Mehr Wirkung durch Zusammenarbeit: Gemeinsam für einen starken Stiftungsstandort
Mitteilung 08.10.2026
Am zweiten Zürcher Stiftungsforum ging es um die Rolle von Stiftungen, ihre Wirkung und das Zusammenspiel mit Staat, Wissenschaft und Wirtschaft. Ein Thema zog sich durch die Diskussionen: Damit aus guten Ideen Wirkung entsteht, braucht es mehr Austausch und Kooperation.
Eine Stiftung kann ein Experiment ermöglichen oder dort einspringen, wo öffentliche Mittel fehlen. Und sie kann Projekte über Jahre begleiten, deren Wirkung sich nicht sofort in Zahlen messen lässt. Was Stiftungen benötigen, damit sie all das umsetzen können, wurde am zweiten Zürcher Stiftungsforum im Zürcher Kongresshaus aus verschiedenen Perspektiven diskutiert. Der Anlass fand wie letztes Jahr am 1. Oktober, dem Tag der Stiftungen, statt.
«Die Zeiten ändern sich, aber die Herausforderungen bleiben», sagte Regierungsrat Ernst Stocker, der das Forum mit einem Grusswort eröffnete. Zentral bei der Arbeit von Stiftungen sei das Vertrauen der Bevölkerung – «wie bei uns Regierungsräten auch». Stocker zeigte sich froh, dass es Stiftungen gibt. Als Beispiel nannte er die Eleonorenstiftung des Kinderspitals: Dank solcher Stiftungen könne Geld direkt dort ankommen, wo es gebraucht werde, ohne den Umweg über den Staat.
Stiftungsstandort Zürich in Zahlen
2025 wurden im Kanton Zürich 43 Stiftungen gegründet und 37 liquidiert. Damit nahm die Zahl der Stiftungen netto um sechs zu. Zürich bleibt der Kanton mit dem grössten Stiftungsbestand mit über 2200 Stiftungen, lag bei den Neugründungen aber hinter Genf.
Wirkungsmessung wird immer wichtiger
Einen wissenschaftlichen Blick auf das Thema warf Dina Pomeranz, Associate Professorin für angewandte Wirtschaft an der Universität Zürich. Ihr Inputreferat zeigte, wie stark sich die Möglichkeiten zur Wirkungsmessung in den vergangenen Jahren verbessert haben. Mehr Daten durch die Digitalisierung und bessere Methoden erlaubten es zunehmend, zu erkennen, welche Projekte tatsächlich Wirkung entfalten.
Pomeranz illustrierte dies anhand von Hängebrücken in abgelegenen Regionen von Rwanda und Nepal. Die Zahlen zeigen: Der Bau dieser Brücken führt zu wirtschaftlichem Wachstum durch Verbindung zu Marktplätzen, Zugang zu besseren Arbeitsstellen, weniger Lohneinbrüchen durch Fluten, mehr Schul- und Arztbesuchen sowie zu besserer psychischer Gesundheit. Ein weiteres Beispiel für Stiftungsarbeit mit Impact ist das Unterrichtsmodell «Teaching at the Right Level»: Kinder werden nach ihrem tatsächlichen Lernstand statt allein nach Alter unterrichtet. Das geht auf unterschiedliche Lebensumstände ein – ein Kind von Eltern, die weder lesen noch schreiben können, startet auf einem anderen Niveau als Kinder gebildeter Eltern. Was zunächst durch Stiftungen erprobt wurde, ist inzwischen in mehreren Regionen und Ländern in die staatliche Bildungspolitik eingeflossen.
Gerade angesichts der Kürzungen bei der internationalen Entwicklungszusammenarbeit werde Evidenz für die erfolgreiche Stiftungsarbeit – und damit Wirkungsmessung – noch wichtiger, so Pomeranz. «Je weniger Mittel zur Verfügung stehen, desto sinnvoller müssen sie eingesetzt werden.»
Was Stiftungen können: Freiräume nutzen und experimentieren
Im anschliessenden Panel stand zunächst die Frage im Raum, was Zürich ohne Stiftungen fehlen würde. «Wenn es etwas nicht mehr gibt, merkt man erst, was man hatte», sagte Stocker. Friederike Rass, ehemalige Gesamtleiterin des Sozialwerks Pfarrer Sieber, formulierte es zugespitzt: «Der Staat kann nicht lieben.» Mitmenschlichkeit finde in Stiftungen einen Raum. Gleichzeitig böten deren Strukturen Freiräume, die stärker genutzt werden könnten.
Beate Eckhardt, Stiftungsrätin der ZKB Philanthropie Stiftung, betonte, dass Stiftungen «ergänzend und anschiebend» wirken und gewissermassen als Experimentierlabor dienen. Sie könnten Neues ausprobieren, woraufhin der Staat entscheiden könne, ob er einen Ansatz übernehmen wolle. Dafür brauche es mehr Dialog entlang der gesamten Wertschöpfungskette und eine genauere Frage danach, welche Rolle unterschiedliche Stiftungen übernehmen könnten.
Was Zürich als Stiftungsstandort weiterbringen könnte, darüber bestand wiederum weitgehend Einigkeit: Es braucht mehr Vernetzung. Eckhardt plädierte dafür, dass der Kanton Stiftungen noch stärker als Standortfaktor versteht und die Zusammenarbeit weiterentwickelt.
Verein Stiftungsstandort Zürich
Der Verein Stiftungsstandort Zürich wurde 2025 vom Kanton Zürich gemeinsam mit SwissFoundations, proFonds, dem Zentrum für Stiftungsrecht der Universität Zürich und der ZKB Philanthropie Stiftung gegründet. Er stärkt die Vernetzung und den Dialog zwischen Stiftungen, Behörden, Wissenschaft und Wirtschaft und setzt sich für die Weiterentwicklung des Stiftungsstandorts Zürich ein. Seit 2025 schafft der Verein mit dem Zürcher Stiftungsforum eine Plattform für diesen Austausch.
Von der Forschung zur Wirkung
Die Herausforderungen in der Stiftungswelt wurden in sechs Themenwerkstätten vertieft diskutiert. In der Diskussionsrunde zu «Von Forschung zu Transfer – wann braucht es die Philanthropie?» betonten die Teilnehmenden, dass es alle Akteure braucht – oft zu unterschiedlichen Zeitpunkten. «Stiftungen bewegen sich im Raum zwischen der staatlichen Förderung und dem Markt», sagte Pascale Vonmont, Vizepräsidentin der Peter Bopp Stiftung. Dort könnten sie Dinge ausprobieren und quasi Risikofinanzierung für die Gesellschaft übernehmen. «Stiftungen können schnell sein und mutig sein», sagte sie. Aber: Sie können nicht oder nur schwer skalieren.
Auch Fabian Streiff, Chef des kantonalen Amts für Wirtschaft, sieht die Skalierung als Herausforderung: «Wir müssen die Projekte so begleiten, dass schnell klar wird, ob eine Idee für den Markt oder den Staat relevant ist.» Gerade bei Zukunftsthemen brauche es alle drei Seiten: «Es braucht den Staat und die Stiftungen – aber dann muss auch bald die Privatwirtschaft einsteigen.»
Martin Jaekel von der ZHAW betonte, dass insbesondere Geld für Forschungsinfrastrukturen fehle. Mehr Kooperation könnte dabei helfen: Jaekel wünschte sich, dass die Stiftungswelt stärker zusammenkommt und Mittel für grössere Projekte bündelt. Vonmont plädierte ebenfalls dafür, Kräfte zu bündeln und internationaler zu denken.
Viele Themen, ein gemeinsamer Nenner
Auch die übrigen Themenwerkstätten zeigten, wie unterschiedlich die Aufgaben von Stiftungen sein können. So zeigte sich etwa beim Thema «Wohnraum zwischen Renditeobjekt und Förderzweck»: Günstigen Wohnraum zu schaffen, bleibt anspruchsvoll – und Stiftungen müssen abwägen, wie sie Rendite und gemeinnützigen Zweck gewichten.
In der Werkstatt «Demokratische Resilienz» ging es um den Umgang mit Desinformation und die Frage, wo Stiftungen ansetzen können. Und die Diskussion zu «Ökosysteme unter Druck» kreiste um die Frage, wie gute Pilotprojekte langfristig gefördert werden können.
So unterschiedlich die Themen waren: Eine Erkenntnis verband die Diskussionen. Wirkung entsteht nicht isoliert. Sie braucht Austausch und Kooperation. François Geinoz, Präsident des Vereins Stiftungsstandort Zürich, brachte es im Schlusswort auf den Punkt: «Die öffentliche Hand und die Stiftungen haben unterschiedliche Stärken. Wenn sie zusammenarbeiten, werden diese nicht nur addiert, sondern multipliziert.»