Die Förderung der psychischen Gesundheit ist in allen Lebensbereichen wichtig. In der Schule spielt sie eine besonders grosse Rolle, weil Kinder und Jugendliche dort einen Grossteil ihrer Zeit verbringen. Eine stabile psychische Gesundheit ist entscheidend für den Lernerfolg von Kindern und Jugendlichen.
Allgemeine Informationen
Die meisten Schülerinnen und Schüler sind psychisch gesund. 10 bis 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen zeigen Anzeichen von psychischen Auffälligkeiten.
Auf dieser Seite finden Lehrpersonen und Schulbehörden
- Wissenswertes über psychische Gesundheit und Erkrankungen, um Vorurteile und Berührungsängste abzubauen,
- Hinweise, wie sie mitwirken können, psychische Auffälligkeiten zu erkennen und entsprechende Massnahmen zu treffen.
Lehrpersonen können psychische Auffälligkeiten im Schulalltag am ehesten beobachten. Sie sind deshalb Schlüsselpersonen in der Früherkennung psychischer Krankheiten. Dabei ist die eigene Gesundheit der Lehrpersonen ebenso wichtig, nur dann können sie Ruhe und Sicherheit ausstrahlen.
Lehrpersonen sollen und können jedoch keine therapeutischen Aufgaben übernehmen. Dafür gibt es Fachleute, die Diagnosen erstellen und Therapien festlegen.
Merkmale psychischer Gesundheit
Psychisch gesunde Kinder und Jugendliche können sich altersentsprechend neuen Situationen mit Zuversicht stellen, ihre Pläne umsetzen, Herausforderungen annehmen und ihr Können zeigen. Trotz unterschiedlicher Charaktere gilt für Sie mehrheitlich: Sie
- fühlen sich wohl und zugehörig.
- sind optimistisch und geniessen das Leben.
- haben ein gutes Selbstwertgefühl und Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten.
- haben gute soziale Kontakte und begegnen sich selbst und anderen Menschen freundlich und mit Wohlwollen
- haben das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun.
- bewältigen den Alltag, können mit Wut und Stress umgehen sowie Enttäuschungen überwinden.
- wissen, wer sie sind.
- gehen gerne zur Schule.
Psychisch gesund zu sein bedeutet aber nicht, dass man sich immer gut fühlt. Es ist normal, mal schlechte Tage zu haben, wütend zu werden, sich zu streiten oder traurig zu sein.
Eine stabile psychische Gesundheit ist entscheidend für den Lernerfolg von Kindern und Jugendlichen. Sie können
- sich besser auf das konzentrieren, was im Unterricht wichtig ist.
- die Erwartungen an ihre Leistungen besser verstehen und umsetzen.
- mit Lehrpersonen gut sprechen und sich verständigen.
- besser mit den anderen Kindern in ihrer Schulklasse umgehen.
Dadurch können sie produktiv am Unterricht und am sozialen Leben teilnehmen und problematische Entwicklungen können verhindert werden. Psychische Gesundheit ist kein fester Zustand. Sie verändert sich immer wieder.
Psychische Gesundheit fördern
Die Schule hat verschiedene Möglichkeiten, die psychische Gesundheit der Schülerinnen und Schüler zu fördern:
- Die Schule legt in ihrem Schulprogramm fest, wie wichtig die psychische Gesundheit der Schülerinnen und Schüler ist und wie man sie fördern kann.
- Alle, die an der Schule arbeiten, sorgen gemeinsam dafür, dass das Klima in der Schule von gegenseitigem Respekt geprägt ist. Dies fördert das Zugehörigkeitsgefühl der Schülerinnen und Schüler, baut ihre Ängste ab und weckt ihre Stärken und Talente.
- Im Schulalltag sollen Schülerinnen und Schüler ihre sozialen und persönlichen Fähigkeiten verbessern können. Verlässliche Beziehungen zu Lehrpersonen unterstützen die Schülerinnen und Schüler beim Lernen.
- Die Gesundheit der Mitarbeitenden, besonders der Lehrpersonen, ist schützenswert. Die Schule kann Weiterbildungen, Coachings, Gespräche oder andere wirksame Unterstützung anbieten.
- Die Schule fördert den Austausch und die Zusammenarbeit von Lehrpersonen, Schulsozialarbeitenden, Eltern, Schulpsychologinnen und Schulpsychologen sowie anderen Fachpersonen.
- Die Schule definiert und kennt ihre Möglichkeiten und Grenzen, psychischen Krankheiten vorzubeugen und sie zu begleiten.
- Die Schulkultur setzt sich gegen Vorurteile ein. Sie fördert die Akzeptanz von psychischen Krankheiten.
Vorbeugen von psychischen Erkrankungen
Die verantwortlichen Personen in der Schule können mit verschiedenen Massnahmen vorbeugend wirken:
- Psychische Gesundheit im Team und im Unterricht thematisieren.
- Körperliche Bewegung in den Schulalltag einbauen: Programme, die Bewegung fördern, können sowohl körperlich als auch geistig und emotional ausgleichend wirken.
- Schutzfaktoren fördern wie z.B. soziale Einbindung, Tagesstruktur, Teilnahme am Unterricht nach Möglichkeit.
- Gespräch mit Eltern anregen und Informationen über Hilfsangebote geben.
Psychische Erkrankungen
Psychische Störungen zeigen sich oft durch bestimmte Anzeichen oder Verhaltensweisen. Die Anzeichen oder Verhaltensweisen der verschiedenen psychischen Erkrankungen sind oft ähnlich.
Nur Fachpersonen können mit sorgfältiger Abklärung eine Diagnose stellen. Lehrpersonen und andere Personen in der Schule können unterstützen, indem sie Hinweise auf auffälliges Verhalten bei Schülern und Schülerinnen frühzeitig mit Fachpersonen und/oder Eltern thematisieren.
Man unterscheidet zwischen so genannten externalisierenden und internalisierenden Störungen sowie Mischformen. Bei externalisierenden Störungen verhalten sich Kinder oder Jugendliche sichtbar auffällig, indem sie Regeln oder Normen brechen. Sie sind zum Beispiel aggressiv, laut oder machen verbotene Dinge.
Bei internalisierenden Störungen fühlen sich Kinder oder Jugendliche unwohl oder gestresst. Sie ziehen sich oft zurück und zeigen ihre Probleme nicht nach aussen. Sie können sehr schüchtern oder ängstlich sein. Schülerinnen und Schüler mit internalisierenden Störungen wirken oft angepasst, weil sie im Unterricht ruhig und unauffällig sind. Für Lehrpersonen ist es deshalb schwieriger zu bemerken, dass diese Kinder und Jugendlichen innerlich leiden und professionelle Hilfe bräuchten.
Wegen ihres Verhaltens können erkrankte Schülerinnen oder Schüler oft nicht oder nur eingeschränkt am Unterricht und am sozialen Leben in der Schule und ausserhalb der Schule teilnehmen.
Beobachten von psychischen Auffälligkeiten
Lehrpersonen und Fachpersonen in der Schule können auffälliges Verhalten bei Kindern früh erkennen. Sie sollen wissen, wie sie angemessen handeln können. Sie sind sich auch bewusst, wo ihre Verantwortung endet, und es weitere Fachpersonen braucht.
Die folgenden Verhaltensauffälligkeiten können auf ein mögliches psychisches Problem hindeuten, sofern sie mindestens zwei Wochen andauern:
- Das Kind ist oft krank.
- Das Kind wirkt plötzlich traurig, niedergeschlagen, ängstlich oder misstrauisch.
- Das Kind reagiert plötzlich schnell gereizt. Es kann keine Kritik mehr annehmen, rennt sofort aus dem Klassenzimmer oder wird frech.
- Das Kind zieht sich zurück und will möglichst unsichtbar sein.
- Das Kind macht nicht mehr mit im Unterricht und befolgt Anweisungen nicht mehr.
- Das Kind ist aggressiver und streitet öfter mit anderen Kindern.
- Das Kind hat Angst, in die Schule zu gehen, hat Albträume und kann schlecht schlafen. Jüngere Kinder können sich wieder einnässen.
- Das Kind hat innert kurzer Zeit stark zugenommen oder abgenommen.
Beobachten Lehrpersonen und Fachpersonen in der Schule solch verändertes, auffälliges Verhalten oder einen Leistungsabfall, sprechen sie am besten mit ihren Kolleginnen und Kollegen. So können sie herausfinden, ob auch andere Personen solche Veränderungen beim Kind bemerkt haben.
Es ist hilfreich, das Verhalten des Kindes weiter zu beobachten und aufzuschreiben. Die Schulsozialarbeit (SSA) und die Schulpsychologischen Dienste (SPD) beraten Betroffene und Lehrpersonen, (eventuell unterstützen bei Elterngesprächen) und vermitteln an geeignete Fachleute, wenn nötig.
Begleitung bei diagnostizierter psychischer Erkrankung
Hat ein Schüler oder eine Schülerin eine psychische Krankheit, bespricht sich die Schule mit den Eltern und Fachleuten. Sie klären, wie und wie lange das Kind am Unterricht teilnehmen kann. Dabei wird auf die Leistungsfähigkeit des Kindes geachtet.
Im Unterricht gibt es Unterstützung für Schülerinnen und Schüler mit besonderen Bedürfnissen. Dazu gehört auch die Unterstützung bei psychisch diagnostizierten Erkrankungen, zum Beispiel weniger Arbeitsaufgaben oder Unterstützung bei Prüfungen. Es gibt auch strukturierte Tagespläne.
Begleitende Massnahmen:
- Vorfälle dokumentieren und dabei Vertraulichkeit beachten.
- Sich mit dem schulischen Krisenteam austauschen.
- Regelmässig Kontakt zur betroffenen Person pflegen.
- Regelmässige Gespräche anbieten als unterstützende Begleitung und in Ergänzung zu einer Therapie, z.B. mit Schulsozialarbeit.
- Stigmatisierung vermeiden und ein offenes, wertschätzendes Klima fördern.
- Zusammenarbeit mit externen Fachstellen sicherstellen.
Bei Personen mit psychischen Erkrankungen kann es zu akuten Situationen mit Fremd- und Selbstgefährdung kommen.
In Notfällen und/oder bei konkreter Gefahr ziehen Schulen immer Blaulicht-Organisationen bei:
Polizei 117
Feuerwehr 118
Rettungsdienst 144
Der Sicherheitsordner für Schulen beinhaltet verschiedene nützliche Checklisten:
- «Medizinischer Notfall»
- «Äusserung Suizidgedanken»
- «Suizidversuch»
- «Suizid»
- «Unfall»
- «Bedrohung»
- «Gewaltvorfall»
Im Folgenden finden sie Hinweise zu häufigen psychischen Erkrankungen im Schulalter:
- Was die Krankheit ist
- Wie sich die Krankheit zeigen kann
- Was die Schule tun kann
Nur Fachpersonen können mit sorgfältiger Abklärung eine Diagnose stellen. Lehrpersonen und andere Personen in der Schule können unterstützen, indem sie Hinweise auf auffälliges Verhalten bei Schülern und Schülerinnen frühzeitig mit Fachpersonen und/oder Eltern thematisieren.
Verwenden Sie die Akkordeon-Bedienelemente, um die Sichtbarkeit der jeweiligen Panels (unterhalb der Bedienelemente) umzuschalten.
Etwa 10 bis 20 Prozent aller Kinder und Jugendlichen bekommen im Laufe ihres Lebens eine Angststörung. Die Angststörung beginnt meistens schon im Kindesalter, vor dem zwölften Lebensjahr. Oft kommt sie vor Depressionen oder Suchtproblemen. Mädchen bekommen Angststörungen häufiger als Jungen. Wenn man die Angststörung nicht behandelt, ist das Risiko grösser, dass die Angst langfristig bleibt. Es kann auch sein, dass sich noch andere Probleme wie Depressionen, Schulverweigerung oder Suchtprobleme dazu entwickeln.
Angststörungen sind sehr häufig bei Kindern und Jugendlichen und man unterscheidet verschiedene Formen:
- Generalisierte Angststörung
- Soziale Angststörung
- Trennungsangststörung
- Spezifische Phobien
- Panikstörung
Es gibt auch «normale» Ängste, die bei Kindern und Jugendlichen vorkommen. Beispiele dafür sind die Angst vor der Dunkelheit oder die Angst vor Trennung im Vorschulalter. Diese Ängste gehören zur normalen Entwicklung. Angst wird dann ein Problem, wenn sie lange bleibt, sehr stark ist und das tägliche Leben beeinträchtigt oder in der Schule störend wirkt.
Anzeichen
Lehrpersonen können unterschiedliche Anzeichen erkennen, die auf Angststörungen hinweisen:
- Körperliche Anzeichen: Bauchschmerzen oder Kopfschmerzen, besonders vor Prüfungen. Betroffene berichten über Schwindel oder Herzklopfen. Sie gehen oft zum Arzt, aber der Arzt findet meistens nichts Besonderes.
- Soziale Anzeichen: Betroffene meiden oft Vorträge, Sport oder Gruppenarbeit. Sie fühlen sich isoliert. Sie haben Schwierigkeiten, vor der Klasse zu sprechen oder in Gruppen zu arbeiten.
- Emotionale Anzeichen: Manche fühlen sich sehr sorgenvoll, sind sehr nervös, schüchtern oder reizbar.
- Verändertes Verhalten: Betroffene ziehen sich plötzlich zurück und sind oft allein in der Pause. Sie vermeiden bestimmte Situationen. Zum Beispiel gehen sie nicht zur Schule, melden sich nicht im Unterricht.
- Veränderungen in den Schulleistungen: Betroffenen haben Probleme, sich zu konzentrieren. Sie haben Angst vor Prüfungen oder ihre Leistungen werden schlechter. Sie haben plötzlich schlechtere Noten, obwohl es keinen offensichtlichen Grund dafür gibt.
Kinder und Jugendliche mit Angststörungen haben oft Schwierigkeiten, regelmässig zur Schule zu gehen oder die Schule abzuschliessen.
Bei einer sozialen Angststörung fällt es der Person schwer, vor der Klasse etwas vorzustellen oder an Gruppenarbeiten teilzunehmen. Diese Person nimmt oft weniger am Unterricht teil. Wer unter Trennungsangst leidet, fehlt häufiger in der Schule. Es kann auch zu Streit mit Eltern und Lehrpersonen kommen.
Bei einer generalisierten Angststörung sorgt sich die Person ständig um Noten, Beziehungen und Sicherheit. Angst ist oft mit einem niedrigen Selbstwertgefühl verbunden. Das bedeutet, dass Menschen mit Angst weniger an sich selbst glauben. Langfristig kann das dazu führen, dass sie schlechter in der Schule abschneiden.
Allgemeine Massnahmen in der Schule
In folgenden Bereichen können Lehrpersonen die Kinder und Jugendlichen unterstützen:
- Sie nehmen die Ängste von Schülerinnen und Schülern ernst.
- Lehrpersonen gehen soweit möglich auf die individuellen Bedürfnisse ein, z.B. um die Angst beim Vortragen abzubauen, üben Schülerinnen und Schüler schrittweise das Vortragen.
- Bei Prüfungen ist eine ruhige Atmosphäre wichtig. Bei Schülerinnen und Schüler mit besonderen Bedürfnissen ist ein Nachteilsausgleich zu prüfen.
- Bei Krisen wie Schulverweigerung oder Panikattacken hat die Schule klare Abläufe, wie sie weiter vorgehen kann.
Lehrpersonen erkennen bei einer ersten Einschätzung folgende Warnsignale:
- Akute Angst- oder Panikattacke: Herzrasen, Atemnot, Schwindel, Zittern, Todesangst
- Längere Angstproblematik: Rückzug, Prüfungsangst, Schulvermeidung
- Selbst- oder Fremdgefährdung: Suizidgedanken, Verzweiflung
Typische Anzeichen einer akuten Angstkrise oder Panikattacke:
- Herzrasen, Atemnot, Schwindel, Zittern, Schweissausbruch
- Gefühl «zu sterben» oder «verrückt zu werden»
- Unruhe, Fluchtverhalten oder völlige Starre («Freeze»)
Die Lehrperson prüft, ob sie körperliche Ursache ausschliessen kann wie z.B. Kreislaufprobleme.
Massnahmen in der Schule bei einer akuten Angst-/Panikattacke
- Ruhe bewahren und Sicherheit vermitteln
- Schülerin oder Schüler nicht allein lassen, eine erwachsene Person ist stets bei der betroffenen Schülerin oder dem betroffenen Schüler.
- Ruhig sprechen
- Atmung regulieren: anleiten für langsames Ein – und Ausatmen, allenfalls gemeinsam zählen, z.B. auf vier für das Einatmen, auf sechs beim Ausatmen
- Reizreduktion: ruhige Umgebung, keine Zuschauer
- Attacke dauert meist 10 bis 30 Minuten Das Ziel ist es, diese Zeit durchzustehen und die Person zu stabilisieren.
Bei einer Bipolaren Störung schwankt die Stimmung extrem zwischen zwei Polen. Betroffene sind in der manischen Episode sehr gut gelaunt und energiegeladen. In der depressiven Episode sind sie sehr traurig oder niedergeschlagen und antriebslos. Etwa ein bis zwei Prozent der Jugendlichen bekommen eine bipolare Störung. Bis zu fünf Prozent der Jugendlichen haben Symptome, die nicht so stark sind. Viele erkranken daran in der Jugendzeit, also zwischen 15 und 19 Jahren. Wenn die Krankheit früh beginnt, ist sie oft schwerer.
Man kann die Krankheit nicht an einem einzigen Symptom erkennen. Die Anzeichen sehen oft ähnlich aus wie bei ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung), Depression oder anderen Störungen im Sozialverhalten. Ärztinnen und Ärzte erstellen die Diagnose, indem sie ausführliche Gespräche führen, die Lebensgeschichte und Stimmungsepisoden analysieren und andere Ursachen ausschliessen.
Anzeichen
Die Anzeichen einer bipolaren Störung zeigen sich in verschiedenen Episoden: Manische Episode, Depressive Episode und Mischzustände.
- Manische Episoden: sehr starke Stimmungsschwankungen, hohe Aktivität, leichte Ablenkung. Erkrankte reden viel und haben oft unrealistische Ziele. Wenig konzentrationsfähig, streitbereit, impulsiv
- Depressive Episoden: Niedergeschlagen, energielos, Rückzug, Konzentrationsprobleme, Mühe sich etwas zu merken, Leistungsabfall, häufiges Fehlen in der Schule
- Mischzustände: Anzeichen von Manie und Depression, wie Gereiztheit, Schlafprobleme, Anspannung
Kinder und Jugendlichen zeigen in der Schule:
- Unterbrechungen im Lernen und instabile Schulleistungen
- Schwierigkeiten in der Interaktion mit Lehrpersonen und Mitschülerinnen und Mitschülern
- Mühe Freundschaften zu schliessen
- Häufige Streitbereitschaft und Stigmatisierung
- Vermehrtes Fehlen in der Schule oder Schulabbruch
Begleiterkrankungen wie ADHS, Angststörungen oder Substanzmissbrauch verstärken die Probleme in der Schule.
Allgemeine Massnahmen in der Schule
Es gibt verschiedene Möglichkeiten wie die Schule Betroffene und ihre Familien unterstützen kann.
- Betroffene nehmen oft Medikamente wie Stimmungsstabilisierer oder atypische Antipsychotika ein. Die Schule ist sich der Nebenwirkungen dieser Medikamente bewusst. Dazu gehören zum Beispiel Müdigkeit, Gewichtszunahme oder Konzentrationsprobleme.
- Betroffene sind oft in Psychotherapie. Sie erfahren mehr über ihre Krankheit (Psychoedukation), arbeiten an ihren Gedanken und an ihrem Verhalten (kognitive Verhaltenstherapie) und mit der Familie (familienfokussierte Therapie). Zum Beispiel kann die Krankheit im Unterricht thematisiert werden.
- Die Schule ist ein wichtiger Bestandteil der gesamten medizinischen Behandlung, es ist wichtig, sie einzubeziehen.
Notfall bei einer bipolaren Störung
Eine Notfallsituation bei einer bipolaren Störung tritt dann auf, wenn die erkrankte Person in einer akuten manischen oder depressiven Episode ist, die zu Eigen- oder Fremdgefährdung führt. Dazu gehören akute Suizidalität, Psychosen und gefährliche Verhaltensweisen.
Depressive Anzeichen und depressive Krankheiten kommen bei gut einem Viertel der Kinder und Jugendlichen vor. Seit der Coronapandemie ist die Anzahl gestiegen. Depressive Kinder und Jugendliche brechen die Schule eher ab. Wenn die Krankheit andauert, sind sie gefährdet, sich selbst zu verletzen oder sich sogar das Leben nehmen zu wollen.
Anzeichen
Depressive Kinder können ihre Stimmung nicht immer gut in Worte fassen. Typische Symptome bei Kindern und Jugendlichen sind:
- Sie sind häufig traurig und gereizt.
- Sie haben das Interesse und die Freude an Dingen verloren, die früher Spass gemacht haben.
- Sie sind oft (sehr) müde.
- Sie haben Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren oder Entscheidungen zu treffen.
- Sie schlafen nicht gut und der Appetit hat sich verändert.
- Sie zweifeln an sich selbst und fühlen sich wertlos.
Speziell in der Schule:
- fällt ihre Leistung ab.
- haben sie Probleme, sich im Unterricht zu konzentrieren.
- fehlen sie öfters.
- haben sie wenig Kontakt zu anderen, sie isolieren sich sozial.
- streiten sie öfters mit Mitschülerinnen und Mitschülern oder mit Lehrpersonen.
Essstörungen beginnen oft in der Jugendzeit. Menschen mit Essstörungen können sterben, entweder durch medizinische Probleme, Selbstverletzungen bis hin zum Selbstmord.
Es gibt verschiedene Formen von Essstörungen bei Jugendlichen:
- Anorexia nervosa: Betroffene essen sehr wenig, sind untergewichtig, haben oft ein falsches Bild von ihrem Körper und streben nach Perfektion.
- Bulimia nervosa: Betroffene essen in kurzer Zeit sehr viel und versuchen danach, das Essen durch Erbrechen, Abführmittel oder mit sehr viel Sport wieder loszuwerden.
- Binge-Eating-Störung: Betroffene essen wiederholt in kurzer Zeit sehr viel.
- Atypische Essstörungen: Betroffene zeigen Symptome, die nicht alle Kriterien für eine typische Essstörung erfüllen. Ihr Essverhalten ist für sie belastend.
Anzeichen
Nicht genug oder nicht richtig zu essen, beeinträchtigt Denken und Lernen. Die Lehrpersonen können Hinweise erkennen, wie z.B.:
- Plötzlicher Gewichtsverlust oder starke Gewichtsschwankungen
- Ausreden beim Essen, Vermeidung von Mahlzeiten in der Schule
- Übermässiger Sport oder Unruhe
- Konzentrationsprobleme, Müdigkeit, Leistungseinbrüche
- Sozialer Rückzug, Gereiztheit, auffällige Kleidung wie z. B. weite Kleidung, um den Körper zu verbergen
Schüler und Schülerinnen, die wenig essen, fühlen sich oft allein und haben Probleme mit anderen Schulkollegen oder sind gefährdet, sich selbst zu verletzten.
Allgemeine Massnahmen in der Schule
Die Schule fördert die Vielfalt und Körperakzeptanz, die so genannte «Body Positivity». Die Schule geht gegen Mobbing vor. Sie prüft mögliche Anpassungen im Schulalltag, wie z.B. eine Rückzugsmöglichkeit. Die Schule vereinbart mit der betroffenen Schülerin oder dem betroffenen Schüler, dass sie/er sich meldet, wenn es ihr/ihm schlechter geht.
Lehrpersonen erkennen einige Krisensymptome wie:
- Ohnmacht, Kreislaufkollaps, starke Schwäche
- Auffälliges Essverhalten oder Erbrechen in der Schule
- Extreme Gewichtsabnahme oder Untergewicht, deutlich reduzierte Leistungsfähigkeit
- Verweigerung von Mahlzeiten, Rückzug, Gereiztheit
- Gefährdung einschätzen: akute medizinische Gefahr? Suizidgedanken?
Betroffene mit einer diagnostizierten Essstörung müssen häufig zum Arzt oder ins Krankenhaus. Deshalb fehlen sie öfters in der Schule.
Notfall bei einer Essstörung
Eine Notfallsituation bei einer Essstörung tritt dann auf, wenn die erkrankte akute körperliche Probleme oder eine psychische Krise hat. Die Lehrperson macht eine erste Einschätzung.
Weniger als ein Prozent der Jugendlichen und jungen Erwachsenen haben Schizophrenie oder eine anhaltende psychotische Störung. Psychosen sind Krankheiten des Geistes. Menschen mit Psychosen verlieren oft den Kontakt zur Realität. Sie haben zum Beispiel Wahnvorstellungen, hören oder sehen Dinge, die es nicht gibt, oder denken sehr unübersichtlich.
Bei Kindern und Jugendlichen gibt es verschiedene Ausprägungen von Psychosen:
- Schizophrenie: die Krankheit beginnt früh und vor dem 18. Lebensjahr, sehr selten auch schon vor dem 13. Lebensjahr.
- Affektive Psychose: diese Störung beeinflusst die Gefühle sehr stark. Dazu gehört die bipolare Störung mit psychotischen Symptomen und die psychotische Depression.
- Kurze oder akute psychotische Episoden: durch Stress oder den Konsum von Drogen ausgelöst Episode
Kinder und Jugendliche mit Psychosen fehlen oft häufiger in der Schule. Sie haben ein grosses Risiko, die Schule abzubrechen oder die Berufsausbildung nicht abzuschliessen.
Anzeichen
Vor den psychotischen Anfällen gibt es meist eine Vorläuferphase. Schulen sind oft die ersten Orte, an denen man Veränderungen bei Kindern und Jugendlichen in dieser Phase sieht.
Frühsymptome in der Vorläuferphase sind:
- Schülerinnen und Schüler ziehen sich sozial zurück.
- Schülerinnen und Schüler leisten weniger als sonst.
- Schülerinnen und Schüler können sich schlechter konzentrieren.
- Schülerinnen und Schüler fühlen sich emotional weniger stark.
- Schülerinnen und Schüler denken oder sprechen auffällig.
Akute Symptome können sein:
- Positivsymptome: Schüler und Schülerinnen haben Halluzinationen, sie hören Stimmen oder haben Wahnideen, sie glauben sie werden verfolgt und sie verhalten sich seltsam.
- Negativsymptome: Schüler und Schülerinnen sind antriebslos, reden weniger und sie ziehen sich sozial zurück.
- Kognitive Symptome: Schüler und Schülerinnen sind weniger aufmerksam und haben Gedächtnisprobleme.
Allgemeine Massnahmen in der Schule
Lehrpersonen erkennen bei einer ersten Einschätzung folgende Warnsignale:
- Wahrnehmungsstörungen: Stimmen hören, Dinge sehen, die andere nicht wahrnehmen
- Verfolgungs- und Grössenwahn
- Verwirrtheit, Desorientierung
- Starker Rückzug oder auffälliges Verhalten wie Selbstgespräche, Misstrauen, Aggressivität
Notfall bei einer Psychose
In einer Krise steigt das Risiko für Suizid bei Menschen mit Psychosen. Lehrpersonen prüfen, ob eine akute Selbst- oder Fremdgefährdung besteht.
Kindern und Jugendlichen mit Substanzkonsumstörungen nehmen schädliche Mengen an Drogen ein. Das können erlaubte Substanzen sein wie Alkohol oder Nikotin oder unerlaubte Substanzen wie Cannabis, Amphetamine oder Kokain. Die Störung kann auch zu einer Drogenabhängigkeit führen.
Die Schwere der Substanzkonsumstörungen wird in die drei Stufen «mild», «mittel» und «schwer» eingeteilt und ist abhängig von definierten Merkmalen wie:
- dem Verlust der Kontrolle über den Konsum
- der Toleranz: man braucht immer mehr, um den gleichen Effekt zu erreichen
- den Entzugssymptomen, wenn man aufhört
- den Problemen in der Schule oder im Alltag
Am häufigsten konsumieren Jugendliche Alkohol. Etwa zwei Drittel der 15- bis 17-Jährigen haben schon einmal Alkohol getrunken. Cannabis ist die häufigste illegale Droge im Jugendalter. Nikotin und E-Zigaretten (Vapes) bleiben weiterhin ein Problem, besonders der Konsum von E-Zigaretten nimmt zu.
Etwa 5 bis 10 Prozent der Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren entwickeln eine Störung durch den Konsum von Drogen oder Alkohol. Wer schon vor dem 14. Lebensjahr mit dem Konsum beginnt, hat ein höheres Risiko, später abhängig zu werden. Es besteht auch ein höheres Risiko für psychische Störungen und für den Abbruch der Schule.
Es gibt oft eine Verbindung zu anderen Krankheiten wie ADHS, Depression oder Angststörungen. Wer zu viel oder zu oft Substanzen konsumiert, gefährdet seine kognitive Entwicklung. Besonders Cannabis kann das Gedächtnis und die Lernfähigkeit beeinträchtigen, besonders wenn jemand schon früh mit dem Konsum beginnt.
Anzeichen
In der Schule kann Substanzkonsum auffallen durch:
- plötzlich schlechtere Leistungen, sich nicht gut konzentrieren können, oft fehlen in der Schule
- Verhaltensänderungen wie aggressiver oder gereizter sein oder sich zurückziehen und sich nicht mehr mit anderen beschäftigen.
- körperliche Anzeichen wie starker Körpergeruch, gerötete Augen, häufige Müdigkeit
- verändertes Sozialverhalten mit häufig wechselnden Freunden oder Freundinnen
- Kontakt zu Gruppen, die Drogen oder Alkohol nehmen
- Regelverstösse wie Diebstahl, Streitigkeiten oder auffälliges Verhalten auf dem Schulgelände
Allgemeine Massnahmen in der Schule
- Es gibt in der Schule eine Ansprechperson für gefährdete Schülerinnen und Schüler, wie z.B. die Schulsozialarbeit.
- Die Schule schafft eine positive Atmosphäre. Dazu gehört das Gefühl von Zugehörigkeit, die Möglichkeit mitzubestimmen und die Stärkung von Widerstandskraft (Resilienz).
- Ist die in einem starken Rauschzustand ohne akute Lebensgefahr, so soll sie geschützt und/oder begleitet werden.
Notfall bei einer Substanzabhängigkeit
Lehrpersonen sind sensibilisiert auf folgende Warnsignale: Bewusstseinsstörungen, Atemprobleme, Krampfanfälle, Erbrechen, Aggressionen, Angst, Verwirrung, Kontrollverlust, ev. Selbst- und/oder Fremdgefährdung.
Eine Verhaltenssucht bringt Schülerinnen und Schüler immer wieder dazu, bestimmte Dinge zu tun, obwohl negative Folgen damit verbunden sind. Sie können ihre Handlungen nicht mehr kontrollieren. Oft vernachlässigen sie die Schule und ihr soziales Leben.
Typische Verhaltenssüchte bei Kindern und Jugendlichen sind:
- Internet- und Computerspielstörung: etwa fünf Prozent der Jugendlichen verhalten sich sehr auffällig. Weitere 15 bis 20 Prozent nutzen Internet- und Computerspiele auffällig und haben ein hohes Risiko für eine Störung. Mehr Jungen als Mädchen sind davon betroffen.
- Abhängigkeit von sozialen Medien: Etwa vier bis sieben Prozent der Jugendlichen verhalten sich sehr auffällig. Sie sind süchtig nach sozialen Medien. Mädchen sind etwas häufiger betroffen als Jungen.
- Glücksspiel: Ungefähr ein bis zwei Prozent der Jugendlichen zeigen problematisches oder krankheitsbedingtes Glücksspielverhalten. Sie spielen zu viel oder sie können nicht aufhören.
- Übermässiges Kaufen oder Sporttreiben: diese Verhaltenssucht kommt seltener im Jugendalter vor.
Die heutigen Möglichkeiten wie die Nutzung von Smartphones, das Streaming von Videos, das Spielen in Gaming-Communities und der Gebrauch von sozialen Medien fördern Verhaltenssüchte.
Anzeichen
Im schulischen Umfeld können Verhaltenssüchte in akute Krisen münden. Etwa durch Kontrollverlust, massive Konflikte, Panikreaktionen bei Handy-Entzug, Aggressionen oder völligen Rückzug.
- plötzlich schlechtere Leistungen, sich nicht gut konzentrieren können, oft müde sein in der Schule, weil sie nachts zu wenig schlafen.
- Verhaltensänderungen wie aggressiver, wütender oder gereizter sein oder sich zurückziehen und sich nicht mehr mit anderen beschäftigen sowie Freundschaften vernachlässigen.
- häufiges zu spät kommen oder Schule schwänzen.
- körperliche Beschwerden wie Kopfschmerzen, Verspannungen wegen Schlaf- und/oder Bewegungsmangel.
- kognitive Einschränkungen: verminderte Aufmerksamkeit, schlechteres Gedächtnis.
- schulische Fehlanpassung: Schulabbruch oder Klasse wiederholen
- soziale Probleme: sich isolieren oder häufig streiten mit Klassenkameradinnen und -kameraden.
- psychische Folgen: Anzeichen für Depressionen und Angst sowie Suizidgedanken, z.B. Kontrollverlust ohne Zugang zum Internet, ohne Handy ist das Leben nicht mehr lebenswert.
Allgemeine Massnahmen in der Schule
- Medienkompetenzprogramme: Schülerinnen und Schüler nutzen Medien konstruktiv.
- Aufklärung: Schülerinnen und Schüler sind sich der Gefahren bewusst.
- Selbstregulationstraining: eigene Zeit gut planen, achtsam sein und Offline-Strategien nutzen.
- Peer-Education: Jugendliche klären andere Jugendliche auf, besonders wirksam gegen Abhängigkeit von sozialen Medien.
- Nutzungsregeln: klare Regeln in der Schule für die Nutzung von Handys in der Schule auf.
Es gibt verschiedene Verhaltenstherapien. Die Schule kann mit der Schulsozialarbeit auf solche Angebote hinweisen.
Weiterführende Informationen
Verwenden Sie die Akkordeon-Bedienelemente, um die Sichtbarkeit der jeweiligen Panels (unterhalb der Bedienelemente) umzuschalten.
- Mobile Intervention bei Jugendkrisen
- Suizidalität im Jugendalter: Leitfaden für Schulen
- Psychische Gesundheit (RADIX) inklusive Empfehlung für den Umgang mit möglichen psychischen Problemen
- Kampagne «Wie geht's dir?»: über psychische Gesundheit sprechen
- Einführung in Unterrichtsmaterialien «Wie geht's dir?»: Webinar
- Bildung und Gesundheit Netzwerk Schweiz
- Prävention und Gesundheitsförderung: Kinder und Jugendliche stärken
- Prävention und Gesundheitsförderung: Gesundheit von Lehrpersonen fördern
- Prävention und Gesundheitsförderung: Ernährung und Bewegung bei Kindern und Jugendlichen
- Prävention und Gesundheitsförderung: Magazin Stark.
- PHZH-Weiterbildung für die Volksschule: Gesundheitsförderung
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Volksschulamt – Abteilung Schulführung, Sektor Schulärztlicher Dienst