2. Übersicht über die KI-Anwendungsfälle
KI kann zentrale Herausforderungen im Baubewilligungsverfahren entschärfen, indem sie Informationen zugänglicher macht, Eingaben im Vorhinein prüft und Behörden im Vollzug unterstützt. Das Kapitel zeigt, dass KI Prozesse verbessern kann, allerdings nur im Zusammenspiel mit klaren Rahmenbedingungen, guter Datenqualität und menschlicher Verantwortung.
KI in der Anwendung
Technologische Fortschritte im Bereich der KI eröffnen neue Möglichkeiten, um zentrale Herausforderungen im Baubewilligungsverfahren gezielt zu adressieren. KI kann dazu beitragen, Prozesse effizienter, konsistenter und zugänglicher zu gestalten – sowohl für Gesuchstellende als auch für Behörden. Ziel ist nicht die Vollautomatisierung von Entscheidungen, sondern die Unterstützung entlang des gesamten Prozesses. Den geeigneten Systemen liegen häufig dieselben KI-Modelle zugrunde, insbesondere Grosse Sprachmodelle (LLMs). Je nach Anwendung können sie unterschiedlich eingesetzt werden, beispielsweise für textbasierte Abfragen zu baurechtlichen Vorgaben oder zur Interpretation von Plandarstellungen. Entlang des Baubewilligungsverfahrens lassen sich verschiedene Kategorien von Anwendungsfällen unterscheiden.
«Der grösste Hebel von KI liegt aktuell in besseren und vollständigeren Baugesuchen vor der Einreichung.»
Raphael von Thiessen, Programmleiter KI-Sandbox, Kanton Zürich
- Informationen und Orientierung: KI kann den Zugang zu Informationen im Rahmen von Baubewilligungsverfahren gezielt vereinfachen. Semantische Suchverfahren und Chatbots ermöglichen es, Informationen zu Verfahren, Anforderungen und baurechtlichen Vorgaben kontextbezogen bereitzustellen. Ein Ansatz ist Retrieval-Augmented Generation (RAG). Die entsprechenden Systeme greifen auf geprüfte Rechtsgrundlagen, Merkblätter und Verfahrensdokumente zu und stellen relevante Inhalte strukturiert und nachvollziehbar dar. Derzeit sind diese Informationen überwiegend über zahlreiche Websites und isolierte Dokumente verteilt. Die KI-Systeme beantworten wiederkehrende Fragen automatisiert und erläutern Anforderungen fallbezogen. Ziel ist es, dass Gesuchstellende früh Orientierung erhalten und bei den Gemeinden weniger repetitive bzw. vermeidbare Rückfragen eingehen. Analog dazu können auch Gemeinden oder Fachstellen KI dafür nutzen, interne Informationen besser zu erschliessen, zu verknüpfen und kontextbezogen bereitzustellen.
- Vorprüfung der Baueingabe: Ein weiterer Anwendungsfall setzt bereits vor der offiziellen Einreichung eines Baugesuchs an. KI und regelbasierte Automatisierungen ermöglichen eine strukturierte Vorprüfung der Eingabeunterlagen. Digitale Portale erfassen die Pläne und Formulare. Dabei prüft ein KI-System die Dokumente vor der Einreichung auf Vollständigkeit, formale Anforderungen und Übereinstimmung mit rechtlichen Vorgaben und liefert den Gesuchstellenden gezielte und nachvollziehbare Hinweise zu allfälligem Nachbesserungsbedarf. Dank der frühzeitigen Rückmeldung können die Gesuchstellenden ihre Unterlagen vor der Einreichung des Baugesuchs optimieren. Ziel ist es, die Qualität und Vollständigkeit der Gesuche zu steigern, noch bevor sie in den formellen Bewilligungsprozess eintreten.
- Unterstützung im behördlichen Vollzug: Auch im behördlichen Vollzug könnten KI-Systeme künftig gezielt zur Entlastung beitragen, indem sie formale Kriterien (z.B. Vollständigkeit) systematischp rüfen und materielle Prüfungen baurechtlicher Vorgaben unterstützen. Bei klarer Rechtslage könnten sie zudem vorbereitende Teilschritte übernehmen, etwa das Vorformulieren von Verfügungstexten, die strukturierte Aufbereitung und Zusammenfassung von Sachverhalten sowie die Priorisierung der Fälle nach formalen Kriterien. Entscheidungshoheit, Verantwortung und Nachvollziehbarkeit verbleiben in sämtlichen Fällen bei der zuständigen Behörde (vgl. Kapitel V).
Voraussetzungen für den KI-Einsatz
Ein wirksamer Einsatz von KI im Baubewilligungsverfahren setzt geeignete technische, organisatorische und rechtliche Rahmenbedingungen voraus. Dazu zählen eine ausreichende Datenqualität, klare Prozesse und eine verantwortungsvolle Governance mit menschlicher Kontrolle. Zugleich hat der KI-Einsatz klare Grenzen: Nicht alle Fragestellungen lassen sich technologisch lösen. Insbesondere rechtliche Fragmentierungen, fragmentierte System- und Applikationslandschaften, Ermessensentscheidungen und partizipative Verfahren erfordern weiterhin politisch-strategische Klärungen und eine menschliche Beurteilung. KI kann den Baubewilligungsprozess zwar gezielt unterstützen, ersetzt jedoch weder die fachliche Verantwortung noch die politischen Prozesse. Der Mehrwert von KI entfaltet sich nur, wenn sie in einen breiteren digitalen und institutionellen Weiterentwicklungsprozess eingebettet ist.
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