Zürcher KMU Innovationstag 2026

Moderator Stephan Lendi und Anita Martinecz Fehér auf der Bühne

Der vierte Zürcher KMU Innovationstag 2026 machte deutlich: Innovation entsteht dort, wo Offenheit für neue Technologien, Ressourcen und eine starke Unternehmenskultur zusammenkommen. Am Event der Standortförderung Zürich tauschten sich am 7. Juli 220 Teilnehmende in Workshops darüber aus, wie KMU Veränderungen erfolgreich gestalten können.

Innovation beginnt nicht mit der perfekten Idee, sondern mit dem ersten Schritt. Das zeigten die Impulsreferate am diesjährigen Zürcher Innovationstag. So begann Bruno Schefer vor 15 Jahren, Inklusion in seinem Medizinlogistikunternehmen Cosanum zu etablieren. Das löste eine grosse Veränderung aus: «Heute haben wir eine andere Arbeitskultur – und die macht uns innovativ und erfolgreich.»

Dass die Zürcher KMU Veränderungen anpacken wollen, zeigte eine Umfrage im Publikum: Kaum jemand bezeichnete sich als besonders optimistisch oder pessimistisch, doch fast alle stimmten der Aussage «Wir müssen anpacken» zu. Der Innovationstag soll dafür Impulse liefern: «Tauschen Sie sich aus und stossen Sie neue Projekte an», sagte Anita Martinecz Fehér, Projektleiterin von der Standortförderung des Kantons Zürich, zur Begrüssung.
 

Afke Schouten auf der Bühne
Afke Schouten von AI Bridge sprach in ihrem Vortrag über «KI-Hot-Topics für KMU». Quelle: Alessandro Della Bella

KI: Das Mindset macht den Unterschied

Für erfolgreiche Innovation braucht es vor allem Neugier und den Willen, Dinge zu verbessern und Verantwortung zu übernehmen. Das betonte Valérie Henzen von der «Digital Minds Society» im KI-Workshop: «Es geht nicht mehr darum, wer KI nutzt, sondern wer das richtige Mindset dafür hat.» Prompting mache nur einen kleinen Teil der Arbeit aus. Entscheidend seien vielmehr die sinnvolle Delegation von Aufgaben und die kritische Prüfung der Ergebnisse.

Wie schnell sich mit KI konkrete Anwendungen umsetzen lassen, zeigten zwei Praxisbeispiele: Innerhalb von 15 Minuten entstanden eine Website und ein Computerspiel. Der Rat der KI-Expertinnen und -Experten: «Pro Woche eine konkrete Anwendung testen.» Klare Regeln im Unternehmen würden dabei helfen, KI schneller und gezielter einzuführen.

Das Innovationstal überwinden

Für viele Innovationen reicht wöchentliches Ausprobieren jedoch nicht aus, weil sie einer Reihe an Hindernissen gegenüberstehen: Oft fehlen Zeit, Risikokapital, externes Know-how, Testinfrastruktur oder das passende Netzwerk. Deshalb unterstützt die EuroTube Stiftung KMU aus Bau, Energie und Infrastruktur mit Infrastruktur, Projektpartnern und Beratung. Denn, so Julian Ehwald von der Stiftung: «Zwischen Grundlagenforschung und Industrie liegt das ›valley of death in innovation’.»

Nach Innovationen gefragt, die bei ihnen in der Schublade landeten, nannten die Teilnehmenden unter anderem gescheiterte Förderanträge, Lieferkettenprobleme und technische Herausforderungen. Julian Ehwald bestärkte die KMU: «Es gibt in der Schweiz für jede Stufe – vom Forschungs-Spinout über die Produktentwicklung bis zur Markteinführung – Anlaufstellen, die Innovation unterstützen.»
 

Denis Jentsch und Daniela Zuckschwerdt auf der Bühne
Denise Jentsch und Daniela Zuckschwerdt stellten in ihrem Vortrag Lösungen zur Nachfolgefrage vor. Quelle: Alessandro Della Bella

Finanzielle Unterstützung: Vom Mikrokredit bis zur Nachfolgelösung

Damit nicht nur die «grossen» technischen Innovationen, sondern auch innerbetriebliche Entwicklung Unterstützung erfahren, gibt es «ahead». Das Gründungs- und Innovationszentrum vereint seit einem Jahr Startberatung, Mikrokredite sowie Innovations- und Projektbegleitung für Zürcher KMU unter einem Dach und wird von Stadt, Kanton Zürich sowie der ZKB getragen. «Wir haben bereits über 800 Beratungen durchgeführt», sagte CEO Chantal Stäuble.

Eine weitere Herausforderung bei der langfristigen Entwicklung von KMU ist ausserdem das Arrangieren einer guten Nachfolgelösung. Im Workshop zu alternativen Finanzierungswegen zeigte Lukas Hotz von «generational», wie Unternehmensnachfolgen auch ohne hohes Eigenkapital gelingen: «Es gibt Konstrukte in denen Geldgeber zwar Kapital-, aber keine Stimmrechte erhalten. So können beispielsweise ehemalige Mitarbeitende die Unternehmensführung übernehmen.»

Wie entscheidend Eigentumsstrukturen für den Erfolg von Unternehmen sein können, bezeugte das Impulsreferat von Mitarbeiterinnen von «Waldner Partner». Das KMU für Bauprojekte ist seit 2020 eine genossenschaftliche Firma ohne Chefin – und diese Innovation wirkt: «Heute bekommen wir auch deshalb Projekte.» Gleichzeitig sei durch die veränderte Struktur eine neue Arbeitskultur entstanden.

Mit einer guten Arbeitskultur Fachkräfte begeistern


Die Bedeutung einer guten Arbeitskultur in Unternehmen ist nicht zu unterschätzen, um Fachkräfte zu entwickeln und zu halten, betonte Giovanni Crupi im Workshop zur Fachkräfteentwicklung. Als Verbandspräsident von «Swiss Engineering» liegt ihm dabei das Thema Gleichstellung besonders am Herzen: «Für mich ist das Chefsache.» Über Teilzeitmodelle könnten beispielsweise Mütter – die angesichts des Fachkräftemangels dringend gebraucht würden – in MINT-Berufen gehalten werden.

Im Workshop «Hirnpower at Work» wurde darüber hinaus deutlich: Psychisches Wohlbefinden ist kein «Add-on», sondern als Gesundheitsschutz verpflichtend für Unternehmen. Gleichzeitig ist es aber auch ein Booster für Innovation. Denn: «Stress verschlechtert die Neuroplastizität unseres Gehirns», erklärte die Neurowissenschaftlerin Barbara Studer. So würden Unternehmen, die Verbundenheit, Sinnhaftigkeit, Autonomie und Humor fördern, bessere Voraussetzungen für zufriedene Mitarbeitende schaffen – das fördere die Bereitschaft zur Neugier und die wirke «wie Dünger im Gehirn».
 

Autorin: Luise Dambly, AWP

Alle Präsentationen des Zürcher KMU Innovationstags 2026 finden Sie auf
Innovation Zurich.

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