Konjunkturelle Entwicklung im Kanton Zürich - Wirtschaft überraschend robust, dem Tourismus fehlen ausgabestarke Gäste
Mitteilung 18.08.2026
Die Zürcher Wirtschaft zeigt sich trotz geopolitischer und handelspolitischer Turbulenzen überraschend robust. Die Geschäftslage der Unternehmen hat sich nach einer vorübergehenden Eintrübung im Frühjahr wieder erholt und ist so positiv wie zuletzt Mitte 2023. Gegenläufig entwickelt sich der Tourismus.
Auf dieser Seite
- Geopolitische Unsicherheiten belasten die globale Konjunktur
- Zürcher Wirtschaft: Erholung trotz anhaltender Unsicherheit
- Wirtschaftsstruktur wirkt stabilisierend
- Schwerpunkt Tourismus: Ausgabestarke Gäste fehlen
- Entwicklung Logiernächte
- Arbeitsmarkt: Zurückhaltung bei Neueinstellungen hält an
- Konjunkturboard Zürich
- Kontakt
Geopolitische Unsicherheiten belasten die globale Konjunktur
Die Weltwirtschaft bewegt sich weiterhin in einem Umfeld aussergewöhnlich hoher Unsicherheit. Der Krieg zwischen den USA und dem Iran, die wiederholte Blockade der Strasse von Hormus und die unberechenbare US-Handelspolitik haben die Stimmung von Unternehmen und Konsumentinnen und Konsumenten in den vergangenen Monaten getrübt. Nach einer vorübergehenden Entspannung verschärfte sich die Lage im Nahen Osten im Juli erneut. Der Schiffsverkehr durch die Strasse von Hormus kam abermals weitgehend zum Erliegen, und der Preis für ein Fass Rohöl der Sorte Brent stieg im Juli zeitweise wieder deutlich an. Insgesamt aber blieb die Preisreaktion relativ verhalten. Dies nicht zuletzt auch deshalb, weil der Angebotsschock bisher durch den anhaltenden Lagerabbau der OECD-Staaten und den USA und einem starken Importrückgang aus China gedämpft werden konnte.
Auch der aktuelle Rekordsommer stellt die Schweizer Wirtschaft vor Herausforderungen. Hohe Temperaturen und tiefe Wasserstände belasten die Energieinfrastruktur und Transportwege; die Versorgung der Schweiz bleibt bislang jedoch gewährleistet.
Bemerkenswert ist, dass die Realwirtschaft den anhaltenden Belastungen besser standhält als die Stimmung vermuten lässt. Die globale Konjunktur hat in den vergangenen Monaten in vielen Ländern positiv überrascht. Stützend wirken insbesondere die hohen Investitionen rund um Künstliche Intelligenz.
Zürcher Wirtschaft: Erholung trotz anhaltender Unsicherheit
Die Zürcher Gesamtwirtschaft präsentiert sich weiterhin verhalten, aber robust. Nach einem guten Start ins Jahr trübte sich die Geschäftslage zwischen April und Juni im Zuge der Eskalation im Nahen Osten leicht ein. Zu Beginn des dritten Quartals hat sich das Bild jedoch wieder deutlich aufgehellt: Die Geschäftslage der Zürcher Unternehmen ist so positiv wie zuletzt Mitte 2023. Im gesamtschweizerischen Vergleich beurteilen die Zürcher Unternehmen ihre aktuelle Lage weiterhin leicht besser. Auch die Geschäftserwartungen haben sich verbessert. Das spricht für vorsichtigen Optimismus: Trotz hoher Unsicherheit zeigen sich die Zürcher Unternehmen anpassungsfähig, ohne die bestehenden Risiken auszublenden. In den ersten turbulenten Monaten konnten viele auf bestehende Lagerbestände zurückgreifen, statt Vorprodukte zu höheren Preisen einzukaufen, und zugleich ihre Lieferketten diversifizieren.
Wirtschaftsstruktur wirkt stabilisierend
Die Erholung zeigt sich inzwischen breiter über die Branchen hinweg. Besonders die Industrie hat zuletzt deutlich an Zuversicht gewonnen. Auch bei den Finanzdienstleistungen, im Grosshandel und bei den übrigen Dienstleistungen zeigen sich positive Tendenzen. Die Binnenbranchen Bau und Projektierung bleiben auf hohem Niveau stabil. Schwächer präsentieren sich dagegen das Gastgewerbe und der Detailhandel. Zu beachten ist hier allerdings, dass die Einschätzungen noch vor der neuerlichen Eskalation im Nahen Osten sowie dem Zoll-Entscheid aus Washington Ende Juli gemacht wurden – Entwicklungen, die besonders die Industrie abermals ausbremsen könnten.
Zürichs Wirtschaftsstruktur wirkt in der aktuellen Lage weiterhin stabilisierend und wachstumstreibend. Einerseits ist der Kanton weniger stark von Warenexporten und von der Industrie abhängig als die Gesamtschweiz. Das wirkt angesichts der handels- und geopolitischen Turbulenzen insgesamt stabilisierend, doch Zürich würde weniger stark profitieren, falls sich der Industrieaufschwung weiter beschleunigt. Andererseits weist Zürich einen deutlich höheren Anteil an Dienstleistungen auf. Da die Zürcher Dienstleistungsbranchen zuletzt wieder an Dynamik gewonnen haben und sich die inländischen Konsumausgaben stabil entwickeln, liefert dies positive Wachstumsimpulse. Unter dem Strich dürfte sich Zürich im zweiten Halbjahr daher ähnlich wie die Gesamtschweiz entwickeln. Unter Einbezug verschiedener Prognosen geht das Konjunkturboard für 2026 von einem moderaten BIP-Wachstum von real rund 1% im Kanton Zürich aus (Sportevent-bereinigt). Unbereinigt, also mit Sportevents, dürfte das Wachstum aufgrund der Wertschöpfung aus der FIFA-Fussballweltmeisterschaft näher an 2% zu liegen kommen. Die brüchige Waffenruhe im Nahen Osten und die US-Handelspolitik sind dabei wesentliche Risiko- und Unsicherheitsfaktoren.
Schwerpunkt Tourismus: Ausgabestarke Gäste fehlen
Eine Eintrübung ob der geopolitischen Spannungen im Nahen Osten zeigt sich derzeit im Tourismus und im Gastgewerbe. Die Tourismusregion Zürich verzeichnete im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 1,4% weniger Logiernächte als in der Vorjahresperiode. Nach einem positiven Jahresstart setzte ab März eine rückläufige Entwicklung ein. Während der Heimmarkt und europäische Nahmärkte stützend wirkten, akzentuierte sich der Rückgang insbesondere bei den internationalen Gästen aus Fernmärkten, die stark von Flugverbindungen über den Nahen Osten abhängig sind: Die Logiernächte aus dem Ausland lagen im ersten Halbjahr über 3% tiefer als in der Vorjahresperiode.
Die Logiernächte von Gästen aus Indien gingen im ersten Halbjahr um 28% zurück, jene aus Südostasien um 26% und jene aus den Golfstaaten um 14%. China verzeichnete ein Minus von 2%. Wirtschaftlich besonders relevant sind dabei die Rückgänge bei den Gästen aus den Golfstaaten und China, weil diese im Durchschnitt überdurchschnittlich hohe Tagesausgaben aufweisen.
Entwicklung Logiernächte
Gesamtschweizerisch war der Rückgang der Logiernächte mit 0,7% etwas verhaltener. Das liegt einerseits daran, dass Zürich strukturell etwas mehr ausländische Hotelübernachtungen verzeichnet (60%) als die gesamte Schweiz (50%). Zusätzlich ist Zürich gerade auch für ausländische Touristen aus Fernmärkten eine attraktive Destination, und bekommt auch wegen des Flughafens Zürich solche geopolitischen Unsicherheiten besonders zu spüren.
Die Auswirkungen reichen über die Hotellerie hinaus. In einer Befragung von Zürich Tourismus unter Betrieben aus Beherbergung, Gastronomie, Detailhandel und weiteren tourismusnahen Branchen berichteten 44% der teilnehmenden Unternehmen von einer rückläufigen Nachfrage gegenüber dem Vorjahr, 45% von einer stabilen und 10% von einer steigenden Nachfrage. Die schwierigeren Bedingungen zeigen sich denn auch nicht nur in der Geschäftslage des Gastgewerbes, sondern auch in jener des Detailhandels. Neben geopolitischen Unsicherheiten belasten der Anstieg der globalen Inflation, der starke Franken und das hohe Schweizer Preisniveau die Nachfrage aus dem Ausland.
Arbeitsmarkt: Zurückhaltung bei Neueinstellungen hält an
Auf dem Arbeitsmarkt zeigt sich weiterhin ein verhaltenes Bild. In der Schweiz dürfte die Arbeitslosigkeit vorerst auf erhöhtem Niveau verharren. Im Kanton Zürich hat sich die Arbeitslosenquote seit Mitte 2023 ähnlich entwickelt wie in der Gesamtschweiz. Aktuell liegt sie leicht tiefer. Gleichzeitig fiel das Beschäftigungswachstum im Kanton Zürich zuletzt schwach aus. Die KOF-Umfragen deuten auf einen erhöhten Druck bei den Finanzdienstleistern und dem Gastgewerbe hin. Typischerweise sind Ausschläge im Beschäftigungswachstum – nach unten und nach oben – in Zürich historisch gesehen markanter als in der Gesamtschweiz.
Trotzdem steigt die Arbeitslosenquote im Kanton Zürich nicht stärker als in der Gesamtschweiz. Mögliche Gründe für diese Divergenz könnten eine abnehmende Erwerbsquote sein sowie die Tatsache, dass viele Arbeitnehmende aus anderen Kantonen nach Zürich pendeln. Wird eine Stelle in Zürich abgebaut, schlägt sich das unter Umständen in der Arbeitslosenquote eines anderen Kantons nieder.
Trotz verhaltenem Optimismus bei der Geschäftslage bleiben die Unternehmen bei Neueinstellungen für die kommenden Monate noch zurückhaltend. Eine leichte Verbesserung ist zwar erkennbar, eine deutliche Belebung des Arbeitsmarkts zeichnet sich aber noch nicht ab. Die Einschätzung der Zürcher Unternehmen zur aktuellen Beschäftigung liegen dabei praktisch auf dem Niveau der Gesamtschweiz.
Ins Bild passt, dass sich der Arbeits- und Fachkräftemangel zuletzt weiter entspannt hat. Einzig in den Zürcher Bau- und Projektierungssektoren bleibt die Lage relativ akut, und bei Möglichkeit würde weiter jeder zweite Betrieb gerne zusätzliches qualifiziertes Personal einstellen.
Konjunkturboard Zürich
Das Konjunkturboard Zürich beurteilt halbjährlich die konjunkturelle Entwicklung des Kantons Zürich. Basis dafür bilden die regelmässigen Konjunkturumfragen in Zusammenarbeit mit der Konjunkturforschungsstelle (KOF Institut) der ETH Zürich.
Das Konjunkturboard Zürich setzt sich zusammen aus dem Amt für Wirtschaft des Kantons Zürich, der Zürcher Kantonalbank sowie der Zürcher Handelskammer. Diese breite Kombination bündelt verschiedene Kompetenzen und ermöglicht eine ganzheitliche sowie konsistente Einschätzung zur konjunkturellen Entwicklung im Kanton.
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Amt für Wirtschaft – Fachstelle Wirtschaftspolitik