Warum Frauen weniger verdienen als Männer
Mitteilung 07.07.2026
Frauen verdienen im Mittel weniger als Männer – bei einem vollen Pensum etwa 1’000 Franken pro Monat. Unter anderem liegt das daran, dass Frauen in anderen Berufen, Branchen und Positionen arbeiten als Männer. Aber auch Kinder spielen eine wichtige Rolle.
Frauen verdienen zwölf Prozent weniger
Frauen verdienen im Mittel weniger als Männer. Das gilt auch dann, wenn alle Löhne auf eine Vollzeitstelle umgerechnet werden. Diese sogenannte Standardisierung ist wichtig, weil Frauen häufiger Teilzeit arbeiten als Männer.
Im Kanton Zürich lag der standardisierte Medianlohn der Männer im Jahr 2024 bei 7’940 Franken pro Monat. Das bedeutet, die Hälfte der Männer verdiente mehr, die andere Hälfte weniger. Der standardisierte Medianlohn der Frauen lag hingegen bei 6'970 Franken pro Monat und damit 970 Franken tiefer als jener der Männer.
Medianlöhne und Lohnunterschied
Standardisierter Bruttomonatslohn, Kanton Zürich 2024
Gemessen am Medianlohn der Männer entsprechen 970 Franken einem Lohnunterschied von 12 Prozent. Zehn Jahre zuvor lag der Unterschied noch bei 16 Prozent. Er ist also rückläufig.
Schaut man auf die ganze Schweiz, beträgt der Lohnunterschied 8 Prozent. Im Kanton Zürich ist er somit etwas grösser.
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Beim standardisierten Bruttomonatslohn sind unterschiedliche Arbeitspensen und Anstellungsbedingungen herausgerechnet. Er gilt für eine Vollzeitstelle mit 40 Stunden Arbeitszeit pro Woche und zwölf Lohnzahlungen pro Jahr. Sozialabgaben sind nicht abgezogen. Auch Schicht-, Sonntags- und Nachtzulagen sind enthalten, nicht aber Überstundenvergütungen. Unregelmässige Leistungen wie etwa ein 13. Monatslohn oder ein Bonus sind anteilsmässig berücksichtigt.
Generell grosse Lohnunterschiede
Nicht nur zwischen Frauen und Männern, sondern ganz generell gibt es grosse Unterschiede bei den Löhnen. Wie viel Lohn jemand erhält, hängt dabei von vielen Faktoren ab. Besonders wichtig sind die Ausbildung und die Position innerhalb des Unternehmens. Je länger die Ausbildung und je höher die Position, desto grösser ist in der Regel der Lohn.
Auf allen Ausbildungsstufen und Positionen liegen die Medianlöhne der Frauen unter jenen der Männer. Das liegt zu grossen Teilen daran, dass neben Ausbildung und Position auch der Beruf, die Berufserfahrung, die Branche und die Grösse des Unternehmens den Lohn beeinflussen.
Medianlohn nach Ausbildung und Position
Standardisierter Bruttomonatslohn, Kanton Zürich 2024
Berufe, Branchen und Positionen prägen den Lohnunterschied
Die erwerbstätigen Frauen und Männer im Kanton Zürich unterscheiden sich in vielem, was den Lohn beeinflusst. Beispielsweise arbeiten im Gesundheitswesen deutlich mehr Frauen als Männer, in der IT-Branche sind hingegen viel mehr Männer als Frauen tätig. Die Löhne in der IT sind im Mittel aber höher als im Gesundheitswesen.
Auf solche und ähnliche Unterschiede gehen etwa zwei Drittel des Lohnunterschieds zwischen Frauen und Männern zurück. Man spricht auch vom «erklärten Lohnunterschied», weil er mit den beruflichen Situationen zusammenhängt, vor allem mit Berufen, Branchen und Positionen.
Medianlöhne und Anteile von Männern und Frauen in den grössten Branchen
Standardisierter Bruttomonatslohn (Kanton Zürich 2024) und Beschäftigungsanteile (Kanton Zürich 2023)
Das Arbeitspensum wirkt – bei ansonsten gleichem Jobprofil – nur wenig auf den Lohn. Allerdings kann Teilzeitarbeit die Karriere und damit auch die Lohnentwicklung bremsen.
Gesellschaftliche Normen ebenfalls bedeutsam
Während etwa zwei Drittel des Lohnunterschieds zwischen Männern und Frauen auf unterschiedliche berufliche Situationen zurückgeführt werden können, lässt sich etwa ein Drittel nicht erklären. Dieser Anteil des Lohnunterschieds ist somit durch gesellschaftliche und wirtschaftliche Gegebenheiten bedingt, die sich mit Statistik schlecht erfassen lassen.
Forschung aus dem Ausland zeigt zum Beispiel: Bei der Stellensuche legen Frauen oft weniger Wert auf den Lohn als Männer. Vor allem für Frauen mit Kindern sind kurze Arbeitswege und flexible Arbeitszeiten häufig wichtiger als ein hoher Lohn. Bei der Personalsuche rekrutieren vor allem Unternehmen, die besonders hohe Löhne bezahlen, häufiger Männer als Frauen. Und nach der Anstellung übernehmen Männer oft besser bezahlten Aufgaben und/oder setzen eher Lohnerhöhungen durch.
Diese Zusammenhänge dürften auch hierzulande als ein Aspekt unter weiteren zu den Lohnunterschieden zwischen Männern und Frauen beitragen.
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Morin Stacey L. (2025). The Gender Pay Gap: A Persistent Socioeconomic Challenge. SocioEconomic Challenges, 9(1), 162-174.
Forth John, Theodoropoulos Nikolaos (2023): Employers and the gender wage gap. IZA World of Labor 2023: 51.
Redmond Paul, McGuiness Seamus (2017): The Gender Wage Gap in Europe: Job Preferences, Gender Convergence and Distributional Effects. IZA Discussion Paper Series No. 10933.
Auch Kinder spielen eine Rolle
Die Forschung zeigt, Kinder sind ein weiterer wichtiger Grund für den Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern.
Mütter übernehmen häufig einen grösseren Teil der Familienarbeit, reduzieren ihr Pensum stärker und machen dadurch oft nicht dieselben Karriereschritte wie Väter. Gleichzeitig können Elternpflichten bei Anstellungen, Beförderungen und Lohnverhandlungen eine Rolle spielen, besonders für Mütter.
In den Lohndaten ist nicht erfasst, ob jemand Kinder hat. Bekannt ist nur der Zivilstand. Hier zeigt sich, die Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen sind bei verheirateten Personen grösser als bei ledigen. Dies dürfte auch mit Elternschaft zusammenhängen. Zum einen leben verheiratete Personen deutlich häufiger mit Kindern zusammen als ledige, auch wenn der Anteil unverheirateter Eltern zugenommen hat. Zum anderen kommt es bei Verheirateten öfter vor als bei Unverheirateten, dass eine Person (zeitweise) nicht arbeitet, was später zu einem geringeren Verdienst führen kann.
Medianlöhne nach Alter und Zivilstand
Standardisierter Bruttomonatslohn geglättet, Kanton Zürich 2024
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Rund 75 Prozent aller Familienhaushalte im Kanton Zürich bestehen aus verheirateten Paaren mit Kindern. Fünfzehn Prozent sind Alleinerziehende, zehn Prozent unverheiratete Paare mit Kindern. Gleichzeitig leben deutlich mehr verheiratete Personen mit Kindern zusammen als ledige.
Severin Bischoff, Tabea Kaderli, Jürg Guggisberg und Lena Liechti (2023): Wirtschaftliche Situation von Familien: Geburt als Weichenstellung, in Soziale Sicherheit CHSS (Link zum Webartikel)
Landais Camille, Lundborg Petter, Pazem Tatiane, Plug Erik and Vikstrom Johan (2026): Gender Without Children.
Daten und Methoden
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Mit der Lohnstrukturerhebung (LSE) erfasst das Bundesamt für Statistik (BFS) alle zwei Jahre die Löhne der Angestellten im Produktions- und Dienstleistungssektor der Schweiz. Nicht Teil der LSE sind dagegen die Einkommen im Primärsektor (Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei) sowie die Einkünfte von Selbständigerwerbenden. Zum Kanton Zürich zählen Angestellte von Unternehmen, deren Belegschaft mehrheitlich im Kanton Zürich arbeitet.
Link: Details zur LSE
Mit der Statistik der Unternehmensstruktur (STATENT) liefert das Bundesamt für Statistik (BFS) Informationen zu Unternehmen, Betrieben und Beschäftigten. Zum Kanton Zürich zählen Beschäftigte, die in einem Betrieb im Kanton Zürich arbeiten oder selbständig erwerbend sind.
Link: Details zur STATENT
Mit der Strukturerhebung erfasst das Bundesamt für Statistik (BFS), wie die Haushalte in der Schweiz zusammengesetzt sind.
Link: Haushalte und Lebensformen | Bundesamt für Statistik - BFS
Bei der Schätzung des erklärten Lohnunterschieds wird ermittelt, welcher Teil des Lohnunterschieds auf unterschiedliche Erwerbsarbeit und unterschiedliche berufliche Situationen zurückgeführt werden kann.
Als Datengrundlage dient die LSE. Bei der Schätzung werden die folgenden Merkmale berücksichtigt: Alter (bis 24, 25–34, 35–49, 50+), Nationalität (CH oder C-Bewilligung, Andere), Ausbildung (Kein anerkannter Abschluss, Berufsbildung / Maturität, Höhere Berufsbildung, Fachhochschule / Hochschule), Beruf (acht Kategorien), Berufliche Stellung (ohne Kaderfunktion, unterstes Kader, unteres Kader, mittleres Kader, oberes Kader), Pensum (Vollzeit ab 90 Prozent, Teilzeit unter 90 Prozent), Befristet (ja, nein), Sonderzahlung wie z.B. Boni (ja, nein), Sektor (Privatwirtschaft, öffentliche Hand), Branche (Wirtschaftsabschnitte, 18 Kategorien), Unternehmensgrösse (3–19, 20–249, 250+). Das verwendete Verfahren schätzt zuerst den Lohnunterschied, der zwischen Frauen und Männern bestehen würde, wenn keine Geschlechterunterschiede bei den lohnrelevanten Eigenschaften – soweit erfasst – vorlägen. Dies erfolgt mit einem Gewichtungsverfahren. Zuerst werden alle Personen, die in den Lohndaten enthalten sind, aufgrund ihrer lohnrelevanten Eigenschaften in Gruppen eingeteilt. Gruppen, die nur Männer oder nur Frauen enthalten, werden nicht weiter betrachtet, weil innerhalb dieser Gruppen keine Geschlechtervergleiche möglich sind. Alle anderen Personen (Personen im «common support») erhalten Gewichtungsfaktoren, mit denen sich die lohnrelevanten Eigenschaften von Männern und Frauen angleichen lassen. So kann der Lohnunterschied geschätzt werden, der nicht durch strukturelle Unterschiede zwischen Frauen und Männern bedingt ist (unerklärter Lohnunterschied). Kennt man diesen, lässt sich auch der erklärte Lohnunterschied berechnen.
Weitere Informationen finden sich auf https://github.com/gibonet/decr.
Die Ursachen der Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern müssen in Bezug auf den Zivilstand vertieft über alle Altersstufen untersucht werden. Bericht des Bundesrates in Erfüllung des Postulates 22.4500 Dobler vom 16.12.2022 (Link)
Bischof, Severin; Kaderli, Tabea; Guggisberg, Jürg; Liechti Lena (2023). Die wirtschaftliche Situation von Familien in der Schweiz. Die Bedeutung von Geburten sowie Trennungen und Scheidungen; Studie im Auftrag des BSV. Beiträge zur Sozialen Sicherheit. Forschungsbericht Nr. 1/23.
Kleven Henrik, Landais Camille, Posch Johanna; Steinhauer Andreas and Zweimüller Josef (2019): Child penalties across countries: Evidence and explanations. American Economic Association Papers and Proceedings, 109:122–12.
Oesch Daniel, Lipps Oliver and McDonald Patrick (2017): The wage penalty for motherhood: Evidence on discrimination form panel data and a survey experiment for Switzerland. Demographic Research, volume 37, article 56, pages 1793-1824, December 2017.
Schrenker Annekatrin, Wrohlich Katharina (2022): Der Gender Pay Gap ist in den letzten 30 Jahren fast nur bei Jüngeren gesunken. DIW Wochenbericht Nr. 9 2022, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung.