Frauen auf dem Arbeitsmarkt

Trotz beachtlicher Aufholjagd der Frauen gibt es nach wie vor Lohnunterschiede. Sie sind vorwiegend auf die Branchenwahl und die unterschiedlichen Erwerbsbiografien zurückzuführen. Mehr dazu finden Sie in der aktuellen Ausgabe des Zürcher Wirtschaftsmonitoring.

Inhaltsverzeichnis

Die Frauen holen auf, doch bei Müttern geht noch mehr

Die Zürcher Frauen haben in den letzten Jahrzehnten deutlich aufgeholt – bei der Erwerbsquote, der Bildung und den Löhnen. Dennoch gibt es nach wie vor beträchtliche Lohnunterschiede. Sie sind vorwiegend auf die Branchenwahl und die unterschiedlichen Erwerbsbiografien zurückzuführen. Die Lohnschere öffnet sich vor allem mit der Mutterschaft, die oft mit einer Pensumsreduktion verbunden ist. Nicht nur staatliche Rahmenbedingungen, sondern vor allem auch vorherrschende Rollenbilder und Präferenzen haben einen Einfluss auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und somit auch auf das Erwerbsverhalten. 

Zürcher Wirtschaftsmonitoring Dezember 2022

Zürcher Wirtschaftsmonitoring Dezember 2022
Zürcher Wirtschaftsmonitoring Dezember 2022
Herausgeber/in
Amt für Wirtschaft und Arbeit, Kanton Zürich
Autor/in
Amt für Wirtschaft und Arbeit, Kanton Zürich

Die wichtigsten Ergebnisse: 

Frauen holen auf

In den letzten fünf Jahrzehnten hat sich der Anteil der erwerbstätigen Frauen auf dem Zürcher Arbeitsmarkt mehr als verdoppelt – mittlerweile liegt ihre Erwerbsquote nur noch 5 Prozentpunkte unter derjenigen der Männer. Bereits überholt haben die Zürcher Frauen die Männer an den Schweizer Universitäten und Fachhochschulen, wo sie unterdessen die Mehrheit ausmachen. Als Folge der erhöhten Arbeitsmarktpartizipation und des erhöhten Bildungsniveaus nehmen auch die Löhne der Frauen zu, seit 2008 sogar doppelt so stark wie jene der Männer. 

Die Grafik zeigt die Medianlohnentwicklung von Frauen und Männer im privaten Sektor im Kanton Zürich zwischen 2008 und 2020. Während der Medianlohn der Männer in diesem Zeitraum um 8% gestiegen ist, war die Zunahme bei den Frauen mit 16% doppelt so hoch.
Der Medianlohn der Frauen stieg doppelt so stark wie jener der Männer

Löhne unterscheiden sich nach wie vor

Trotz beachtlicher Aufholjagd besteht allerdings noch immer ein Geschlechterunterschied von 16% beim Medianlohn. Das hat jedoch wenig mit Diskriminierung zu tun, wie gelegentlich vermutet wird, sondern lässt sich zum grössten Teil empirisch erklären. Wichtige Faktoren im Kanton Zürich  sind hierbei etwa die Branchenwahl oder die berufliche Stellung. So ist der Frauenanteil in den beiden Branchen mit den höchsten Löhnen, Finanzindustrie und IT und Kommunikation, relativ tief. 

Auf der Grafik ist für jede Branche ein Kreis abgebildet, dessen Position den Frauenanteil und den Branchenmedianlohn abbildet. Die Grösse der Kreise entspricht dem Anteil der Beschäftigten. Die Grafik zeigt, dass der Frauenanteil in den beiden Branchen mit den höchsten Meidanlöhnen relativ gering ist. Diese beiden Branchen machen einen bedeutenden Anteil der Beschäftigung im Kanton Zürich aus.
Frauen sind in den Branchen mit hohen Medianlöhnen untervertreten

Lohnschere öffnet sich bei Mutterschaft

Der grösste Treiber der Lohndifferenz liegt jedoch woanders: Sobald Frauen Kinder kriegen, reduziert die grosse Mehrheit von ihnen ihr Pensum. Dadurch sinken nicht nur ihr Einkommen, sondern mittelfristig auch ihre Karrierechancen und die Berufserfahrung. Im internationalen Vergleich geht das Einkommen infolge der Mutterschaft hierzulande besonders stark zurück. 10 Jahre nach der Geburt des ersten Kindes liegt es im Kanton Zürich im Durchschnitt noch immer 60% tiefer als vor der Geburt. Dies hat letztlich auch negative Auswirkungen auf die Altersersparnisse der Frauen, namentlich in der beruflichen Vorsorge, sowie auf ihre finanzielle Unabhängigkeit.

Die Grafik zeigt die Entwicklung des Erwerbseinkommens von Frauen in den 10 Jahren nach der Geburt des ersten Kindes im Vergleich zum Einkommen im Jahr vor der Geburt für Dänemark, die USA, Deutschland und den Kanton Zürich. Im Kanton Zürich ist das Einkommen 10 Jahre nach der Familiengründung im Durchschnitt 60% tiefer als vor der Geburt des ersten Kindes. In Dänemark und den USA ist dieser Effekt weniger ausgeprägt.
Die Erwerbseinkommen der Zürcherinnen sind 10 Jahre nach der Geburt des ersten Kindes im Durchschnitt 60% tiefer als vor der Familiengründung.

Wo besteht Verbesserungspotenzial?

Internationale Untersuchungen zeigen, dass dem direkten Handlungsspielraum der Politik Grenzen gesetzt sind. Denn einen entscheidenden Einfluss haben die vorherrschenden Wertvorstellungen, Rollenbilder und Präferenzen. Dennoch sollten die staatlichen Rahmenbedingungen so ausgestaltet sein, dass sie Frauen und vor allem Mütter nicht an der Ausweitung der Erwerbstätigkeit hindern. Verbesserungspotenzial besteht dabei vorwiegend beim Steuersystem: Die Einführung einer Individualbesteuerung könnte negative Erwerbsanreize für Mütter abbauen. 

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