Das Potenzial elektrischer Arbeits-
maschinen für den Klimaschutz
Mitteilung 10.03.2026
Kehrfahrzeuge auf den Strassen, Bagger auf Baustellen, Rasenmäher in der Landschaftspflege: Noch laufen die meisten dieser Arbeitsmaschinen mit Benzin oder Diesel. Doch elektrische Alternativen gewinnen an Bedeutung. Praxisbeispiele aus Kanton und Gemeinden zeigen, wo sich die Elektrifizierung bewährt und wo sie noch an Grenzen stösst.
Im Kanton Zürich sind rund 40’000 sogenannte Non-Road-Maschinen im Einsatz – mobile Geräte und Spezialfahrzeuge mit Verbrennungsmotor, die nicht für den Strassenverkehr bestimmt sind. Sie kommen auf Baustellen, in Landwirtschaft und Industrie sowie bei kommunalen Unterhaltsarbeiten zum Einsatz. Dabei verursachen sie Lärm und stossen CO₂ sowie Luftschadstoffe aus.
Eine im Auftrag des Amts für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL) durchgeführte Marktstudie untersuchte das Elektrifizierungspotenzial dieser Maschinen. Nach wie vor wird der Markt von Diesel- und Benzinmotoren dominiert. Der Anteil elektrischer Modelle wächst aber – besonders bei kleineren Maschinen wie Gabelstaplern oder kompakten Baugeräten. Technisch anspruchsvoller bleibt die Elektrifizierung grosser, mobiler Maschinen in der Land- und Forstwirtschaft. Noch bremsen hohe Anschaffungskosten, begrenzte Batteriekapazitäten und fehlende Ladeinfrastruktur die Entwicklung.
Die Szenarien der AWEL-Studie zeigen: Bis 2030 könnten die CO₂-Emissionen der Non-Road-Maschinen je nach Marktentwicklung um 2 bis 14 Prozent sinken, der Endenergieverbrauch um bis zu 9 Prozent. Noch deutlicher fällt der Rückgang bei den übrigen Luftschadstoffen aus – insbesondere bei Stickoxiden und Feinstaub.
Da die meisten Arbeitsmaschinen eine lange Nutzungsdauer haben, erfolgt die Bestandserneuerung nur schrittweise. Doch mit jeder elektrischen Neuanschaffung wächst der Anteil emissionsarmer Maschinen im Maschinenpark und damit das langfristige Reduktionspotenzial. Vom ersten Betriebstag an spürbar ist der Effekt für Mitarbeitende, Anwohnende sowie Passantinnen und Passanten: Sie sind weniger Lärm und Abgasen ausgesetzt.
Elektrifizierung in der Praxis
Beispiele aus Kanton und Gemeinden
Wo sich die Elektrifizierung im Arbeitsalltag bereits bewährt und wo die Entwicklung noch nicht ganz so weit ist, zeigen Beispiele aus Kanton und Gemeinden.
Fachstelle Naturschutz: Leiser mähen im Moor
Die kantonale Fachstelle Naturschutz pflegt Naturschutzflächen vor allem dort, wo es steil oder nass ist. Dafür kommen auch zwei Elektromäher mit Mähbalken zum Einsatz – einer seit rund einem Jahr, ein zweiter wurde kürzlich beschafft.
Die bisherigen Erfahrungen sind positiv, sagt Erich Horber, Betriebsleiter im Werkhof Pfäffikon: «Die Mäher können einen ganzen Arbeitstag ohne Akkuwechsel eingesetzt werden, und ihre Leistung ist mit jener herkömmlicher Modelle vergleichbar. Die Arbeit ist angenehmer, weil die Vibrationen geringer sind, deutlich weniger Lärm entsteht und keine Abgase anfallen. Für diesen Einsatzbereich überzeugt uns die Elektrifizierung.»
Auch bei Kleingeräten wie Freischneidern, Motorsägen oder Laubbläsern haben sich elektrische Modelle etabliert. Einige Beschaffungen erfolgten nach unverbindlichen Testeinsätzen.
Grenzen zeigen sich bei den speziell angefertigten, leichten Raupentransportern und -mähern: Die Elektro-Modelle sind deutlich schwerer – auf weichem Untergrund ein Nachteil. Zudem fehlt es im abgelegenen Gelände oft an Lademöglichkeiten und der tägliche Transport zur Ladestation ist zu aufwändig.
Strickhof: Elektro im Stall, Diesel auf dem Feld
Im Innenbetrieb des landwirtschaftlichen Ausbildungs- und Versuchsbetriebs Strickhof sind elektrische Lösungen seit Jahren etabliert. In den Stallungen und rund um den Hof übernehmen ein Elektro-Hubstapler die Logistik und ein elektrischer Hoflader die täglichen Stallarbeiten. «Die Technik ist aus der Industrie erprobt und entsprechend ausgereift», erklärt Christoph Jenni, Spartenleiter Tierhaltung und Mitglied der Geschäftsleitung.
Am Standort Wülflingen wird die Mutterkuhherde seit zwei Jahren vollständig elektrisch gefüttert. Seit Anfang 2026 stammt der Strom für die Batterieladungen aus der eigenen Photovoltaikanlage.
Bewährt hat sich zudem das Kleinlastfahrzeug eines bayrischen Start-ups. «Es eignet sich für kurze Fahrten rund um den Betrieb, aufs Feld und in den Wald. Und wir schätzen die einfache Handhabung und den 230-Volt-Anschluss für elektrische Geräte etwa auf dem Feld», so Jenni.
Anders präsentiert sich die Situation bei den schweren Maschinen auf dem Feld. «Dafür fehlen im Moment praxistaugliche Produkte. Es gibt verschiedene Entwicklungen, aber keine erfüllt bisher unsere Anforderungen», sagt Jenni. Gerade bei Erntearbeiten seien über viele Stunden hohe Leistungen gefragt: «Die dafür notwendigen Akkupakete sind noch zu schwer – ein Traktor wäre damit nicht mehr bodenschonend.»
Kantonales Tiefbauamt: Elektrisch kehren, fossil räumen
Elektrische Non-Road-Maschinen sind in der Anschaffung häufig teurer als konventionelle Varianten. Entsprechend prüft die kantonale Verwaltung jede Beschaffung sorgfältig. «Im Zentrum stehen die Erfüllung des Arbeitsauftrags und die Wirtschaftlichkeit – ergänzt durch das Kriterium Klimaschutz», sagt Jeannot Wagner, Leiter Fahrzeugdienst im Strasseninspektorat des Tiefbauamts und zuständig für die Beschaffung von Spezialfahrzeugen sowie Fahrzeugen über 3,5 Tonnen.
Jede kantonale Ausschreibung enthält inzwischen eine Option für alternative Antriebe. Wo Technik, Einsatzprofil und Infrastruktur passen, wird die Elektrifizierung umgesetzt. Bei spezialisierten Anwendungen hängt die Umstellung von der technischen Reife ab.
Im Tiefbauamt hat sich der elektrische Antrieb besonders bei kompakten, langsam fahrenden Maschinen bewährt. Von insgesamt 14 Kehrmaschinen sind bereits sieben batterieelektrisch unterwegs, weitere Beschaffungen sind geplant.
Einsätze mit langen Wegen, hohen Geschwindigkeiten oder grossen Nutzlasten – etwa im Winterdienst auf Autobahnen und Staatsstrassen oder bei schweren Spezialfahrzeugen – stellen hohe Anforderungen an Reichweite und Ladeinfrastruktur. Dort sind elektrische Lösungen für das kantonale Tiefbauamt derzeit noch nicht geeignet.
Stadt Zürich: Die E-Baustelle als Pilotprojekt
Die Stadt Zürich testet elektrische Baustellen mit dem Ziel, Treibhausgas- und Lärmemissionen zu senken und die Luftqualität zu verbessern. Die Grundlage wurde durch die Einführung des Vergabekriteriums Nachhaltigkeit geschaffen. Erste Erfahrungen konnten beim Umbau der Sporthalle Riedenhalden zu einem Betreuungsgebäude gesammelt werden.
Zum Einsatz kamen neben elektrischen Baumaschinen auch E-Transport-LKW sowie E-Fahrzeuge für das Baustellenpersonal. Die Ladeinfrastruktur wurde von Beginn an mitgeplant und durch ein spezialisiertes Unternehmen begleitet. Dank der leistungsfähigen Netzinfrastruktur konnte die Stromversorgung zuverlässig sichergestellt werden.
Die E-Baustelle wird von einer Studie der Hochschule Luzern begleitet, die der Frage nachgeht, wie Unternehmen bei der Elektrifizierung ihres Fuhrparks unterstützt werden können. «Heute lässt sich bereits sagen, dass im Pilotprojekt ein hoher Elektrifizierungsgrad erreicht werden konnte», erklärt Ursula Tschirren, Sprecherin des Amts für Hochbauten.
Probemessungen zeigten auch eine merkliche Lärmreduktion im Vergleich zu Fahrzeugen mit fossilen Verbrennungsmotoren. Für stadteigene Baustellen wird zudem ein Einsparpotenzial bei den CO₂-Emissionen von bis zu zehn Prozent erwartet. Auch bei Betrieb und Wartung rechnet die Stadt mit Effizienzgewinnen.
Herausforderungen bestehen weiterhin bei der Verfügbarkeit geeigneter Maschinen, bei Investitionskosten sowie bei infrastrukturellen Anforderungen. Während einige Bauunternehmen bereits Erfahrung mit elektrifizierten Baustellen haben, stehen andere noch am Anfang. Die Stadt Zürich setzt deshalb auf eine schrittweise Einführung und gezielten Wissensaufbau.
Gemeinde Bonstetten: Fuhrpark im Wandel
Das Beispiel von Bonstetten im Säuliamt zeigt, wie die schrittweise Elektrifizierung eines kommunalen Fuhrparks umgesetzt werden kann. Für die Werke sind inzwischen vier von sechs Fahrzeugen elektrisch unterwegs: der Bus der Wasserwerke, je ein kleines und ein grösseres Ladefahrzeug sowie der vor kurzem beschaffte E-Stapler. Auch im Unterhalt der gemeindeeigenen Liegenschaften sind mehrere Geräte und Fahrzeuge elektrifiziert – vom Kleintransportfahrzeug über das Reinigungsfahrzeug bis hin zu Elektrovelos und E-Trottinetts.
Für Pflege- und Betriebsarbeiten setzt Bonstetten konsequent auf batteriebetriebene Geräte wie Trimmer, Laubbläser und Kettensägen. Lediglich bei der Unkrautbekämpfung kommt weiterhin ein fossiler Heisswassergenerator zum Einsatz, da keine praxistaugliche elektrische Lösung verfügbar ist.
Im Alltag bewähren sich die Geräte: Einschränkungen durch die Batterielaufzeit wurden bisher keine festgestellt – auch nicht im Winter. Einzelne tragbare Modelle sind jedoch schwerer als ihre fossilen Pendants.
Noch nicht vollständig elektrifiziert sind einzelne Spezialfahrzeuge. Aktuell werden noch zwei Traktoren sowie ein Schmalspurfahrzeug fossil betrieben. Letzteres, weil bestehende Zusatzgeräte weiterverwendet werden sollen. Bei den Traktoren ist eine Ersatzanschaffung in Planung. Elektrische Alternativen sind teilweise verfügbar, das Angebot ist jedoch beschränkt und die Anschaffungskosten deutlich höher.
«Wir beobachten die Marktentwicklung und prüfen bei Beschaffungen konsequent elektrische Varianten», erklärt Gemeinderat Roger Schuhmacher, Vorsteher des Ressorts Liegenschaften, Umwelt und Energie.
Stadt Wallisellen: Road Map zur Dekarbonisierung des Fuhrparks
Die Stadt Wallisellen hat zur Dekarbonisierung ihres kommunalen Fuhrparks eine Roadmap erarbeitet. «Ziel ist es, die Fahrzeuge im Einklang mit den städtischen Klimazielen bis 2040 systematisch zu elektrifizieren», erklärt Christopher Lillo, Projektleiter Energie und Klima.
Grundlage des Konzepts bildete eine umfassende Analyse der technischen Machbarkeit, des Energieverbrauchs, der Emissionseinsparungen, der Lebenszykluskosten sowie des Bedarfs an Ladeinfrastruktur an drei Standorten.
Die Untersuchung bestätigt ein hohes CO₂-Einsparpotenzial bei den Kommunalfahrzeugen. Aktuell seien die Kosten pro vermiedener Tonne CO₂ – auch aufgrund höherer Anschaffungskosten – noch relativ hoch, weshalb Beschaffungsentscheide politische Abwägungen erforderten. Dennoch lohne sich der Umstieg bei mehreren Fahrzeugkategorien, wenn die gesamten Lebenszykluskosten sowie externe Effekte wie Lärmbelastung oder lokale Luftverschmutzung berücksichtigt würden.
Heute sind in der Stadt Wallisellen 20 von 47 Fahrzeugen elektrisch unterwegs – darunter Personenwagen und E-Bikes für Stadtpolizei und Unterhalt, mehrere Transport- und Nutzfahrzeuge, eine Kehrmaschine, ein Gabelstapler, ein Bagger sowie Fahrzeuge der Feuerwehr. Hinzu kommen elektrisch betriebene Balkenmäher, Rasenmäher, Kettensägen, Freischneider und Laubgeräte. «Sie bewähren sich im Einsatz und können auch im Winter mit konventionellen Modellen mithalten – bei entsprechender Batteriegrösse und Betriebsplanung», sagt Guido Maul, Bereichsleiter Unterhalt.
Was auf dem Markt noch fehlt, sind kleine, schmale Geräteträger für den Stadtunterhalt. Zudem kann der Ausbau von Netzanschlüssen, Ladeinfrastruktur und Energiemanagement erhebliche Investitionen erfordern – insbesondere bei Schnellladestationen.
Für einzelne Spezialfahrzeuge der Feuerwehr wie das Tanklöschfahrzeug rät das Konzept derzeit noch von einer Elektrifizierung ab. Verfügbare Modelle seien entweder teuer oder technisch noch nicht ausgereift.
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Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft – Sektion Klima und Mobilität