1. Hohe Komplexität von Baubewilligungsverfahren

Das Verfahren der Baubewilligung ist ein komplexes, föderal geprägtes System, das zahlreiche Interessen bündelt und zentrale Weichen für die räumliche Entwicklung stellt. Der Abschnitt zeigt, wie strukturelle Vielfalt, hohe Anforderungen und begrenzte Ressourcen die Verfahren erschweren und warum Digitalisierung und KI neue Chancen für Verbesserungen eröffnen.

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Herausforderungen und Potenziale im Baubewilligungs­verfahren­

Das Baubewilligungsverfahren ist ein zentrales Instrument zur Steuerung der räumlichen Entwicklung. Es entscheidet über Bautätigkeit und Nutzung und stellt sicher, dass öffentliche Interessen wie die bauliche und gestalterische Qualität,die Rechtsgleichheit oder der Schutz von Nachbarschaft und Umwelt gewahrt bleiben. Die hohe fachliche und rechtliche Komplexität des Verfahrens ist Ausdruck dieses Auftrags. Das Verfahren hat sich über Jahrzehnte entwickelt und stützt sich auf zahlreiche gesetzliche Grundlagen sowie auf etablierte Vollzugspraktiken auf kantonaler und kommunaler Ebene. Die föderale Ausgestaltung ermöglicht eine Anpassung an lokale Gegebenheiten, führt jedoch zugleich zu einer grossen strukturellen Vielfalt.

Einordnung im Gesamtprozess

Das Baubewilligungsverfahren ist zwar von grosser Bedeutung, macht aber nur einen Teil des Bauprozesses aus. In der Gesamtdauer eines Bauprojekts nimmt es häufig einen vergleichsweise kurzen Zeitraum in Anspruch. Herausforderungen wie Verzögerungen können auch in der Planung, der Finanzierung und der Ausführung eines Bauprojekts entstehen. Das Bewilligungsverfahren ist daher nicht isoliert zu betrachten, sondern als Bestandteil eines komplexen Gesamtsystems mit vielen Akteuren und Abhängigkeiten.

Herausforderungen im Baubewilligungsverfahren

Föderale Strukturen, hohe fachliche Anforderungen und unterschiedliche organisatorische Voraussetzungen prägen das Baubewilligungsverfahren. Im Kanton Zürich besteht eine geteilte Zuständigkeit zwischen Gemeinden und Kanton: Primär sind die Gemeinden für das Baubewilligungsverfahren verantwortlich, in ausgewählten Bereichen der Kanton. In der praktischen Umsetzung zeigen sich dabei wiederkehrende Muster, die den Arbeitsaufwand erhöhen, die Verfahren verlängern und die Nachvollziehbarkeit der Entscheidungen erschweren:

  • Fragmentierte Vorgaben: Die baurechtlichen Vorgaben sind fragmentiert. In die Planung fliessen zahlreiche öffentliche und private Interessen ein, die in unterschiedlichen gesetzlichen Grundlagen abgebildet sind. Kantonale Vorgaben treffen auf kommunale Regelungen und lokale Praxis (z.B. bei Grünflächenziffern oder Parkplatzberechnungen). Die Anforderungen unterscheiden sich je nach Bauzone, Gebäudetyp und Art des Vorhabens. Die Prozesse und Abläufe der jeweiligen Behörden sind nur begrenzt vergleichbar, was die Automatisierung hemmt und eine Skalierung erschwert.
  • Begrenzte Ressourcen in der Verwaltung: Die organisatorischen Voraussetzungen unterscheiden sich stark. Während grössere Städte mit dedizierten Systemen und spezialisierten Fachabteilungen hohe Fallzahlen bewältigen, sind kleinere Gemeinden häufig auf externe Unterstützung angewiesen und arbeiten mit knappen personellen Ressourcen. Fachwissen und Entscheidungskompetenzen sind dabei oft auf wenige Personen konzentriert, was bei personellen Wechseln oder zunehmender rechtlicher Komplexität zu Unsicherheiten in der Anwendung führen kann.
  • Hohe fachliche und rechtliche Anforderungen: Die materielle Prüfung von Baugesuchen erfordert vertieftes juristisches Fachwissen und Erfahrung, wobei Fachkräfte zunehmend fehlen. Viele Normen sind komplex und auslegungsbedürftig. Entscheidungen beruhen häufig auf Erfahrungswissen, das nur begrenzt dokumentiert und schwer übertragbar ist. Die Koordination zahlreicher Fachstellen (auf Bundes-, kantonaler sowie kommunaler Ebene) erhöht den Aufwand zusätzlich.
  • Unvollständige und fehlerhafte Eingaben: Ein erheblicher Teil der Baugesuche ist bei der Eingabe unvollständig oder fehlerhaft. Formelle Mängel und fehlende Angaben verhindern eine inhaltliche Prüfung und führen zur Sistierung von Verfahren, obwohl die Planungsabsicht oft klar ist. Die Qualität der Unterlagen variiert stark. Die Eingaben reichen von handgezeichneten Plänen bis zu komplexen digitalen Modellen.

Diese Herausforderungen greifen ineinander. Die Gemeinden stehen unter wachsendem Druck: Die durchschnittliche Verfahrensdauer ist in den letzten Jahren gestiegen, und die Verfahren binden erhebliche personelle Ressourcen. Gleichzeitig eröffnen aktuelle Entwicklungen in der KI und der digitalen Verwaltung neue Möglichkeiten, die Prozesse gezielt zu unterstützen und einzelne dieser Herausforderungen zu entschärfen.

Laufende Digitalisierung

Viele Kantone und Gemeinden setzen seit einigen Jahren auf eine schrittweise Digitalisierung ihrer Baubewilligungsverfahren. Digitale Eingabeportale, elektronische Dossiers und erste Automatisierungen sind vielerorts etabliert. Im Kanton Zürich müssen beispielsweise ab dem 1. April 2027 sämtliche Baugesuche über die Plattform «eBaugesucheZH» eingereicht werden. Die digitale Transformation betrifft jedoch nicht nur die Behörden. Auch in der Planungs- und Baubranche findet dieser Wandel statt. Qualität, Strukturierung und Standardisierung von Baugesuchen hängen wesentlich von den eingesetzten Planungsinstrumenten und Arbeitsweisen ab. Digitale Modelle (wie Building Information Modeling [BIM]), strukturierte Daten und konsistente Unterlagen sind zentrale Voraussetzungen für effizientere Verfahren.

Weiterentwicklung bestehender Verfahren

Die Vielfalt und Komplexität der Verfahren ist zugleich Ausdruck föderaler Strukturen und bewährter Praxis. Standardisierung und Automatisierung müssen daher innerhalb der bestehenden Strukturen gezielt dort ansetzen, wo sie Mehrwert schaffen. Gleichzeitig sind systemische Fragestellungen auf politischer Ebene zu klären, um verlässliche und koordinierte Rahmenbedingungen für eine Weiterentwicklung zu schaffen (siehe auch Postulat «KI im Baubewilligungsverfahren»)<.

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