6. Fazit und Ausblick

Das abschliessende Kapitel fasst die Erkenntnisse des aktuellen Projekts zusammen und zeigt auf, unter welchen Bedingungen KI im Baubewilligungsverfahren sinnvoll eingesetzt werden kann, um dieses zu unterstützen. Zudem werden erforderliche Schritte aus Seiten der Politik sowie auf fachlicher und organisatorischer Ebene dargestellt.

Grafik von Auge mit vernetzten Punkten

Zentrale Erkenntnisse

Der Bericht fasst die wesentlichen Ergebnisse des KI-Sandbox-Projekts zusammen und zeigt auf, unter welchen Bedingungen KI das Baubewilligungsverfahren sinnvoll unterstützen kann und welche nächsten Schritte auf fachlicher, organisatorischer und politischer Ebene erforderlich sind.

  1. Praktische Erkenntnisse: Das Projekt hat die Potenziale und Grenzen von KI im Baubewilligungsverfahren systematisch analysiert und mit einem funktionsfähigen Prototyp für einen KI-gestützten Vorabcheck im Meldeverfahren praktisch erprobt.
  2. Klare Voraussetzungen für den Einsatz: Ein produktiver Einsatz von KI setzt verlässliche und rechtsverbindliche Datengrundlagen, strukturierte Einreichungen, modulare Systemarchitekturen, umfassende Test- und Evaluationspipelines sowie klare Governance-Strukturen voraus.
  3. Regelbasiert vor generativ: KI ist kein Selbstzweck. Wo Entscheidungslogiken eindeutig definiert sind, sollten regelbasierte Prüfungen eingesetzt werden. Generative KI eignet sich primär für unterstützende und qualitätssichernde Aufgaben wie die Auswertung von Textdokumenten.
  4. Keine Vollautomatisierung: Entscheidung und Verantwortung verbleiben beim Menschen; eine vollständige Automatisierung des Baubewilligungsverfahrens ist derzeit nicht realistisch. Stattdessen lassen sich einzelne Prüfschritte gezielt unterstützen, etwa durch Vorabchecks zur Verbesserung der Qualität und der Vollständigkeit von Baueingaben.
  5. Anschlussfähigkeit der Lösung: Der Sandbox-Prototyp ist so konzipiert, dass er von externen Akteuren weiterentwickelt und in produktive Software überführt werden könnte, insbesondere durch die Integration in bestehende Digitalisierungsinitiativen (z.B. «eBaugesucheZH» oder GIS-Browser) sowie durch gemeindeübergreifende Lösungen.
  6. Wirtschaftlichkeit und technologische Perspektive: Der wirtschaftliche Nutzen von KI liegt in der Unterstützung wiederkehrender Prüfschritte und in Qualitätsgewinnen entlang des Verfahrens. Für eine realistische Bewertung sind neben den reinen Nutzungskosten auch Implementierungs- ,Integrations- und Kontrollaufwände zu berücksichtigen. Mit zunehmenden technologischen Fortschritten und besserer Einbettung in bestehende Systeme bestehen jedoch gute Potenziale, den Einsatz von KI künftig wirtschaftlicher und breiter nutzbar zu machen.
  7. Beitrag zur politischen Diskussion: Die Ergebnisse der KI-Analyse und die Entwicklung des Prototyps leisten einen konkreten, evidenzbasierten Beitrag, um politische Vorstösse wie «KI im Baubewilligungsverfahren» im Kanton Zürich zu beantworten. Ähnliche Vorstösse in anderen Kantonen unterstreichen die nationale Relevanz.
  8. Vereinfachung der rechtlichen Rahmenbedingungen: Die Komplexität und die Fragmentierung der baurechtlichen Vorgaben auf kantonaler und kommunaler Ebene lassen sich durch KI nicht beseitigen und begrenzen den Einsatz entsprechender Systeme. Bestehende Zielkonflikte erfordern politische Klärungen und können nicht technologisch gelöst werden.
  9. Gesamtkontext berücksichtigen: Das Baubewilligungsverfahren ist Teil eines längeren Planungs- und Umsetzungsprozesses. Effizienz-und Qualitätsgewinne entstehen nur bei einem ganzheitlichen Ansatz, etwa durch digitale Assistenten über den ganzen Prozess hinweg, Planungstools mit integrierter Überprüfung der rechtlichen Vorgaben oder BIM-basierte Modelle mit strukturierten Daten. Massnahmen zur Überwindung der fragmentierten System- und Applikationslandschaft tragen dazu bei, KI-Systeme und Automatisierungen gezielt und medienbruchfrei zu implementieren.
  10. Open Source und offene Schnittstellen: Für die nachhaltige Weiterentwicklung und die breitere Nutzung KI-gestützter Lösungen könnte der Kanton ausgewählte technische Bausteine – etwa Prüfregeln, Referenzimplementierungen oder Schnittstellen – als Open-Source Repos bereitstellen und über standardisierte APIs zugänglich machen. Ein solcher Ansatz fördert Transparenz, Wiederverwendbarkeit und Kooperation mit Gemeinden, Softwareanbietern und der Planungsbranche, ohne produktive Systeme vorzugeben oder eine zentrale Steuerung zu verlagern.

Die Sandbox-Ergebnisse zeigen, dass KI das Baubewilligungsverfahren gezielt und wirksam unterstützen kann, sofern ihr Einsatz klar begrenzt, fachlich eingebettet und organisatorisch abgesichert erfolgt. Der grösste Mehrwert liegt heute nicht in der Automatisierung von Entscheidungen, sondern in der Verbesserung der Qualität und der Vollständigkeit von Gesuchen, in der Entlastung bei wiederkehrenden Prüfschritten sowie in der besseren Erschliessung von Informationen. Gleichzeitig macht der Bericht deutlich, dass sich rechtliche Fragmentierungen, Ermessensentscheidungen und politische Zielkonflikte nicht durch technologische Lösungen aufheben lassen. Ein nachhaltiger Nutzen entsteht nur bei einer rechtlichen Weiterentwicklung, einer konsequenten Digitalisierung entlang des gesamten Bauprozesses und einem verantwortungsvollen Einsatz von KI.

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