnen Sportlerinnen und Sportlern ab. Natürlich braucht es ihr Talent, ihren Mut und Biss. Ohne diese Voraussetzungen würde selbstverständlich gar nichts gehen. Aber manches Talent wird nicht ausgeschöpft, wenn das Umfeld nicht stimmt. Auch die Trainer spielen eine wichtige Rolle, die Infrastruktur und manchmal auch Teamkolleginnen oder –kollegen, die sie schon im Training fordern und anspornen.

Was für eine Sportlerin oder einen Sportler gilt, stimmt auch für einen Standort: Erfolgt hängt nicht von einem einzigen Umstand ab. Er entsteht aus dem Zusammenspiel von verschiedenen Faktoren: Zum Beispiel Risikobereitschaft von Unternehmen, einer guten Mischung aus kleinen, mittleren und grossen Firmen, eine gut ausgebaute Infrastruktur und einen funktionierenden Arbeitsmarkt. 

Wichtig ist aber auch eine öffentliche Hand, die ihre Aufgaben und Leistungen zuverlässig, effizient und wirksam erbringt. In einem Land wie unserem bedeutet das: Es kommt auch auf die Zusammenarbeit der verschiedenen Staatsebenen an. In unserem Fall sind das der Kanton und die Gemeinden. Diese Zusammenarbeit funktioniert im Grossen und Ganzen sehr gut. Manchmal knarzt es im Gebälk, aber das gehört dazu. Wichtig ist, dass man sich offen und unumwunden die Meinung sagen kann. Danach geht das Leben weiter.

Der Standort Zürich ist Weltklasse. Er hat Ausstrahlungskraft über die Landesgrenzen hinaus und ist attraktiv. Das gilt auch nach anderthalb Jahren Pandemie. An diesem Erfolg haben auch die Gemeinden ihren Anteil, auch diejenigen im Unterland. In diesem Sinne hoffe ich auf eine weiterhin gute Zusammenarbeit.

Vielen Dank.

Horgen, 4. September 2021

Sehr geehrter Herr Gemeindepräsident, lieber Theo
Sehr geehrte Gemeinderätinnen und Gemeinderäte
Geschätzte Horgemerinnen und Horgemer

Ich danke Ihnen für die Einladung zu dieser Feier. Es ist für mich natürlich eine Ehre, dass Sie für diesen feierlichen Anlass ausgerechnet einen Wädenswiler eingeladen haben. Allerdings kann ich es nicht verhehlen: Ich bin auch ein bisschen neidisch.

Meine Heimatstadt Wädenswil hat das Energiestadt-Label ja auch. Ich bin selber noch im Stadtrat gewesen, als wir uns auf den Weg zum Energiestadt-Label gemacht haben. Gerne wären wir Wädenswiler die Ersten gewesen am linken Seeufer – aber das ist leider nicht mehr möglich gewesen. Horgen ist uns damals zuvor gekommen.

Jetzt gehen Sie noch einen Schritt weiter: ab heute Abend gehört Horgen mit dem Gold-Label zu den Spitzengemeinden, quasi zur Schweizer Champions League. Vielleicht fragen Sie sich: Ist das für eine Nachbargemeinde, die noch nicht so weit ist, nicht ein Dämpfer?

Nein, das ist es natürlich nicht. Denn was Horgen hier bekommt, ist ja mehr als nur ein Papier. Es ist eine Anerkennung für ihr Engagement. Dahinter stehen viel persönlicher Aufwand, Überzeugungsarbeit, Durchsetzungswille und Zusammenarbeit über das eigene «Gärtli» hinaus.

Es ist eine Auszeichnung für ein Engagement, das für andere ein Ansporn sein kann. Sie haben zum Beispiel ihr Wärmenetz ausgebaut, fördern jetzt Ladestationen statt Elektromobile, und das EW liefert nur noch erneuerbaren Strom. Das ist nicht nur ein stattlicher Leistungsausweis für Horgen, sondern es kann für andere Gemeinden auch eine Fundgrube für Ideen sein.

Das Energielabel ist eine tolle Sache. Weil wir damit konkret etwas für die Umwelt tun und unsere Energieversorgung effizienter machen. Und weil die Gemeinde Horgen damit eine sichtbare Vorbildwirkung entfalten kann.

Die Gemeinden sind als Vorbilder für uns alle besonders gut geeignet: Denn sie sind nahe bei den Leuten, mit konkreten Schritten statt nur mit papierenen Konzepten und utopischen Vorstellungen. Damit findet der Wandel, von dem heute alle reden, nicht irgendwann in ferner Zukunft statt, sondern konkret hier und heute.

Und nebenbei gesagt: Die Gemeinde tut damit mehr als das Gesetz verlangt. Sie krempelt selber die Ärmel hoch. Mit solchen vorbildlichen Gemeinden arbeitet der Kanton gerne zusammen, und das verdient Lob.

Eine tolle Sache ist dieses Label aber noch aus einem anderen Grund: Wenn wir die Energieeffizienz erhöhen, senken wir die Energieimporte und fördern innovative lokale Gewerbetriebe, die bei solchen Investitionen zum Zuge kommen. Horgen investiert also in unsere Unabhängigkeit und in die Arbeitsplätze in unserer Region.

Meine Damen und Herren, die heutigen Herausforderungen sind gross. Früher hat ein neuer Energieträger die alten nicht einfach ersetzt, sondern ergänzt. Mit der Nutzung vom Erdöl ist die Kohle nicht verschwunden. Jetzt geht es aber um die fossilen Brennstoffe an sich. Zur Erinnerung: bis 2050 will die Schweiz CO2-neutral sein.

Was Horgen und die anderen Energiestädte auf dem Weg zu diesem Ziel machen, das mögen im Einzelnen nur kleine Schritte sein. Aber auch mit kleinen Schritten kommt man vorwärts – vor allem wenn man wie Horgen mit der Energiestrategie 2030 noch weiter gehen will. Die Feier ist darum Grund, neuen Mut für eine nachhaltige Energieversorgung und damit für unsere Zukunft zu schöpfen.

Vielen Dank.

Elsau, 23. August 2021

Sehr geehrter Dominik Rieder,
sehr geehrter Herr Gemeindepräsident, lieber Jürg Frutiger,
sehr geehrter Herr Stadtpräsident, lieber Michael Künzle,
geschätzte Vertreter der Firma Hug Baustoffe und der Gemeinde
geschätzte Projektbeteiligten und Gäste, Damen und Herren

Ich habe die Einladung zum heutigen Spatenstich sehr gerne angenommen – und das nicht (nur), weil es später eine Bratwurst und ein Bier gibt. Nein, es ist auch eine Gelegenheit, um zu sagen: ich bin froh, dass es eine Firma wie die Hug Baustoffe AG gibt.

Sie fragen sich jetzt vielleicht, warum. Zum einen, weil ich mit Baustoffen persönlich ziemlich viel anfangen kann. Mauern und Plättli legen gehören immer noch zum meinen Hobbies, und auch Baggerhebel kann ich noch bedienen. Darum juckt es mich auch jedes Mal, wenn ich einen Bagger sehe, mich hineinzusetzen und den Motor zu starten.

Das kommt von meiner früheren Tätigkeit her. Heute als Finanzdirektor des Kantons Zürich habe ich weniger Gelegenheit dazu. Aber auch in dieser Rolle sehe ich drei Gründe, die für die Hug Baustoffe AG sprechen.

Erstens sind sie ein wichtiges Glied in unserer Wirtschaftskette. Sie wissen es: Der Kanton Zürich ist ein Kanton in Bewegung, er ist attraktiv, er ändert sich laufend. Das zeigt sich nicht zuletzt an den vielen Baustellen. Der Bau ist ja einer von wenigen Branchen gewesen, die auch während der Pandemie normal funktioniert haben – ohne Home Office oder Schliessungen.

Das kann der Bau aber nur, wenn er das nötige Material hat. Es ist nicht selbstverständlich, dass es in genügendem Mass zur Verfügung steht. Das zeigt die Baustoffknappheit, die sich inzwischen schon in Konjunkturprognosen niederschlägt.

Gerade in solch angespannten Momenten zahlt sich aus, wenn zwischen Anbieter und Käufer Vertrauen ineinander haben. Sei es dadurch, dass man vorher gute Erfahrungen gemacht hat, oder dadurch, dass der Kunde nicht immer nur dem tiefsten Preis hinterher gehechelt ist.

Baufirmen und Bauherren sind angewiesen auf verlässliche Lieferanten, die vorausschauend planen und Bestellungen auch in ausserordentlichen Situationen ausführen können. Die helfen dadurch mit, dass der Wirtschaftsmotor auch in solchen Momenten nicht ins Stottern kommt – oder allenfalls in nur leicht vermindertem Takt weiterläuft. Und das kommt letztlich uns allen zugute.

Der zweite Grund betrifft den Kanton als Bauherren. Wir investieren ja selber sehr viel, sei es beim Polizei- und Justizzentrum, das jetzt dann langsam fertig ist, oder bei den Spitälern oder den Kantonsschulen.

Wir investieren noch mehr aus in der Vergangenheit. Einen Fünftel mehr als in der letzten Legislaturperiode. Das hat sich der Regierungsrat vorgenommen.

Und daran haben wir trotz der Pandemie und den befürchteten Steuerausfällen und roten Zahlen im Staatshaushalt festgehalten. Denn wir haben das Signal aussenden wollen, dass der Kanton Zürich auch in Krisenzeiten Sorge trägt zu seiner Infrastruktur, und dass der Kanton ein verlässlicher und stabiler Partner für die Wirtschaft ist. Darum haben wir für 2021 fast 1,5 Milliarden Franken budgetiert. Bis zum Ende der Planperiode sind es jährlich etwa 1,3 Milliarden Franken, die in die Infrastruktur fliessen sollen.

Für das viele Geld haben wir aber auch Ansprüche. Der Kanton stellt hohe Anforderungen – an die Nachhaltigkeit, aber auch an die Qualität, und es ist angewiesen auf Unternehmen wie die Baustoffe Hug AG, die das erfüllen können.

Zum dritten Grund. Sie wissen es: «Chrampfe» ist nicht alles im Leben. Manchmal muss sich der Mensch auch erholen – im Wald, in den Bergen, an einem von unseren Seen oder Flüsse, was gerade jetzt besonders beliebt ist – auch wenn das Wetter nicht immer mitspielt. Freizeitaktivitäten in heimischen Gefilden liegen wieder im Trend. Auch im Wissen darum hat der Regierungsrat übrigens entschieden, 27 Millionen Franken aus der Jubiläumsdividende der ZKB in bessere Zugänge zum Wasser zu investieren.

Der wichtigste Ort zur Erholung und zum Leben sind aber natürlich die eigenen vier Wände. Wo der Kanton sich entwickeln soll, gibt die Politik vor. Unsere Raumplanung ist vor allem darauf ausgerichtet, dass das Bevölkerungswachstum in den Zentren stattfinden soll und man dort eine gute Balance zwischen Verdichtung und Freiräumen findet.

Damit ist aber nicht gesagt, dass Orte entstehen, wo man gerne lebt. Ebenso wichtig für die Lebensqualität ist, wie die Wohnungen gefertigt sind, wie und mit was sie ausgestattet sind. Das kann bis zu den Badzimmerplättli gehen. Darum ist auch klar, dass in diesen Fragen die Bauherren und Baufachleute die entscheidende Rolle spielen.

Es muss alles zusammen kommen, damit die Attraktivität von einem Standort gefördert wird. Damit ist auch gesagt, dass die Hug Baustoffe AG und der Bau insgesamt viel zur Lebensqualität im Kanton Zürich beitragen.

Es gibt für mich also mehrere gute Gründe, dass ich mich über diesen Spatenstich freue. Darum gratuliere ich der Hug Baustoffe AG dazu und wünsche ihr viel Glück.

Vielen Dank.

Uster, 1. August 2021

Der Finanzdirektor Ernst Stocker hält in Uster die 1.-August-Rede
Regierungsrat Ernst Stocker hält an der Bundesfeier 2021 in Uster die Festansprache. Quelle: Ernst Stocker

Stäfa, 21. Juli 2021
Regierungsrat Stocker mit Journalisten in der Villa Sunneschy
Im Garten der Villa Sunneschy zieht Finanzdirektor Ernst Stocker vor Journalisten eine Zwischenbilanz zum Härtefallprogramm. Quelle: Finanzdirektion.

Zürich, 15. Juli 2021
Regierungsrat Ernst Stocker am Rednerpult.
Regierungsrat Ernst Stocker gratuliert den frischgebackenen Berufsleuten.

Zürich, 30. März 2021
Finanzdirektor Ernst Stocker und Bundesrat Ueli Maurer.
Finanzdirektor Ernst Stocker und Bundesrat Ueli Maurer informieren die Medien über den Stand des Härtefallprogramms. Quelle: Roger Keller

Zürich, 12. März 2021
Regierungsrat Ernst Stocker am Rednerpult.
Der Zürcher Kantonshaushalt 2020 schliesst schliesst gemäss Finanzdirektor Ernst Stocker mit einem Ertragsüberschuss von 499 Millionen Franken. Quelle: Roger Keller

2019/20

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Zürich, 2. Oktober 2020
Regierungsrat Ernst Stocker tritt an der Medienkonferenz auf
Regierungsrat Ernst Stocker stellt die Zahlen vor.

Zürich, 1. September 2020
Regierungsrat Ernst Stocker und Regierungsrätin Carmen Walker Späh erläutern die Haltung des Regierungsrates an der Medienkonferenz zu den Abstimmungsvorlagen vom 27. September 2020.
Medienkonferenz «Abstimmungsvorlagen vom 27. September 2020».

Hinwil, 17. Juli 2020
Regierungsrat Ernst Stocker in Hinwil.
Der traditionelle Sommerspaziergang des Finanzdirektors hat auch dieses Jahr viele Medienleute interessiert. Im Mittelpunkt der Diskussionen standen die Auswirkungen, welche die Corona-Pandemie auf den Staatshaushalt des Kantons Zürich hat.

Attinghausen UR, 22. Juni 2020

Rund eine Millionen Franken hat die Milchverwertungsgenossenschaft Ebnet-Surenen aus Attinghausen UR in die Sanierung und den Ausbau ihrer Alpkäserei investiert. Davon kam ein Viertel aus dem Zürcher Lotteriefonds. Regierungsrat Ernst Stocker hat sich vor Ort ein Bild davon gemacht, was der Beitrag aus seiner Direktion und der Zürcher Inlandhilfe 2019 bewirkt.

Fünf Männer stehen im Rund.
Andreas Zgraggen, Präsident der Alp Surenen und Alpbewirtschafter (links), erläutert alt Bundesrat Hans-Rudolf Merz, Präsident der Schweizer Patenschaft für Berggemeinden, und Finanzdirektor Ernst Stocker das Projekt. Rechts von ihnen: Dominik Kempf, Sekretär der Alp Surenen und Alpbewirtschafter, und Käsermeister Florentin Spichtig. Quelle: Finanzdirektion

Uster, 17. November 2019
Regierungsrat Ernst Stocker bei einem Radiointerview.
Medieninterview nach der Hauptrede am Ustertag bei der Nachfeier mit der Bevölkerung in Uster.
Freiheit - gestern, heute und morgen

Sehr geehrte Frau Stadtpräsidentin (Barbara Thalmann)
Sehr geehrte Mitglieder des Ustertag-Komitees
Sehr verehrte Damen und Herren dieser Festgemeinde

Zunächst danke ich Ihnen ausserordentlich für die Einladung, hier an diesem Anlass als Regierungsrat reden zu dürfen. Am vielleicht bedeutendsten Anlass für die Geschichte des Kantons Zürich.

Das ist für mich eine sehr grosse Ehre. Weil ich weiss: Aus historischen Gründen war und ist das Ustertag-Komitee äusserst zurückhaltend, wenn es darum geht, jemandem von den hohen Herren in Zürich ausgerechnet an diesem Tag zu hören zu wollen.

Mit gutem Grund natürlich – da habe ich durchaus Verständnis. Es waren ja genau diese hohen Herren aus der Stadt Zürich, denen der Zorn der Zürcher Landbevölkerung damals gegolten hat, die sich hier in Uster 1830 zu Tausenden versammelt hatte.

Es war der Zorn einer Landbevölkerung, die in diesem Kanton politisch fast nichts zu sagen hatte. Es war damals auf jeden Fall für alle unvorstellbar, dass ein Landwirt zum Mitglied der Regierung werden könnte.

Es war aber auch der Zorn einer Landbevölkerung, die sich vom technischen Fortschritt überrollt fühlte. Die sich in ihrem Leben nicht ansatzweise frei, sondern bedroht und bedrängt fühlte. Wirtschaftlich also genauso wie politisch.

 Nun, ich nehme an, das Ustertag-Komitee hat sich gesagt: Der Stocker ist ein Wädenswiler – das können wir risikieren. Denn vom Zürichsee kamen ja viele Impulse für den Ustertag, wie Sie von meinem Vorredner gehört haben.

Und wir Wädenswiler waren ja oft genug ebenfalls im Streit mit den hohen Herren in Zürich. Das verbindet uns ebenfalls mit Uster und dem Ustertag. Der Bockenkrieg von 1804 ist nur die bekannteste Episode aus dieser langen Auseinandersetzung um die Abgaben an die hohen Herren in Zürich.

Dieser erfolglose Kampf  fand übrigens nur unweit unseres seit Jahrhunderten familieneigenen Bauernhofes statt, eben beim Bockengut. Dabei sei auch noch gesagt: Gewonnen haben  die Zürcher damals gegen meine Ahnen nur, weil sie die Berner und Aargauer um Unterstützung baten. Sowas würde uns heute der Zürcher Stolz selbstverständlich verbieten.

Nun, inzwischen ist die Landbevölkerung in der Zürcher Regierung nicht nur gelitten, sondern gut vertreten. In der letzten Amtsperiode waren wir von der Landschaft sogar in der Mehrheit.

Und umgekehrt habe ich in der Stadt Zürich ja sogar eine eigene Strasse – eben die Stockerstrasse. Das zeigt: Wir sehen es nicht mehr so eng wie früher.

Damit habe ich es übrigens weiter gebracht als die Stadtpräsidentin von Zürich. Eine Mauchstrasse oder auch nur einen Mauchweg gibt es weder in der Stadt Zürich noch sonst irgendwo in der Schweiz.

Aber wer weiss, vielleicht kommen die hohen Damen und Herren in der Zürcher Stadtregierung noch darauf und ändern das in absehbarer Zeit, um dem Stocker aus Wädenswil Paroli zu bieten…

Nun, dass man so etwas über eine Vertreterin der Obrigkeit sagen kann, ohne gleich von der Polizei abgeführt zu werden, das gehört zum Thema, über das ich heute reden will – zu unserer Freiheit.

Nicht überall wäre das möglich, nicht einmal in allen Ländern, die man üblicherweise und ohne weiteres noch zu Europa zählt. Denken Sie nur an Katalonien – was da passiert ist, ist für mich als überzeugten Demokraten erschütternd.

Mich dünkt sogar fast: In immer mehr Ländern ist es heute nicht mehr möglich, sich gegen die Obrigkeit aufzulehnen – weil immer mehr autoritäre Regimes sich etablieren.
Und das auch in Ländern und Regionen, die wirtschaftlich sehr erfolgreich unterwegs sind wie Singapur oder Hongkong. Aber das zeigt: Wir dürfen uns nicht täuschen lassen – der wirtschaftliche Erfolg ist vielerorts nur mit eingeschränkter Freiheit möglich.

Mit anderen Worten: Die Redefreiheit ist in immer mehr Regionen dieser Welt heute in Gefahr oder stark eingeschränkt – bei uns aber ist sie ein wesentlicher Teil unserer Freiheit.

Eine Freiheit, die vielen von uns als selbstverständlich erscheint, die das aber überhaupt nicht ist. Die Meinungs- und Redefreiheit ist im Gegenteil eine Freiheit, die wir immer wieder verteidigen müssen, die wir pflegen müssen.

Blicken wir aber zuerst einmal zurück. Was haben jene vielleicht 10›000 Männer seinerzeit wohl unter Freiheit verstanden, die sich 1830 hier in Uster versammelt hatten?

Nicht alle dasselbe – den einen ging es um mehr politische Rechte, den anderen um weniger Steuern und den Heimarbeitern um ihre materielle Basis, schlicht um ihr nacktes Überleben. Etwas, was wir uns heute angesichts unserer sozialen Netze kaum mehr vorstellen können. Obwohl das noch gar nicht so lange her ist.

Einer gerechten politischen und demokratischen Vertretung der Landbevölkerung hat der Ustertag sehr schnell zum Durchbruch verholfen. Wider Erwarten schnell sogar, innert weniger als zwei Jahren! Damit wurde Basis für den modernen Kanton Zürich gelegt.
Aber die Webmaschinen wurden nicht verboten, die Heimarbeiter im Oberland und am Zürichsee, blieben frustriert, was 1832 zur Eskalation mit dem Brand von Uster führte.

Das zeigt: Freiheit ist etwas sehr Vielschichtiges und Vielgestaltiges. Sie war es schon damals. Viel zu einfach wäre es auch, unter der Freiheit einfach alles aufzulisten, was Einzelne oder Gruppierungen sich wünschen. Freiheit ist mehr, vielfältiger.

Von der Rede- und Meinungsfreiheit habe ich schon gesprochen. Die Medienfreiheit ist mit ihr eng verwandt. Die politische Freiheit baut darauf auf. Die Handlungsfreiheit beanspruchen wir praktisch täglich. Die Religionsfreiheit ist in unserem Land elementar. Und die Wirtschaftsfreiheit ist für eine freie Marktwirtschaft wie unsere geradezu fundamental.

Konkret bedeuten diese Freiheiten: Jeder kann sagen und denken, was er will. Jeder kann publizieren, was er will. Jeder kann unbehindert wählen, wen er will. Jeder kann in seinem Leben tun, was er will. Sich bewegen, wie er will. Zusammenleben, mit wem er oder Sie will. Und jeder kann geschäften, womit und mit wem er will.

Aber stimmt das wirklich, wenn man das so absolut sagt?

Nein, natürlich nicht, denn grenzenlos ist die Freiheit nicht. Weder in der Luft noch am Boden. Es gibt Rahmenbedingungen, die die Freiheit einschränken und dafür sorgen, dass die Freiheit einiger weniger nicht die Freiheit der Mehrheit in beeinträchtigt. Konkret: Gesetze, Regeln und Vorschriften regeln die Freiheit.
In der Wirtschaft ist es der Wettbewerb: Er engt die Akteure ein, zwingt sie zu etwas und bedrängt sie. Der Wettbewerb setzt die Rahmenbedingungen – auch hier ist die Freiheit nicht komplett.

Ich würde so weit gehen und sagen: Die Grenzen der Freiheit sind fast wichtiger als die Freiheit selber – nur mit Grenzen funktioniert die Freiheit. Grenzen sind wichtiger als Privilegien. Grenzen schützen uns alle. Denn die eigene Freiheit muss dort aufhören, wo die Freiheit eines anderen beginnt.

Eine Freiheit ohne Grenzen wäre die reine Willkür. Damit ist die wichtigste Frage zur Freiheit diese: Wie gehen wir mit den Grenzen der Freiheit um? Wo ziehen wir sie und wie handhaben wir sie?

Nur die konstante, tägliche Auseinandersetzung mit den Grenzen hält unsere Freiheiten lebendig. Grenzen, die früher richtig, opportun oder zumindest gut begründet waren, können heute falsch und unnötig hinderlich sein. Dann müssen wir sie anpassen.

Um nochmals auf den Ustertag von 1830 zurückzublicken: Es war schon damals weise und ist es noch heute, neue Technologien wie mechanische Webstühle nicht zu verbieten, sondern den Fortschritt als Herausforderung und Chance anzunehmen. Auch wenn das für die betroffenen Heimarbeiterinnen und Heimarbeiter hart war.
Die Freiheit baut aber noch auf etwas anderem auf, was die Mehrheit der Bevölkerung und der Behörden schon Jahre vor dem Ustertag erkannt hatte: Bildung.
Deshalb haben damals und auch nach dem Ustertag viele Zürcher Gemeinden selber Schulhäuser gebaut. Oft markante Bauten, die von Stolz und Selbstbewusstsein zeugten. Man wusste: Erst Bildung macht Freiheit möglich. Nur eine gebildete Bevölkerung kann sich behaupten.

Das ist noch heute so: Nur eine gut gebildete Bevölkerung sorgt dafür, dass uns die Freiheit erhalten bleibt – indem sie mündig entscheidet, wo wir die Grenzen dieser Freiheit ziehen, wie wir sie anpassen und wie wir sie durchsetzen müssen.

Das alles zeigt: Was wir unter Freiheit verstehen, müssen wir immer wieder neu abwägen, neu austarieren und politisch neu aushandeln. Vieles, was früher galt, gilt heute noch immer. Vieles auch nicht. Dann müssen wir die Grenzen überdenken und neu ziehen.

Eine weitere wichtige Grundlagen für Freiheit ist Sicherheit: Nur wer sich sicher fühlt, kann die freiheitlichen Rechte auch wahrnehmen.

Das heisst: Nur wer sich sicher fühlt, spricht frei. Nur wer sich sicher fühlt, investiert. Nur wer sich sicher fühlt, vertraut anderen. Und nur wer sich bilden kann und wer gut informiert ist, hat etwas zu sagen, kann sich behaupten und weiss, wie der Hase läuft.

Und: Nur mit guter Bildung ist es eher möglich, Zusammenhänge zu erkennen und einzuordnen. Das ist heute wichtiger denn je, weil es immer schwieriger ist, zu sagen, was stimmt und was nicht. BeziehBeziehungsweise was die Wahrheit und was Manipulation ist.
Wenn man früheren Jahrhunderten die Freiheit abspricht, dann weil das Leben unsicher war, in jeder Hinsicht – materiell, politisch und gesellschaftlich.

Von Freiheit können wir nur reden, wenn alle Rahmenbedingungen gleichzeitig stimmen, also Bildung, physische und materielle Sicherheit, politische Rechte und persönliche Freiheiten wie die Meinungs- und Redefreiheit.

Freiheit ist nach meiner Überzeugung daher ein sehr umfassender, ein sehr universeller Begriff. Freiheit ist nie auf einen einzelnen Aspekt oder einen einzelnen Teil der Gesellschaft beschränkt.

Von Freiheit würde ich zum Beispiel auch dann nicht reden, wenn es der Bevölkerung materiell zwar durchaus gut geht, der Staat oder eine Regierung aber vorschreibt, was man denken und sagen darf, wie das in autoritären Regimes der Fall ist.

Oder wenn es gar so weit geht, dass der Staat seine Bürgerinnen und Bürger permanent kontrolliert und ihnen gewisse Leistungen nur zukommen lässt, wenn sie sich regel- und parteikonform verhalten.

Das ist nicht die Freiheit, die ich meine. Das ist eine Freiheit, die nur oberflächlich ist – die aber auch in der westlichen Welt leider immer mehr Achtung findet. Eine Freiheit aber, die nicht mit der Freiheit in unserem Kanton und unserem Land zu vergleichen ist.

In unserem Land, das sage ich nicht ohne Stolz, sind meiner Ansicht nach die Rahmenbedingungen so, dass wir uns zu Recht als ein weitgehend freiheitliches Land sehen. Vielleicht sogar das freiheitlichste.

Ein Problem ist heute allerdings, dass viele das nicht wahrnehmen und nicht zu schätzen wissen. Beziehungsweise nicht erkennen, woran wir arbeiten müssen, damit unsere Freiheit erhalten bleibt.

Freiheit ist eine unspektakuläre Selbstverständlichkeit geworden.

Viele können sich zum Beispiel heute nicht mehr vorstellen, dass auch unsere Landesgrenzen einst angefochten waren. Kurz gesagt: Was unspektakulär erscheint, gilt heute leider weniger.

Und noch etwas hat sich markant verändert: Freiheit wird heute nicht mehr als gesellschaftliches Modell gesehen, sondern als individueller Weg zur uneingeschränkten Selbstverwirklichung.

«Freiheit heisst, Du selbst zu sein», habe ich kürzlich auf einem grossformatigen Werbeplakat am Bahnhof gelesen. Und kurz gestutzt: Ist es das wirklich? Ist das mit der Freiheit wirklich so einfach?

Natürlich nicht. Das ist eine Freiheit, die nur auf die eigenen Bedürfnisse ausgerichtet ist.
Aber Freiheit ist nicht einfach Eigennutz. Freiheit, wie ich sie mir vorstelle und wünsche, ist immer auch mit einer Einbindung in ein grösseres Ganzes verbunden – in die Familie zuerst, in die Gemeinde, den Kanton, die Gesellschaft und unser Land.

Für Freiheit braucht es auch eine Portion Selbstbeschränkung und Rücksichtnahme. Und eben: Grenzen und Verantwortung. Das ist etwas anderes als Eigennutz und Selbstverwirklichung.

Nun kann man sich aber fragen: Welche Perspektiven hat die Freiheit in unserem Land heute? Ich würde sagen: Die Freiheit ist ein fragiles gut und gesichert ist sie nicht. Wir leben heute in einer Zeit, die so stark durchregeliert ist wie noch nie zuvor. Noch nie gab es so viele Gesetze, Regeln und Abhängigkeiten wie heute.

Die Freiheit entfaltet ihre Wirkung nur dann, wenn wir alle unsere Rechte auch wirklich umsetzen und durchsetzen könnten. Das ist seit jeher die Crux der Freiheit: Sie nützt uns nur etwas, wenn wir ihre Rechte auch tatsächlich ausüben können.

Das ist heute auch bei uns leider nicht immer der Fall. Und das ist die grosse Herausforderung für die Freiheit in der Zukunft.

Sicherheit ist nötig, das habe ich schon gesagt. Und es ist klar: Freiheit funktioniert nur mit Grenzen und Rahmenbedingungen.

Aber manchmal hindern uns auch zu viel Sicherheit, zu viele Regeln und Vorschriften daran, uns frei zu entfalten und uns frei zu fühlen.
Dann zum Beispiel, wenn einer, der das besonders gut kann, auf dem Sechseläutenplatz in Zürich seine schönen Seifenblasen nicht mehr fliegen lassen darf. Nur weil der Platz aus behördlicher Sicht nicht dafür vorgesehen ist.

Hier müssen wir aufpassen, dass wir uns nicht zu sehr einschränken und uns selbst in einem Gestrüpp von Vorschriften verheddern. Das wäre Gift für unsere Freiheit. Das erstickt letztlich alles, unsere Freiheit, aber auch Innovation. Auch für die nächsten Generationen.

Noch heikler und gefährdeter sind unsere demokratischen Rechte, die keineswegs wie ein Fels unverrückbar in der Brandung stehen, aber ein elementarer Bestandteil unserer Freiheit sind. Sie sind im Gegenteil heute stärker bedroht denn je.

Die Gefahr steckt nicht so sehr in unserem eigenen Land, sondern rund um uns herum. Je stärker wir uns in einem globalisierten Wettbewerb befinden, desto stärker wird der Druck auf uns. Man will uns unser bewährtes System ausreden oder es schlecht machen.

Das heisst nicht, dass wir uns gegen die Globalisierung wehren müssen – wir leben davon. Aber wir müssen unsere Werte und Rechte verteidigen, zum Beispiel wenn es darum geht, dass uns die EU ihre Bürgerrichtlinie aufs Auge drücken will.

Oder wenn die Grundlage unserer Entscheide in den Gemeinden, im Kanton und im Bund von aussen in Frage gestellt wird – nur weil unser Föderalismus als etwas umständlicher empfunden wird als die Rechtsordnung eines zentralistisch organisierten Landes.

Oder wenn die Staatengemeinschaft ein neues Steuersystem für die Unternehmensgewinne plant, nämlich dass die Steuern nur dort erhoben werden, wo etwas verkauft wird. Kommt es so weit, stehen bei uns Steuererträge in Milliardenhöhe in Frage.

Nun gibt es viele Mitbürgerinnen und Mitbürger, die sagen, da hätten wir als Kleinstaat zum vorneherein keine Chance. Wir müssten uns fügen und nachgeben. Widerstand sei zwecklos.

Das sehe ich anders und das haben auch alle unsere Vorgänger und Vorgängerinnen – mit Erfolg – stets anders gesehen, auch am Ustertag anno 1830.

Die Schweiz spielt heute eine zentrale Rolle in Europa. Und es ist ihr in der Vergangenheit immer wieder gelungen, ihre Freiheit zu verteidigen. Mit Verbündeten, die man sorgsam ausgewählt hat, und oft auch mit etwas List und guten Ideen.

Zum Beispiel bei den Unternehmenssteuern, als die internationale Gemeinschaft verlangte, dass die Schweiz die bevorzugte Holding-Besteuerung abschafft – in der Hoffnung, dass die Schweiz damit endlich höhere Steuern erheben muss.

Wir haben diese Privilegien abgeschafft, aber die Steuern nicht erhöht, sondern einfach für alle gesenkt. Das war sicherlich nicht das, was um uns herum viele erwartet hätten. Aber clever.

Das Beispiel zeigt: Wenn wir uns zusammenraufen und uns bewusst werden, was uns unsere Unabhängigkeit, unsere Stärken und unsere Freiheit wert ist, dann haben wir noch immer gute Lösungen gefunden. Selbst wenn die Situation bedrohlich war.

Dabei dürfen wir uns auch nicht kleiner machen als wir sind, wie das leider viele tun. Im Gegenteil: Wir sollten mehr Selbstbewusstsein zeigen, wenn wir unsere Freiheit verteidigen. Denn die Schweiz ist keineswegs der kleinste und unbedeutendste Staat in Europa.

Vielen ist zum Beispiel nicht bewusst, dass unser Land von der Fläche her grösser ist als Belgien und praktisch gleich gross wie die Niederlande. Und dass unsere Bevölkerung grösser ist als jene von Dänemark, Finnland und Norwegen. Und bald gleich gross wie jene von Österreich. Oder dass wir wirtschaftlich zu den 20 stärksten Nationen der Welt gehören.

Freiheit heisst für mich deshalb auch: Selbstbewusstsein zeigen, Verantwortung übernehmen und Lösungen suchen.

Das symbolisiert auch unsere Währung. Wenn Sie einen Franken in die Hand nehmen, haben Sie die Freiheit, damit etwas zu kaufen. Drehen Sie die Münze um, sehen Sie Helvetia mit Speer und Schild. Sie beschützt etwas, übernimmt Verantwortung für unser Land und die Freiheit unseres Landes. Das sagt mehr als viele glauben.

Denn interessant ist dabei auch: Beide Seiten der der Darstellung sind gleich gross! Keine Freiheit also ohne Verantwortung.
Für die Freiheit müssen wir alle Verantwortung übernehmen. Das ist vielleicht auch der Grund, warum es gar nicht so einfach ist, mit der Freiheit umumzugehen – auch wenn die Freiheit bei allen einen durchaus guten Klang hat. Wir müssen das lernen und immer wieder praktizieren und uns immer wieder anpassen.

Ich bin zuversichtlich, dass uns das auch in Zukunft gelingen wird – damit unsere Freiheit erhalten bleibt. Aber, wie gesagt: Garantiert ist das nicht – wir müssen die Freiheit sichern, pflegen und ihr manchmal auch neue Räume zur Entfaltung geben.

Und wir müssen uns bewusst sein: Freiheit ist eine fundamentale Stärke unseres Landes, unseres Kantons und von uns allen – etwas, was wir immer wieder verteidigen müssen. Das lohnt sich auch in Zukunft.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

Zürich, 7. November 2019
Regierungsrat Ernst Stocker an einem Stehtisch mit anderen Personen.
Regierungsrat Ernst Stocker nach seiner Rede bei einem Anlass der Zürcher Kantonalbank für deren Mitarbeitende mit öffentlichen Funktionen.

Bülach, 3. November 2019
Gottes Wort als Richtschnur

Liebe Gemeinde

Ich beginne meine erste Predigt mit einem Dank. Einem Dank an Sie – dass Sie bereit sind, mir zuzuhören. Anderen zuhören zu können ist eine wichtige Fähigkeit, die heute oft fehlt.

Und der Kirchgemeinde danke ich für die seltene Gelegenheit, als Politiker einmal von einer Kanzel herab reden zu können.

Man muss in der Politik zwar hin und wieder auch predigen. Aber allzu sehr von oben herab sollte man das nicht tun. Das jedenfalls ist meine Überzeugung und Erfahrung.

Dieses Jahr feiern wir 500 Jahre Zwingli. Deshalb möchte ich am heutigen Reformationssonntag zuerst Huldrych Zwingli selbst zu Wort kommen lassen: «Die Wahrheit ist für mich, was die Sonne für die Welt. Wie wir sie überall, wo sie aufgeht, freudig begrüssen, so sehnt sich auch der Geist nach dem Licht der Wahrheit, und freut sich, wo immer sie ihm entgegenstrahlt.»
Dieses Licht der Wahrheit ist Zwingli in der heiligen Schrift begegnet. «Wehe denen, die die Schrift nach ihrem Grind zwingen wollen. Es sollte donnern und hageln über sie. Du bist nicht der Richter über Gottes Wort und Gebot, sondern das Wort Gottes richtet dich. Das muss deine Schnur sein, bei der du hinhauen sollst.»

Die Gedanken von Zwingli würde ich so umschreiben: Wenn man im Garten ein Beet einrichten muss, nimmt man eine Richtschnur. Sie besteht aus zwei Stecken, die man an beiden Enden des Beets in die Erde steckt, die Schnur dazwischen spannt und der Schnur entlang das Beet herrichtet.

So, sagt Zwingli, ist es mit dem Wort Gottes. Es ist die Schnur. Wir müssen sie nicht herstellen. Sie ist da. Aber dieser Schnur entlang können und sollen wir unser Leben ausrichten und einrichten.

Zu dieser Schnur gehören der Glaube und das Vertrauen, dass meine letzte Heimat bei Gott ist, bei dem, der mich kennt und versteht und der mich umfassend bejaht und liebt.

Diesen Glauben zu wecken und wach zu halten ist meines Erachtens eine der vornehmsten Aufgaben der Kirchen in unserer Zeit. Leider habe ich in letzter Zeit öfters das Gefühl, dass sich die Kirchen von dieser Schnur etwas entfernen und dafür den heutigen Trends folgen.

Die Reformationszeit war bekanntlich eine Zeit ungeheurer Umbrüche und Aufbrüche. Alte Gewissheiten gerieten ins Wanken und wurden in Frage gestellt. Gesellschaftliche und wirtschaftliche Veränderungen verunsicherten die Menschen und forderten sie heraus.

Ich frage mich manchmal: Erleben nicht auch wir heute Ähnliches? Unsere Wertvorstellungen geraten durcheinander, riesige Technologieschübe gilt es zu bewältigen, die Digitalisierung ist in aller Munde, neue Abhängigkeiten und Zwänge entstehen, denen gegenüber wir uns oft ohnmächtig und ausgeliefert vorkommen.

Manche sehen auch in der Oberflächlichkeit, der Gier nach persönlicher Bereicherung und der egoistischen Selbstverwirklichung typische Kennzeichen unserer Zeit.

Dennoch ahnen je länger je mehr Menschen: Was wir wissen, was wir können, was wir besitzen ist nicht das ganze Leben. Es muss noch etwas anderes geben, das über das Vordergründige hinausgeht, eine Wahrheit, die mein Leben wirklich erfüllt, eine Wirklichkeit, die mich von innen heraus froh macht.

Die Richtschnur, von der Zwingli spricht, weist uns den Weg in diese andere Wirklichkeit.

Diese Richtschnur soll aber auch in den Beziehungen zu unseren Nächsten und Mitmenschen zur Geltung kommen. Ich will versuchen, dies an einem Beispiel aufzuzeigen:
Die meisten Menschen sehnen sich doch nach einem Ort, wo sie daheim sein können. Heimat, das ist der Ort, wo ich mich auskenne und wo ich verstehe, was geschieht, wo ich Strassen und Wiesen kenne, wo mir Geräusche und Gerüche vertraut sind.

Christian Morgenstern hat aber einmal gesagt: «Nicht da ist man daheim, wo man seinen Wohnsitz hat, sondern wo man verstanden wird.»

Das Gefühl von Heimat hängt stark mit Beziehungen zusammen, in denen wir uns wohl fühlen. Heimat ist dort, wo Menschen mich kennen und verstehen, wo ich Bejahung erlebe, nur deshalb, weil ich bin. Zur Heimat werden Begegnungen mit Menschen, in deren Augen ich lesen und in deren Gesten ich spüren kann: Es ist schön, dass es Dich gibt.

Oder um es nochmals mit Christian Morgenstern zu sagen: «Ein Zuhause ist überall, wo man mit einem Lächeln begrüsst wird.»

Versuchen wir doch, der Richtschnur Zwinglis entlang, einander auf diese Weise Heimat zu schenken und Heimat zu sein.

Gemäss der göttlichen Richtschnur sind wir aber nicht nur allein für uns existierende und wirkende Wesen. Wir sind Teil einer grösseren, umfassenderen Lebensgemeinschaft. Wir leben in Beziehungen, die uns füreinander verpflichten. Wir sind Glieder einer politischen Gemeinschaft.
Darin, in dieser Gemeinschaft, ist unser Auftrag nicht nur, die Erde verantwortungsvoll und achtsam zu bebauen und zu bewahren. Wir sind ebenso dazu aufgerufen, das Zusammenleben mitzugestalten und gemeinschaftliche Lebensformen zu suchen und mitzutragen.

«Du bist ein Werchzüg und Geschirre Gottes; er will dich bruchen, will dich nit lassen müssig gan und verrosten», sagt Zwingli.

In den letzten Jahren ist mir immer stärker bewusst geworden, wie wichtig für ein friedliches Zusammenleben vertrauenswürdige staatliche Institutionen sind, die für das Gemeinwohl wirken. Ich möchte Ihnen das an zwei Beispielen erläutern.

(1.) Im Juni dieses Jahres war ich in Hongkong. Dort habe ich die Regierungschefin Carrie Lam getroffen. Wir haben über die Probleme im Kanton Zürich und in Hongkong gesprochen. Wir sind zum Schluss gekommen, dass es eigentlich wenige Probleme gibt und die Wirtschaft boomt.

Zwei Wochen später hat es in Hongkong gekracht. Massen gehen auf die Strasse und protestieren gegen ein neues Gesetz. Es kommt zu gewaltsamen Ausschreitungen. Die massiven Proteste mit der Forderung nach mehr Demokratie dauern bis heute an. Die Hongkonger vertrauen ihrer Regierung nicht.

(2.) Ende Mai hat die ETH Zürich eine Studie publiziert, deren Quintessenz lautete: Das Vertrauen in die Behörden und staatlichen Institutionen ist in der Schweiz sehr hoch und im Vergleich zum letzten Jahr nochmals deutlich gestiegen.

Das höchste Vertrauen geniesst nach wie vor die Polizei, gefolgt von den Gerichten und dem Bundesrat. Viele der Befragten äusserten sich auch positiv über die Vertrauenswürdigkeit der Menschen in der Schweiz.

Es scheint mir wesentlich, dass wir Sorge tragen zu diesem Vertrauen und es weiterhin stärken und mehren. Wir alle tragen ja dieses Land mit, wir prägen es, wir entscheiden mit, wie es sich entwickeln soll.

Es ist deshalb wichtig, dass jederzeit möglichst viele Männer und Frauen bereit sind, sich für die Gestaltung und Ordnung des Gemeinwesens einzusetzen – sei dies als Freiwillige und Ehrenamtliche oder als öffentlich Beauftragte und Mitglieder einer Behörde.

Die Herausforderungen, tragfähige Lösungen und den bestmöglichen Ausgleich der unterschiedlichen Interessen zu finden, sind anspruchsvoll. Doch es ist der Ausgleich auf allen Ebenen, der unser Land zusammenhält.

In einem verlässlichen und vertrauenswürdigen Staatswesen, das der Richtschnur Zwinglis möglichst nahe kommt, fühlen wir uns sicher und zuhause. In ihm finden wir mit unseren Familien Heimat und Vertrauen. Dort sind wir zu Hause. Deshalb gilt mir das Wort der Richtschnur von Zwingli sehr viel.

Ich selber bin auf einem Bauernhof aufgewachsen, der seit über 350 Jahren im Besitz unserer Familie ist. Von Generation zu Generation wurde er weiter gegeben und auch ich habe ihn mit Freuden meinem Sohn vor ein paar Jahren weiter gegeben.

Was mich bis heute an der Arbeit in Hof, Stall und auf dem Feld fasziniert und immer wieder mit Staunen erfüllt, ist das Zusammenwirken der göttlichen Schöpferkraft, der sich alles Leben verdankt, mit unserem menschlichen Tun. Diese Arbeit schätze ich bis heute überaus. Sie bietet mir Ausgleich zu meiner jetzigen Tätigkeit und erdet mich zugleich immer wieder.

Ich habe meine Predigt mit einem Garten begonnen, den es mit einer Richtschnur zu gestalten gilt. Deshalb möchte ich mit einer Begegnung schliessen, die sich auch an einem Garten ereignet hat, und die nochmals zeigt, wie sehr Gottes Wirken und menschliche Arbeit zusammengehören.

Der Pfarrer des Dorfes macht einen Besuch auf einem Bauernhof. Vor dem Hof liegt ein prachtvoller Garten, darin die Bäuerin an der Arbeit. Sagt der Pfarrer zur Frau: «Sie mit em Herrgott zäme händ dänn än wunderschöne Garte.» Antwort der Bäuerin:  «Ja, ja, Herr Pfaarer, aber si hettid dä Garte selle gseh, won em de Herrgott eläige glueget hed.»

Amen.

Zürich, 2. September 2019
Regierungsrat Stocker beim Interview mit Radiojournalisten.
Interviews mit Radiosendern an der Medienkonferenz über die gewonnene Abstimmung zur Umsetzung der Steuervorlage 17 im Kanton Zürich.

Vevey, 4. September 2019
Regierungsrat Ernst Stocker mit dem Standesweibel und Gästen am Winzerfest.
Regierungsrat Ernst Stocker mit dem Zürcher Standesweibel Peter Sturzenegger als Vertreter des Regierungsrates an der Fête des Vignerons in Vevey, im Gespräch mit dem Präsidenten der organisierenden Winzer-Bruderschaft, François Margot.

Freienstein-Teufen, Bauma und Dürnten; 1. August 2019

Geschätzter Herr Gemeindepräsident
Liebe Besucherinnen und Besucher dieser Bundesfeier

Ich freue mich, dass ich heute mit Ihnen den 728. Geburtstag unseres Landes feiern und einige Worte an Sie richten darf. Ich bin gerne zu Ihnen gekommen. Es freut mich, dass Sie alle hier sind.

Selbstverständlich ist das nicht. Es ist nicht selbstverständlich,

  • dass wir hier gemütlich zusammen sitzen können
  • dass wir eine feine Wurst essen und ein kaltes Bier trinken dürfen
  • dass wir ein Höhenfeuer und Feuerwerk bestaunen können
  • und dass wir danach wieder sicher nach Hause gehen können.

Allzu oft sind wir uns dessen nicht bewusst. Weil wir es uns in der Schweiz gewohnt sind, dass alles immer reibungslos klappt – oder fast alles. Wir können uns darauf verlassen:

  • dass der Zug fährt, vielleicht mit 2 oder 3 Minuten Verspätung
  • dass die Kehrichtabfuhr jede Woche die Abfallsäcke abholt
  • dass der Strom fliesst, wenn wir den Staubsauger brauchen
  • und dass jedes Jahr eine 1.-August-Feier organisiert wird – sei es von einem Verein oder der Gemeinde.

Wir vertrauen in der Schweiz darauf, dass wir in einem stabilen, sicheren Land leben. Und diese drei Themen möchte ich heute zum Thema meiner Rede machen: Sicherheit, Stabilität und Vertrauen.

Vor zwei Monaten war ich in Hongkong. Dort habe ich die Regierungschefin Carrie Lam getroffen und wir haben über die Probleme im Kanton Zürich und in Hongkong gesprochen. Wir sind zum Schluss gekommen, dass es eigentlich wenige Probleme gibt und dass die Wirtschaft boomt. Zwei Wochen später kracht es in Hongkong: Massen gehen auf die Strasse und protestieren gegen ein neues Gesetz. Es kommt zu massiven Ausschreitungen.

Das zeigt: Die Hongkonger vertrauen ihrer Regierung nicht. Und wie sieht es 2019 mit den Schweizern aus? Vertrauen wir dem Staat, seinen Behörden und Institutionen immer noch? Fühlen wir uns in und mit unserem Staat sicher?

Ende Mai hat die ETH Zürich dazu eine Studie herausgegeben. Sie befragt jedes Jahr über 1200 Stimmberechtigte. Das Resultat: Das Vertrauen der Schweizerinnen und Schweizer in den Staat ist im Vergleich zum letzten Jahr nochmals deutlich gestiegen.

Ja, es befindet sich sogar auf dem Höchststand, seit die ETH vor fast 30 Jahren mit der Befragung begonnen hat: Noch nie haben die Schweizerinnen und Schweizer den Institutionen und Behörden mehr vertraut als 2019. Das höchste Vertrauen geniesst nach wie vor die Polizei, gefolgt von den Gerichten und dem Bundesrat.

Und was sehr bemerkenswert ist: Viele der Befragten haben sich positiv über die vertrauenswürdigen Menschen in der Schweiz geäussert. Die Schweizerinnen und Schweizer vertrauen einander. Das gilt es unbedingt zu bewahren.

Vertrauen können wir uns nur, wenn wir uns sicher fühlen. Und das tun die Schweizerinnen und Schweizer: 95% gaben in der Umfrage an, dass sie sich sicher fühlen. Vertrauen können wir nur, wenn wir wissen, dass wir in einem stabilen System leben. Der Zug fährt, der Abfall wird abgeholt, der Strom fliesst, die 1. Augustfeier ist organisiert.

Doch Vertrauen, Stabilität und Sicherheit sind längst nicht nur im öffentlichen Bereich wichtig. Genauso wichtig sind sie bei der Arbeit. Und das ist mir als Finanzdirektor und damit auch als oberster Personalchef des Kantons ein Anliegen. Die meisten von uns schätzen es, eine sichere Arbeitsstelle zu haben. Wir schätzen es, zu wissen, dass der Betrieb, für den wir arbeiten, auch morgen und übermorgen noch existiert.

Aber was wäre eine sichere Stelle ohne Vertrauen? Vertrauen in die Mitarbeitenden, das eigene Team, den Chef oder die Chefin. Vertrauen, dass man einander nicht hintergeht. Vertrauen und Wertschätzung, das uns auch das Team, der Chef oder die Chefin entgegenbringen soll. Dafür, dass wir unsere Arbeit gut machen, dass wir vollen Einsatz geben, vielleicht am Abend einmal länger bleiben, um eine wichtige Arbeit fertig zu machen.

Und wenn wir dann nach einem strengen Tag – sei es im Geschäft oder zu Hause mit den Kindern – Feierabend haben, dann wollen wir es genauso spüren: das Vertrauen. Wir fühlen uns in Beziehungen wohl, die stabil und sicher sind. In denen wir uns aufeinander verlassen können, für einander da sind. Sei es in der Familie oder im Freundeskreis.

Wir alle können selber etwas zu Stabilität, Sicherheit und Vertrauen beitragen. Wir können uns in der Öffentlichkeit wachsam bewegen, statt aufs Handy zu starren. Damit wir sehen, wenn eine ältere Person Hilfe beim Einsteigen in den Bus benötigt. Damit wir sehen, wenn die Einkaufstaschen des Nachbarn zu schwer sind. Oder wenn jemand gar in Not oder Gefahr gerät.

Wir können uns auch ehrenamtlich engagieren und so dazu beitragen, dass unser gesellschaftliches System stabil bleibt. Bei der Arbeit können wir unseren Kolleginnen und Kollegen Wertschätzung entgegenbringen. Sie für ein gelungenes Projekt loben, uns für Hilfe bedanken oder Unterstützung anbieten, wenn sie überlastet sind. Oft sind es kleine Gesten, die wertvoll sind und Vertrauen schaffen.

Genauso im Privaten: Wir können für unsere Freunde und Familie da sein. Ein offenes Ohr haben und auch mal «es Foifi grad sii la», selbst wenn das Gegenüber vielleicht nicht so reagiert hat, wie wir es gerne gehabt hätten.

Gerade für Kinder ist ein stabiles und sicheres Umfeld wichtig, in dem sie Vertrauen erfahren dürfen. Das habe ich bei meinen eigenen Kindern erlebt und nun sehe ich es bei meinen Enkeln.

Mein vierjähriger Enkel zum Beispiel ist richtig lebhaft, ständig unterwegs, die Welt am Entdecken. Doch wenn er sich unsicher fühlt, dann will er meine Hand halten. Das ist für mich das absolut Schönste: dieses Urvertrauen zu spüren, das er mir entgegenbringt.

In diesem Sinn wünsche ich Ihnen, dass Sie sich hier in der Schweiz sicher fühlen. Dass Sie dem Staat und seinen Institutionen vertrauen können. Dass Sie eine sichere Stelle oder Arbeit mit einem verlässlichen Team haben dürfen. Und dass Ihre Familie und Freunde für Sie da sind.

Herzlichen Dank und jetzt allen weiterhin eine schöne Bundesfeier!

Horgen, 19. Juli 2019
Regierungsrat Ernst Stocker mit Gästen an einem Holztisch.
Regierungsrat Ernst Stocker deim traditionellen Sommerspaziergang des Finanzdirektors für Medienleute in Horgen, zusammen mit (von links) Gemeindepräsident Theo Leuthold, Steueramtschefin Marina Züger und Marc Winet, Landes- und Standortleiter von Dow Europe Gmbh.

Forellenfest in Pfäffikon, 29. Juni 2019

Sehr geehrter Herr Gemeindepräsident (Marco Hirzel)
Sehr geehrter Herr Stiftungsratspräsident (Roger Staub)
Liebe Festbesucherinnen und Festbesucher
Liebe Pfäffikerinnen und Pfäffiker


Ich danke Ihnen vielmals für die Einladung an diesen besonders schönen Ort in unserem schönen Kanton Zürich. Sie haben das natürlich sehr gut gemacht – diese Einwasserung mit dem Forellenfest zu verbinden, das ja eine sehr lange Tradition hat.

Der Pfäffikersee ist auch für mich als Seebueb vom Zürichsee ein sehr bemerkenswerter See – ein Juwel, würde ich sogar sagen.

Natürlich weil die Naturlandschaft hier noch unverfälschter ist und mehr Raum geniesst. Kluge Entscheide unserer Vorfahren und Vorgänger haben das möglich gemacht. Damit meine ich die erste Pfäffikersee-Schutzverordnung, die der Zürcher Regierungsrat schon im Jahr 1948 (!) erlassen hat.

Das war ein sehr weitsichtiger und mutiger Entscheid. Und das hat sicherlich massgebend dazu beigetragen, dass der Pfäffikersee – allem Erholungsdruck zum Trotz, den es natürlich auch hier gibt – noch heute sogar im Hochsommer eine Oase der Ruhe ist.

Zu diesen Entscheiden gehört ja auch, dass auf diesem See keine Motorboote zugelassen sind. Keine privaten jedenfalls. Deshalb ist es natürlich speziell, wenn wir heute die Einwasserung eines Motorbootes feiern. Aber das hat gute Gründe und wir können das mit gutem Gewissen tun, weil es ein sehr spezielles Motorboot ist.

Motorboote dürfen auf dem Pfäffikersee ja, wie Sie alle bestens wissen, nur vom Bootsverleih betrieben werden, für Rundfahrten mit Gesellschaften. Das ist gut so für einen See von dieser Grösse. Davon zeugt der schöne, lange Schilfgürtel rund um den See.

Eine Motorbootfahrt auf dem Pfäffikersee ist damit also auch heute noch ein Erlebnis, etwas Besonderes, ja fast etwas Exklusives.

Ich weiss nicht, wie viele Tausend Schulklassen auf ihrer Schulreise oder sonst mit ihren Lehrerinnen und Lehrern schon eine solche Motorboot-Rundfahrt gemacht haben. Aber eines weiss ich: Allen ist sie sicher lange in Erinnerung geblieben, vielleicht gar für immer.

Das fördert unsere Beziehung, unsere Verbundenheit zu diesem Kanton, zu dieser Region und zu diesem See. Das ist gut so und dafür verdient die Familie Schaufelberger vom Bootsverleih auch einmal einen Applaus, die das schon seit Generationen macht.

Nun wird das alles natürlich noch schöner, wenn Sie eine solche Rundfahrt inskünftig mit diesem eleganten historischen Motorboot machen können, das wir heute einwassern.

Der «Hecht» zeugt noch heute von grossem handwerklichem Können und auch von einem exzellenten ästhetischen Empfinden seines Erbauers. Dies erst recht, wenn man weiss, dass der lokale Bootsbauer Emil Lehmann dieses Schiff schon mit zarten 22 Jahren so konstruiert hat. Und das vor 108 Jahren!

Nun, die Finanzdirektion und der Regierungsrat hatten deshalb, nicht den geringsten Zweifel, dass die Sanierung dieses schönen Motorbootes ein unterstützungswürdiges Projekt ist. Erst recht, wenn das Schiff nicht einfach als Denkmal irgendwo ausgestellt wird, sondern weiterhin auf dem Pfäffikersee fahren soll und einer breiten Bevölkerung viel Freude bereiten kann.

Hier geht es um ein Kulturgut, und wenn der Lotteriefonds helfen kann, ein solches Kulturgut zu retten und wieder in Betrieb zu bringen, dann ist das genau das, was wir in der Finanzdirektion mit dem Fonds wollen, nämlich: helfen, unterstützen, ermöglichen.

Es freut mich deshalb, dass sich die Stiftung Historische Zürichsee Boote dieser Aufgabe angenommen hat, unter der Führung von Roger Staub – ja auch ein Oberländer (aus Sternenberg). Und dass schliesslich alles, trotz Verzögerung und Kostenüberschreitung, jetzt doch noch zu einem guten, schönen Ende gekommen ist. Ich glaube, man kann sagen: Es hat sich gelohnt.

Dafür danke ich allen Beteiligten und überbringe Ihnen die Grüsse des Zürcher Regierungsrates. Vor allem wünsche ich Ihnen allen viel Vergnügen mit dieser Perle von einem Motorboot.

Pfäffikon ist nun also nicht nur die «Perle am Pfäffikersee» (Slogan Gemeinde), sondern hat auf dem See jetzt auch noch eine Perle!

Dazu gratuliere ich Ihnen. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Horgen, 29. Juni 2019

Sehr geehrter Herr Veteranenobmann (Amadeus Zimmermann)
Sehr geehrter Herr OK-Präsident (Niklaus Gnädinger)
Liebe Sängerinnen und Sänger

Ich danke Ihnen sehr herzlich für die Einladung zu Ihrer Tagung. Und ich überbringe Ihnen auch gerne die besten Wünsche des gesamten Zürcher Regierungsrates zu dieser Tagung.

Der Volksmund sagt ja: «Singen macht glücklich.» Und wenn ich da in die Runde schaue, dann hat der Volksmund offensichtlich einmal mehr Recht. Eine so gut gelaunte Runde! Und wenn man dann noch weiss, dass alle von Ihnen Meistersänger sind, dann Hut ab!

Ich selber höre immer wieder gerne Chöre und staune immer wieder über die Präzision, Perfektion und Disziplin, die es braucht um ein Klangerlebnis zu erzielen – ein Klangerlebnis, das einem als Zuhörer staunen lässt und zugleich das Herz erwärmt.

Singen im Chor ist kein Hobby für schrille Selbstdarsteller, wie es heute – so glaube ich auf jeden Fall – immer mehr gibt. Singen im Chor ist etwas für Teamplayer, die sich einordnen können! Für Menschen, die zusammen und generationenübergreifend etwas erreichen wollen. Für Leute also mit Gemeinschaftssinn.

Das alles – Präzision, Perfektion, Engagement und Disziplin – sind Eigenschaften, die typisch schweizerisch sind. Sie helfen uns auf allen Ebenen entscheidend, wenn wir uns behaupten müssen, auch in der Wirtschaft und auf internationalem Parkett. Deshalb ist Singen in einem Chor ganz sicher auch eine Charakter- und Lebensschule.

Und weil das so ist, bin ich sicher, dass Sie alle auch in Ihrem beruflichen Leben diese Eigenschaften zur Entfaltung bringen oder zur Entfaltung gebracht haben. Sie sind damit genau jene Leute, die wir in diesem Land brauchen – die mitmachen, die mitziehen, die andere begeistern und die den Teamgedanken pflegen, ohne sich selber in den Vordergrund oder über andere zu stellen.

Und Leute, die selbstverständlich auch zusammen die Geselligkeit pflegen, bei einem Bier oder einem guten Glas Wein.

Zu dieser bodenständigen Haltung gratuliere ich Ihnen. Ich wünsche Ihnen, dass Sie noch möglichst viele Jahre weiterhin Freude am Singen haben und damit möglichst viele Leute erfreuen. Ganz besonders auch jene Leute, die das Singen nicht derart gut beherrschen wie Sie, aber umso mehr Freue am Zuhören haben.

Dazu gehöre auch ich selber. Nicht dass ich dafür bekannt wäre, mich im Ton zu vergreifen. Dann hätten Sie mich jetzt falsch verstanden. Was ich sagen will: Ich bin nun mal nicht der geborene Sänger. Mir könnte es eher passieren, dass meine Frau sagt, ich hätte ihr gleich sagen können, dass ich unter der Dusche singe – dann hätte sie nicht alle Haustüren ölen müssen…

Nun, es freut mich, dass Sie sich das linke Zürichsee-Ufer für Ihre heutige Tagung ausgesucht haben. Zwar nicht Wädenswil, meine Heimatstadt, aber Horgen ist selbstverständlich auch in Ordnung…

Damit wünsche ich Ihnen noch einen erfolgreichen weiteren Verlauf Ihrer Tagung und viel Erfolg, viele schöne Stunden und möglichst viel Befriedigung bei Ihrem schönen Hobby. Sie sind wichtige Trägerinnen und Träger unseres Milizsystems, ohne das unser Land nicht das wäre, was es heute ist.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

24. Juni 2019

Besichtigung von Aufwertungsprojekten im Kanton Uri, die der Zürcher Lotteriefonds im Rahmen der Inlandhilfe unterstützt hat.

Regierungsrat Ernst Stocker mit zwei Personen vor Schneebergen.
Regierungsrat Ernst Stocker zusammen mit Heidi Z'graggen, Regierungsrätin des Kantons Uri, und Raimund Rodewald, Geschäftsführer der Stiftung Landschaftsschutz.

Winterthur, 23. Juni 2019

Sehr geehrter Herr Stadtpräsident (Mike Künzle)
Sehr geehrter Herr OK-Präsident (Josef Lisibach)
Sehr geehrter Herr Verbandspräsident (Jörg Burkhalter)

Hoch geschätzte Organisatoren, Organisatorinnen und Helferinnen
Liebe Jodlerinnen und Jodler von nah und fern
liebe Alphornbläser und Fahnenschwinger

Wenn ich es könnte, würde ich Sie heute gerne mit einem urchigen Jodel begrüssen! Ich hoffe, Sie haben Verständnis dafür, wenn ich das doch lieber Ihnen allen überlasse und mich einfach zusammen mit Ihnen auf diesen grossartigen Tag freue.

Gibt es etwas Schöneres als einen urchigen, vielstimmigen Jodel? Etwas Schöneres als diesen einmaligen Ausdruck für Lebensfreude, Stolz, Begeisterung, Zuversicht und Liebe zur Schweiz?

Ich weiss natürlich, das ist für Sie eine rhetorische Frage, aber ich sage es trotzdem – weil mich das immer wieder beeindruckt: Nein, das gibt es wirklich nicht.

Jodeln bringt diesen Stolz zum Ausdruck. So perfekt, dass es mir manchmal ganz fein den Rücken runter läuft, wenn ich einem Jodler oder einer Jodlerin zuhöre. So ein Jodel geht einem eben unter die Haut. Eine Herzenssache, die niemanden unbeeindruckt lässt.

Jodeln, meine Damen und Herren, ist etwas vom schönsten, was unser Land auszeichnet – nach innen, aber auch nach aussen.

Erst recht, wenn der Jodel-Vortrag dann noch von schönen Trachten, von Alphörnern und unseren Fahnen begleitet wird. Kein Wunder gibt es für Jodeln kein Synonym und keine Übersetzung – auch im Englischen spricht man von Yodeling. Jodeln ist einmalig.

Jodeln ist Ihr grosses Hobby. Es ist aber auch ein wichtiges Brauchtum, das Sie damit pflegen. Deshalb bin ich heute sehr gerne zu Ihnen gekommen. Und deshalb überbringe ich Ihnen sehr gerne die Grüsse und die Anerkennung des Zürcher Regierungsrates.

Musik und Singen stiften Gemeinschaft und Identität. Das ist wichtig und hält unser vielgestaltiges Land zusammen. Dazu leisten Sie einen wichtigen Beitrag. Dafür danke ich Ihn Ihnen.

Ganz besonders freut mich, dass auch die junge Generation selbstbewusst jodelt. Das zeigt, wie tief verankert, wie beliebt und wie breit abgestützt das Jodeln in unserer Gesellschaft ist. In den Bergen und auf dem Land, aber auch hier in einer Grossstadt wie Winterthur ist diese Begeisterung ungebrochen.

Das ist keine Selbstverständlichkeit, sondern das Ergebnis von überzeugenden Auftritten und guter Publikumsresonanz. Ich weiss, dass Sie Woche für Woche viele Stunden Ihrer Freizeit in diese urschweizerische Tradition verwenden. Sie leisten damit einen wertvollen Beitrag für unsere Gesellschaft.

Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter: Auch die Politik könnte tagtäglich noch einiges lernen von Ihnen – immerhin treffen Sie den guten und richtigen Ton wahrscheinlich häufiger als viele Politiker und Politikerinnen. Sie stehen mit beiden Füssen auf dem Boden. Und Sie blasen mehr gemeinsam ins gleiche Horn. Und Sie sind ein Vorbild in Sachen Präzision und Ästhetik.

Bei Ihnen kommt also alles zusammen, was unsere grossen schweizerischen Tugenden und Werte sind: Gemeinschaft, Freude, Haltung, Schönheit, Präzision und eben, ganz wichtig, die richtige Tonlage. Wo gibt es das sonst?

Mich freut es deshalb ausserordentlich, dass Sie sich entschieden haben, Ihr Fest hier in Winterthur abzuhalten, also bei uns im Kanton Zürich. Und dass der Jodelklub Wülflingen die Organisation dieses grossartigen Festes übernommen hat.

Das beweist einmal mehr, wie vielgestaltig der Kanton Zürich ist. Wir sind nicht nur ein grosser städtischer Kanton mit vielen Banken, Versicherungen und Hochschulen und viel Verkehr – wir sind nach wie vor auch einer der wichtigsten Landwirtschaftskantone dieses Landes. Und auch ein ländlicher Kanton. Da passt es gut, dass der Jodel auch bei uns einen wichtigen Platz im Kulturleben hat.

Liebe Jodlerinnen und Jodler, nun wünsche ich Ihnen allen ein gutes Fest und viele fröhliche Auftritte in diesem Jahr! Was wir auch immer noch alles zu hören bekommen – ich danke Ihnen dafür!

Orientierungsversammlung in Horgen, 13. Juni 2019

Geschätzter Herr Gemeindepräsident, lieber Theo
Geschätzte Behördenmitglieder von Horgen
Liebe Horgnerinnen und Horgner

Ich danke Ihnen herzlich für die Einladung zu diesem Anlass. Es ist mir natürlich eine besondere Ehre, dass Sie als Horgnerinnen und Horgner heute ausgerechnet auf einen Wädenswiler hören wollen. Das kommt sonst ja wirklich selten vor…

Nun, zuerst gratuliere ich Ihnen. Aber nicht dazu, dass Sie mich als Wädenswiler eingeladen haben, sondern zur Art und Weise, wie Sie die Revision der Gemeindeordnung angehen. Zum Prozess und zur Diskussion, die Sie dazu führen wollen. Ich bin überzeugt, es ist eine gute Strategie, wenn Behörden und Bevölkerung dieses Thema so transparent und ergebnisoffen angehen, wie Sie es hier tun.

Nun, die Gemeindeordnung ist auf Gemeindeebene das Pendant zur Kantonsverfassung auf Kantonsebene. Die Gemeindeordnung ist gewissermassen die Verfassung jeder Gemeinde.
Sie regelt, wie sich eine Gemeinde organisieren will, welche Behörden sie haben will, wie gross diese sein sollen und auch wer für was zuständig ist. Das sind fundamentale Elemente des Zusammenlebens – deshalb lohnt es sich, das genau anzuschauen.

Die Gemeindeordnung ist auch die Grundlage der föderalen Struktur unseres Landes, der Selbständigkeit der Gemeinden, also einem unserer grossen Erfolgsrezepte, auch international gesehen.

Um diesen Föderalismus werden wir oft beneidet: Dass bei uns die Bevölkerung regelmässig selber entscheidet, wie viel Steuern sie bezahlt und wofür diese verwendet werden – das sorgt immer wieder für Staunen. In anderen Ländern wird das aus einer fernen Zentrale oder Hauptstadt fremdbestimmt.

Ich bin sicher, dass unser System auch dazu führt, dass unsere Kantone und Gemeinden ihrer Bevölkerung insgesamt sehr gute Dienstleistungen anbieten. Und dass die Abgaben nicht überborden. Eben weil die lokale Bevölkerung sehr gut überprüfen kann, was sie für das Geld bekommt und was allenfalls anderswo besser ist.

Grossartig ist nun, dass der Kanton Zürich seinen Gemeinden besonders viele Freiheiten lässt, wie sie sich organisieren wollen.

Das heisst: Natürlich gibt es Regeln, aber der Kanton Zürich ist sich der grossen Vielfalt seiner Gemeinden bewusst und versucht nicht, ihre DNA zu ändern. Dahinter steckt die Erkenntnis: Die Gemeinden wissen am besten selber, wie sie ihre Dinge regeln wollen.

Ihre Autonomie ist dem Kanton viel wert. Dahinter steckt die Erkenntnis: Probleme löst man am besten dort, wo sie sich zeigen.

Das ist keine Selbstverständlichkeit. Um nur ein Beispiel zu nennen: Es gibt Kantone, die ihren Gemeinden vorschreiben, wann sie ein Gemeindeparlament einführen dürfen oder müssen und wann nicht. Das gibt es bei uns nicht. Unsere Gemeinden sind dabei völlig frei.

Damit sind wir schon nahe an einem Thema, das in den nächsten Monaten wohl Sie beschäftigen wird: Stadtparlament – ja oder nein? Oder soll man bei der Gemeindeversammlung bleiben?

Sie wissen, dass ich in einer Parlamentsgemeinde aufgewachsen bin und dem Stadtrat angehört habe. Auf der Kantonsebene war ich lange Mitglied des Kantonsrates, und jetzt bin ich dort in der Rolle der Exekutive. Von daher würden Sie wahrscheinlich erwarten, dass jetzt ein Anhänger der Parlamentsorganisation zu Ihnen spricht.

Nun, so einfach mache ich es mir nicht. Manchmal bereitet es einem ja nicht nur Freude, was der Kantonsrat beschliesst… Aber im Ernst: Ich glaube, auch die Gemeindeversammlung hat ihre Vorteile. Wichtig ist: Die Organisationsform muss zur Gemeinde passen und sie muss von der Bevölkerung getragen und akzeptiert sein.

Wie ist die Situation heute im Kanton Zürich? Um uns herum? Wir haben heute 13 Gemeinden mit einem Parlament. Sie vertreten etwas mehr als die Hälfte der gesamten Kantonsbevölkerung.

Alle anderen Gemeinden unseres Kantons haben nach wie vor eine Organisation mit der Gemeindeversammlung, mit unterschiedlichen Ausprägungen, mit selbständig Antrag stellenden Schulbehörden oder mit Stadträten, in denen die Schule integriert ist.

Wichtigstes Argument für die Einführung eines Stadtparlaments war immer das Bevölkerungswachstum. Oder die Befürchtung, dass eine Gemeindeversammlung einer grossen Stadt nicht mehr gerecht werden kann. Die meisten Stadtparlamente sind im Anschluss an ein starkes Bevölkerungswachstum ins Leben gerufen worden.

Das ist auch der Grund, weshalb von den 13 Parlamenten mehr als die Hälfte, nämlich 7, im Jahr 1974 eingeführt worden sind: Adliswil, Bülach, Wädenswil, Dübendorf, Illnau-Effretikon, Opfikon, Schlieren.

Auch das war kein Geheiss von oben, sondern auf die Einführung des Frauenstimmrechts (1969) zurückzuführen. Das führte dazu, dass plötzlich doppelt so viele Stimmberechtigte da waren und man die Gemeindeversammlung nicht für repräsentativ genug erachtete.

In Bülach gab es zwei Abstimmungen für eine Abschaffung des Stadtparlaments (1978 und 2004), in Illnau-Effretikon eine (1997): Alle wurden abgelehnt. Auf der anderen Seite hat Wetzikon ein Parlament 7 Mal abgelehnt, bis es 2012 doch noch klappte.

Wetzikon war damals die grösste Zürcher Gemeinde ohne Parlament. Nun ist es Horgen, wo es – daran werden sich die wenigsten von Ihnen selber erinnern – von 1927 bis 1938 schon einmal ein Gemeindeparlament gegeben hat. Abgelehnt haben ein Parlament auch Thalwil (2007) und Wallisellen (2018).

Drei Gemeinden (Bülach, Kloten und Wädenswil) haben ihre Parlamente im Verlaufe der Zeit verkleinert. Die meisten Parlamente auf Gemeindeebene umfassen heute 28 bis 40 Sitze. Ausnahmen sind Winterthur und Zürich mit 60 und 125 Sitzen – das sind auch die ältesten Stadtparlamente: Sie bestehen seit 1895 und 1922.

Die Gründe, die für oder gegen eine Parlamentsorganisation sprechen, sind überall und immer etwa dieselben.

Dafür:

  • Repräsentativer, weniger Interessengruppen-Mehrheiten
  • Professionalisierung, bessere Aufsicht über Exekutive
  • Volksrechte bleiben bei wichtigen Fragen via Referenden
  • Nachwuchslager für Politiker auf höheren Stufen

Dagegen:

  • Bürger müssen gewisse Kompetenzen abgeben
  • Lokale Themen werden unter Umständen politisiert
  • Betrieb mit Gemeindeversammlung kostet weniger
  • Parteien haben Mühe, genügend Leute zu finden

Sie sehen: Es gibt gute Gründe dafür und dagegen. Ich würde mich hüten, die eine oder andere Form grundsätzlich als die bessere zu bezeichnen. Es kommt, wie schon gesagt, darauf an, dass die gewählte Lösung für die betreffende Gemeinde passt.

Zürich, 7. Juni 2019

Regierungsrat Ernst Stocker bei der Geschenkübergabe an eine Frau aus der Mongolei.
Regierungsrat Ernst Stocker schenkt Bulgantuya Khurelbaatar, Vize-Finanzministerin der Mongolei, einen gläsernen Zürcher Löwen.

Eröffnung des Jubiläumswochenendes, 31. Mai 2019 

Sehr geehrter Herr Gemeindepräsident (Christoph Lüthi)
Sehr geehrte Mitglieder der Ortsbehörden
Geschätzte Mitglieder des Organisationskomitees
Liebe Leute von Riffi, liebe Gäste

Es freut mich sehr, dass Sie mich zu diesem Jubiläumswochenende eingeladen haben und ich danke Ihnen für diese Einladung. Ich überbringe Ihnen gerne auch die Grüsse des Regierungsrates.

Diese Einladung ist auch für mich etwas Besonderes – weil sie von der vielleicht speziellsten Gemeinde unseres Kantons kommt. Nicht nur weil sie mit 1000 Jahren ein ansehnliches Alter feiern können.

Rifferswil sorgt ja im übrigen Kanton Zürich regelmässig für Aufsehen oder Erstaunen. Dann zum Beispiel, wenn die Gemeinde anders abstimmt als alle anderen Landgemeinden unseres Kantons.

Das hat aber natürlich seinen Grund: Ich glaube auf jeden Fall nicht, dass es noch eine andere Gemeinde gibt, wo die beiden grünen und die beiden evangelischen Parteien zusammen die absolute Mehrheit haben! So war es jedenfalls kürzlich bei der Kantonsratswahl.

Und es gibt auch keine andere Gemeinde, die eine so jugendliche Bevölkerung aufweist wie Ihr hier in Rifferswil. Der so genannte Jugendquotient liegt in Rifferswil bei 49,2 Prozent. Das heisst: Sie haben nahezu halb so viele unter 20-Jährige wie 20- bis 60-Jährige.

Das ist sehr bemerkenswert. Als Vergleich: Bei den meisten Gemeinden machen die Unter-20-Jährigen nur etwa ein Drittel des Hauptsegments der Erwerbstätigen, der 20- bis 60-Jährigen, aus.

Dass das natürlich auch Auswirkungen auf die Infrastruktur und die Finanzen einer Gemeinde hat, haben Sie in den letzten Jahren ja erfahren. Und Sie spüren es bei der Steuerrechnung noch immer.

Die finanzielle Situation Ihrer Gemeinde war mit ein Grund, dass wir das Gesuch um einen Lotteriefonds-Beitrag für den Dorfbackofen sehr grosszügig behandelt haben und Ihnen den Betrag gewährt haben, den Sie gewünscht haben, nämlich 49›000 Franken.

Eigentlich hätten wir das Gesuch ohne weiteres ablehnen können, weil der Zürcher Lotteriefonds eigentlich nur regionale Projekte unterstützt. Und das ist der Dorfbackofen wohl nicht unbedingt. Auch wenn Sie ja wirklich sehr nett sind und auch Interessierte aus anderen Gemeinden zulassen wollen, wie ich gelesen habe.

Der Regierungsrat hat das Projekt aber auch deshalb grosszügig unterstützt, weil 1000 Jahre natürlich ein hohes Jubiläum sind. Und weil der Dorfbackofen ein sehr originelles, ein einmaliges, ein innovatives, nachhaltiges und verbindendes Projekt ist, das meine Mitarbeiter in der Finanzdirektion von Anfang an begeistert hat.

Der Gedanke, einen Ofen allen zur Verfügung zu stellen und ihn gewissermassen als Treffpunkt der Gemeinde zu etablieren, ist eine tolle Idee. Das fördert die Verbundenheit mit der Gemeinde und die Kontakte der Einwohnerinnen und Einwohner untereinander.

Zudem hat der Herd ja durchaus auch etwas Archaisches. Er ist die Feuerstelle, um die herum sich die Menschen zusammengesetzt haben, als sie noch Jäger und Sammler waren. Er war auch im Mittelalter das Zentrum des sozialen Zusammenlebens.

Der Dorfbackofen kann also zu so etwas wie einem Foyer von Rifferswil werden. Ich habe das Wort «Foyer» durchaus mit Absicht gewählt. Ich weiss nicht, ob Ihnen das bewusst ist, aber es ist so: Das französische Wort foyer steht nämlich tatsächlich für Feuerstelle. Aber auch ganz allgemein für den Ursprung von etwas.

Deshalb wünsche ich Ihnen, dass dieser Dorfbackofen zum Ursprung von vielen guten Begegnungen und Beziehungen in diesem einzigartigen Dorf wird – einem Dorf, das hoffentlich auch in den nächsten 1000 Jahren so einzigartig bleibt, wie es ist.

Mit anderen Worten: Zünden Sie weiter so viele gute Ideen, dann kommt alles gut. Aber auch: Lassen Sie hier nichts anbrennen.

Und ganz zum Schluss natürlich: Ich wünsche Ihnen allen ein schönes gemütliches Festwochenende.

Vielen Dank.

Seoul, 17. Mai 2019
Gruppenfoto mit Regierungsrat Ernst Stocker.
Regierungsrat Ernst Stocker zusammen mit (von links) Regierungsrat Conradin Cramer (Basel-Stadt), Staatssekretärin Pascale Baeriswyl (EDA) und Linus von Castelmur (Botschafter).

13. Mai 2019
Regierungsrat Ernst Stocker am Rednerpult.
Ansprache von Regierungsrat Ernst Stocker beim Empfang der Provinz Guangdong zum fünfjährigen Bestehen der Zusammenarbeit mit dem Kanton Zürich.

Dietikon, 7. Mai 2019

Informationen für Gewerbe- und Wirtschaftsvertreter des Limmattal zur Steuer- und AHV-Vorlage. 

Regierungsrat Ernst Stocker mit einer Natioanlrätin und einem Nationalrat.
Regierungsrat Ernst Stocker mit den Zürcher Nationalräten Josef Wiederkehr (CVP) und Regina Sauter (FDP).

2018/19

Verwenden Sie die Akkordeon-Bedienelemente, um die Sichtbarkeit der jeweiligen Panels (unterhalb der Bedienelemente) umzuschalten.

Zürich, 24. März 2019
Regierungsrat Ernst Stocker bei einem Radiointerview.
Regierungsrat Ernst Stocker beim Interview mit Sabrina Marcolin von Radio 1 nach Bekanntgabe der Ergebnisse der Regierungsratswahl im Medienzentrum.

Zürich, 29. Januar 2019
Regierungsrat Ernst Stocker bei einem Fototermin im Gang der Finanzdirektion.
Aufnahme für das Wahlporträt im «Tages-Anzeiger», in der Finanzdirektion, mit Fotograf Dominique Meienberg.

Zürich, 29. Januar 2019
Regierungsrat Ernst Stocker am Rednerpult.
Regierungsrat Ernst Stocker beim ersten Spatenstich für den Gewerbebau der Gebäudeversicherung des Kantons Zürich in Wädenswil.

Neu-Wädenswil, 2. Januar 2019
Regierungsrat Ernst Stocker am Rednerpult, umringt von Musikern.
Ansprache von Regierungsrat Enrst Stocker zum Zusammenschluss der Gemeinden Hütten, Schönenberg und Wädenswil am Neujahrsapéro in Neu-Wädenswil.

Bern, 5. Dezember 2018
Bundespräsident Ueli Maurer mit Zürcher Regierungsräten.
Regierungsrat Ernst Stocker mit der Zürcher Delegation im Bundeshaus in Bern als Gratulant bei Ueli Maurer zu dessen Wahl als Bundespräsident, zusammen mit Regierungsrätin Carmen Walker Späh und Regierungspräsident Thomas Heiniger sowie dem Zürcher Standesweibel Peter Sturzenegger.
Regierungsrat Ernst Stocker flankiert von zwei Urner Tranchtenfrauen.
Regierungsrat Ernst Stocker mit zwei Urner Trachtenfrauen bei der Ersatzwahl in den Bundesrat im Bundeshaus, die trotz der Nichtwahl der Urner Regierungsrätin Heidi Z'graggen bei guter Laune blieben.

Horgen, Pfungen, Affoltern am Albis, Dinhard; 31. Juli und 1. August 2018
Regierungsrat Ernst Stocker am Rednerpult an der Bundesfeier.
Regierungsrat Ernst Stocker an der Bundesfeier-Rede in Pfungen am Vorabend des 1. August.

20. Juli 2018
Regierungsrat Ernst Stocker spricht an einem langen Tisch unter Sonnenschirmen.
Nach dem traditionellen Sommerspaziergang des Finanzdirektors mit Medienleuten bei einer Präsentation zum Cash-Management der Finanzdirektion im Garten der «Krone» in Dietikon.

 Wädenswil, 16. Juli 2018
Regierungsrat Ernst Stocker mit einem Gewehr im Schiessstand.
Beim traditionellen Ratsherren-Schiessen in Wädenswil. Quelle: Manuela Matt, Zürichsee-Zeitung

Zürich, 16. Juli 2018
Regierungsrat spricht vor Gästen an einem runden Tisch.
Grusswort beim Empfang des neuen Oberbürgermeisters der chinesischen Stadt Chongqing, Tang Liangzhi, und seiner Delegation im Haus zum Rechberg in Zürich.

13. Juli 2018
Regierungsrat Ernst Stocker mit anderen Personen auf einer Bergstrasse.
Zu Besuch im bündnerischen Safiental, wo eine Vertretung der Ortsbehörden erläutert, wie der Zürcher Inlandhilfe-Lotteriefondsbeitrag aus dem Jahr 2017 von 318'000 Franken für den Ausbau einer Erschliessungsstrasse verwendet worden ist.

Zürich, 12. Juli 2018
Regierungsrat Ernst Stocker am Rednerpult.
Bei Lobesworten im Konzertsaal des Toni-Areals in Zürich für die Lernenden der Kantonalen Verwaltung, die ihre KV- und IKT-Ausbildung erfolgreich abgeschlossen haben.

4. Juli 2018
Die Regierungsräte Ernst Stocker und Markus Kägi mit Soldaten.
Augenschein und Selbstversuch unter Hilfe von Regierungsrat Markus Kägi im Rahmen eines Truppenbesuchs des Regierungsrates beim Zürcher Gebirgsschützenbataillons 6 in seinem Wiederholungskurs auf dem Schiessplatz Cholloch-Ricken.

Dietikon, 23. Juni 2018
Regierungsrat Ernst Stocker am Rednerpult. flankiert von zwei Ehrendamen.
Regierungsrat Ernst Stocker als Vertreter des Zürcher Regierungsrates beim offiziellen Tag des Kantonalschützenfestes in Dietikon.

2017/18

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2016/17

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29. März 2017
Fünf Menschen unter einem Standzelt.
Besuch der Pfahlbauer-Ausstellung auf dem Sechseläuternplatz in Zürich, zusammen mit den Regierungsräten Markus Kägi und Mario Fehr sowie Staatsschreiber Beat Husi (von links).

26. Januar 2017
Finanzdirektor Ernst Stocker mit Kolleginnen und Kollegen an einem Tisch.
Medienkonferenz mit acht Finanzdirektorinnen und Finanzdirektoren zur Bedeutung der USR III für die Kantone. Auf dem Bild (von links): Benedikt Würth (SG), Eva Herzog (BS), Barbara Janom Steiner (GR), Ernst Stocker (ZH) und Rosmarie Widmer Gysel (SH).
Gruppenbild mit drei Damen und vier Herren.
Gruppenbild zur Medienkonferenz.

2. Januar 2017
Ernst Stocker im Fernsehstudio.
Interview bei Tele Z zur Referendumsvorlage über die Unternehmenssteuerreform III des Bundes vom 12. Februar 2017.

Zürich, 27. Oktober 2016
Regierungsrat Ernst Stocker am Rednermikrofon.
Als Redner beim Gewerbekongress des Kantonalen Gewerbeverbandes in Pfäffikon.

18. Juli 2016
Ernst Stocker mit Gehörschutz im Schiessstand.
Beim Ratsherrenschiessen im Zürcher Unterland. Quelle: Zürcher Unterländer

Zürich, 14. Juli 2016
Regierungsrat Ernst Stocker am Rednerpult.
Abschlussfeier für die KV-Lernenenden der kantonalen Verwaltung in der Hotelfachschule Belvoirpark in Zürich.

2015/16

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Zürich, 5. Februar 2016
Regierungspräsident am Rednerpult vor einem roten Hintergrund.
Regierungspräsident Ernst Stocker beim Amtsantritt und Empfang von Gao Yanping, Generalkonsulin der Volksrepublik China in Zürich.

Zürich, 29. Januar 2016
Ernst Stocker zwischen zwei Springpferden mit Reitern.
Siegerehrung beim CSI Zürich im Hallenstadion, mit Gregory Wathelet (links) auf Citizenguard Taalex.

Brüssel, 25. Januar 2016
Ernst Stocker mit einem deutschen Amtskollegen.
Präsentation der Internationalen Bodensee-Konferenz in Brüssel, zusammen mit Winfried Kretschmann (Ministerpräsident Baden-Württemberg).

Rüschlikon, 14. Januar 2016
Ernst Stocker mit einem Mann an einem Stehtisch.
Regierungspräsident Ernst Stocker beim Besuch des Regierungsrates des Kantons Nidwalden zusammen mit Landesstatthalter Ueli Amstad im Gottlieb-Duttweiler-Institut in Rüschlikon.

Zürich, 17. Dezember 2015
Regierungsrat Ernst Stocker vor einem Gemälde.
Im Gebäude der Finanzdirektion vor einem Gemälde von Simone Monstein. Quelle: Thierry Haecky

Niederglatt, Regensdorf und Weiningen, 1. August 2015

30. Juli 2015
Regierungsrat Ernst Stocker auf einem Spaziergang mit Medienleuten.
Regierungsrat Ernst Stocker beim traditionellen Sommerspaziergang für Medienleute in Horgen.

21. Juni 2015
Zwei Regierungsräte mit Standesweibel am Umzug.
Regierungspräsident Ernst Stocker mit Standesweibel Peter Sturzenegger und Regierungsrat Markus Kägi bei der 700-Jahr-Feier der Schlacht am Morgarten.

Zürich, 27. Mai 2015
Regierungsrat Ernst Stocker am Rednerpult.
Ansprache am Gästeanlass zum 25-Jahr-Jubiläum des Zürcher Verkehrsverbundes (ZVV) und der Zürcher S-Bahn im Hauptbahnhof Zürich.

Herzlich Willkommen im Herz des öffentlichen Verkehrs im Kanton Zürich. Im Zürcher Hauptbahnhof.


Sehr geehrter Herr alt Bundesrat Adolf Ogi
Geschätzte Damen und Herren Nationalräte
Werte Damen und Herren Regierungsräte des Kantons Zürich und der angrenzenden Kantone
Geschätzte Kantonsrätinnen und Kantonsräte, Stadt- sowie Gemeindepräsidentinnen und Gemeindepräsidenten
Werte Gäste aus den Verwaltungen von Bund, Kanton und Stadt Zürich
Geehrte Vertreterinnen und Vertreter des Verwaltungsrats und der Konzernleitung der SBB
Geschätzte Gäste der Verkehrsunternehmen im ZVV
Werte Gäste

Ich habe es heute schon in vielen Interviews gesagt: Ich freue mich!

Ich freue mich, dass wir Herrn alt Bundesrat Adolf Ogi bei uns haben dürfen. Er war bei der Eröffnung vor 25 Jahren der Götti des ZVV und der Zürcher S-Bahn. Und es ist schön, dass wir nicht nur die Gründung, sondern auch das Jubiläum zusammen mit der SBB feiern können. Weil das spricht für die gute Zusammenarbeit zwischen ZVV und SBB. Danke!

Ich freue mich, dass wir nach 25 Jahren zurückblicken und sagen können: wir haben etwas sehr Gutes und Sinnvolles gemacht. Das ist nicht überheblich gemeint. Die nackten Zahlen sprechen eine klare Sprache. Die Zürcher S-Bahn befördert heute fast dreimal mehr Menschen als vor 25 Jahren. Alle Verkehrsunternehmen zusammen transportieren 620 Millionen Fahrgäste pro Jahr. Das ist ein Kompliment an alle Mitarbeitenden. Stellen Sie sich vor, wie die Situation auf unsere Strassen aussehen würde, wenn wir nicht so ein leistungsfähiges öffentliches Verkehrsnetz im Kanton Zürich hätten.

Ich freue mich darüber, dass die Zürcherinnen und Zürcher die Vorteile des ZVV sehen: Der öffentliche Verkehr ermöglicht sichere und umweltfreundliche Mobilität im ganzen Kanton für alle. Die Stimmbevölkerung hat sich darum in vielen Abstimmungen hinter den ZVV gestellt, und zwar nicht nur dort, wo sie selber profitieren. Zum Beispiel haben im letzten November alle Bezirke dem Kredit für die Tramverbindung Hardbrücke in Zürich zugestimmt. Das zeigt, dass der ZVV den Kanton verbindet. Nicht nur wörtlich, sondern auch im übertragenen Sinn. Ich hoffe, wir tragen dieser Errungenschaft auch in Zukunft Sorge.

Ich freue mich über die vielen Gemeindepräsidentinnen und – Präsidenten im Publikum. Die Gemeinden spielen eine sehr wichtige Rolle im ZVV. Als Financiers, aber auch im Rahmen des Fahrplanverfahrens. Uns steht in diesem Dezember der grösste Fahrplanwechsel in der Geschichte des ZVV bevor. Es wird zu erheblichen Veränderungen kommen, die für den einzelnen nicht immer nur gut sind. Das lässt sich in einem so komplexen Netz mit vielen Abhängigkeiten von S-Bahn, Fernverkehr, Güterverkehr sowie Tram und Bus nicht vermeiden. Sie können sicher sein, dass man versucht, das Optimum für alle herauszuholen. Aber das Geld fliesst leider auch im Kanton Zürich nicht unbegrenzt. Als neuer Finanzdirektor ist mir das nur allzu bewusst.

Es freut mich auch zu sehen, dass sich der Mut der Politik und der Bevölkerung vor 25 Jahren ausbezahlt hat. Der Kanton Zürich hat mit der S-Bahn und dem ZVV etwas Neues und Einzigartiges gewagt. Der öffentliche Verkehr kann dank dem ZVV aus einer Hand geplant, entwickelt und finanziert werden. Das war ein Grundstein für die dynamische Entwicklung, wie sie sonst in der Schweiz nirgends stattfand. Der ZVV ist auch national ein Begriff geworden. Er arbeitet aktiv an der Zukunft des öffentlichen Verkehrs in der Schweiz mit und bringt sich in diversen Gremien der Branche ein. Diese Vernetzung ist wichtig und die Zusammenarbeit vor allem mit dem Bund wird immer vielfältiger. Insofern freut es mich auch sehr, die Gäste des Bundes und auch des Verbandes öffentlicher Verkehr VöV am Geburtstagsfest des ZVV zu begrüssen.

Ich bin stolz sagen zu können, dass der ZVV und seine Partner dazu beitragen, dass die Lebensqualität in unserem Kanton so hoch ist und dass der Wirtschaftsmotor Zürich brummt. Dafür danke ich allen Beteiligten herzlich. Wir müssen aber auch am Ball bleiben. Im täglichen Betrieb, und bei der Planung von künftigen Ausbauten, sei es auf dem Schienennetz der S-Bahn, oder mit Projekten wie der Limmattalbahn.

Ich freue mich auch, dass ich die Verantwortung für den ZVV nun in die kompetenten Hände meiner Nachfolgerin im Verkehrsrat und in der Volkswirtschaftsdirektion, Frau Carmen Walker Späh, legen kann. Im Wissen, dass die Zukunft gut aufgegleist ist. Mir bleibt nur noch, Ihnen und allen Zürcherinnen und Zürchern zu den ersten 25 Jahren ihres ZVV und der Zürcher S-Bahn zu gratulieren.

Ich wünsche beiden Jubilaren und den Mitarbeitenden alles Gute für die Zukunft. Und nun übernimmt Regierungsrätin Carmen Walker Späh das Steuer und das Mikrofon.

Zürich, 18. Mai 2015
Regierungsrat Ernst Stocker mit einem Blumenstrauss.
Ernst Stocker nach der Konstituierung und Wahl zum Regierungspräsidenten 2015/16 im Rathaus.
Regierungsrat Ernst Stocker beim Interview mit Medien.
Medieninterviews nach der Konstituierung und der Wahl zum Regierungspräsidenten 2015/16 im Zürcher Rathaus.

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